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Die Tiefseetaucher

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Die Tiefseetaucher Kritik

Die Tiefseetaucher Kritik

Die Tiefseetaucher Kritik
0 Kommentare - 08.06.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Die Tiefseetaucher" ist.

Bewertung: 3 / 5

Der Meeresforscher Steve Zissou (Bill Murray) möchte sich an einem Hai rächen, der seinem Kollegen Esteban du Plantier (Seymour Cassel) getötet hat. Steve, der von seiner Frau Eleanor (Anjelica Huston) verlassen wurde, sammelt nun eine Truppe von Mitstreitern zusammen. Darunter Klaus Daimler (Willem Dafoe), Pelé dos Santos (Seu Jorge), Anne-Marie Sakowitz (Robyn Cohen), die schwangere Journalistin Jane Winslett-Richard (Cate Blanchett) und sein vermeintlicher Sohn Ned Plimpton (Owen Wilson). Unterdessen mischt sich auch Steves langjähriger Konkurrent Alistair Hennessey (Jeff Goldblum) in das Geschehen ein.

Die Idee, daß sich ein Ozeanograf an einem Hai rächen möchte, der seinen alten Freund gefressen hat, könnte in der ein oder anderen Art, auch Teil eines B-Movies sein. Und wenn man Wes Andersons Logik folgt, so würde sich das auch so ein wenig in dessen Optik widerspiegeln. Alles ist bunt, alles ist überdreht, alles symmetrisch und alle Figuren durchleben seltsame Reisen. Die Tiefseetaucher ist das Paradebeispiel für einen Anderson-Film. Denn wo die meisten Regisseure eine Geschichte und einzelne Momente erzählten, erzählt dieser Film Momente und vereinzelt eine Geschichte. Da geht es um eine zerbrochene Familie, da geht es um eine zerbrochene Ehe und mittendrin steht ein Mann, der so ein wenig vom Alltag geplagt wird. Das ist Bill Murray, in seiner typischsten Bill Murray-Rolle: Etwas ekelhaft, etwas brummig, etwas verschlossen und am Ende seiner Reise muss er erkennen, daß er vielleicht doch etwas mehr an sich arbeiten sollte. Da gibt es diesen völlig begeisterten Sohn, der auf einmal auftaucht. Hier gespielt von Owen Wilson. Und dieser ist natürlich daran interessiert, seinen Vater kennenzulernen. Das braucht Zeit, wie auch eine Szene, die die Offenbarung für Steve Zissou bedeuten soll, zeigt. Da geht dieser in sich kehrende Mensch zu David Bowie’s Life on Mars zum Bug, zündet sich eine Zigarette an, und kehrt wieder um, um doch das Gespräch zu suchen.

Und solche Momente, beschreiben den gesamten Film, und vielleicht auch einen wesentlichen Teil von Andersons Filmografie. Doch während andere Werke wie Grand Budapest Hotel (2014) oder The French Dispatch (2021), zwischen all den Momenten und der Absurdität des Alltags noch irgendwie zu einem Guss kommen, fühlt sich Die Tiefseetaucher deutlich schwächer an. Es gibt da viele Gründe, warum dem so sein könnte und es ist tatsächlich auch gar nicht einfach, das Problem des Films festzustellen. Denn betrachtet man das Werk hinsichtlich seiner künstlerischen Bedeutung, so wird klar, daß da schon sehr viel drinsteckt, was man Kunst nennen könnte. Und dann wiederum ist da nichts. Es ist die Faszination, für das gehobene Unterhaltungskino, wodurch sich Anderson auszeichnet. Doch man kann nicht leugnen, daß sich die Skurrilität nie näher einer Farce anfühlte, wie in diesem Fall. Da wird Komik aus den albernsten Momenten gezogen, doch die Witze wollen hier so gar nicht als Witze funktionieren. Wenn ein Sohn zu seinem Vater spricht und es einen Dialog darüber gibt, welcher von beiden eher eine Chance bei einer Frau hätte, an der beide Interesse hegen, so ist das an sich absurd im wahrsten Sinne des Wortes. Doch Absurdität allein funktioniert nicht immer und es mag auch dem allgemeinen Setting irgendwie geschuldet sein, daß dieser Film einen so kaltlässt.

Dann ist es natürlich die Riege an Schauspielern, die bei Anderson ein weiteres Mal zu begeistern weiß. Natürlich spielen alle Darstellerinnen und Darsteller für sie bekannte Figuren, sodass man vielleicht dabei gar nicht so viel zu sagen kann. Dennoch redet man hier auch eben von einem Cast, der seinesgleichen sucht. Ob ein Bill Murray als mürrischer Protagonist, ob Owen Wilson als naiver Sohnemann, ob Cate Blanchett als Sensationsreporterin und noch viele mehr. Das größte Highlight dabei ist aber eindeutig Jeff Goldblum, dessen unbeholfener Antagonist und das exzentrische Auftreten im starken Kontrast zu dem von Murray gespielten Steve Zissou steht. Diese Momente sind dann tatsächlich das, was den Film in seine besten Momente befördert. Da steckt soviel kindliches drin, weil die Figuren sich hier auch wie Kinder benehmen, wenn es um einen Machtkampf und einen daraus resultierenden Diebstahl geht. Doch es bringt einen gleichsam auch zum Verzweifeln, weil man so richtig nichts damit anzufangen weiß. Natürlich gibt das gedanklich schon was her. Die Grundmotive sind dann eben besonders, weil sie sich um tatsächlich tiefschürfende Konflikte drehen. Da geht es eben um Macht, da geht es auch um Rache und trotzdem ist das so verpackt, daß es zu einer Farce und Komödie wird. Das kann man kritisieren, doch fraglich bleibt auch, ob man eine weitere Variante von Moby Dick (1956) oder Der weiße Hai (1975) braucht. Und genau deshalb ist dieser Film dann eben doch mehr, als eine Farce, weil er gar nicht versucht, andere Dinge zu kopieren, sondern eher eine Hommage darstellen will. Also vielleicht.

Hier werden vor allem aber auch Themen bedient, die ziemlich zentral auf unsere Zeit zu übertragen sind. Natürlich ist das auch nicht allzu tiefgreifend, wenn der Film in Form seiner bunt gemischten Truppe etwas von Gemeinsamkeit und im übergeordneten Sinne von Familie redet. Doch ein wenig Wahrheit steckt in diesem skurrilen Haufen, der sich nicht mal alleinig auf eine Familie anwenden lässt, sondern vielleicht auch von Integration, beziehungsweise Inklusion spricht. Da gibt es die Vater-Sohn-Beziehung. Es gibt den deutschen, der so ein wenig Deutsch redet. Es gibt den Russen. Und noch viele weitere. Natürlich ist das alles so ein wenig Stereotyp und vielleicht könnte man, wenn man fies wäre, hier auch die ein oder andere Verunglimpfung entdecken. Doch der Film spielt das nicht zwingend aus. Klar gehören diese Momente auch nicht unbedingt zu den witzigsten des Filmes, doch gleichsam ist der Grundgedanke nach Diversität und im Hinblick auf die filmische Stereotypenbildung auch nicht so verkehrt.

Für Wes Anderson erscheint Die Tiefseetaucher ein Stück weit zu routiniert. Da gibt es die üblichen Querellen. Ein Stückchen Nonsens, bisschen Klamauk und irgendwie erscheint gerade dieses Werk sehr Witzleer. Das ist natürlich alles auch so ein wenig Geschmacksfrage und die metaphorischen Tiefschläge sitzen hier doch nicht so weit unten, daß man sie nicht schnell hervorholen könnte. Denn künstlerisch bietet der Film einfach zu wenig. Wenngleich der Cast eine Riesen-Freude hat und auch die Farbpaletten bedient werden.

Die Tiefseetaucher Bewertung
Bewertung des Films
610

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