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American Fiction

Kritik Details Trailer News
Subtile Satire auf Hollywood- & Oscar-Mechanismen

American Fiction Kritik

American Fiction Kritik
2 Kommentare - 06.03.2024 von luhp92
In dieser Userkritik verrät euch luhp92, wie gut "American Fiction" ist.

Bewertung: 4 / 5

Basierend auf dem Roman "Erasure" von 2001, das Thema ist so aktuell, man kann es kaum glauben, dass es sich dabei um einen bereits 23 Jahre alten Roman handelt.

Inhaltsangabe:
Das Leben des gefeierten Autors und Literaturprofessors Thelonious “Monk” Ellison fällt langsam auseinander. Die Verlage interessieren sich kaum noch für seine Arbeit, er schreibe "nicht schwarz genug", während seine Konkurrenz sich in Ghetto-Klischees suhlt und dafür endlose Lorbeeren erhält. Schließlich platzt Monk der Kragen und er verfasst unter Pseudonym einen Roman, der wirklich alle Klischees über Schwarze enthält. Womit er nicht gerechnet hatte, war, dass das Buch reißenden Absatz findet und er sich nun mit dem Monstrum auseinandersetzen muss, das er aus Trotz geschaffen hat.

Spoiler

Ich musste nach dem Sehen erst einmal etwas nachdenken, bis mir klar geworden ist, was man hier eigentlich zu Gesicht bekommt. Bis zur Schwarzblende sehen wir im Prinzip nicht Cord Jeffersons "American Fiction", sondern Monk Ellisons Satire, die Meta-Drehbuchadaption von "Fuck", in die er seine eigene Geschichte hineingeschrieben hat. Nach der Schwarzblende dann die ersten Szenen, die in der Realität stattfinden, Regisseur Wiley und Monk besprechen das offene, ambivalente Ende des Drehbuchs und es wird zu Monks Missfallen zum einem campigen Blaxploitationverschnitt umgeschrieben. Das hat was vom Adam McKay. Schon ein genialer Einfall seitens Cord Jefferson.

Ich wollte mich zunächst eigentlich über zu viel Hollywoodverkitschung in "American Fiction" beklagen, diese Peptalks des Bruders und der Mutter mit offensichtlichem Inhalt, die Monk Ellison vom Akademiker-/Literatenmisanthropen auf den rechten Pfad (Versöhnung mit der Freundin, Identitätsoffenbarung) bringen sollen. "Menschen wollen dich lieben, zeig ihnen dein wahres Ich", "Du bist ein einsames Genie wie dein Vater". Aber als Teil der Drehbuchadaption von "Fuck" für diesen Hollywoodkitsch- und Oscarbait-Regisseur ist das rückblickend schon sehr passend. Diesbezüglich würde ich im Allgemeinen auch den Fokus auf eine dysfunktionale Familie mit tragikomischer bzw. bittersüßer Narrative nennen, das trifft genau den Hollywood-/Oscar-Ton. Monk Ellison hat seine Satire "Fuck" über die afroamerikanische Literatur zu einer Satire über Hollywood umgeschrieben

Spannend ist da nun die Frage, ob die Öffentlichkeit zum Zeitpunkt der Drehbuchbesprechung am Ende bereits weiß, dass es sich bei Monk Ellison um Stagg R. Lee handelt, oder ob sich Monk die Offenbarung als große Trollaktion für den Moment aufspart, wenn der Film erscheint.

Sicherlich hätte "American Fiction" als Satire noch subversiver und derber ausfallen können, dann wäre der Film definitiv noch witziger und unterhaltsamer geworden. Auf der anderen Seite stelle ich mir die Frage, mit der "Fuck"-Adaption vor Augen, hätte Regisseur Wiley eine solche Satire durchgewunken? Etwas Satire und Ironie sind in Ordnung, aber so, dass es nicht weh tut und dass sich Hollywood und die Academy noch selbst auf die Schulter klopfen können. Diese Vorgehensweise lässt sich ebenfalls dem Spiel zuschreiben, welches Monk Ellison und Cord Jefferson hier treiben.

Mir gefällt, wie subtil Cord Jefferson seine Satire schreibt, er verspottet die Hollywood- und Oscarmechanismen fast schon, ohne dass es auffällt. Parallelisiert dazu, wie Monks "Fuck" nicht als Satire erkannt, sondern stattdessen als ernstgemeinter Milieuroman gefeiert und ausgezeichnet wird. In diesem Sinne handelt es sich bei "American Fiction" womöglich also um einen Erfolg der anderen Art, wenn man bedenkt, dass der Film gleich für fünf Oscars nominiert ist, darunter für Film und Drehbuch^^

American Fiction Bewertung
Bewertung des Films
810

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2 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
07.03.2024 19:10 Uhr | Editiert am 07.03.2024 - 19:18 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 17.379 | Reviews: 180 | Hüte: 634

Vorab-Info: Spoiler.
Ich habe im Review keine Spoilerbalken gesetzt, werde es hier auch nicht tun.


@PaulLeger

Alles vor der Schwarzblende spiegelt ja nicht die Realität in "American Fiction" wieder, sondern es handelt sich dabei um das Drehbuch, welches Monk geschrieben hat. Es handelt sich also um die satirische bzw. karikierende Version eines gefälligen und Oscar-baitigen Hollywooddrehbuchs.

Das meine ich mit subtil. "American Fiction" verkauft den Großteil seiner Geschichte für bare Münze, sie wirkt natürlich entsprechend so und ist für sich betrachtet qualitativ gesehen auch nicht schlecht, aber letztendlich handelt es sich nur um eine Fiktion.

Zum Satireaspekt: Hollywood und die Academy lieben ja durchaus ihre Satiren, solange sie nicht zu weh tun, nicht wie Nestbeschmutzer wirken. Sie dürfen durchaus unter die Gürtellinie schlagen, solange sich die Künstler und die Jury dabei wenigstens auf der richtigen Seite wähnen können. In genau diese Kerbe schlägt "American Fiction" mit seiner fiktionalen Ebene, eine witzige, aber nie zu garstige Satire. Sogar für so ein trashiges Blaxploitation-Ende ist sich die Fiktion nicht zu schade, gefühlt direkt aus der Feder von Hollywood-/Oscar-Liebling Adam McKay.

Zudem wird die fiktionale Satire noch umrahmt und abgedämpft von einer rührseligen Familien- und Beziehungsgeschichte, bei der man dann auch gleich die Oscar-Checkliste (Krankheit, Tod, Selbstmord, Homosexualität, Rassismus, Bruch und Versöhnung) abhaken kann.

Ich muss schon wieder darüber schmunzeln, wie gelungen entlarvend und spöttisch ich es finde, die fiktionale Ebene für uns als Publikum 1:1 so ablaufen zu lassen und erst 10-15 Minuten vor dem Ende des Films damit zu brechen. Schneide alles ab der Schwarzblende weg und "American Fiction" würde wahrscheinlich ebenso als Satiredrama gefeiert werden, ebenso für fünf oder mehr Oscars nominiert werden.


"My Pafology" gefiel mir als Wortspiel ebenfalls besser^^ Als Monk dann ernsthaft mit dem "Fuck" anfing, überkam mich wie seinem Agenten erst die Fremdscham, bis ich Monks Chuzpe dann irendwann gefeiert habe, die Verleger haben im Endeffekt ja nichts anders verdient.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
07.03.2024 00:46 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 2.347 | Reviews: 17 | Hüte: 261

Würde die Satire nicht als subtil bezeichnen, die Punchlines sind schon ziemlich offensichtlich. Ist eher so, dass sie nie garstig genug werden, um die Academy-Voter abzuschrecken.

Ein Beispiel: Wenn die Literatur-Jury "Fuck" den Preis mit der Begründung "I think its essential to listen to black voices right now" zuerkennt, dabei aber die Meinung der beiden schwarzen Mitglieder ignoriert, ist das alles andere als subtil und es fällt auch nicht schwer den Bogen zu Oscar-Siegern wie "Green Book" zu schlagen, bei dem die Academy meinte einen wichtigen Film zur Rassismus-Frage auszuzeichnen und dabei übersehen hat, dass die meisten Schwarzen den Film als klischeebeladenes Rührstück ablehnen.

Übrigens fand ich "My Pafology" als Titel so viel cooler als "Fuck"^^

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