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Verrückte Weihnachten

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Verrückte Weihnachten Kritik

Verrückte Weihnachten Kritik

Verrückte Weihnachten Kritik
0 Kommentare - 17.12.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Verrückte Weihnachten" ist.

Bewertung: 3 / 5

Um sich eine Karibikkreuzfahrt unternehmen zu können, beschließt das Ehepaar Luther (Tim Allen) und Nora Krank (Jamie Lee Curtis) die Weihnachtszeit ausfallen zu lassen. Kein Weihnachtsbaum, kein Essen, keine Geschenke. Das verwundert vor allem ihre Nachbarn, die dafür kein Verständnis aufbringen. Derweil wird das Paar von der Nachricht ihrer heimkommenden Tochter Blair (Julie Gonzalo) überrascht.

Weihnachten ist eine Zeit der Legitimierung, in der man sich Fehler erlauben darf, in der sie vergeben werden und das, was einen wohl am Gegenüber so stört, plötzlich weniger Bedeutung hat, als das Gefühl, in jener heiligen Nacht etwas Einzigartiges zu finden. Die Bedeutung von Weihnachten zu ergründen, ist sicherlich schwierig und das Fest der Liebe als etwas anderes zu sehen, als das prominenteste Fest der Christen, wäre wohl falsch. Doch man fragt sich ja schon seit jeher, was mit den Menschen passiert, die Weihnachten nicht so sehr schätzen, wie es offenkundig die Mehrheit aller Christen tun. In Verrückte Weihnachten wird ein Fest zelebriert, daß kein Fest sein soll. Die Familie Krank hatte eigentlich mit der Heimkehr ihrer Tochter gerechnet und als diese ihnen absagt, nutzen sie die Gunst der Stunde, um eine Kreuzfahrt zu unternehmen, welche sie sonst hätten sausen lassen müssen. Nun, allein die Prämisse verspricht, daß man es hier mit Problemen von Menschen zu tun hat, die keine wirklichen Probleme haben. Doch das ist eigentlich nicht das Problem des Films. Viel mehr hadert man die gesamte Zeit mit anderen Dingen, die diesen Film so schmerzlich bewusst mit anderen vergleichen lässt. Die Witze, die hier in der Komödie zentral sind, um ein wohliges Gefühl zu erhalten, sind eigentlich nicht witzig und ab da wird das Werk aber auch genauso faszinierend, weil man dann eine andere Ebene eröffnet.

Wenn da ein wütender Mob steht, der seine Nachbarn unter Druck setzen möchte, Weihnachten zu feiern. Wenn besagte Mitmenschen sich dann allzu sehr in die Privatangelegenheiten der Familie einmischen und wenn dieser wiederum wie der Fels in der Brandung steht, um einen völlig absurden Standpunkt zu untermauern, dann handelt es sich hier ganz eindeutig um ein B-Movie. Das gesamte Werk ist mit Pointen und Momenten versehen, die an Antihumor erinnern und in einer Geschichte münden, die abseits großer, vermeintlich großer Gefühle nichts zu bieten hat. Völlig wahnwitzig deckt das Drehbuch von Chris Columbus seinen Zuschauer in Witze um einen Überwachungsstaat, das Beschaffen eines Essens, Streitereien mit einem Verkäufer von Weihnachtsbäumen, einem peinlichen Solariumbesuch und vielem mehr, was partout nicht witzig sein will. Columbus ist dabei so bemüht aus diesem komplett belanglosen Film etwas zu holen, was da eigentlich nicht ist und lässt eigentlich konsequent jede erdenkliche Pointe auf dem Weg dorthin liegen. Das ist vage formuliert, doch einzelne Momente herauszupicken und diese analytisch zu betrachten, ist am Ende des Tages Zeitverschwendung. Insgesamt erinnert der Film in seinen Banalitäten und seinem Selbstbewusstsein diese in eine Geschichte zu verwandeln an Versprochen ist versprochen (1996), der, wie zu erwarten war, eben von Columbus und seinen beiden Kollegen Mark Radcliffe und Michael Barnathan produziert wurde.

In dieser Zeit, die alles im Umfeld um den Menschen als Individuum als unwichtig erscheinen lassen soll, was nichts mit den engsten und der Familie zu tun hat, kommt man leicht dazu, sentimental zu werden und obwohl Verrückte Weihnachten wie ein Film wirkt, der zu Weilen eine sehr banale „Habt euch Lieb“-Botschaft verbreitet, hat er auch etwas Interessantes zu sagen. Denn eine Inklusion um jeden Preis, um alles in der Welt kann nie wirklich ziel fördernd sein. Das merkt auch dieser Film an, der zu seinem Ende hin zu der Erkenntnis kommt, daß man Weihnachten gerne mit denen verbringen kann, mit denen man es verbringen will und die es auch mit einem selber verbringen wollen. Am Beispiel des Charakters Walt Scheel und seiner Frau zeigt sich, daß man auch Wildfremden etwas Gutes tut, wenn man sie nicht in sein eigenes Leben zwängt. Und man muss auch nicht mit jedem am selben Tisch sitzen, mit manchen Menschen sollte man das auch gar nicht erst versuchen. Die Erkenntnis, daß nicht jeder mit einem kann, ist in modernen Zeiten so ein bisschen abhandengekommen und zugunsten von konformistischem Gehabe und Anpassungszwang verloren gegangen. Das mag für eine stumpfsinnige Komödie, wie Verrückte Weihnachten eine ist, sicherlich nicht der Sinn der Sache und das richtige Produkt für eine ethisch-philosophische Debatte sein, doch dieser kleine Punkt ist in der Welt des 21. Jahrhunderts abhandengekommen und durch sehr schräge Ansichten ersetzt worden.

Etwas überspitzt ist hier das Privatleben, aber sowieso sehr offenherzig. Dieser Gedanke, daß eine Kommune eine Familie bildet, in der jeder über jeden Bescheid weiß und jede noch so kleine Abwandlung von der Norm gewertet wird, ist einerseits sicherlich gleichzusetzen, was bei Konservativen das einzige ist, was noch über dem Kapital steht. Nämlich Zwischenmenschlichkeit, Werte, besonders die Familie. Dieser Konflikt, der eigentlich gar nicht greifbar für solche Menschen ist, ist aber ein zentrales Thema in Verrückte Weihnachten, weil es immer wieder um die Frage geht, was nun mehr Wert hat, der Urlaub, oder die Menschen. Sicherlich kann das auch etwas sein, was in diesem Film vielleicht nicht so offen vorliegt, doch durch den das Finale und die „Aufopferungsbereitschaft“ der Figuren wird das ja überdeutlich. Interessant ist zudem der Cast. Man fragt sich, was die Menschen hinter dem Werk dazu gebracht hat, sich dafür zu entscheiden, dort mitzuwirken. Aber grundsätzlich macht es auch einfach Spaß Allen, Curtis und Aykroyd zu sehen.

Auf eines kann man sich in Verrückte Weihnachten verlassen, nämlich, daß alles unterirdisch dumm ist. Das ist aber gar nicht schlimm, denn wirklich dumme Filme, ob einer absurden Geschichte und einem Hang zum Kult, sind in Hollywood leider rar geworden. Doch dieser Film schlägt noch in diese Richtung, liefert herrlich unlustige Momente mitsamt Kitsch und kann mit tollen Schauspielern aufwarten.

Verrückte Weihnachten Bewertung
Bewertung des Films
610

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