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Ant-Man

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Ant-Man Kritik

Ant-Man Kritik

Ant-Man Kritik
0 Kommentare - 29.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Ant-Man" ist.
Ant-Man

Bewertung: 3.5 / 5

Der Meisterdieb Scott Lang (Paul Rudd) ist gerade aus dem Gefängnis entlassen. Unterschlupf findet er bei einigen Freunden und versucht durch ehrliche Arbeit eine Beziehung zu seiner Tochter Cassie (Abby Ryder Fortson) aufzubauen. Doch einen Job zu finden fällt Lang schwer, da niemand einen vorbestraften Mann einstellen möchte. Kurzerhand nimmt er das Angebot seines ehemaligen Zellengenossen Luis (Michael Peña) an und plant mit einer Gruppe zusammen einen weiteren Einbruch. Das Team bricht in das Haus des Biochemikers Dr. Hank Pym (Michael Douglas) ein. Doch anstatt Wertsachen und Geld vorzufinden, findet der eingestiegene Lang findet nur einen seltsamen Anzug vor. Dieser ermöglicht es seinem Träger, sich zu schrumpfen. Eine Fähigkeit, an der auch der zwielichtige Geschäftsmann Darren Cross (Corey Stoll) ein Interesse hat. Schnell rekrutiert der mysteriöse Pym Lang und erzählt ihm im Beisein von seiner Tochter Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) von einem Plan.

In seinen Vorbereitungen zu Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017) nannte Autor und Regisseur James Gunn seinen Film eine Geschichte über Väter. Eine wirklich grauenerregende Zusammenfassung und das nicht, weil sie nicht stimmte. Im Gegenteil sie stimmt und ruft damit das hervor, was in der Psychoanalyse nach Freud wohl der sogenannte Vaterkomplex sein dürfte. Alles, wirklich jeder Mist definiert sich über Daddys. Das zeigt zum einen zwar die patriarchale Grundordnung auf, zum anderen liegt aber auch das Problem hier darin, daß das eben keinerlei Originalität aufweist. Nun ist Ant-Man noch wenige Jahre älter als Gunns zweiter Ausflug ins Weltall, kann und muss aber auch in dieser Tradition verstanden werden. Denn auch hier dreht es sich im Kern um Väter. Scott Lang und seine Tochter. Hank Pym und seine Tochter. Darren Cross, der in Pym ebenfalls einen Vater sieht. Paxton der Ersatzvater für Scotts Cassie und so weiter und so fort. Das Familienunternehmen betreibt hier wüste Propaganda, nachdem die Dramenlehre um William Shakespeare, oder etwas näher Friedrich Schiller, auf den sich die Marvel-Filme spätestens seit dem Kauf durch Disney immer berufen, das vermeintliche Zentrum der Geschichtenerzählung werden. Es geht nur noch um Familie und irgendwo in einem viel zu großen Haus mit vielen Autos weint gerade ein Vin Diesel.

Trailer zu Ant-Man

Soll das erwachsen sein? Ja, die Frage ist ja durchaus berechtigt. Ist es Erwachsen seine Identität auf seinen Erzeuger zu zentrieren und damit sich als Individuum selber zu minimalisieren? Gut, das ist eine andere Debatte und führt etwas weg von Ant-Man. Doch gerade dieser Anstoß lässt ja fragen, ob das funktioniert. Und im Falle eines Darren Cross, der hier so eine Art Spiegel von Scott Lang sein soll, tut es das eben nicht. Spätestens zum Dritten Akt fühlt es sich aus Darrens Perspektive so an, als würden da Brüder um die Gunst des Daddys buhlen oder sie hätten irgendeine Verbindung zueinander. Nur ist diese Verbindung und der Hass, der die Figur antreibt, absolut lächerlich. Ich meine, wie viele Szenen teilen Antagonist und Protagonist hier wirklich? Das ist albern. Wohingegen Ant-Man als Marvelfilm im Allgemeinen durchaus erstaunlich ist. So stellt er einen Dieb, einen vermeintlich Bösen in den Mittelpunkt, der ganz sicher schon ein Held der Arbeiterklasse ist. Zwar hat er nicht die Attitüde eines John McClane in Stirb langsam (1988). Doch es ist klar, daß hier ein Mensch ins Zentrum gerückt wird, der eben keine großartigen Fähigkeiten besitzt, die man gesellschaftlich als nützlich erachtet, oder irgendein Serum geschluckt hat. Nein, Scott Lang ist einfach ein Mensch und damit ein klassischer Working Class-Hero. Daß aus der Vita von Marvel ist auch insofern erstaunlich, da die Filme der Comic-Schmiede bis auf wenige Ausnahmen eher neoliberaler Natur sind und die gehobene Oberschicht zeichnen. Wer Beispiele braucht, der findet sie in Iron Man, Thor, Hulk, Black Panther oder eben Doctor Strange.

Und dieser Scott Lang kommt also gerade aus dem Gefängnis. Interessant ist hier, daß das ebenso wieder als klassischer Resozialisierungsfilm fungiert, in welchem der Protagonist lernt, gut zu werden. Wobei Ant-Man da eben auch die Frage stellt, inwiefern Resozialisierung funktionieren kann, wenn einem niemand eine Chance gibt. Und damit ist Ant-Man vielleicht eines der besten Werke in diesem Segment. Denn Scott Lang versucht ja ehrliche Arbeit zu finden, doch mit seiner Akte ist das eben quasi unmöglich, wie sich am Beispiel von Baskin-Robbins zeigt. Auch für Scott Langs Freunde scheint ähnliches zu gelten und darin könnte man sogar noch eine Verhöhnung des amerikanischen Traums lesen, indem sich die neoliberalen ja auch gerne suhlen. Amerika ist als Land so kulturell divers, daß es fast unmöglich ist, einen wahren Ur-Amerikaner zu finden. Für Neoliberale ist diese kulturelle Offenheit dann wiederum sehr wichtig, weil es ihnen eine Menschlichkeit gibt und etwas von dieser marktgesteuerten Kultur ablenkt. Im Falle von diesen Freunden zeigt sich aber, wie schnell das fehlschlagen kann, weil eben die kulturelle Vielfalt hier unter anderem ausgedrückt durch mexikanisch und russischstämmige Amerikaner, dann in Kriminalität abdriftet. Oder einfacher ausgedrückt, der Staat und der Markt, in den so vertraut wurde und der so naiv verkauft wurde, haben versagt und sie zwingen diese Menschen im Prinzip dazu.

Nun ist Ant-Man aber auch zunächst bloße Unterhaltung. Ein Film, der durch die üblichen Manierismen eines Blockbusters zum Erfolg werden sollte. Ein bisschen Witz und ein bisschen Action. Gut, zugegeben, daß unterscheidet sich mitunter schon ein wenig von anderen Werken und so ist dieser Film, vor allem darin gut, tatsächlich gelungene ironische Brechungen aufzubauen. Natürlich kann man als Zuschauer einen Superhelden, der sich auf Ameisengröße schrumpft, nicht ernst nehmen. Daher funktioniert es eben auch Dinge zu verkleinern und zu vergrößern und etwa mit Thomas der Lokomotive ein Dach zu zerstören. Das ist etwa unglaublich intelligent, aber in jedem Fall kreativ und etwas weggerückt vom klassischen Pathos vieler dieser Werke.

Ein Held der Arbeiterklasse wird in Ant-Man geboren und geschrumpft. Eine eigentlich lächerliche Konzeption, die aber mit dem richtigen Witz durchaus aufgeht. Ob man nun einen solchen Schurken gebrauchen kann, oder nicht, sei mal dahingestellt. Tatsächlich funktioniert das aber als Spiegel und Marvel ist hier ungewöhnlich systemkritisch vorgegangen, was erfrischt.

Ant-Man Bewertung
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