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Tod auf dem Nil

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Tod auf dem Nil Kritik

Tod auf dem Nil Kritik

Tod auf dem Nil Kritik
0 Kommentare - 11.02.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Tod auf dem Nil" ist.
Tod auf dem Nil

Bewertung: 3 / 5

Der Privatdetektiv Hercule Poirot (Kenneth Branagh) erholt sich von seinen letzten Fällen und nimmt auf einer Kreuzfahrt auf dem Nil teil. Durch einen Zufall trifft er seinen alten Freund Bouc (Tom Bateman) wieder, und wird zudem noch Teil einer Hochzeitsgesellschaft um das Brautpaar Linnet Ridgeway-Dolye (Gal Gadot) und Simon Doyle (Armie Hammer). Diese engagieren Poirot, weil sich das junge Paar von Simons Ex-Verlobter Jacqueline de Bellefort (Emma Mackey) bedroht fühlt.

Das moderne Hollywood-Kino ist das Resultat einer Jahrzehnte übergreifenden patriarchalen Unterdrückung und Missachtung von Menschen. Daher sammelt sich automatisch ein weitreichender Fundus an Ideologien und Meinungen auch in der Filmwelt. Klar ist Tod auf dem Nil eine klassische Geschichte, die vielleicht nach über vierzig Jahren auch das Recht hat in ein neues Gewand gelegt zu werden. Man spricht dann gerne von zeitlosen Stoffen, die es für ein neues Publikum aufzubereiten gilt. An der Stelle darf auch das Vorwissen gerne infrage gestellt werden, wenn es um die tiefsten Verlangen einzelner Figuren geht. Doch das ist irgendwo auch gleichsam irrelevant, denn tatsächlich wirken die Gedankengänge, die der Film einigen Figuren hier zum Mantra macht, nicht so unorganisch, wie es in vielen Werken des aktuellen Hollywood-Kinos der Fall ist. Ein bisschen LGBTQ, ein wenig Rassismus und eine Menge Klassizismus. Wenn man in den richtigen Gruppen stochert, findet man immer Geheimnisse und Wesenszüge, die es zu verachten gilt. Insofern moralisiert ein Krimi, oder ein Film über unterschiedliche Menschen in jedem Fall schonmal. Ob man das jetzt gutheißt, oder nicht, ist aber ebenso irrelevant, weil die Tat ja eigentlich feststeht und es damit kein Rütteln geben kann.

Trailer zu Tod auf dem Nil

Daß Tod auf dem Nil auf Mord im Orient Express folgen musste, ist eigentlich kein Wunder. So war es in den 1970ern und so ist es eben heute. Man hat das erwartet und nicht zuletzt auch deshalb, weil der 2017er-Vorläufer das mehr als nur andeutete. Doch worum geht es in diesen Who Done It-Geschichten. Sicherlich um ein Verbrechen und darum, dieses aufzuklären, Motive zu verstehen und Menschen zu ergründen. Doch was Kenneth Branagh ist diesem Film auch macht, ist seinem Hauptcharakter eine nicht zu kleine Hintergrundgeschichte zu verpassen. Wie wurde Hercule Poirot zu dem, was er heute ist? Es ist vielleicht ein wenig ekpathisch, doch wen genau soll das hinter dem Ofen hervorholen. Wenn man jetzt jeden einzelnen Figurenmythos ergründen will und dies im Stile einer lächerlichen Motivation verklärt, dann muss man sich fragen, worum es im Kino nun geht. Das erinnert so ein wenig an Solo: A Star Wars Story (2018), in welchem auch der vermeintliche Namensmythos gelüftet wird. Nun Maße ich mir schon an, von beidem ein Fan zu sein, doch hat es mich tatsächlich weder interessiert, warum Han Solo Han Solo heißt und es interessiert mich ebenso wenig, warum Poirot einen Schnurrbart trägt. Das wäre dann tatsächlich eine Geschichte für eine Fortsetzung zu Mortdecai (2015). Und das ist aber gleichsam bezeichnend für das aktuelle Kino und zeigt auf, warum dieser Film abermals ein Zeitgeistprodukt geworden ist. Denn in Ermangelung von tatsächlichen Ideen in der Traumfabrik, wird jeder Mythos, jede Nebenhandlung, jede vermeintliche Gravitas ausgeschlachtet. Mehr denn je bekommt man hier das Gefühl, als seie Hollywood an einem Scheideweg, der entscheidet, ob sie noch das Zeug zum weltweit führenden Kinowunder haben, oder ob sie nicht überholt wurden. Denn auch die großen, vermeintlichen Kunstfilme spielen alle nur noch mit Nostalgie. Früher war nicht alles besser. Früher war alles früher.

Davon mal abgesehen leidet Tod auf dem Nil aber auch an etwas, was ganz banal ist. Das ist in dem Fall aber mehr als nur subjektiv und es ist etwas, was einem Krimi vielleicht im zweiten Durchlauf schaden kann. Denn während diese Geschichte sich ziemlich intensiv mit der Charakterisierung ihrer Figuren befasst, kann man schon von Beginn an erahnen, wer der Mörder ist. Und daß der Film dahingehend keine überraschende Wendung bereithält, ist alles andere als schade. Es wird sogar von der Hauptfigur zu Beginn adressiert, und auch im Hinblick auf die Inszenierung mehr als nur deutlich, was hier das Problem ist. Es mag an fehlender Subtilität in der Inszenierung von Branagh liegen oder ist schlicht und ergreifend der Vorlage geschuldet. Doch zum Raten kommt man hier nicht, weil die Geschichte vorbei ist, bevor sie angefangen hat. Zudem wirken einige Handlungsstränge, auch im Hinblick auf die Ursprungsgeschichte von Poirots Bart, mehr als nur dürftig. Man kann an der Stelle vielleicht so weit gehen und behaupten, daß die Figuren blass blieben, doch das würde ich nicht gänzlich unterschreiben.

So ist nämlich das eigentliche Highlight der Ensemble-Cast um Kenneth Branagh. Von Annette Bening, über Russell Brand, über Gal Gadot bis hin zu Armie Hammer ist der gesamte Cast in sich stimmig und macht einen Großteil der Laune von Tod auf dem Nil aus. Besonders Russell Brand als Linus Windlesham gibt hier eine Leistung ab, die wirklich beeindruckend ist. Zwar ist die Figur irgendwo eine Stereotype, doch die Intensität, mit welcher Brand den Charakter verkörpert, ist eines der Highlights des Films. Gleichsam ist auch Bening als toughe und abgeklärte Mutter von Tom Bateman’s Bouc eine Augenweide. Sie spielt ihren Charakter mit einer Härte und doch einer gewissen Liebe für ihren Sohn, daß es einem förmlich den Atem raubt. Auch die innere Zerrissenheit von Jacqueline de Bellefort wird von Emma Mackey mit Bravour gemeistert. Zudem gibt es auch einen Einblick in den stetigen Rassismus, der hier großartig von Letitia Wright in Szene gesetzt wird. Und das macht Spaß, all diese Menschen auf einem Haufen zu sehen. Dann ist vor allem die Chemie zwischen Branagh und Tom Bateman zu loben, weil die über die Zeit hinweg gereifte Freundschaft der beiden Männer nicht nur in den leichten Momenten für Erheiterung sorgt, sondern auch in den ernsten stark auf die Probe gestellt wird. Zudem entsteht dadurch auch Spannung abseits der Geschichte. Denn deshalb macht man sich auch große Sorgen darum, wer den Film nun überlebt und wer eben nicht.

Dazu gesellt sich ein Schauwert über die Kulissen von Ägypten hinweg. Nun mag der Film keineswegs an Originalschauplätzen gedreht worden sein und auch dahingehend steht der Einsatz von Computertechnik stark in der Kritik. Doch so ganz nachvollziehbar ist diese an der Stelle auch nicht. Denn eigentlich sind die Schauwerte hier durchaus gegeben, weil große Kostüme benutzt werden. Weiterhin wirken die Ortschaften der Sphinx oder der Pyramiden durchaus ansehnlich. Gleiches gilt für den Hauptschauplatz der Geschichte. So wirkt das Schiff, auf dem die Geschichte stattfindet, sogar recht lebendig. Zwar reicht der Film insgesamt nicht an seinen Vorgänger heran, weil dafür viel zu viel Zeit für die Exposition aufgebracht wird, dennoch holen die Schauspielerinnen und Schauspieler vieles aus dem Material heraus.

Insgesamt reicht Tod auf dem Nil nicht an seinen Vorgänger heran, dafür wird zumeist viel zu viel Zeit für uninteressantes geopfert. Allerdings sind Prämisse und Cast weiterhin überzeugend und es ist bezeichnend, daß der Film abermals seien Zwist in höheren Kreisen sucht. Dazu gibt auch eine tagesaktuelle politische Meinung, die hier aber bei weitem nicht so aufgesetzt wirkt, wie es häufig der Fall ist. Der Film blickt viel mehr in die Abgründe seiner Figuren, wenngleich er vielleicht auch zu vorhersehbar ist.

Tod auf dem Nil Bewertung
Bewertung des Films
610

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