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Vicky Cristina Barcelona

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Vicky Cristina Barcelona Kritik

Vicky Cristina Barcelona Kritik

Vicky Cristina Barcelona Kritik
0 Kommentare - 11.07.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Vicky Cristina Barcelona" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Die Touristinnen Vicky (Rebecca Hall) und Cristina (Scarlett Johansson) verbringen einen Sommer in Barcelona. Die zielgerichtet Vicky ist bereits verlobt, während Cristina eine hoffnungslose Romantikerin ist. Auf ihrem Ausflug lernen sie den Künstler Juan Antonio (Jarvier Bardem) kennen, welcher sie zu sich nach Hause einlädt und ihnen mitteilt, daß er gerne mit ihnen schlafen möchte. Vicky ist empört, während Cristina ihn charmant findet. Doch nach und nach findet auch Vicky gefallen an dem fremden Mann.

Allein schon die Vorstellung, ein wildfremder Mann in einem ebenso wildfremden Land könne zwei Freundinnen von sich überzeugen, sodass er schließlich mit ihnen schlafen würde, ist an den Haaren herbeigezogen. Gleichsam haben dieses Selbstbewusstsein und diese Aufdringlichkeit auch einen eher veralteten Charme zu sich. Man stelle sich nur mal vor, das Süßholzraspeln käme von einem anderen, vielleicht weniger attraktiven Mann und schon hätte man eine sehr unangenehme Situation geschaffen. Dabei entpuppt sich so eine Geschichte, doch so wirklich einem Faden folgt sie auch nicht. Es gibt da hin und wieder Erklärungen, warum die Figuren so agieren, wie sie es tun. Doch ob diese nun in irgendeiner Form genügen, daß darf bezweifelt werden. Denn Woody Allen konzipiert seinen Film als Komödie. Einen Witz, wenn man so will. Alles ist bewusst darauf ausgelegt, den Zuschauer belustigen zu wollen. Man stelle sich nur mal vor, in welche Richtung der Film gegangen wäre, wenn man ihn wie einen Thriller geschnitten hätte. Dieser Umstand zeigt eigentlich auf, wie unterschiedlich die Wahrnehmung doch ist. Allerdings bleibt in diesem Werk auch immer noch das Gefühl, daß man nichts so recht damit anfangen kann. Es soll leichtfüßig sein. Es soll einen gewissen Esprit haben und irgendwie das feine Mauerblümchen entlarven. Doch die große Aufregung wirkt dann auch in der Metropole Barcelona wirklich kleinlich.

Kritiker deuten Allens Einfluss von Städten häufig mit einer Form von Gonismus, sei es antagonistisch, sei es protagonistisch oder auch tritagonistisch. Insofern ist dieser Film somit auch als Antithese zu Match Point (2005) zu verstehen. Das liegt vor allem daran, daß hier ein Licht-Schatten-Symbolismus angewendet wird, indem natürlich das ferne Barcelona, für den Zuschauer zum exotischen Ort der Erholung wird. Das dreht dabei aber auch einen Kerngedanken um, indem alle Sünden, die in einem anderen Kontext auch klar im negativen Sinne moralisiert werden, hier zur Lust ernannt werden. Und dabei ist das natürlich in seinen Feinheiten nochmal ein anderes Werk. Dennoch auffallend ist, daß ständig eine Angst um die Wahrheit im Raum steht. So hat Vicky immer wieder Angst davor, daß ihr Verlobter von Juan Antonio Gonzalo erfährt. Es kommt dabei zu einem Schlüßelmoment, weil auch dieser Mann letztlich die Frage in den Raum stellt, wovor sie denn eigentlich Angst hat. Denn ein Treffen, zwischen zwei Geschlechtern, die nicht miteinander leiert sind, ist natürlich gesellschaftlich auch etwas in Verruf. Doch die Frage ist ja eigentlich, warum es das ist. Denn tatsächlich eröffnet Allen hierbei eine spirituelle Diskussion, die auch zwischen Moral, Vertrauen und einer Metaphysis stattfindet. Wir können das gar nicht beantworten und dabei gibt es eigentlich nichts, was es zu beantworten gäbe.

Die freie Wahl ist dann letztlich die Kernthese. Besser gesagt, eine von ihnen. In den meisten Formen von Geschlechtsverkehr ist dieser einvernehmlich und sobald er das nicht ist, wird es erst zum Problem. Dabei entstehen natürlich urkomische Momente, oder sie sollen zumindest so wirken. Der Kern allerdings, ist hochbrisant, denn Allen entfaltet seine Geschichte immer auch mit der Suche nach Perfektion. Es geht den Figuren darum, Vollkommenheit zu erlangen und doch von einem gewissen Abenteuer zu träumen. Ob nun wirklich alle Menschen im Kern dieser Tatsache entsprechen, weiß man nicht zu beantworten. Doch Allen macht das nichts und so beantwortet er diese Frage mit dem menschlichen Explorationsdrang. Daß merkt dann auch Vicky, die sich gegen Ende immer wieder die Frage stellt, wie denn ihr Abenteuer mit Juan Antonio Gonzalo ausgesehen hätte. Doch zuvor passiert noch etwas wesentlich interessanteres, weil durch das Einführen der Figur María Elena, die wundervoll von Penélope Cruz verkörpert wird, eine weitere Naturgewalt auf den Film losgelassen wird. Das heißt, die verschiedensten Formen von Obsessionen, Romantik oder Liebe treffen wie ein Einschlag auf den Zuschauer. Sei es die Moralbewusste Vicky, sei es die Abenteuerlustige, aber irgendwie leere Cristina, sei es der hoffnungslos verliebte Künstler Juan, oder auch die abhängig und brachiale María. All diese Figuren wirken, wie die Notwendigkeit ihres Gegenübers und stehen grundsätzlich an anderen Punkten in ihrem Leben. Dabei wirkt der Film so, als könne es für die Liebe hier nie einen Sieg geben, weil auch die Menschen dahinter viel zu komplex scheinen.

Schauspielerisch wählt man dann natürlich auch die Kombination, die für die Auslegung der Figuren am wahrscheinlichsten scheint. Eine pflichtbewusste und irgendwie sehnsüchtige Rebecca Hall, ist eine gute Wahl. Eine vor jugendlicher Lust strotzende Scarlett Johansson ist ebenso klasse und Jarvier Bardem als mysteriöser und dennoch charmanter Gigolo kann dann vor allem punkten, wenn seine Figur nach und nach mehr durchleuchtet wird. Das wirkt ebenso großartig, wenngleich das eigentliche Highlight die labil anmutende María Elena ist. Es dauert eine Zeitlang, bis der Film die Figur etabliert, doch sobald er das tut, gehört Cruz die Leinwand. Sie ist gruselig, sie ist wild, laut, sie ist ruhig und verletzt und sie spielt all diese Facetten dieser Figur großartig. Gleichsam sind diese Figuren natürlich irgendwo auch eine Ode an die Kunst. So ist es vor allem die junge Idealistin und Träumerin Cristina, die sich locker zu linken Träumern zählen lässt. Dabei sind ihre Kritiken am vorherrschenden System in den USA durchaus berechtigt, wenngleich der Film auch andeutet, daß die Figur hierbei natürlich auch eine privilegierte Sicht einnimmt, die man sich etwa in Form von Reisen überhaupt leisten können muss. Sie spiegelt am ehesten aber auch noch das Ende der Adoleszenz wider. Dann ist Vicky eine eher ängstliche und pflichtbewusste Person, deren Charakter wohl die Ordnung und die Angst vor dem Verlust von Strukturen widerspiegelt. Daß das natürlich dann die Kritik am Kapitalismus zeichnet, scheint offenkundig. Dann kommen die Extreme in Form von Juan und María. Ersterer symbolisiert natürlich den Traum jedes systemkritischen Utopisten, der die Vollkommenheit in der grenzenlosen intellektuellen Freiheit gewonnen hat. Daß diese natürlich ebenso unperfekt anmutet, wird dann durch die Romantik und Zuneigung zu María deutlich.

Mitunter kann dem Gezeigten auch etwas die Luft ausgehen. Doch Abhilfe verschafft da klar der Auftritt von Penélope Cruz. Sie schafft es dem Zuschauer ebenso zu verdeutlichen, daß in einem Charakter wie Juan gar nicht mal so ein Unsympath stecken muss, wie es den Anschein im Umgang mit Frauen hat. Viel eher ist es doch die Leere, die hier versucht wird zu füllen. Dabei versteht der Charakter sich natürlich nicht als eben solcher. In Zweiten von Me-Too wirkt eine solche Figur natürlich wie Dynamit, wenngleich sie auch eine interessante Frage aufwirft, die der Film attestiert. So ist diese Ehrlichkeit der Figur durchaus erfrischend und regt zum Nachdenken an. Denn was von den zwei Damen zunächst als gruselig und oder ulkig empfunden wird, ist doch auch ein Plädoyer für die Auseinandersetzung mit der Sprache. Gerade weil die Figur sich so direkt und schnell artikuliert, können eigentlich keine Zweifel an den Absichten aufkommen. Daß ist insofern natürlich ehrlich und zeigt auf der anderen Seite aber auch, daß die Probleme, die durch komplexe Gespräche entstehen können, gar nicht erst auftreten, sofern man denn klarmacht, was man will. Daß heißt natürlich nicht, daß das zu keinerlei Probleme führt, dennoch ist die Kommunikation als solche nicht undeutlich.

Ein einfacher Urlaub führt die Figuren in Vicky Cristina Barcelona von einer absurden Situation in die nächste. Das ist besonders berauschend, durch das stetige Abändern des Status Quo und das Spiel der Akteure. Die Stadt hat ihren Charme, ähnlich wie die Figuren ihn haben und so lässt der Film Welten aufeinanderprallen, die natürlich in ihren Überlegungen dann zu einer Übereinkunft kommen können. Ob das gelingt oder nicht, darin liegt die Komik und Allen erzählt seinen Film gekonnt und mit viel Esprit.

Vicky Cristina Barcelona Bewertung
Bewertung des Films
710

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