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Ich spuck auf dein Grab

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TRIGGERWARNUNG: Sexuelle Gewalt

Ich spuck auf dein Grab Kritik

Ich spuck auf dein Grab Kritik
1 Kommentar - 15.01.2022 von meisterlampe1989
In dieser Userkritik verrät euch meisterlampe1989, wie gut "Ich spuck auf dein Grab" ist.

Bewertung: 2 / 5

Eine Frau macht Sommerurlaub in einem abgelegenen Ferienhaus und möchte dort einen Roman schreiben. Anstatt aber ganz für sich zu sein, wird sie von vier Männern aufgesucht, die sie brutal misshandeln und vergewaltigen. Anders als man denkt, wird sie sich aber nicht mit der Opferrolle abfinden.

"Day of the Woman", wie der Film ursprünglich heißt, gilt als Inbegriff des Skandalfilms. In Deutschland lange Zeit indiziert und beschlagnahmt, ist er seit letztem Jahr ganz normal und ungeschnitten in einer FSK18-Version zu haben. Jetzt, da man ihn sich ohne große Umstände z.B. bei Amazon Prime anschauen kann, wollte ich auch endich mal nachholen und erfahren, was es denn nun damit auf sich hat. Als "Exploitation-Klassiker" und Urknall des Rape&Revenge-Genres stand ich natürlich unter dem Einfluss von vielen Vorschusslorbeeren und ich habe auch generell ein Problem mit diesem umstrittenen Subgenre - somit war klar, dass der Streifen es bei mir sehr schwer haben wird. Und diese Erwartung wurde erfüllt.

Das Positive (wenn man das bei der Thematik so formulieren kann) zuerst: Die Atmosphäre, die durch die vollkommene Abwesenheit von Musik und die Lokalisation in einem friedlichen Wäldchen - was einen absoluten Kontrast zur Handlung darstellt - erzeugt wird, bietet eine angemessene Beklemmung und Irritation. Hinzu kommt, dass die Szenen der sexuellen Gewalt trotz des Alters des Werkes nichts von ihrem Schrecken verloren haben. Das geht durch Mark und Bein, wirkt (leider) realistisch, geht unerträglich lange, ist explizit und einfach schwer anzusehen. Meiner Meinung nach die einzig richtige Möglichkeit eine Vergewaltigung filmisch zu zeigen, denn so eine Tat nur anzudeuten, um sie zwar als Plotpoint zu verwenden, aber dem Zuschauer die Konsequenz zu ersparen, finde ich grundfalsch - zumindest seit ich Irreversible gesehen habe. Und auch wenn sie schauspielerisch nicht besonders ausdrucksstark ist, muss man vor Camille Keaton den Hut ziehen, denn sie lässt wirtklich einiges mit sich anstellen.

Wenn wir zu den Schauspielern kommen, müssen wir aber auch schon zu der negativen Seite übersetzen. Denn das wirkt stellenweise fast schon laienhaft. Natürlich bekommen gerade die Triebtäter kein Shakespeare-Material zum aufsagen, aber das ist teilweise doch arg hölzern. Einer der Männer wirkt so hart overacted, dass es einen wirklich heraus reißt. Die weibliche Hauptdarstellerin ist etwas besser, muss aber, wie oben schon angedeutet, vor allen Dingen leiden. Generell wirkt die Produktion sehr billig und technisch, gerade Ton (in der OV manchmal schwer zu verstehen, kann aber auch an Amazon liegen) und der stellenweise rumpelige Schnitt, unausgereift.

Kommen wir aber zum größten Problem, das eigentlich die gesamte Aussage des Films vollkommen ad Absurdum führt. Die Rache kann unsere Protagonistin nicht ausführen, weil sie über sich hinauswächst, schlauer ist, die Umgebung nutzt oder sich einen klugen Plan ausheckt, sondern weil die Männer einfach strunzdumm, tollpatschig und naiv sind und sich bereitwillig dahinraffen lassen. Ich vermeide Spoiler, auch wenn vermutlich jeder weiß, wie es am Ende ausgehen wird. Nur so viel sei verraten: Beim letzten Kill habe ich schallend lachen müssen und das kann entweder nicht Sinn der Sache sein oder wenn es Sinn der Sache ist, ist es maximal geschmacklos.

Ist das vielleicht auch ein Kommentar über denMann, der nur mit seinem Gemächt denkt und bei dem das Gehirn aussetzt, wenn das Gegenüber nur hübsch genug ist? Vielleicht... aber für so clever halte ich die Macher nicht. Außerdem offenbart es gleich die nächste Schwäche, die eigentlich im Kontrast zur Aussage steht: "Ich spuck auf dein Grab" ist aus einer rein männlichen Sicht gedreht, denn um ihre Peiniger in Fallen zu locken, setzt unsere "Heldin" nur zwei Wochen nach einer Gruppenvergewaltigung ihren Körper selbstbewusst ein... lässt sich sogar von einem der Schweine erneut besteigen. Da fehlt doch jegliches Fingerspitzengefühl und man merkt hier sehr deutlich, was dabei raus kommt, wenn ein Mann eine weibliche Rachefantasie verfilmt.

Zuletzt noch mein weltanschauliches Problem. Ich bin nicht bereit Selbstjustiz zu guttieren. Auch nicht, wenn sie feministisch begründet ist. Das ist mir in zahlreichen Reviews und Besprechungen aufgefallen - gerade in der zeitgenössischen Betrachtung: "The system is rigged". Die Polizei und Justiz unterliegen dem Patriarchat und deswegen können Frauen keine faire Behandlung erwarten. Ergo: Gewalt ist legitim. Die Diagnose, dass unser System immer noch männlich geprägt ist und Frauen benachteiligt werden, mag zutreffen... Gewalt ist aber keine Lösung... nie. Ganz einfach aus dem Grund, weil dann jeder seine Gewalt damit legitimieren kann und auch schon immer damit legitimiert hat, dass "das System" ungerecht ist. Und wenn ich das filmisch betrachte, kann man diese Sichtweise auch ziemlich einfach als das entlarven, was sie ist: Eine sehr einfache und gern genommene Rechtfertigung die eigene Moral pausieren zu lassen, um sich am Gemetzel auf dem Bildschirm zu erfreuen.

Zum Schluss noch: Wenn Ihr Opfer von sexueller Gewalt seid und Hilfe braucht, wendet Euch an diese Nummer: https://www.hilfetelefon.de/gewalt-gegen-frauen/sexualisierte-gewalt.html

Ich spuck auf dein Grab Bewertung
Bewertung des Films
410

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1 Kommentar
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MobyDick : : Moviejones-Fan
18.01.2022 14:18 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.456 | Reviews: 177 | Hüte: 509

Sehr schöne Worte. Wenn dun Kommentar dalässt, lasse ich auch was da wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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