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Get Out

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Fear of a white planet

Get Out Kritik

Get Out Kritik
4 Kommentare - 30.12.2017 von Silencio
In dieser Userkritik verrät euch Silencio, wie gut "Get Out" ist.
Get Out

Bewertung: 4.5 / 5

Rose und Chris sind ein gemischtrassiges Paar, sie weiß, er schwarz. Beide machen sich zu einem Wochenende bei ihren Eltern auf. Wäre die Situation für Chris nicht sowieso schon aufregend genug, wissen Roses Eltern zu allem Übel nicht, dass er schwarz ist. Wie werden sie auf ihn reagieren? Herzlich, wie sich herausstellt und so scheinen Chris Ängste zunächst unbegründet. Doch hinter der gutbürgerlichen Fassade verbergen sich Abgründe, denen Chris droht zum Opfer zu werden...

Trailer zu Get Out

Vom Horrorspezialisten Jason Blum und seinem Blumhouse Studio produziert, präsentiert Regisseur Jordan Peele mit „Get Out“ sein Erstlingswerk, das sich umgehend zu einem kleinen Überraschungshit gemausert hat. Einerseits lässt sich das dadurch erklären, dass Peele genau den Zeitgeist getroffen hat Andererseits lässt das alleine einen Film aber nicht automatisch zum Erfolg werden. Vielmehr handelt es sich bei „Get Out“ um einen clever inszenierten Film, der durch seine geschickte Mischung aus Horror und Humor zu überzeugen weiß.

Peele schafft das, indem er geschickt die zunächst liberal erscheinenden Charaktere mit ihren eigenen Aussagen demaskiert. Die Faszination mit schwarzen Sportlern wird einfach zu einer anderen Art von Rassismus, der Schwarze wird an jeder Ecke auf seinen Körper reduziert, zum Objekt gemacht. Roses Familie behandelt Chris, als wäre Chris anders, Chris weiß, dass sie es tut, aber keiner will es aussprechen. Stattdessen werden Fassaden aufrecht erhalten, bis es nicht mehr anders geht. Chris bleibt nichts anderes übrig, als unangenehme Unterhaltungen mit einem Grinsen und einem „ich verstehe schon“ abzunicken. Und so wartet der Zuschauer nur darauf, dass die Stimmung umschlägt, dass das Unausweichliche passiert und die Situation sich zum Schlechten wendet. Und wenn sie es tut? Dann auf eine Art und Weise, die kaum vorhersehbar, ja absolut wahnsinnig ist.

Weiterhin ist der Film geschickt mit Anspielungen auf andere Filme gespickt, die den Subtext offenlegen. Da wird an das Banjo Kid aus „Beim Sterben ist jeder der Erste“ erinnert, als wollte Peele sagen, dass die weißen Vorstädter sich zwar zivilisierter geben, aber letztendlich nicht anders sind als x-beliebige Rednecks. Aber auch Kubricks „Uhrwerk Orange“ wird referenziert, denn in beiden Filmen geht es um den Sieg der eigenen Persönlichkeit gegen Systeme, die einen umerziehen wollen (so in „Uhrwerk Orange“) bzw. die einem die eigene Persönlichkeit nehmen (hier). Dies geschieht aber so subtil, dass „Get Out“ auch ohne ein Erkennen dieser Anspielungen klar verständlich bleibt, sie also nicht zur Krücke werden. Sie bereichern das Filmerlebnis, sie sind jedoch keine Voraussetzung für den Genuss.

Wer jetzt aber eine Schwere vermutet, die einem mit dem Holzhammer die Moral in den Kopf prügelt, liegt falsch. Die Macher verstehen es, Humor auf organische Weise aus der Handlung zu kitzeln, und damit dem Film eine gewisse Leichtfüßigkeit zu verleihen. Dabei wird der Humor stellenweise zwar sehr breit, aber nie auf eine Art und Weise, die die Bedrohlichkeit der Situation untergraben würde. Vielmehr erkennt Peele, dass ein Kontrast zum Horror diesen erhöht, dass gelegentliche Verschnaufpausen dem Publikum die Gelegenheit geben, die Schwere wirklich aufzusaugen.

Es fiele nun leicht, „Get Out“ als Kommentar auf Trumps Amerika zu lesen. Damit würde man aber zu kurz greifen, denn es geht um tiefer greifende Probleme, um institutionelle Ungerechtigkeiten, um den Alltagsrassismus, dem auch scheinbar liberale Bürger zum Opfer fallen, um die Ausschlachtung der schwarzen Kultur, kurz: darum, dass die amerikanische Gesellschaft sich nach der Bürgerrechtsbewegung nur geringfügig weiterentwickelt hat. Und das ist wirklich beängstigend.

Get Out Bewertung
Bewertung des Films
910
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4 Kommentare
MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
30.12.2017 14:41 Uhr
0
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 7.100 | Reviews: 135 | Hüte: 312

@ Silencio:

Sicher, da können wir die Geschmacksebene bemühen. wink

Denn eben dieser Moment funktionierte zwar und gab dem zuvor gesehenen Sinn, brach mir aber dann doch ein wenig zu deutlich aus dem Gefüge des "Realen" aus, was der Film zuvor, wenn auch überzeichnet, darstellte. Zumal durch die ganze Sache mit der Hypnose ja auch eine andere Auflösung denkbar und weniger "aus dem Hut gezaubert" möglich gewesen wäre :-)

Schmälert die Wirkung des Films aber letztlich nur marginal.

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
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Silencio : : Moviejones-Fan
30.12.2017 14:32 Uhr | Editiert am 30.12.2017 - 14:33 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 611 | Reviews: 39 | Hüte: 52

Den Spoilereinwurf verstehe ich, aber ich fand das mutig, es ergab mit dem zuvor etablierten Sinn und es war wirklich unvorhersehbar, ohne komplett unglaubwürdig zu sein. Das war, für mich, die Schnittstelle zwischen Horror und Humor. Beides geht ineinander über und vermischt sich. Aber da befinden wir uns halt komplett auf der Geschmacksebene, denke ich.

@eli4s:

"I am your negro" habe ich noch nicht gesehen, habe ich aber auf dem Radar. Und: danke für das Lob.

Avatar
eli4s : : Moviejones-Fan
30.12.2017 14:30 Uhr
1
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 1.875 | Reviews: 29 | Hüte: 44

Ich denke, der Film hat viele überrascht. (Film des Jahres beim Sight & Sound Poll). Hoffe, ich kann ihn bald nochmal sehen. Obwohl er mir sehr gefallen hat, hatte ich ähnlich wie Snake meine Probleme mit dem letzten Akt.
Hast du zufällig "I am not your negro" gesehen. Wirklich eine Art dokumentarisches Pendant zu "Get out" dieses Jahr. So offensichtlich das Thema (eigentlich) sein mag, so wichtig ist es doch, es so deutlich anzusprechen.


Wie schon eben bei deiner anderen Kritik erwähnt, hast du einen gut zu lesenden Stil mit viel Input in wenig Worten.

MJ-Pat
Avatar
ZSSnake : : Expendable
30.12.2017 14:13 Uhr | Editiert am 30.12.2017 - 14:25 Uhr
1
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 7.100 | Reviews: 135 | Hüte: 312

Sehr schön zu lesende Review zu einem Film, der auch mich dieses Jahr positiv überrascht hat. Zwar habe ich ihm, soweit ich mich erinnere, letztlich nur 8/10 gegeben, empfand aber auch diesen Kontrast zwischen der gewissen Leichtfüßigkeit der Inszenierung und der Schwere der eigentlichen Thematik als mutig und erfrischend. Die Bedrohlichkeit wird niemals untergraben, obwohl man als Zuschauer immer wieder lacht. Und dieses Spiel mit dem Anziehen der Spannungsschraube und dem sehr gezielten "Druck ablassen" durch den Humor ist etwas, was nicht jeder Genreregisseur beherrscht. Als Thriller, welcher Rassismus ironisch aufnimmt und gegen sich selbst bricht, funktioniert der Film zweifellos sehr gut. Lediglich die Übertretungen in Richtung des fast Übernatürlichen, wissenschaftlichen Unfugs mit den "Gehirntransplantaten" machten mir ein paar kleinere Probleme, die die Gesamtwertung minimal herunterzogen.

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