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Abgeschnitten

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Wenn Fitzek und Alvart sich an einem südkoreanischen Rachedrama verheben - Achtung: ist nur meine Annahme, soll kein Vorwurf sein :-)

Abgeschnitten Kritik

Abgeschnitten Kritik
1 Kommentar - 01.12.2020 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Abgeschnitten" ist.
Abgeschnitten

Bewertung: 3 / 5

Manchmal ist es ein Fluch, dass man ein bißchen viele Filme gesehen hat. So auch in diesem Fall. Als ich den Trailer sah, und die rudimentäre Handlung wahrnahm (Während einer Obduktion einer Leiche findet der betreffende Arzt heraus, dass seine Tochter entführt wurde und wird in ein mörderisches Katz- und Maus-Spiel verwickelt.), musste ich unweigerlich an einen anderen etwas älteren Film denken, und der Trailer suggerrierte mir, dass es sich hierbei wohl um ein Remake handeln dürfte, zu ähnlich wirkte das Gesehene auf den ersten Blick. Hinzu kam, dass der vorliegende - neuere - Film auch unnötig reißerisch daherkam, was meine Lust, den Film zu schauen, auf ein Minimum senkte. Wenn man dann noch bedenkt, was ich vom vermeintlichen Original halte (nämlich dass er sogar für meine Verhältnisse ein bißchen zu nihilistisch und zu viel Kopfkino ist), wird einem irgendwie schon klar, dass dieser Film von vornherein eigentlich keine faire Chance von mir bekommen würde.

Doch dann bekam ich auch noch mit, dass der Film ja gar kein remake ist, sondern eine Verfilmung eines Romans von Fitzek. da schau an, dachte ich mir, die Südkoreaner haben also damals einen Roman von Fitzek verfilmt? Spannend. Und Pustekuchen. Der Film ist aus 2010, der Roman aus 2012. Selbst wenn Fitzek ein paar Jahre an dem Werk gearbeitet haben dürfte, wird die Idee zum Film deutlich früher gereift sein. Hmm, dann doch neugierig geworden, habe ich mir dann den Film wider besseren Wissens (Christian Alvart führt Regie, da kann eigentlich nichts Gescheites bei rumkommen) eben doch angeschaut.

Trailer zu Abgeschnitten

Und was soll ich sagen: Ausser der Grundprämisse sind die Filme tatsächlich unterschiedlich wie Tag und Nacht. Während Alvarts Film ruhelos von A nach B hetzt und auf einen Cheap Thrill nach dem anderen setzt, und dabei genüsslich einen Serienkillerklassiker nach dem anderen recht unbeholfen imitiert, sorry zitiert, und die eigentlich wirklich guten Schauspieler mehr als nur einmal ins Leere laufen oder gegen die Leere seines Nichtkönnens vergeblich ankämpfen lässt, mit einem selten blöden Finale, sowie einem zweiten Handlungsstrang um einen Stalker, der einfach im luftleeren Raum belassen wird, handelt es sich bei dem südkoreanischen Film um einen astreinen Rachethriller, wie sie nur die südkoreaner hinkriegen, mit aller Konsequenz. Doch dazu gleich mehr. Erstmal Fitzeks Werk.

Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was die ganze Geschichte soll, wieso manche Figuren eingeführt werden, wozu sie was tun, und was ihre tatsächliche Motivation ist. Sie sind irgendwelche Abziehbilder von besseren Vorgängern, wo solche Figuren eingeführt udn mit Leben gefüllt werden, so dass auch eine tatsächliche Beziehung zwischen den Figuren entsteht, hier ist das alles Behauptung. Der Praktikant, der just immer im richtigen Moment da ist, bietet sehr viel Möglichkeiten einerseits Bleibtreus Charakter von seinem hohen Ross runter zu holen, oder auch irgendwann eine garstige Wendung zu nehmen. Doch es wird weder das eine noch das eine erfolgreich parktiziert. Noch schlimmer erwischt es Yardims Charakter, der den depperten Sidekick mimen darf. Wozu das alles? Die Geschichte macht auch vorne bis hinten keinen Sinn, und von Rache bleibt auch nicht viel außer einer fröhlichen Schnitzeljagd übrig, mit allen Beteiligten, die besser dastehen als vorher. keine Moral, kein gar nichts. Ich weiss nicht, ob Fitzeks Roman genau so verfährt, aber das ist ein bißchen wenig, um heute noch zu fesseln, wenn man eine abgedroschene Story hat und dann noch nicht mal die Musse hat, die Malen nach Zahlen Gefilde auch nur ansatzweise zu verlassen, immer alles schön sicher und altbacken archaisch zu Ende bringen.

Der südkoreanische Film "No Mercy", von dem ich mir ehrlich gesagt ziemlich sicher bin, dass ihn Fitzek zumindest gesehen und die Grundprämisse übernommen hat, geht da einen komplett anderen Weg: Hier haben wir den super arroganten Arzt, dem die Leichen auf dem Tisch nicht sonderlich bedeuten und der dann natürlich auch dementsprechend agiert, die wirklich glaubhaft verzweifelte Tochter, und dann eben doch noch einen völlig anderen zweiten Handlungsstrang, den ich jetzt nicht verraten möchte, für den Fall, dass ich den einen oder anderen doch neugierig machen konnte, der aber den Film dann ganz genau in die Gefilde eines Rache-Epos südkoreanischer Couleur verortet. In solche Regionen, wo schon Oldboy, Mr Sympathy, Lady Vengeance, I saw the Devil und wie sonst noch alle heissen mögen. Der Film ist hoch moralisch, irgendwann extrem verstörend und hat ein derart moralisch kompromissloses aber dafür aufrichtiges Ende, dass ich ihn seither nicht noch einmal schauen wollte. Der Film ist nie selbstzweckhaft, lebt ausladend stark von seinem Schauspiel und dreht die Hauptfigur über den Punkt des ihn brechens durch den Wringer. Und im Gegensatz zu Oldboy oder Lady Vengeance gibt es auch keine Erlösung mehr.

Fitzek wird sicherlich diese nihilitisch wirkenden Aspekte zu Gunsten einer ach so angelsächsischen Herangehensweise abgemildert und eurasientauglich variiert haben, aber wenn man nur mal ein paar Kilometer nordöstlich nach Skandinavien schaut sieht man, dass es auch in Europa gut funktionieren kann. Man muss es eben halt nur können. Natürlich mag ich mich irren, kann sein, dafür gehen die Filme schon von Anfang an recht weit auseinander, aber irgendwie habe ich so ein Gefühl.

Wie auch immer:

Abgeschnitten ist ein spannender No-Brainer, der sehr gut unterhält aber nichts als Fastfoodgeschmack hinterlässt, sozusagen ein typischer Alvart: 5 Punkte, aber Bleibtreu und die Frau, mit der Christian Ulmen trotz Krebsdiagnose in Staffel 2 von jerks vor laufender Kamera Schluss macht, rettet ihn auf solidere 6 Punkte als er verdient.

No Mercy im Vergleich ist ganz schwere Thrillerkost, die einem die Eingeweide zuschnürrt und einen nicht nochmal zu Tisch bittet: 7-8 Punkte, die niedrigere Zahl nur wegen der extrem schweren Verdaulichkeit, von der Machart, dem Inhalt, Stil, Schauspiel locker 8 Punkte, und ganz sicher einer der besseren beiträge Südkoreas zum Thema Rache, und das will wirklich was heissen!

Abgeschnitten Bewertung
Bewertung des Films
610
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1 Kommentar
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MobyDick : : Moviejones-Fan
01.12.2020 12:53 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.135 | Reviews: 149 | Hüte: 472

Und jetzt auch mal wieder eine vergleichende Kritk, ich denke, ich bin wieder da - zumindest vorerst wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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