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Die Outsider

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Die Outsider Kritik

Die Outsider Kritik

Die Outsider Kritik
0 Kommentare - 24.04.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Die Outsider" ist.

Bewertung: 3 / 5

Im Jahr 1966 geraten die Herumtreiber, die „Greasers" Ponyboy (C. Thomas Howell) und Johnny (Ralph Macchio) in einen Konflikt, nach welchem Johnny ein Mitglied der „Socs" ersticht. Grund dafür ist die hübsche Cherry Valance (Diane) an der einer der Jungen ein Interesse hegt. Allerdings hat auch der verfeindete Bob Sheldon (Leif Garret) ein Auge auf die junge Frau geworfen. Nun versuchen sich die Konkurrenten aus dem Weg zu räumen, was zu einem größeren Bandenkrieg führt.

Man möchte die Geschichte um Die Outsider einerseits loben, weil sie den systemischen Klassenkampf zweier rivalisierender Banden, die in ihrem Kern eigentlich gar nicht so verschieden sind, in den Mittelpunkt rückt. Ebenso ist der Film auch in Hinblick auf die Entwicklung des Coming-of-Age-Filmes ein nicht unwesentliches Werk über die erschreckende Ehrlichkeit der Adoleszenz. So sucht der Film seine Hauptfiguren in einem Milieu, welches eben vor Kriminalität, dem männlichen Trieb sich zu bewähren und auch klassischen Machtgefügen nur so strotzt. Dabei stellt der Film clevere Fragen und zeigt die schier einzig logische Konsequenz aus sinnloser Gewalt. Dabei sind die Figuren keineswegs reine Unschuldslämmer und so sind es eben diese eher wenig rational wirkenden Handlungen, die gerade erwachsenen Zuschauern doch wenig Substanz geben könnten. Doch gleichzeitig steht dieser Film eben auch in der Tradition vieler Genre-Vertreter, indem er seine Figuren und deren Probleme nicht eindimensional schildert und sie damit zu echten Menschen werden lässt. So gibt Coppola seinen Figuren eine Tiefe, indem er sie an ihrem Handeln zerbrechen lässt. Dabei zeigt sich Coppolas Regie auch als wahrer Segen, denn er inszeniert seine Helden als waschechte Antihelden, die einem System zum Opfer fallen. Daß Coppola darin ein Meister ist, zeigte er schließlich auch mit Der Pate (1972) und Der Pate – Teil II (1974), und so macht er auch hier seine Figuren nicht eben einfach nur zu verzweifelten Gestalten ohne eine Wahl.

Trailer zu Die Outsider

Es ist natürlich ein typisches Thema für den Regisseur. Dabei merkt man Coppola sein Gespür für die Zeit, in der der Film spielt, deutlich an. Selten wird eine Epoche so detailgetreu eingefangen, ohne dabei an Glaubhaftigkeit einzubüßen. Klar wirken die Figuren wie viel Hollywoodverhältnisse so üblich auch recht prägnant, dennoch spiegelt sich in ihrem Erscheinen und Reden auch eine gewisse Ehrlichkeit wider. Wenngleich das Frauenbild hier natürlich etwas fragwürdig erscheint. Man mag das zwar der Zeit verschulden, dennoch kann man auch nur etwas am Status-Quo ändern, wenn man den Status-Quo ankreidet. Und so degradiert der Film wie schon so viele Werke Coppolas die Frau zum Objekt der Begierde, nicht aber zu wahren Menschen. Daß wird zwar von Diane Lane unglaublich charmant verkörpert, doch ihre Figur verbleibt, auch im Hinblick auf das dürftige Drehbuch sehr blass. Das scheint auch allgemein ein Problem an Die Outsider zu sein. Denn während die Figurenzeichnung der Haupt-Clique und deren Konflikte gut gezeichnet werden, so sind alle anderen Figuren und die gesamte Geschichte recht holprig geschrieben. Daß mündet sogar darin, daß die Katharsis des gesamten Werkes sehr abrupt ihr Ende findet und der Zuschauer die gesamte Zeit das Gefühl bekommt, ein eher unfertiges Werk präsentiert bekommen zu haben.

Interessant ist, daß der Film hier im starken Kontrast zu den sonst auf psychischer Ebene agierenden Werken von John Hughes steht. So handeln The Breakfast Club (1985), oder Pretty in Pink (1986) eigentlich von Individuen, die von ihren Vormunden, oder der Gesellschaft psychisch malträtiert werden, während Die Outsider primär von der wahrhaftigen physischen Gewalt berichtet. Natürlich ist der Kampf zweier unterschiedlicher Gangs auch sehr stark an West Side Story (1961) angelehnt, wenngleich die Liebe hier nur marginal eine Rolle spielt. Dies wird zudem wunderbar von dem namhaften und charmanten Cast getragen. Ob C. Thomas Howell, Matt Dillon, Rob Lowe, Tim Cruise, Diane Lane oder auch Emilio Estevez. Alles, was mal Rang und Namen in Hollywood hatte und zu Teilen immer noch hat, ist in diesem Film vertreten und machen das Werk natürlich auf einer Meta-Ebene auch zu einem Cameo-Fest.

Am ehrlichsten ist Die Outsider wohl, wenn es um die reine Katharsis geht. So ist das Ende zwar durchaus zu kurz gekommen und man fragt sich auch noch, wie die einzelnen Schicksale einiger Figuren aussehen. Doch auf der anderen Seite liegt gerade in der Härte der Geschichte eine Wahrheit. So wissen alle Beteiligten, daß es nie einen Frieden geben kann. Es kann kein Szenario geben, bei welchem die Figuren sich einfach nur die Hand reichen und dann Freunde werden. Ob sie wissen, warum sie sich bekriegen, sollte man sie wohl nicht fragen. Doch das ist gar nicht wichtig, denn ein Grund für eine Antipartie findet sich immer recht schnell. Sie bekriegen sich, weil niemand ihnen lehrte, daß sie einander die Hand reichen müssen. Sie bekriegen einander, weil sie bewusst dazu getrieben werden. In einer Welt voller traumatisierter Väter und überforderter Mütter, suchen die Kinder etwas zum revoltieren. Und so sagt es, auch wundervoll, die Tagline des Filmes „Rebellen ohne Grund" Es ginge vermutlich auch jedem anderen so. Sähe der Film sich als Studie über die Upperclass so würde die Monotonie, oder auch die Hoffnung nach Beachtung allein zum Konflikt führen. So genau ist das nicht zu klären und so banal ist es vermutlich auch nicht. Dennoch schuf Coppola hier erneut eine kalte Welt, in der niemand sich Frieden herbeisehnt und die von purem Hass beherrscht wird.

In den Händen von Francis Ford Coppola wird zu einem Werk, daß durchaus das Zeug zum Maß aller Dinge hätte. Auf Epos getrimmte Milieu-Studie, die seine Akteure ernst nimmt und ihnen das Verständnis um ihre Welt abspricht. Doch darin steckt eine große Wahrheit, schließlich suchen Menschen ihr Leben lang. Auf der anderen Seite ist das gesamte Werk zu abgehackt, manche Charaktere finden keine Katharsis und überhaupt wirkt das ganze Werk unvollständig.

Die Outsider Bewertung
Bewertung des Films
610

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