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The Holdovers

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The Holdovers Krititk

The Holdovers Kritik

The Holdovers Kritik
0 Kommentare - 10.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "The Holdovers" ist.

Bewertung: 4 / 5

Der einsame Lehrer Paul Hunham (Paul Giamatti) gehört nicht gerade zu den beliebtesten Lehrern und Kollegen seiner Schule. Trotz dessen entscheidet er sich, die Weihnachtsfeier 1970 in der Schule zu verbringen und die Schüler zu beaufsichtigen, die nicht nach Hause fahren können. Unter ihnen ist auch der fünfzehnjährige Angus (Dominic Sessa), ein guter Schüler, der aber ein Problem mit Autoritäten hat. Ihm droht der Rauswurf. Zu ihnen gesellt sich auch die Köchin Mary (Da’Vine Joy Randolph), die sich um die Söhne von Privilegierten kümmert und deren eigener Sohn im Vietnamkrieg gefallen ist. Alle drei sind unterschiedlicher denn je, doch müssen das Fest der Liebe miteinander verbringen.

Eine zugeschneite Gegend, mitten in der Einöde. Einige Menschen, die gezwungen sind, die Freitage gemeinsam zu verbringen und doch kein Toter. The Holdovers ist nicht The Hateful Eight (2015), wenngleich das zunächst so anmuten darf. Es ist ein Film über das Dasein an sich, über das Zurückbleiben und über Melancholie im eigentlichen Sinne. Nun ist The Holdovers vielleicht in manchen Momenten nicht gerade das unterhaltsamste Werk, dafür entschleunigt Regisseur Alexander Payne seine Geschichte zu sehr. Ein kleiner Abstecher auf der Straße und wieder bleiben sie zurück. Es liegt eigentlich jede Menge Poesie in den Bildern. Und man mag das vielleicht als zahme Geschichte verstehen und vielleicht mag auch das nicht ganz zeitgemäß sein, doch The Holdovers ist zunächst ein Film über Beziehungen. Es liegt eine Traurigkeit in der Luft, geschlagene Seelen präsentiert der Film. Einen einsamen Lehrer, der nicht gerade der große Sympathieträger ist und einen einsamen Jungen Mann, dessen Wut ihn dazu bringt, Fehler zu begehen. Die Grundprämisse ist dabei nicht sonderlich aufschlussreich und generell weiß man auch nicht so, wie man das Werk am ehesten einordnen soll. Sowohl in der Zeit, als auch in dem Tun und Handeln wirkt Paynes Werk sehr intim und in jedem Fall so speziell, daß man ihn als sehr persönlich beschrieben könnte. Das wiederum ist Segen und Fluch zugleich.

Ob die Figuren in all dem Treiben eigentlich ein Ziel verfolgen, kann man nicht so richtig beantworten. Eigentlich sind es die Feiertage und man möchte die Einsamkeit verlassen und zu seinen – hoffentlich liebsten Menschen – kehren. Aus mehreren Gründen wird das wiederum aber gar nicht möglich gemacht und so ist man gezwungen sein Dasein damit zu verbringen, in einer ganz eigenen Form von Einsamkeit zu leben. Dabei fällt auf, daß alle Kernfiguren, die sich da über die Zeit befinden, eigentlich systemisch verlassen wurden. Paul Hunham als hinterlassener Intellektueller, der Menschen ausbildet, sie intellektuell formt und damit eben eine ganz wichtige Funktion übernimmt. Mary Lamb als die klassische Arbeiterin, falsche Hautfarbe zur richtigen Zeit. Auch sie fristet kein richtiges Leben und ist im Abseits in diesem Internat, wo sie eigentlich auch ihr Leben verbringt. Die einzige Ausnahme bildet, der noch nicht definierte und gescheiterte junge Angus Tully, der aber systemisch nicht anpassbar scheint. So wie alle drei Figuren nicht anpassbar sind, in dem Sinne, daß man sie öffentlich vorzeigen könnte. Alexander Payne nimmt sich hier das neoliberale Gedankengut zur Brust und offenbart darin, daß man dem Staat als Individuum letztlich egal ist, aber als Produkt, oder Funktionär eine gewisse Nützlichkeit für einen gewissen Zeitraum aufweisen kann. So etwa auch Angus, der in diesem Kontext auch ein Kandidat für den Vietnamkrieg sein könnte.

Diesen rückt Payne zwar nie ins Zentrum der Geschichte, doch er wird immer wieder angesprochen. Auch da könnte man Vergleiche ziehen und sagen, daß dem Staat das Individuum völlig egal ist. Zeigte sich ja letzten Endes auch schon in Werken wie Platoon (1986) sehr gekonnt. Die fehlende Anpassung paart sich im weiteren Verlauf dann gekonnt mit der Melancholie und wird noch einmal in Depressionen veräußert. Denn die drei Figuren begeben sich auf eine Art Roadtrip, um zu feiern und das Leben zu lieben zu lernen. Dort kommt es vor allem dazu, daß sich der junge Angus Tully kurzzeitig in mehrere Damen verschaut. Wunderbar knisternd und romantisch inszeniert Payne das hier, mit Bildern, die an Licorice Pizza (2021) erinnern. In diesen Momenten wandelt der Film auch ganz stark im Coming-of-Age-Genre und lässt die Figuren allesamt erstmals normal wirken. Das erstaunliche hierbei ist aber, daß es das Hollywood-Eske Happyend nicht geben wird. Denn die kurzzeitigen Liaisons verfliegen, die Figuren kehren in ihren Alltag zurück und der zeichnet sie eben als soziale und damit auch als tatsächliche Versager aus. Dabei blickt der Film gekonnt auf eine psychisch verfallene Gesellschaft, die dieser Krieg hervorbrachte und die eben die moderne Gesellschaft im 21. Jahrhundert ebenso mit sich bringt. Studien zum Thema Entwicklungsverzögerungen, physischen Erkrankungen und anderen Themen belegen das ja am laufenden Band. Gleichzeitig stellt der Film auch das oft gemahnte Erbe an die Erzeuger infrage. Hier sind die Erzeuger vor allem ausschlaggebend für das Überdenken der eigenen Lebenssituation und daß sich davon zu distanzieren. Das gelingt auch ganz gut und so kritisiert Payne hier gekonnt die Psychologisierung Hollywoods durch die Identität im Schoß der Eltern. Natürlich spielt es eine Rolle, doch eben nicht die Wesentliche, wie auch Hunham im weiteren Verlauf anmerkt. Es geht hier nicht darum zu erkennen, daß man der ist, der einem durch die Erziehung vorbestimmt ist zu sein, sondern der, der man letzten Endes aus eigener Kraft – trotz Hürden und Hindernissen – werden kann.

Letzten Endes mutet The Holdovers wie Werke wie The Breakfast Club (1985) oder Der Club der toten Dichter (1989) an und bedient sich ähnlicher Themen. Doch das ist kein einfaches Remake, sondern viel mehr als nuancierte Verweise zu verstehen. Die Vergangenheit bestimmt nicht, wer man ist und somit auch nicht die Gegenwart und Zukunft. Der Film nimmt Hürden als Hürden wahr und lässt seine Moral letzten Endes offen, indem er nur das tut, was Filme eigentlich zunächst immer tun. Er zeichnet einen Zustand. Dieser muss nicht immer gleich sein und sicherlich mündet dieses Werk auch nicht in einem einfachen Happy End, denn die Probleme, die man hier hatte, werden nicht einfach durch ein Wunder überkommen. Dadurch wirkt der Film nicht nur sehr reich, er ist es auch. Zumal man hier vor allem auch in den Mittelpunkt rückt, daß es anderen, wohlhabenderen Leuten im Leben zumindest in vielerlei Hinsicht besser gehen wird. Nicht in allem und nicht alles hat man unter Kontrolle oder könnte es beeinflussen. Dennoch zeichnet sich ab, daß klassische Arbeiterschichten mehr darum kämpfen müssen, eine eigene Identität und damit einen Platz im Leben zu finden.

In The Holdovers präsentiert Alexander Payne offene Wunden. Das blutet und ist melancholisch und dennoch nie hoffnungslos. Ein Ritt in eine Zeit, die sehr gegenwärtig vorkommt und mit Bravour gespielt und unaufgezwungen präsentiert wird.

The Holdovers Bewertung
Bewertung des Films
810

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