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Terminal

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Terminal Kritik

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Terminal Kritik
0 Kommentare - 12.01.2023 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Terminal" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Der Reisende Victor Navorski (Tom Hanks) kommt an den Flughafen von New York, als in seiner Heimat ein Putsch ausbricht. Die Weltgemeinschaft erkennt den neuen Despoten nicht an und so ist Navorski quasi heimatlos. Von nun an muss er für eine unbestimmte Zeit am Flughafen leben, doch dadurch wird er zum Dorn im Auge von den Behörden und des Grenzschutzbeamten Frank Dixon (Stanley Tucci).

Eine Reise in ein fremdes Land ist sicherlich ein Unterfangen, was man gut durchplanen muss und dann irgendwann eine gewisse Routine entwickelt. Manche Dinge laufen dann manchmal auch schief und das hat durchaus auch eine gewisse Anstrengung zu sich. Doch wenn man sich mit Kommunikation ein wenig auskennt, dann weiß man, daß es unmöglich ist, nicht zu kommunizieren. In Terminal stellt besonders die Sprache immer eine gewisse Hürde dar, da die von Tom Hanks gespielte Hauptfigur ihr Gegenüber nicht versteht und dann immer wieder relativ ungewollt komische Situationen gerät. Ohnehin ist die Darstellung des Osteuropäers aus dem fiktiven Staat Krakozhia etwas rassistisch geraten. Denn gerade im Kontrast zu den abgeklärten und allwissenden Amerikanern, wirkt diese Figur hier einfach herrlich naiv, was auch einen Großteil des Humors im Film widerspiegelt. Viel wichtiger noch ist aber, daß das gesamte Treiben natürlich eine komplett satirische Überspitzung erfährt. Wenngleich die Mühlen der Bürokratie zwischen langsam und gar nicht mahlen, so ist es doch höchst unrealistisch, daß man keinen Menschen finden kann, der diesem Mann helfen kann. Nun könnte man argumentieren, daß der Grenzschutzbeamte Frank Dixon natürlich auch dafür Sorge trägt, daß Navorski nicht nach Hause kommt, um keine Probleme vor seiner Beförderung aufkommen zu lassen. Doch würde es nicht sogar noch ein besseres Licht auf ihn werfen, wenn er das täte.

Im Prinzip ist Terminal eine Satire auf die Bürokratie. Wer sich einmal damit befasst hat ein amtliches Blatt oder Dokument zu bekommen, der erkennt die Schwierigkeiten dessen und weiß auch, daß manche Dinge Monate in Anspruch nehmen, dort viele Leute arbeiten, deren Talente doch vielleicht sogar woanders liegen und die zu Teilen dann noch recht forsch mit ihren Klienten umgehen. Nun liegt dieser Film mehreren wahren Fällen solcher Heimatlosigkeit zugrunde und man müsste ab diesem Punkt schon fast den Begriff der Satire zurückziehen. Denn eine Satire überspitzt etwas, um einen Missstand deutlich zu machen. Doch im Falle von Terminal wird sogar noch abgeschwächt, weil der Iraner Mehran Karimi Nasseri sogar achtzehn Jahre am Pariser Flughafen festsaß. Es ist erstaunlich, wie es Spielberg dabei aber gelingt, diese doch recht lange Komödie von etwas über zwei Stunden mit Inhalt zu füllen. Zum einen wird immer davon berichtet, wie groß und hoffnungsvoll Amerika doch für Einwanderer ist, während sich Navorski mit dem Wischen von Böden und Müll einsammeln gerade mal ein Essen bei Burger King leisten kann. Dann wiederum trifft er auf andere Menschen, die etwa im hohen Alter aufgrund des amerikanischen Systems immer noch gezwungen sind, Arbeiten zu verrichten, die stark körperlich und anstrengend sind. Zwar kann sich auch Spielberg in manchen Momenten hier keine Huldigung des eigenen Staates verkneifen, auf der anderen Seite macht dieser Umstand diesen Film nur noch ehrlicher.

Der Flughafen als Ort ist sicherlich auch ein spannendes Feld, weil man sicherlich auf extrem unterschiedliche Biographien trifft, was man in anderen Bereichen wohl eher nicht tut. Doch Terminal zieht seinen Charme gar nicht etwa aus den Reisenden, die unterschiedliche Geschichten und Lebensumstände zu berichten haben, sondern eher aus dem Personal, was am Flughafen arbeitet. Nun könnte man gerade darin etwas Monotones entdecken und sich fragen, ob darin wirklich eine Spannung liegt. Doch diese Zweifel sind unberechtigt, weil es Spielberg etwa durch die Eingabe einer Liebesgeschichte um zwei Trekkies, den Berichten von einer zweiten Chance und auch einer Spannung zwischen Navorski und einer Stewardess gelingt, den Zuschauer immer bei Laune zu halten. Dabei kommt eben auch viel Systemkritik auf und es ist schon eine sehr interessante Frage, die gesellt wird, wenn etwa ein Hausmeister davon berichtet, daß er in seinem eigenen Land dafür gesucht wird, daß er einen Polizisten körperlich drangsaliert hat. Der Film erinnert natürlich rein thematisch schon stark an Cast Away – Verschollen (2000), bildet aber gleichsam auch dessen linke Antithese. Und gerade dieser Vergleich ist wichtig, weil es eben viele Ähnlichkeiten gibt. Während das Werk von Robert Zemeckis aber davon berichtet, daß die Mission wesentlich wichtiger ist, als das Individuum, so geht es in Terminal immer darum, daß das System den Menschen schindet und er sich selbst helfen muss. Natürlich deshalb spannend, weil Hanks in beiden Werken die Hauptrolle innehatte.

Man spürt dabei immer wieder, daß der Film eben kurz nach dem 11. September 2001 entstanden ist. Gerade die teils berechtigte Paranoia der Amerikaner, die sich im Misstrauen um Einreisende aus dem Ausland, mehrmaligen Überprüfungen und eines gewissen Unterdrucksetzens ausdrückt, ist hier bemerkenswert nahe. Denn dadurch, daß vor allem der Überwachungsapparat nahe an Narvorski und seinen neu gefundenen Freunden am Flughafen ist, zeigt sich ein gewisser Fremdenhass und Rassismus, der immer wieder dazu führt, daß den Beteiligten hier Steine in den Weg gelegt werden. Ebenso so wie dies, ist auch noch ein ganz anderes übliches Thema von Spielberg im Film zu finden. Denn der Film baut die gesamte Zeit über ein Mysterium darum auf, was die Hauptfigur nun eigentlich möchte. Es geht eben wieder um Väter. Doch während das in den meisten Fällen durchaus etwas ist, was man nicht mehr sehen möchte, so ist es in diesem Werk durchaus etwas, was so ein wenig rührt. Denn die Figur ist natürlich auch zum Niederknien gut geschrieben. Dabei kann Hanks gerade in sehr ruhigen Momenten punkten, während er Film auch romantische Momente immer wieder gekonnt in Szene setzt. Interessant sind diese zudem auch, weil sie mehr über eine philosophische Ebene funktionieren und nicht rein zu einer monogamen Beziehung führen. Es sind Momente, die vergehen werden und dadurch einzigartig bleiben.

Auch wenn der Film eine statische Lebensgeschichte erzählt, ist Terminal fast immer dynamisch. Das mag im Film zu Teilen etwas unglaubwürdig daherkommen und auch die Barrieren, die filmisch aufgebaut werden, sind nicht immer so glaubhaft. Dann wiederum berichtet der Film von Einwanderungspolitik, Rassismus, dekonstruiert die Bürokratie, inszeniert interessante Figuren und steht über allem als clevere Satire da. Ein Tom Hanks spielt hier gekonnt auf und geht direkt ins Herz.

Terminal Bewertung
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