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Stirb langsam

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Willis vs Rickman, Round I

Stirb langsam Kritik

Stirb langsam Kritik
7 Kommentare - 10.02.2021 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Stirb langsam" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Lange Zeit einer meiner absoluten Lieblingsfilme, und immer in den Listen der besten Actionfilme aller Zeiten vertreten, ja sogar in den Listen der besten Filme aller Zeiten, zudem ein absoluter Weihnachtsklassiker heutzutage, was liegt also näher für die derzeit stattfindende 1980er Abstimmung auch mal diesen egendären Klassiker zu besprechen?

John McLane kommt nach LA, um mit seiner in Trennung lebenden Familie Weihnachten zu verbringen. Er möchte seine Frau, welche eine Top-Managerin in einer japanischen Firma ist, direkt von der Weihnachtsfeier im firmeneigenen Hochhaus abholen und zu den Kindern fahren. Doch während sich John im Waschraum frisch macht, greift eine schwerbewaffnete Gruppe international zusammen gewürfelter Männer das Hochhaus an und nimmt die Weihnachtsgesellschaft als Geisel, John kann mit Müh und Not (und ohne Schuhe) entkommen und ist künftig auf sich alleine gestellt. Zu allem Überfluss sammeln sich draussen Polizisten und FBI und verkomplizieren die Lage, da man John nicht für ernst nimmt oder als störend empfindet.

Das ist der Prototyp des Normalo Einzelkämpfer in auswegloser Geiselsituation Filmes, welche danach in zig Variationen durchgespielt wurde, sei es im Eisstadion, im Flugzeug, im Bus usw. Und er ist nach wie vor der beste Beitrag zu diesem Thema. Das liegt zum einen daran, dass mit Bruce Willis zu dem Zeitpunkt ein einfacher Normalo des Helden übernimmt. Er war damals eher als smarter Schnösel in das Model und der Schnüffler aufgefallen und galt ganz sicher nicht als Actionheld. Ausserdem kam er just in dem Moment auf den Bildschirm als solche Mannsbilder wie Schwarzenegger, Stallone, Norris, mit Abstrichen van Demme ihren Muskeln taten folgen liessen. Und hier haben wir den einigermassen normalen Familienvater (der zufälligerweise Polizist ist), der sich in einer Situation wiederfindet, die ihm eigentlich komplett über den Kopf wächst. Eigentlich hat er keine Chance.

Und das macht der Film durchaus deutlich, man weiss, dass er es bis zum Ende durchhalten wird, aber irgendwie weiss man nicht recht, ob er es auch überleben wird. Und diese Spannung gelingt es dem Film durchaus bis zum Ende aufrecht zu erhalten. Was bei einem im Prinzip recht einfachen Action-Reisser Marke Hollywood schon einem kleinen Wunder gleich kommt.

Hinzu kommt, dass mit Alan Rickman der wohl charismatischste und beste Hollywooddarsteller für Bösewichtsrollen der späten 1980er und frühen 1990er eine große Antagonsiten-Show starten darf, welche Bruce Willis Charakter durchaus auf Augenhöhe zu begegnen in der Lage ist. Und im Prinzip durchleben beide Parteien eine Achterbahn der Gefühle und beiden entgleitet die Situation immer wieder, bis es am ende tatsächlich Auge um Auge heisst. So einen Bösewicht oder Gegner hatte seither kaum mehr ein Superstar in einem Action-Film, außer vielleicht noch Kevin Costner als Robin Hood, hmm da war doch was. ;-)

Der Regisseur John McTiernan erschafft hier einen rasanten Actionklassiker und macht seinem Ruf, der beste Hollywoodactionregisseur seiner Zeit zu sein, alle Ehre. Mit Predator erschuf er etwa zeitgleich ein weiteres Franchise, welches im ersten Film auch ganz große Klasse ist, und auch durchaus ambivalent aufgenommen werden darf. Immer wieder durchbricht McTiernan gewohnte Sehmuster und untergräbt Erwartungshaltungen, so auch hier, wenn etwa die beiden Brothers of another Mother FBI Agenten daherkommen und eigentlich nur als Witzfiguren herhalten dürfen und am Ende sogar mehr eine Katastrophe in Gang setzen als den Tag zu retten. Oder wenn ein sensationsgeiler Reporter die Ehefrau des Helden in arge Bedrängnis bringt. Der Film erzählt neben seiner obligaten Einzelkämpferstory halt auch noch mehrere kleine Nebengeschichten, die ein ganzes Großes zusammenbringen.

Der Film kommt wie eine absolute Frischzellenkur gegenüber den festgefahrenen Starvehikeln jener Tage rüber und man könnte ewig so weiter lobhudeln, was auch völlig gerechtfertigt wäre. Aber wenn ich nicht einmal bei so einem Film wie dem hier auf höchstem Niveau meckern darf, wo dann?

Erstens einmal ist das prinzip des Einzelkämpfers eben keine Neuigkeit, und das weiss sowohl das Drehbuch, als auch der regisseur und sogar die Figuren im Film wissen das. Sie spielen sogar mit diesem Wissen ein Meta-Spiel und das berühmteste Zitat kommt ja nicht von ungefähr: Der lonesome Cowboy. Vor allem Gary Cooper hat diese Archetype in Hollywood stark bedient, und spätestens mit dem Spaghetti Western um Eastwood und Nero (der übrigens einen starken Auftritt im zweiten Teil hat, wenn das mal kein System hat!) ist es salonfähig. Der abgehalfterte Cop, der nochmal gegen einen übermächtigen Gegner zu Hochform aufläuft? Auch hier muss man nicht weit suchen, mit beispielsweise Eastwood in der Mann, der niemals aufgibt (auf Englisch schlicht The Gauntlet) haben wir sogar den Fall des hoffnungslosen Falles, da er gegen das gesamt korrupte Polizeisystem (das sind alles nur Einzelfälle) als abgehalfteter Cop antreten muss und ebenso eigentlich keinerlei Chance hat. Und schliesslich haben wir auch den normalo Ehemann, der körperlich komplett an seine Grenzen gehen muss, da die Situation es von ihm verlangt, wie beispielsweise der sehr fragwürdige und auch heute noch sehr überragende Ein Mann sieht rot (da können alle Remakes und Ehrerbietungen auch heute noch nicht mithalten). Doch nach etwa einem Jahrzehnt perfekt durchtrainierter asexueller Muskelmänner, wo man sich in den Filmen teilweise fragt, wo da deren Kinder herkommen, kommt Otto Normalo daher und rockt den Saal.

Aha, das ist also die ganze Kritik? Dass es nicht alles neu ist? Soso, schwach ganz schwach ;-p

Okay, dann auf die harte Tour (übrigens ein wirklich mehr als brauchbarer Film): Der Film, so klasse er ist, ist leider nicht ganz so gut gealtert, wie man es nostalgisch verklärt gerne hätte, er ist immer noch ungemein gut, und man zittert mit John McCLane mit, doch so richtig richtig mit geht man dann doch nicht mehr. Vielleicht liegt es daran, dass man mittlerweile zig dieser Filme kennt, und daher all die Tropen kennt, vielleicht liegt es daran, dass man weiss, dass es ein Happy End gibt, schliesslich gibt es genug Fortsetzungen. Vielleicht ist die filmische Entwicklung deutlich weiter gegangen. Wer weiss.

Aber das ist dann auch der Grund, warum dem Film dann doch die höchste Ehre verwehrt bleibt. Wenn es einen Film aus jener Zeit (ungefähr) gibt, dem ich in diesem genre die 10 Punkte geben würde, dann eher Face/Off, und das obwohl der Film deutlich mehr Kritikansatzflächen hergibt. Dafür drückt er einen aber nach wie vor komplett in den Sessel.

Dennoch absoluter Topfilm.

Stirb langsam Bewertung
Bewertung des Films
910
DVD & Blu-ray

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7 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
22.02.2021 19:20 Uhr
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Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.290 | Reviews: 158 | Hüte: 485

Kothiga

Danke für den Hut smile

Kurz noch zu McTiernan: Der ist dann ja abseits ziemlich auffällig geworden mit illegalen Überwachungen und so...

Dünyayi Kurtaran Adam
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Kothoga : : Moviejones-Fan
20.02.2021 09:38 Uhr
0
Dabei seit: 05.03.17 | Posts: 778 | Reviews: 0 | Hüte: 20

McTiernan hat mit "Predator" und "Stirb langsam" zwei tolle Action-Klassiker geschaffen, mit denen er schlichtweg neue Maßstäbe gesetzt und sein Schaffen dann selbst noch mit "Last Action Hero" total auf die Schippe genommen hat. Ich würde auch noch "Der 13. Krieger" mit reinnehmen, wo er Ende der 90er nochmal seine ganze Klasse aufblitzen lässt, bevor es um ihn ruhiger wird!

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MobyDick : : Moviejones-Fan
11.02.2021 12:30 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.290 | Reviews: 158 | Hüte: 485

RonZo

None taken wink

Nochmal kurz zu meiner filmischen Sozialisation: ich bin irgendwie mit Eastwood, Cooper, McQueen, Belmondo, Delon, Dean Martin usw aufgewachsen, ohne dass ich anfangs da eine Unterteilung zwischen den Jahrzehnten hatte, sondern nur wusste, was mir gefällt und was nicht. Als ich dann größer wurde und die Filme dann selber aussuchen konnte, oder selbst ins Kino ging und die Filme meiner Altersgenossen sah, war ich irgendwie zumeist sehr enttäuscht: Filme wie E.T., Star Wars und so weiter wusste ich, dass sie gerade alle in sind, konnte aber nicht so richtig was mit anfangen, da schon eher ein Indiana Jones oder die mit Abstrichen Goonies. daher habe ich auch so einige Probleme mit den ganzen 80er Action Filmen, es gibt kaum Filme von den zig Arnie und Sly Filmen, die ich für voll nehmen kann, ich erinnere mich, dass ich Rambo 2 damals schon als lächerliche guilty pleasure farce wahrgenommen habe als einen ernst zu nehmenden Film, der es mit einem Hill, Peckingpah, Leone oder Verneuil oder gar einem Bruce Lee oder Jackie Chan hätte aufnehmen können. Selbst bei Tango und Cash konnte ich sofort die Bus-Szene im Original zu Jackie Chan verorten, und dort war es auch noch besser in Szene gesetzt. Will jetzt nicht sagen, dass ich meiner Zeit voraus war oder sonstwas, sondern halt eine etwas andere Herangehensweise an das Medium hatte als man es heutzutage bei Kindern betreiben mag. Unabhängig davon habe ich sehr lange beispielsweise Pippi Langstrumpf und Michel immer wieder geschaut und für sehr gut befunden... wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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RonZo : : Last Jedi
10.02.2021 15:16 Uhr
0
Dabei seit: 07.11.14 | Posts: 1.052 | Reviews: 4 | Hüte: 72

@MobyDick

Der Lehr-/Herrenjahre Vergleich bezieht sich auf Deine filmische Sozialisation? Dann verstehe ich was Du meinst...

Zu Woo: Mein Ausspruch das er eine Klasse für sich ist bezieht sich dann schon auf McTiernan. Der Mann hat Predator, Die Hard (1 & 3) und Last Action Hero gemacht... Aber sonst? Okay - Jagd Auf Roter Oktober. Und sein Rollerball Remake find ich (als Slipknot-Fan) immer noch sau geil. Der Rest sind aber alles Filme die man kennt aber nicht unbedingt feiert (geht zumindest mir so). Der Mann hat in seiner Vita 11 Streifen. John Woo über 40...

Aber Du hast Recht wenn Du sagst eine Diskussion über Woo & Co. HK-Actioner und deren Einfluss auf Hollywood würde den Rahmen sprengen.

In disem Sinne: No Offence

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MobyDick : : Moviejones-Fan
10.02.2021 13:40 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.290 | Reviews: 158 | Hüte: 485

Ronzo

erstmal danke für den Hut :-)

Mit der zeitlichen Einordnung hast du natürlich absolut recht, mir ging es nur darum, dass wenn es einen nostalgisch verklärten Actioner aus Hollywood jener Zeit für mich gibt, dann eher Face Off. Und mit jener Zeit meine ich meine Lehrjahre, nicht die Herrenjahre, und nicht irgendein spezielles Jahrzehnt oder sowas wink

Zu Woo: Ja und Nein. Das würde hier den Rahmen sprengen, und ich persönlich bin ja der Meinung, dass ausgerechnet A Better Tomorrow 2 sein bester HK Actioner ist, aber da ist auch nicht alles Gold was glänzt, und generell finde ich ihn teilweise arg überbewertet und seine Hong Kong Land- und Zeitgenossen dann teilweise unfairerweise vernachlässigt. Mal sehen, vielleicht widme ich dem Typen mal eine kleine Retrospektive, nachdem ich so manche ernsteren Themen angegangen war ?

Dünyayi Kurtaran Adam
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RonZo : : Last Jedi
10.02.2021 11:58 Uhr | Editiert am 10.02.2021 - 12:01 Uhr
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Dabei seit: 07.11.14 | Posts: 1.052 | Reviews: 4 | Hüte: 72

Schön geschrieben. Aber nur mal so: Face Off ist von 1997. Also ungefähr ne Dekade jünger als Die Hard... Da find ich ich persönlich das der Vergleich der beiden Filme doch etwas hinkt (gerade auch weil Woo im Action-Bereich nochmal ne Klasse für sich ist).

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MobyDick : : Moviejones-Fan
10.02.2021 10:52 Uhr
2
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.290 | Reviews: 158 | Hüte: 485

So, here we go, 80s reviews continue :-D

Dünyayi Kurtaran Adam
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