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Dirty Dancing

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Dirty Dancing Kritik

Dirty Dancing Kritik

Dirty Dancing Kritik
0 Kommentare - 17.04.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Dirty Dancing" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Frances Houseman (Jennifer Grey) wird auch „Baby“ genannt und ist ein Mädchen aus gutem Hause. Im Jahr 1963 reist ihre Familie in die Sommerferien. In dem Ferienort lernt Baby bald den Tanzlehrer Johnny Castle (Patrick Swayze) kennen und möchte von nun an tanzen. Doch Castle hat nichts für das verwöhnte Mädchen übrig. Doch als seine eigentliche Tanzpartnerin Penny (Cynthia Rhodes) wegen einer ungewollten Schwangerschaft aus und Baby springt ein. Nun muss Fances die komplizierten Tanzschritte im Schnelldurchgang erlernen. Dabei kommen sich die beiden näher.

In den 1980er Jahren werden vermutlich die allermeisten, massentauglichen Klassiker der jüngeren Filmgeschichte gesucht. Jeder Pseudo-Cineast sucht die Antwort und die Erkenntnis auf alles Weitere in dieser Epoche, die ehrlich gesagt mitunter schwer verdaulich war. Einfache Politik, oder propagandistisches Gehabe und abseits vom Mainstream hielten sich die New Hollywood-Größen noch irgendwie über Wasser, wenn sie nicht Teil des Problems waren. In jener Zeit fast schon ironisch spät kam Dirty Dancing in die Kinos. Ein Film, der heute vielleicht zum Klassiker gewählt würde, mit Sicherheit aber ein Kultfilm seiner ganz eigenen Zielgruppe ist. Die Idee dahinter könnte nicht simpler sein, wenngleich sie im Subtext schon wesentlich mehr hergibt, als es anderer Vertreter seiner Gattung tun. Und dennoch ist Dirty Dancing vermutlich ein Film, den man primär verstehen kann, nicht aber die Lorbeeren, die diesem Film zugeworfen werden, teilt. Dafür ist das Ambiente zu einfach, fast traumhaft und irgendwie geht da Abseits von Kitsch vielleicht das ein oder andere verloren. Denn während sich Babys Vater darum sorgt, daß ihre Tochter den falschen Jungen mit nachhause bringt, werden Herzschmerz und Kitsch zum Kernthema, nicht aber der problematische Umgang von Herrn Houseman mit Johnny Castle.

Denn was sich dahinter verbirgt ist ja durchaus interessant. So macht Dirty Dancing für seinen Stellenwert in der Popkultur schon ungewöhnlich klar, daß hier ein Klassenkonflikt vorherrscht. Nun ist das im Sinne einer Romanze wie dieser vielleicht auch nicht allzu auffällig, weil man ja ansonsten keinen Konflikt hat. Aber ja, Dirty Dancing berichtet von Klassenkonflikten, bei der sich der Wert des Portemonnaies dem gesellschaftlichen, besser gesagt dem emotionalen Wert gleicht. Und dann ist es natürlich sinnvoll, sich dagegen aufzulehnen. Das wiederum tut Baby dann, wenn sie sich eben doch noch mit ihrem Johnny trifft. Daraus entsteht im Film natürlich kein übergeordneter Konflikt, der die Figuren an ihre Grenzen brächte. Allgemein sollte man auch nicht erwarten, daß Dirty Dancing den Zuschauer in irgendeiner Weise weitestgehend herausfordert. Allerdings ist hier vor allem interessant, daß die Macher den Film in das Jahr 1963 verfrachtet haben. Ehrlich gesagt ist das anachronistisch im besten Sinne, weil hier wirklich nicht die genannte Epoche im Mittelpunkt steht und auch der Film zu weiten Teilen durch die Musik im Hintergrund immer wieder den Eindruck erweckt, er spiele in der Gegenwart. Vermutlich ist der Konflikt, zwischen Arm und Reich und verschiedenen Klassen aber dann weitaus greifbarer, als in den 1980er Jahren und ehrlich gesagt macht Regisseur Emile Ardolino da auch alles richtig, denn auch das dient als gute Metapher.

Immerhin ist die Wahl der 1960er als Schauplatz durchaus auffallend. Es ist eine Epoche, derer man sich mit sehr wenig Romantik nähern kann. Nicht zuletzt wurde das vor einigen Jahren von Last Night in Soho (2021) untermauert. Die Frage also, die man sich stellen muss, ist, was es mit dieser Zeit auf sich hat. Nun, zum einen wird diese Art von Konflikt in den 1960er dem Zuschauer deutlich zugänglicher, als in progressiven und ohnehin rebellischen 1980er Jahren. Zum anderen ist es aber auch so, daß sich trotz dieser Tatsache wenig an den gesellschaftlichen Verhältnissen gewandelt hat. Und wenn man mal in die derzeitige Gegenwart schaut, dann wird man das wohl kaum bestreiten können. Natürlich ist die grundsätzliche Geschichte von Dirty Dancing alles andere als interessant oder tiefsinnig, aber in ihrem Kern spricht aus ihr ein Universalismus, der schwer zu leugnen ist. Ob in all dem Kitsch noch Platz für wirkliches Denken ist? Nun, ja, im Prinzip ja schon, sonst würde man ja gar nicht erst auf diese Art von Gedanken kommen.

Das Verruchte an Dirty Dancing findet sich schon im Namen wieder. Zudem ist die generelle Frage ja, was eigentlich so schlimm an der Beziehung zwischen Baby und Johnny ist. Nun, man kann das einfach so sehen, daß die Eltern nicht wollen, daß ihre Tochter sich mit „so einem“ abgibt. Doch was genau soll das eigentlich heißen? Die rationale Begründung dessen findet sich nicht und viel eher entsteht der Eindruck einer willkürlichen Abneigung: Doch diesen Fehler sollte man in Dirty Dancing vermutlich nicht machen. Denn es wird auch sehr klar herausgestellt, daß es sich hier um unterschiedliche Schichten handelt, von denen eine eben erhabener ist und sich für erhabener hält, als eine andere. Das ist so real, wie es nur sein kein und darin findet sich tatsächlich ein extrem ehrlicher Kern, weil hier Klassenunterschiede überdeutlich werden. Gerade für das 1980er Jahre Kino ist das eigentlich beispiellos, bedenkt man, daß ein Robert Zemeckis mit Zurück in die Zukunft (1985) nur wenige Jahre zuvor den grenzenlosen Reichtum und die Unterdrückung der Arbeiterschicht in späteren Teilen propagierte. Insofern ist das hier eine gelungene Abwechslung.

Etwas seltsam, aber inhaltlich auf einem Höhenflug befindet sich Dirty Dancing. Ein Film, der seiner Zeit irgendwie entspringt und dann wiederum nicht. Es macht Spaß sich damit zu befassen, weil es ein Zeitfestprodukt ist, daß aber zum Nachdenken anregen kann, wenn man das denn zulässt.

Dirty Dancing Bewertung
Bewertung des Films
710

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