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Gesprengte Ketten

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Gesprengte Ketten Kritik

Gesprengte Ketten Kritik

Gesprengte Ketten Kritik
0 Kommentare - 27.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Gesprengte Ketten" ist.

Bewertung: 3 / 5

Zum Höhepunkt des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1944 hat die Deutsche Luftwaffe ein Speziallager für Gefangene eingerichtet. Deren Ausbruchsversuche sind ein Problem für die deutschen Streitmächte. Eines Tages wird Roger Bartlett (Richard Attenborough) in das Lager verlegt und beginnt sofort Ausbruchspläne zu schmieden. Unterstützt wird er dabei durch Virgil Hillts (Steve McQueen). Dieses Mal sollen aber nicht einzelne Männer fliehen, sondern eine ganze Masse. Um ihren Plan umzusetzen, müssen sie akribisch vorgehen und mehrere Tunnel graben.

Lange bevor man sich dem Dritten Reich auf die Art und Weise näherte, die das Dritte Reich in ihrer perversesten und abartigsten Form der jüngeren Menschheitsgeschichte zeigte, gab es mit Gesprengte Ketten einen Film, der sich einem anderen Thema annahm. Ein Kriegsgefangenenlager, bei dem es unter den Gefangenen aus Alliierten darum ging, sportlich die Flucht anzutreten um die Deutschen möglichst lange zu beschäftigten, sodass der Krieg für ihre Seite ins Straucheln gerät. Dieser unbändige Klassiker aus dem Jahr 1963 erzählt diese Geschichten über beinahe drei Stunden. Das wirft die Frage auf, ob der Film dem aber auch gerecht werden kann. Wenngleich man sich hier mit einem von vielen hochgeachteten und sicherlich auch viel geliebten Werk nähert, sollte man vielleicht dennoch überlegen, was an Substanz letzten Endes übrig bleibt. Das Kino der Macher, daß vor allem die 1950er bis späten 1960er Jahre dominierte handelt in der Regel von einfachen Solidargemeinschaften, die zusammen an einer Aufgabe arbeiten. So etwa auch in Werken wie Rio Bravo (1958) und dem ebenfalls von Sturges inszenierten Die glorreichen Sieben (1960). Die Idee als solche kommt also mit Abstrichen aus dem Western, wird hier aber in ein wesentlich schrecklicheres und wesentlich realistischeres Szenario gepackt, was die Frage aufwirft, ob das Tonal noch greift.

Tatsächlich inszeniert Sturges sein Werk relativ leichtfüßig, was nicht unbedingt eine Ausnahme jener Tage darstellt. Grauenhafte Ereignisse wurden im Kino damals nicht vulnerablisiert und die Menschen waren vermutlich vom Krieg noch nicht psychisch erschöpft, wie es die Folge aus dem Vietnam-Krieg und dessen Verarbeitung im Film zeichnen sollte. Das sorgt aber unter anderem auch für ein weiteres Problem, was dieses Ensemble-Werk Gesprengte Ketten einfach hat. Denn der Film bombardiert den Zuschauer mit einer Fülle an Figuren, die allesamt wenig bis gar keine Charakterisierung erfahren. Einzig der von Charles Bronson verkörperte Danny Valinski hat so etwas, wie einen Character-Arc. Denn die Klaustrophobie paart sich hier nicht so gut mit der Tunnelflucht. Allgemein versteht Sturges seine Aufgabe auch eher darin, so etwas wie einen Sportsgeist zu inszenieren. Die Gefangenen versuchen zu flüchten. Die Aufseher versuchen sie3 davon abzuhalten und die große Gewalt und Folter, die man unter den Nazis so kennt, ist hier eigentlich eher handzahm. Da wird man dann maximal mal isoliert und dann ist es auch wieder gut. Im Prinzip ist dieser Film mit einigen Einlagen fast schon als eine Art Komödie zu verstehen, in welcher die von Elmar Bernstein geschriebene Musik ihr Übriges tut, um das alles wie ein Kinderspiel wirken zu lassen. Nun kann man das diskutieren und vielleicht sogar geschmacklos finden. Doch das ist es nicht, es ist eher leichtfüßig gedacht.

Was das Werk über allem aber dennoch auszeichnet, ist die Tatsache, daß die Figuren um Virgil Hilts verstehen, daß man Rebellieren muss, und zwar um jeden Preis. Es ist eben eine antifaschistische Botschaft, die da vertreten wird und die die Figuren aus Überzeugung und aus einer Selbstverständlichkeit der Sache gegenüber heraus dazu bringt, zu rebellieren. Es geht nicht darum, daß Leben des einzelnen nicht wertzuschätzen, aber es wird eben kaum überlegt, ob es die Sache wirklich wert ist. Und das zeichnet den Film durchaus im positiven Sinne aus. Man würde wohl heute erst mal abwägen, ob man sich mit Nazis anlegt, wenn man deren Gefangener ist: Doch nicht so in Gesprengte Ketten. Und wie man auch in einem demokratischen Kontext eigentlich selbstverständlich gegen Nazis aufstehen sollte, so tun es die Figuren in diesem Film. Zwar auch, weil sie wissen, daß ansonsten alles sinnlos wäre, was sie überhaupt in die Gefangenschaft geführt hat. Zudem haben sie sich ja auch überhaupt dazu entscheiden die Nazis zur Strecke zu bringen, deshalb sind sie ja erst in diesem Krieg. Doch das ist nicht der einzige Grund, es geht hier um Moral. Und zwar um allgemein gute Moral. Klar, irgendwo ist das auch Kitsch, wenn man so etwas im Film unterbringt. Doch dadurch, daß man hier die „geballte Manneskraft“ in den Vordergrund rückt, fällt das weiter gar nicht so sehr auf. Die Figuren sind nur am Überlegen, wie sie flüchten können, um den Nazis dabei so gut wie möglich zu schaden.

Es geht auch nicht darum, daß damit Gewalt gegenüber Menschen verherrlicht würde. Eigentlich ist der Film dahingehend auch sehr handzahm – was eben auch ein Problem des Werkes sein könnte – und will vordergründig eher Gut und Böse auf fast schon naive Art und Weise verstanden wissen. Für viele Menschen würden sich sicherlich die Geister daran scheiden, ob Gesprengte Ketten denn einen realistischen Kern hat, besser gesagt die zugrunde liegende Geschichte irgendwo der Realität entspräche. Nun, da kann man zumindest sagen, daß dem so ist, aber das auch nie der Kern von etwas sein sollte. Viel eher geht es ja um Kreativität, für alles andere gibt es Dokumentationen.

Großes Schauspielerkino ist Gesprengte Ketten nicht. Ähnlich auch, wie ein grandioser Film. Dafür ist die generelle Attitüde viel zu sehr in ihrer eigenen Zeit verhaftet und das Werk weist definitiv seine Längen auf. Dennoch ist es richtig, sich dem Faschismus in jedweder Form von Rebellion und Kritik zu nähern. Egal ob laut und wirr, oder wie hier leise und stilvoll.

Gesprengte Ketten Bewertung
Bewertung des Films
610

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