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Wir Kritik

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0 Kommentare - 05.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Wir" ist.
Wir

Bewertung: 3 / 5

Die Familie Wilson um Adelaide (Luptia Nyongo), Gabe (Winston Duke), Zora (Shahadi Wright Joseph) und Jason (Evan Alex) verbringen einen gemeinsamen Sommerurlaub. Zusammen mit ihren Freunden, der Tyler-Familie um Kitty (Elisabeth Moss), Joss (Tim Heidecker) und deren Zwillingstöchter haben sie einen schönen ersten Urlaubstag am Strand. Doch als die Familie am Abend zurückkehrt, suchen sie plötzlich seltsame Gestalten heim.

Gleich zu Beginn von Wir stellt Jordan Peele die so sorgsam erlernten Qualitäten von seinem Debüt-Film Get Out (2017) in den Vordergrund. Nach einer Prämisse, die eigentlich erstmal zum Rätselraten einlädt, passiert eben jenes und lässt den Zuschauer mit Fragezeichen zurück. Was zu lernen wäre, wäre etwas, was man hier nicht zu erlernen weiß. Wenngleich Peele aber geschickt darin ist, Hinweise für Wiederholungen zu legen, so leidet dieser Film aber vor allem an einer Problematik. Und zwar, daß der Symbolismus und die Mehrdeutigkeit, den gesamten Film übernehmen und dann eigentlich dorthin führen sollen, daß der Zuschauer von ihnen so begeistert übernommen wird, daß die Inszenierung einzelner Momente, teilweise Simplizität an Lächerlichkeit nicht mehr zu übertreffen sind. Ok, der war hart. Aber je länger man sich mit Wir befasst, desto einfacher und klarer sind die Ideen, die Peele mit seinem Werk verfolgt. Es geht um die amerikanische Gesellschaft, die hier in einem Klassenkampf, ausgedrückt, durch die zwei Welten in eine Not geraten. Auch fällt auf, daß jeder nun in dieses Dilemma kommen könnte, wenn er eben an der falschen Stelle mal landet. Nun ist es sicherlich löblich, die amerikanische Gesellschaft, im Hinblick auf Klassizismus, Möglichkeiten und strukturelle Diskriminierung zu kritisieren. Doch auf der anderen Seite lässt Peele auch keinen Grund dafür zurück, warum man das so pseudoverschachtelt erklären muss. Zumal ja auch diese kapitalismuskritische Haltung, die sich eben in Zufall und ein Bekämpfen untereinander ausdrückt, jetzt keine Neuerung im Kino darstellt.

Trailer zu Wir

Frei nach dem Motto: Warum einfach, wenn es umständlich geht, sucht Peele hier den Horror in der Gesellschaft. Er präsentiert eine Welt, die komplett von der Trump-Administration vereinnahmt wurde und dennoch zeigt er hier nicht das plakative, sondern nur dessen Resultate, nicht aber dessen Funktionäre. Die Wahl von schwarzen Hauptfiguren mag sicherlich die wenigsten erschüttern. So ist natürlich die reine Repräsentation, bedingt durch die Unterrepräsentation im Medium, wie auch in der Geschichte durchaus etwas, was man schon von vorneherein als politisches Statement verstehen kann. Doch das eigentlich interessante liegt hier ja in der Doppelgänger-Thematik. Der sprichwörtliche Spiegel wird hier zur lebenden Angst. Das ist metaphorisch. Dann aber nicht immer zielführend. Man muss Peele lassen, daß er sich gut mit Symbolik auskennt. Doch wo soll das hinführen? Der Film tappt dabei lange im Dunkeln und will dem Zuschauer auch bewusst nichts an die Hand geben, mit dem er das Mysterium um die erscheinenden Doppelgänger lösen kann. Gerade hier muss man auch das Schauspiel der Hauptakteure hervorheben. Denn während die Kinderdarsteller Madison Curry und Evan Alex tatsächlich recht authentisch die Angst in Kindern herauskitzeln können, ist vor allem Lupita Nyongo als schwer traumatisierte Frau absolut atemberaubend. Dabei spielt Peele auch gekonnt mit üblichen Stigmen des Genres. Denn die Psyche spielt auch hier eine sehr wichtige Rolle.

Während man also davon ausgehen würde, daß bedingt durch ein irreales Erlebnis und ein damit ausgelöstes Trauma in der Hauptfigur, diese vielleicht nicht mehr ganz stabil herüberkommt, liegt genau darin ein großer Konflikt zwischen Zuschauer und Künstler. Denn während es vielleicht nicht Peeles Hauptintention war, hat er auch gerade im Umgang mit vermeintlich psychisch kranken Menschen, eine interessante These in den Raum geworfen. So geht die Psychologie ja davon aus, daß alles Irrationale, rationale Ursprünge hat, aber viele Traumata und psychische Leiden eigentlich mit Irrealem begründet werden. Doch Wir ist da anders, weil der Film das Trauma der Hauptfigur in einem realen Ereignis, das auch als faktisch dagewesen erklärt wurde, begründet. Insofern gibt es hier durchaus etwas Überirdisches, wenngleich man natürlich den Gedanken weiterspinnen müsste und unweigerlich zu der Frage käme, daß wenn es in der Filmrealität bestätigt wird, ja eigentlich nicht mehr Fiktion ist. Doch dadurch, daß der Film psychische Leiden so begründet und auch die Möglichkeit in den Raum stellt, daß da etwas ist, was über den Verstand und über das für die Mehrheit wahrnehmbare hinausgeht, spricht der Film sich auch stark für psychisch kranke Menschen aus. Insofern kann auch die Frage in den Raum geworfen werden, was gesund und was eigentlich überhaupt krank ist.

Daß Peele in seiner Parallelwelt somit natürlich auch die Angst vor dem sozialen Abstieg thematisiert, bedingt sich letztlich durch den brutalen Erhalt. Und weiterhin ist auch klar, daß dieser letztlich von oben nach unten geht. Gerade wenn es um die Bewohner der „Unterwelt“ geht, sieht man hier eine Art Solidargemeinschaft, die bereit ist, in den Krieg zu ziehen. Das ist im Übrigen eine weitere Stärke von Wir, oder auch Schwäche, je nachdem, wie man das sieht. Denn durch die latent plakative Wahl des Aussehens der Unterwelt-Menschen, streift Peele in einer Art kommunistischer Gemeinschaft, nach welchem die Eindringlinge hier Hand in Hand agieren und dennoch versuchen, die andere Welt zu infiltrieren. Dabei lässt der Film das als böse Vorahnung und gesellschaftlichen Kommentar so stehen. Auf der anderen Seite bleibt eine klare Positionierung Peeles in der Hinsicht auch aus, weil weder das eine, noch das andere letztlich niedergerissen wird. Zudem lassen sich hier auch wieder einige Querverweise auf Peeles Vorbilder erkennen. Über Die Goonies (1985), zu Der weiße Hai (1975), bis hin zu Halloween – die Nacht des Grauens (1978) zeigen sich sowohl in optischer Hinsicht, als auch teilweise inhaltliche Überschneidungen. Für die beste Auflockerung im Film hingegen sorgt Winston Duke, dessen Figur tatsächlich sehr charismatisch daherkommt, weswegen der Film auch dafür sorgt, daß der Zuschauer sich ihn und andere Figuren binden kann.

Wirr, etwas verkopft und vielleicht zu viel des Guten ist Wir. Ein Film, der bisweilen zum Lachen und bisweilen zum Denken anregen kann. Bei dem Versuch einen Rundumschlag auf die amerikanische Gesellschaft zwischen 2017 und 2021 zu zeichnen, scheitert Peele so ein wenig, weil er dafür viel zu verkopft in Metaphern arbeitet. Dennoch zeigt der Film auch in seinen einzelnen Momenten großartige Gedankengänge und liefert darüber hinaus auch tolle schauspielerische Leistungen.

Wir Bewertung
Bewertung des Films
610

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