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Elvis

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Elvis Kritik

Elvis Kritik

Elvis Kritik
0 Kommentare - 01.07.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Elvis" ist.
Elvis

Bewertung: 4 / 5

Auf einem Jahrmarkt entdeckt der unseriöse Col. Tom Parker (Tom Hanks) den jungen Sänger Elvis Presley (Austin Butler). Kurz darauf, wird der skandalöse Tänzer zum Star und reist durch die USA. Dadurch zieht der die Augen der Behörden auf sich, und wird kurzerhand in das Militär verfrachtet und nach Deutschland geschickt. Dort lernt er die junge Priscilla (Olivia DeJonge) kennen und verliebt sich sofort. Nach seiner Rückkehr in die Staaten und dem Tod von Martin Luther King, beginnt Elvis seine Karriere immer weiter auszubauen und nach und nach zu einem Jahrhundertatlent aufzusteigen.

Biographien über Musiker haben eine längere Tradition im Hollywoodkino, gleichwohl scheinen sie ihre große Hochphase erst im Zuge von Bohemian Rhapsody (2018) und Rocketman (2019) entwickelt zu haben. Normalerweise funktionieren diese Filme dabei nach Schema F: Immer gibt es Talent. Immer gibt es den Konflikt zwischen Kapital und Individuum, meist ausgedrückt in Form von einem gierigen Mitwisser. Immer gibt es den Hang zum Exzess, ausgedrückt in Form von Drogenmissbrauch oder auch Sexsucht. Immer ist es nie genug. Diese Leben laufen dafür, daß man mehr oder minder den Anspruch hat ein einzigartiges Leben zu erzählen, erstaunlich gleich ab. Und auch Elvis macht da keine Ausnahme, weil der Film eben auch von jemandem erzählt der Talent hat, der dem Kapital und der ein oder anderen Sucht verfällt und der sich völlig zerstört. Dabei nimmt sich Baz Luhrmann auch sehr viel Zeit, um all diese Dinge in seinen Film zu packen. Eine Lebensspanne von zweiundvierzig Jahren, in denen der Film aber glücklicherweise dennoch den klischierten Geniekult der Kindheit außen vor lässt. Diese Phase ist zum Glück egal und der Film zeigt damit gekonnt den Aufstieg Elvis’ und sein Ende. Dennoch kommt dabei auch ein- bis zweimal eine Länge auf, die der Film nicht unbeschadet überstehen sollte. Zumal dabei vor allem die ewigen Konflikte wiederholt werden, die der Zuschauer in seiner Gänze wohl recht schnell verstanden haben dürfte.

Trailer zu Elvis

Viel zu lange ist es her, daß Baz Luhrmann einen Film präsentiert hat. Nach einer Schaffenspause von etwa sechs Jahren und einem letzten Kinofilm mit Der große Gatsby (2013) ließ der Australier wirklich eine lange Zeit ins Land ziehen, bis er wieder auf dem Regiestuhl platz nahm. Dabei verwundert dieser Film in vielerlei Hinsicht und ist schon etwas anders für Luhrmann. Der Künstler, der sonst häufig Liebesgeschichten mit tragischem Beigeschmack erzählt, ist hier vor allem auf eines bedacht. Und das ist die Ergründung der Fgur Elvis Presley und damit dem Rock ’n’ Roll. Das heißt, daß die Kindheit von Elvis eine nicht mindere Rolle spielt und erklärt, wie überhaupt diese Ikone entstehen konnte. Das mag natürlich auch in der Biographie des Rockstars seine Richtigkeit haben, ist aber im besonderen Hintergrund, indem eben die Presley-Familie in einem Schwarzen-Viertel lebt und der junge Elvis unter diesen auch aufwächst besonders und damit besonders politisch. Musiker oder Kunstschaffende im Allgemeinen sind immer politisch. Das kann man drehen und wenden, wie man will. Selbst, wenn ein Popmusiker nur von Liebe in der modernen Welt des 21. Jahrhunderts berichtet, so inszeniert er den Status-Quo und ist in jedem Fall eine politische Figur. Gerade der Konflikt ist zentral für Elvis. Denn Elvis Presley möchte mit seiner Musik etwas bewirken, setzt sich für die Gleichberechtigung und Bürgerrechtsbewegung ein und wird dafür immer von Machtfunktionären abgestraft. Das ist nicht so, als ginge das vom einen auf den anderen Moment, sondern der Film erzählt schleichend den tiefen Fall dieser Figur. Sei es Eigenverschulden, aber auch der Umgang einzelner besorgter Staatsfunktionäre. Die Figur fällt so tief, wie man eben nur fallen kann.

Doch die Bedeutung, die Elvis Presley auch für das heutige Kunstverständnis hat, waren all diese Turbulenzen wert. Der Vorläufer der sexuellen Entfaltung, die zwar in den Staaten durchaus alle paar Jahre wieder einen deutlichen Rückschritt machen. Doch wichtig sind sie alle mal und während Elvis neben der Tatsache, daß wichtige Themen anspricht, auch darüber hinaus diese gut zu erzählen weiß, gelingt es dem Film eben über die Schwere und Fülle an Themen auch ein handwerklich gut durchdachtes Werk zu sein. Man erkennt sofort im Spiel von Austin Butler, die Faszination, die dieser latente Exzentriker wohl gehabt haben muss. Die Blicke, die Schritte und der gesamte Habitus scheinen kein Spiel mehr zu sein, sondern eine Symbiose. Was Butler in dieser Hauptrolle abliefert, ist einfach phänomenal und fühlt sich dabei dennoch nicht so an, als würde er einfach eine Beobachtung einer Kunstfigur zum Ausdruck bringen. Denn Elvis ist nicht gut, Elvis ist auch nicht greifbar und Elvis mag sich in seinem eigenen Tun und Handeln auch gerne mal widersprechen oder ins eigene Fleisch schneiden, doch dadurch, daß dieser Film die Komplexität und Widersprüche diesen Menschen aufzeigt, ist er dem, was man einen Menschen nennen würde vermutlich mit am nächsten. Das ist ein wahrhaft schmaler Grat, weil auch Elvis zu Teilen als jemand beschrieben wird, der das Opfer seiner Umstände ist. Doch während dadurch eben vor allem die Kapitalismuskritik zum Ausdruck gebracht wird, wird seine Sucht nach Frauen und Substanzen dann schon kritischer beleuchtet. Gerade wenn Elvis seine Hüften kreisen lässt und dabei erneut seine Priscilla verärgert und eventuell später gar hintergeht, zeigt der Film ein anderes, egoistischeres und unersättliches Bild dieses Menschen.

Ebenso beeindruckend ist dabei auch das Schauspiel von Tom Hanks, der hier eine der wenigen Rollen neben vielleicht Der Krieg des Charlie Wilson (2007) verkörpert, die gegen sein Hollywood-Vater-Image anspielen. Und gerade weil diese Figur so anders ist und anders aussieht, vergisst man fast, daß Tom Hanks hier nur spielt. Selten beobachtet man, daß Schauspieler komplett hinter ihren Figuren verschwinden. Doch im Falle von Elvis ist es sowohl Hanks als auch Butler gelungen. Und wenn diese Naturgewalten aufeinandertreffen und sich immer wieder begegnen, auch unter anderen Umständen, dann passiert da auf der Leinwand etwas. Die Figuren interagieren auf solch interessante und clevere Weise, daß der Film nie auf so richtig auf einem Fleck verweilt, sondern damit auch seine eigene Geschichte gekonnt vorantreibt. So bekommt Elvis nach und nach das Gefühl, daß er wesentlich mehr für die Verbesserung der Welt tun kann und muss, während dieser Col. Tom Parker eher nach der Attitüde vorgeht, daß alle politischen Reibereien und die Unruhen auf den Straßen nichts mit ihnen zu tun hätte. Das ist natürlich dann auch eine weitere Parallele zur Jetztzeit, nach welcher gerade der Generationenkonflikt zwischen Babyboomern und Millennials immer wieder zum Thema wird. Natürlich lässt sich nicht alles eins zu eins auf unsere Zeit übertragen und gerade das Thema Klimawandel ist hier nicht das größte. Dennoch werden Themen wie Rassismus in der Gesellschaft und Verantwortung von privilegierten Menschen hier durchaus angesprochen und diskutiert. Man merkt dem Film an, daß er unter der teils traumatisch-zerrütetteten Trump-Administration und deren Erbe verfasst und inszeniert wurde.

Und sobald es an die Konzertszenen und Gesangseinlagen geht, kommt am ehesten noch der extrem exzentrische Stil vergangener Werke von Luhrmann hoch. Teils setzt der Regisseur wie in Moulin Rouge! (2001) oder Der große Gatsby (2013) auf moderne Popsongs von Britney Spears oder dergleichen. Dann wackelt die Kamera heftig vom einen auf den anderen Ort und auch das hecktische Tanzen, die vielen Schnitte oder das gewollt groteske sexuelle Aufblühen und Ausleben vieler Damen auf den Konzerten von Elvis, ist sehr gekonnt und zeigt auf einer Deutungsebene natürlich auch die Sucht der Zuschauer und damit der Menschen nach einer gewissen Form von Freiheit auf. Gleichsam hat das im prüden Amerika natürlich heute noch Relevanz und man kommt als relativ aufgeklärter Mensch kaum mit dem Umstand jener verschärften Überwachung oder Zensurversuchen durch teils rechtsradikale Bewegungen in den Staaten klar. Das ist nicht selten hektisch und unübersichtlich, wenn sie Elvis auf den Bühnen bewegt und dennoch erkennt man daran die eindeutige Handschrift von Luhrmann.

Gerade wenn Elvis versucht eine normale Spielfilmbiographie zu sein, leidet das Werk unter einem kleinen Hänger. Denn das, was berichtet wird, ist klischiert und mehr Film als Leben. Das beginnt dann vor allem, wenn diese Naturgewalten des Schauspiels in Form von Austin Butler und Tom Hanks auftreten und aufeinandertreffen. Sie stehen hierbei natürlich sinnbildlich für Ideologien, die gerade im Hinblick auf die politischen Hintergründe jener Zeit perfekt zum Ausdruck gebracht werden. Der Film ist dadurch auf vielen Ebenen spannend, intelligent und erschreckend zeitgemäß, weiß aber auch das an diesem Künstler hervorzuheben, was wirklich interessiert.

Elvis Bewertung
Bewertung des Films
810

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