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Top Gun - Maverick

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Top Gun: Maverick

Top Gun - Maverick Kritik

Top Gun - Maverick Kritik
0 Kommentare - 26.05.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Top Gun - Maverick" ist.
Top Gun - Maverick

Bewertung: 3 / 5

Pete „Maverick“ Mitchell (Tom Cruise) hat aufgrund seines antiautoritären Verhaltens nie die Karriere hinlegen können, die er eigentlich bei der Navy hätte machen können. Nach einem erneuten Fehltritt wird er von Real Admiral Chester „Hammer“ Cain (Ed Harris) an die Elite-Flugschule Top Gun versetzt, wo er unter anderem Rooster (Miles Teller), den Sohn seines alten Freundes unterrichten soll. Doch dieser macht Maverick für den Tod seines Vaters verantwortlich. Unterdessen muss die Einheit dafür ausgebildet werden, das Nuklearprogramm eines verfeindeten Landes zu zerstören.

Nichts scheint heute unmöglich, weil im Hollywoodkino die Möglichkeiten begrenzt sind. Da wird letztlich alles aus der hintersten Schublade nochmal herausgekramt und erneut mit dem Versprechen auf ein neues Abenteuer und einem digitaleren Anstrich auf die Welt losgelassen. Wenn man nun jemandem das Paradoxon der 1980er Jahre erklären möchte, dann wählt man vermutlich sowas wie Platoon (1986) oder Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel (1986). Beides Filme aus der gleichen Zeit, doch haben sie einen ganz anderen Kern. Und als Kunstwerk ist letzterer nicht unproblematisch, weil das vom Militär mitfinanzierte Werk über eine Pilotenschule eben auch ein Werbefilm für eben jenes Militär ist. Nun, etwa vierzig Jahre später erhält im Zuge des statischen Kunstschaffens auch ein Top Gun: Maverick die Chance, in die Kinos zu kommen. Im Prinzip muss man sich dabei aber nichts vormachen, so ist dieser Film – vielleicht das als kleine Vorwarnung – nichts anderes als sein Vorgänger. Wieder gibt es eine zu trainierende Gruppe, wieder gibt es einen Feind, eine Romanze, einige Konflikte und so weiter und so sofort. Das erreicht noch nicht die Ermüdungserscheinungen der Jurassic Park-Fortsetzungen ist aber das gleiche Modell mit neuem Anstrich.

Trailer zu Top Gun - Maverick

Warum ist es denn aber so schwierig, das Militär zu verherrlichen und als Sommerurlaub mit Freundschaft und viel Freude zu verklären? Auch wenn man die Individuen hinter den Waffen nicht angreifen will, so wird man im Militär dafür ausgebildet, zu morden. Mord ist nichts, was man verherrlichen kann, selbst wenn es sich um Feinde handelt. Das ist also eine moralische Frage und selbstverständlich kann man das auch kritisch sehen, weil man alles für bare Münze nimmt. Doch in jedem Werk steckt Politik und in jedem Werk stecken Ideologien. Das eigentlich entscheidende ist aber, daß Top Gun: Maverick ein Film ist, der so ein wenig aus der Zeit gefallen ist und dann wieder doch nicht. Der Grund liegt ganz einfach darin, daß der Vorgänger einfach ein reaktionäres Werk auf den Kalten Krieg ist. Einen Krieg, der eigentlich seit den 1990er Jahren beendet ist. Doch schaut man sich die aktuelle Situation der Welt an, so kann niemand sagen, was in ein paar Jahren sein wird. Was natürlich auch nicht heißt, daß man gleich in Panik geraten soll. Zudem ist natürlich das Leid der USA eines, daß das Land seit jeher in irgendwelche Konflikte involviert ist, bei denen es darum geht, Ressourcen zu entwenden. Gerade das ist eigentlich eine ironische Traurigkeit, die auch einen Rambo III (1988) zu einem extrem ironischen Werk werden lassen. Denn aus Freunden werden immer mal wieder Feinde und umgekehrt. Ehrlich gesagt hat man da als Zuschauer auch nicht immer Lust, die aktuellen Geschehnisse zu analysieren, weil der Status-Quo sich eben häufig verschiebt.

Interessanter hingegen wird es dann, wenn man sich mit den Figuren befasst. Zum einen wäre da der titelgebende Maverick, der sich im Film so rebellisch gibt, wie schon im ersten Teil. Lange schon, ist er kein Teil der Navy mehr, stritt sich mit Vorgesetzten und sorgte immer dafür, daß er nicht befördert wird. Das spiegelt natürlich den Charakter aus dem ersten Teil wider. Also bleibt auch die Frage die gleiche. Wo ist denn bei all dem rebellischen Verhalten und unangepasstem Dasein die Rebellion? Im Prinzip spricht sich die Figur wie schon im Vorgänger dafür aus, Befehle missachten zu dürfen und willkürlich, wie auch eigenmächtig Entscheidungen treffen zu dürfen. Natürlich spielt Tom Curise das abermals gut weg. Doch fragwürdig bleibt auch seine Figur immer noch. Spannend ist das vor allem, wenn es um die Auseinandersetzung mit dem Tod seines Wingmans Goose geht. Immer wieder zeigt der Film, wie wichtig Goose war. Einzelne Rückblenden werden gezeigt, Gedanken können nicht klar gefasst werden, zu Teilen wird mit dem Himmel gesprochen, nur um diesen Goose wiederzuhaben. Und auch wenn es den Beteiligten im und am Werk nicht klar zu sein scheint, so kann man spätestens jetzt davon sprechen, daß Goose und Maverick wohl eine homosexuelle Beziehung zueinander hatten. Dieser Umstand macht den Film nicht nur interessanter, sondern gleichsam auch offener an vielen Stellen, weil es einen Bruch mit dem Männerbild, daß gerade auch durch den Vorgänger geprägt wurde, bedeutet.

Wie für Hollywood üblich, hatte Goose natürlich auch einen Sohn, der auch bester Wo ist Daddy-Manier, nur darüber definiert wird, seinen Hass auf Maverick auszuleben und seinen eigenen Vaterkomplex zu überkommen. Das verlangt nun wirklich nicht viel von Miles Teller ab, ist aber in jedem Fall gut gespielt. Über das Hollywoodproblem, mit Vätern, muss man aber nicht mehr sprechen. Der gesamte Cast ist dabei aber dennoch durchaus erwähnenswert, bekommt der Zuschauer doch einen Jon Hamm oder Ed Harris zu sehen, aber auch eine Jennifer Connelly und Val Kilmer zu sehen. Während Hamm und Harris eigentlich das übliche gekonnt und unterhaltend runterspielen, gilt es über die letzten beiden dann doch zu sprechen. So ist Connelly als Loveinterest von Tom Curise einfach großartig. Natürlich entspringt die Figur einem klar veraltetem Feminismus, weil die Figur zwar tough ist, aber eher weniger in das Geschehen eingreift. Sie bildet eben den emotionalen Kern und erklärt Maverick Dinge, die eigentlich von Anfang an klar sein sollten. Aber das ist eben die charmante Naivität, mit der der Film arbeitet. Connelly ist leider viel zu wenig in diesem Film, weil auch ihre Chemie mit Tom Curise sehr gut ist und sie einfach eine tolle Ausstrahlung hat. Zu Kilmer muss man sagen, daß seine wenigen Szenen der emotionale Höhepunkt des Films sind. Es erinnert dabei sogar sehr stark an Fast & Furious 7 (2015), weil das Werk hier auf einer reinen Meta-Ebene agiert und man mit dem Wissen um Kilmers eigenes Schicksal nur noch mehr mit der Figur leidet.

Dann gibt es natürlich viele emotionale und schöne Momente. Ohnehin scheint auch dieser Film einer kleinen Pubertätsphantasie entsprungen zu sein. Hier mal ein animalisches Kräftemessen, da ein Spruch, hier ein Strandspiel und so weiter und so fort. Das alles wird dann nur noch durch die großartigen Flugsequenzen untermauert. Diese sind wirklich intensiv und zudem gewinnt der Film dadurch, daß er sowohl Action als auch Emotionen gut verbinden kann und kann mit einem guten Pacing aufwarten. Da fliegen Menschen tatsächlich in Jets. Eine Tatsache, die vor langer Zeit vielleicht keine Nachricht wert gewesen wäre. Doch ein Tom Curise steht eben für Authentizität, was seine Physis angeht. Und das muss man loben. Wenngleich er in seinem Spiel hier durchaus limitiert ist und auch die ein oder andere Träne im emotionalen Segment nicht wirklich glaubwürdig daherkommt, so gelingt es ihm durch eben das körperliche locker auszugleichen. Zumal der Film ja auch als Actionfilm fungiert. Und dabei gelingt es dem Werk auch besonders gut, das Gefühl vergangener Tage aufleben zu lassen. Das ist eben immer noch ein problematisches Urwerk, doch wenn man sich ansieht, was im modernen Hollywood als reine Reminiszenz verkauft wird, da kann dieser Film hier wirklich punkten.

Geschichtlich erfindet sich Top Gun: Maverick nicht neu und auch inhaltlich leidet der Film an denselben Propaganda-Problemen, wie auch sein Vorgänger. Es ist im positiven Sinne ein aus der Zeit gefallenes Werk, daß seinen Reiz aus einer stringent und flott erzählten Geschichte, charismatischen Figuren und Echtheit generiert. Dabei können einige Schauspieler sogar sehr emotionale Momente herauskitzeln, die gut wirken und dem Werk eine gewisse Schwere geben.

Top Gun - Maverick Bewertung
Bewertung des Films
610

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