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Amsterdam

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Amsterdam Kritik

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Amsterdam Kritik
1 Kommentar - 03.12.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Amsterdam" ist.
Amsterdam

Bewertung: 3 / 5

Der Soldat Harold (John David Washington) und Arzt Burt (Christian Bale), sowie Krankenschwester Valerie (Margot Robbie) lernen sich in einem Lazarett im Ersten Weltkrieg kennen und werden beste Freunde. Doch bald schon trennen die Wege der Herren wieder von Varlerie. Als die beiden Freunde zurück in den Staaten einen Mord beobachten, werden sie der Tat selbst beschuldigt und müssen vor der Polizei fliehen. Auf der Suche nach der Wahrheit finden die drei wieder zusammen und kommen einer Verschwörung auf die Schliche.

Um einen Teil der Academy zu beeindrucken, bedarf es vielen, ähnlichen Themen, die das Kino meist zum Herbst hin bedient, um die vermeintlich größte Film-Trophäe des Kinos an sich zu nehmen. Oscar bait nennt man das. Filme, die nur noch dafür produziert werden, damit sie diese und viele weitere Preise einheimsen können und an sich nehmen. Inwieweit das noch etwas mit Kunst zu tun hat, wenn man seine gesamte Filmproduktion nur danach ausrichtet, nur dafür überhaupt schreibt, um den begehrten Preis endlich in den Händen zu halten, darf jeder für sich selbst entscheiden. David O. Russell ist wohl einer der prominentesten Vertreter jener Arbeitsweise und ist über Insider hinaus, wohl niemandem ein Begriff. Wenngleich er mit The Fighter (2010), Silver Linings (2012) und American Hustle (2013) im Zuge der 2010er Jahre viele Filme inszenierte, die in vermeintlich gehobenen Kreisen Anklang fanden, so ist sein Name, gleichwohl er ähnlich lange wie etwa David Fincher und Christopher Nolan herumgeistert, den wenigsten überhaupt ein Begriff. Lange Zeit ließ er nach seiner unter Pseudonym veröffentlichen Komödie Liebe ohne Krankenschein (2015) verstreichen, bis er mit Amsterdam zum Ende des Jahres 2022 zurückkehrte. Dem Kritikerspiegel zufolge hätte er das auch besser direkt gelassen, denn sowohl kommerziell als auch künstlerisch gilt sein neustes Werk als Flop. Und das vielleicht auch zu Recht.

Trailer zu Amsterdam

Dem zu folgen, was Amsterdam eigentlich erzählen will, dürfte Menschen, die nun wirklich nicht jede einzelne Minute des Films aufsaugen, unmöglich sein. Denn tatsächlich ist dieses Werk um eine Verschwörung zur Installation eines faschistischen Regimes im Amerika der 1930er Jahre ganz unüberschaubar erzählt. Es geht zunächst um Freundschaft, dann um einen Mord, dann um falsche Verdächtigungen, dann um Rückkehr, Wiedervereinigung, Liebe, Hass, Trennung, Schmerz, Bedrohung und und und und. Amsterdam ist ein Episodenfilm, ohne wirklich eine Episode aus dem Leben jener Charaktere zu erzählen. Man weiß über das charmante Trio um einen Arzt, einen Anwalt und eine Krankenschwester nur, daß sie eben jene Berufe ausübten, Freunde und vielleicht sogar noch mehr geworden sind. Dabei verpasst O. Russell es aber komplett, dem Zuschauer irgendwie zu erklären, was die Charaktere eigentlich wollen. Warum die Geschichte dann überhaupt jene Richtung einschlägt und was die Figuren mit dem Geschehen zu tun haben sollten, abseits der Tatsache, daß sie da zufällig hineinstolpern, daß bleibt ungewiss. Und wenn man weder Motivation noch die Geschichte in irgendeiner Weise nachvollziehen kann, dann hat man ein Problem. Und das ist besonders erbärmlich, weil die Geschichte in sich, beziehungsweise, daß, was diese böse Organisation im Hintergrund eigentlich möchte, nicht mal wirklich komplex ist.

O. Russell erweist sich hier erstmals unter eigenem Namen als kompletter Blender. Sein Stil ist so zurückhaltend, sein Drehbuch dumm, sein Staraufgebot zweckdienlich, und das einzige, was wirklich dem gesamten noch Unterhaltung gibt. Ja, Amsterdam ist sicherlich kein ausgeklügelter, innovativer und intelligenter Film. Der geschichtliche Kontext und das Verständnis überhaupt auf jene Auflösung zu kommen, bleiben zugunsten von Stil komplett auf der Strecke. Es wäre nicht vermessen, dieses Werk wohl als eines der dümmsten des Jahres zu bezeichnen. Und dennoch, hinter all dem Blödsinn, der da erzählt wird, kann man eines sicherlich nicht abstreiten, irgendwie unterhält der Film schon. Es ist Blenderei. Es ist eine Mogelpackung und trotzdem kann man an jenem Staraufgebot Spaß haben. Man muss sich nur mal überlegen, welchen Stellenwert O. Russell bei Schauspielern genießt, wenn sich Bale, De Niro, Malek, Robbie, Taylor-Joy, Shannon oder auch Saldaña hier die Klinke in die Hand geben. Insgesamt erinnert der Film dabei weniger an die Staraufgebote seiner vergangenen Werke, die zumindest im Falle von American Hustle (2013) vollends gegeben waren, sondern an einen Film von Wes Anderson. Doch herrscht in Andersons Werken noch intellektueller Nonsens, so kann man das Wort Intellektuell in diesem Kontext getrost streichen. Ja, daß sieht gut aus und in weiten Teilen macht der Film auch Spaß, aber mehr ist es im Endeffekt nicht und so hat man vermutlich wenige Stunden nach dem Schauen schon vergessen, was da irgendwo und irgendwie passiert.

Über weite Strecken wirkt die Spielart von Christian Bale relativ affektiert. Das macht Spaß, weil es auf einer Meta-Ebene schon wieder beeindruckend ist, daß er eigentlich alles an die Wand spielt, was mal neben ihm steht. Gleichsam ist das auch eine typische Oscar bait-Rolle, weil er exzentrisch ist, sich abgemagert ist und den Zuschauer vollends an seiner überdrehten Psyche teilhaben lässt. Erstaunlich ist auch, daß der Film seinen Fokus auf eine Freundschaft richtet, die sowohl charakterlich als auch in ihrer Altersdivärsität Seltenheitswert genießt. Dabei vereint der Film sowohl unterschiedliche Klassen, als auch Ideologien und spricht somit ein Plädoyer gegen den Rechtsruck in weiten Teilen Amerikas auch. Stichwort: Donald Trump. Mehr muss man an der Stelle nicht sagen und man ist es auch schlicht und ergreifend Leid. Daß die Problematik so aufgegriffen wird, ist indes durchaus fragwürdig, weil man nicht unbedingt in die Vergangenheit kehren muss, um die Gegenwart zu erklären. Zumal der Vergleich hier auch etwas hinkt und man etwa an einem Fabian oder der Gang vor die Hunde (2021) wesentlich intelligenter und eindrucksvoller verstehen konnte, wo die Parallelen liegen.

Man mag für verrückt gehalten werden, wenn man Amsterdam irgendwie unterhaltsam und belustigend findet. Wer das tut, der hat ein wahres Guilty Pleasure für sich entdeckt. Schuldig, gerne schuldig. Dabei ist alles auf große Kunst gemünzt und mit einer Prise Schwachsinn übergossen, sodass ein wahrhaft großes Fest für Menschen entsteht, die gerne viele Hollywood-Stars beobachten.

Amsterdam Bewertung
Bewertung des Films
610

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landtoday : : Moviejones-Fan
11.12.2022 02:43 Uhr
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Dabei seit: 17.11.22 | Posts: 61 | Reviews: 0 | Hüte: 0

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