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Stirb langsam

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Stirb langsam Kritik

Stirb langsam Kritik

Stirb langsam Kritik
0 Kommentare - 02.03.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Stirb langsam" ist.
Stirb langsam

Bewertung: 4 / 5

Der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) muss schnellstmöglich nach Los Angeles, um Weihnachten mit seiner Noch-Ehefrau Holly (Bonnie Bedelia) und seinen Kindern zu feiern. Im Nakatomi Plaza während der Feierlichkeiten kommt es zu einem Zwischenfall als eine Gruppe Terroristen das Hochhaus, in dem sich McClane und seine Frau nun aufhalten, stürmt. Die Gruppe, angeführt von Hans Gruber (Alan Rickman), versucht einen Geiselaustausch durchzuführen und glaubt an einen reibungslosen Ablauf. Doch McClane, der nicht auf ihrem Radar war, macht ihnen das Leben schwer.

Ein Mann in einem Unterhemd, nicht schmächtig, aber sicherlich auch kein großer Titan wie Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone. Es ist Ende der 1980er Jahre, der Kalte Krieg neigt sich dem Ende zu und all die stählernen Über-Menschen, geboren in Rambo II – Der Auftrag (1985) und Red Heat (1988) werden nicht mehr gebraucht. Zunehmend werden sie als lächerlich empfunden und können sich in den 1990er durch analytische, wie intelligente Filme retten. Die Titanen sind fort, lang lebe der Mensch! Das ist das Kernelement von Stirb langsam. Ein einfacher Mann, in einem eher einfachen Job, nicht übermäßig Muskelbepackt und nicht in jeder Situation Herr der Lage. Daß ist Bruce Willis, der später, auch ob des Unterhemds zum Held der Arbeiterklasse klassifiziert wird. Und da stellt sich die Frage, ob Bruce Willis mehr Marke oder mehr Charakter ist. Die Frage ist auch, ob eine einfache Antithese ausreicht, um wirklich intelligentes Kino zu sein. Nun, ersteres ist sicherlich irgendwo eine interessante Frage, denn in Stirb langsam geht es ja nicht darum, wer Bruce Willis ist, sondern wen er spielt. Allgemein ist die Bildung einer Marke auch nur denjenigen wichtig, die ansonsten Künstler nicht mehr in ihrer Diversität zu betrachten wissen. Die andere Frage ist mit einem Ja zu beantworten. Stirb langsam ist in jedem Belang intelligent. Aber es ist eben auch kein Film, der einfach nur eine Antithese darstellt.

Zugegeben, mitunter wirkt der Film schon langatmig, weil er auch nicht über das ein oder andere, dem Hauptcharakter begegnende Täuschungsmanöver hinwegkommt. Auch ist John McClane im besten Sinne konservativ, weil der Film ja auf einer Meta-Ebene davon handelt, daß die Figur letzten Ende ihre Ehe retten muss. Etwas, mit dem man ebenso ganz einfach die konservative, breite Masse abholen kann. Unterdessen entbrennt ja die Debatte darum, ob sich Stirb langsam auch als Weihnachtsfilm eignet. Nun, Weihnachtsfilme sind ja im Prinzip Filme, die auch etwas mit Weihnachten zu tun haben müssen. Besonders wenn die Feiertage irgendeinen Einfluss auf die Geschichte haben, dann spricht man wohl vom Sub-Genre des Weihnachtsfilms. Dieser Umstand ist in Stirb langsam eigentlich nicht gegeben. Zwar ist klar, daß der Film zur besinnlichen Zeit angesiedelt ist. Aber mehr passiert da auch nicht. Weder als kompletter Weihnachtsfilm, noch als Kommerz-Kritik oder Kritik an den allgemeinen Nuancen jener Tage taugt Stirb langsam wirklich. Es ist im Prinzip ein Mann, der in eine für ihn ausweglose Situation geworfen wird und dort irgendwie mit Glück und Finesse zu überleben versucht. Denn was man dem Film vor allem zugutehalten muss, ist daß er intelligente und auf Augenhöhe agierende Figuren zeichnet. Sie bekriegen sich letzten Endes psychologisch und mitunter wirkt das sogar ein wenig wie Heat (1995), wenn sich Gruber und McClane das erste Mal treffen.

Seinen Reiz zieht der Film aus seiner minimalistischen Spannung. Ein recht überschaubares Gelände, fast schon ein Kammerspiel wird hier geboten. Natürlich ist ein Wolkenkratzer alles andere als klein, dennoch gelingt es McTiernan hier eine sehr intime Atmosphäre zu schaffen, in der vor allem das Gefühl entsteht, es könnte der Hauptfigur bald an den Kragen gehen. Bedingt durch die limitierte Möglichkeit zur Flucht, aber ebenso limitierte Möglichkeit zu kämpfen, liefert Stirb langsam immer wieder die Frage, ob der Mensch einer einzelnen Übermacht gegenübertreten kann, ohne zu verlieren. Das unterscheidet den Film eben von genannten Titanen, die keinerlei Schwächen kennen und maximal durch ihren Ballast – also Menschen, die sie leben – besiegt werden können. Gut, in der Hinsicht unterscheidet sich Stirb langsam wohl kaum von anderen Vertretern und liefert indes auch nicht wirklich eine feministische Botschaft. Doch das ist eben auch kein Film, der rein vom Geschlechterkampf handelt. Im Gegenteil. Er spielt keinerlei Rolle. Interessant ist dabei auch, daß McClane am laufenden Band mit Western-Schauspielern wie Gary Cooper oder John Wayne verglichen wird. Auch ihre Filme handeln von Männern der Tat, die auch eher schmächtiger, oder ungewöhnlicher Natur waren. Damit wird natürlich die Figur auch so ein wenig Teil eines Amüsement, nach welchem sich über das scheinbar nicht ganz nachvollziehbare Handeln lustig gemacht wird. Hier trifft der intellektuelle Verwalter, in Form von Hans Gruber, als den Helden der Arbeiterklasse, der immer zur Tat schreitet. Somit formuliert der Film auch ganz subtil den Kampf zwischen verschiedenen Gesellschaftssichten aus. Auffallend ist das vor allem auch dann, wenn sich McClane weigert mit dem LAPD-Deputy-Chief zu reden und stattdessen den scheinbar gewöhnlichen Streifenpolizisten als Kontaktmann wählt.

Auch seine Freundschaft zu einem Limousinen-Fahrer wird immer wieder Teil der Geschichte. In dessen Charakter lässt sich auch der naive Traum vom Aufstieg im Kapitalismus ableiten. Unterdessen geht es im Film auch immer wieder um technische Innovationen. Ein schier undurchdringbarer Safe, Computer, japanische Geschäftsleute, deren Land eben für Innovationen bis heute steht. Es schwingt immer wieder mit. Auch in der Kontrolle von Fahrstühlen, oder Funkgeräten. Die Rolle der Technik in Stirb langsam ist eben keineswegs klein. Dabei fällt auf, daß der Film durchaus als Vorreiter, oder warnendes Beispiel fungiert. Indem er eben die grenzenlosen Möglichkeiten der Überwachung – wenngleich auch eher marginal – und Kommunikation herausarbeitet. Das ist eben nicht einfach nur da, sondern klar auch ein Statement.

Ob Weihnachtsklassiker oder Actionfilm, Stirb langsam ist ein großartiger Film. Hochintelligent, zerlegt er das Macho-Kino und stellt intelligente Fragen an die Zukunft. Ebenso hat er ein Herz für die Arbeiterklasse und lobt ihren Idealismus. Großartig gespielt in einem Duell auf Augenhöhe, gehört er zu den wichtigen Filmen der späten 1980er Jahre.

Stirb langsam Bewertung
Bewertung des Films
810

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