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Mank

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"When the legend becomes fact, print the legend!"

Mank Kritik

Mank Kritik
9 Kommentare - 05.12.2020 von PaulLeger
In dieser Userkritik verrät euch PaulLeger, wie gut "Mank" ist.
Mank

Bewertung: 3.5 / 5

Mit "Mank" hat David Fincher nach mehreren gescheiterten Anläufen das einzige Drehbuch seines 2003 verstorbenen Vaters inszeniert. Nicht nur die Tatsache, dass Fincher hiermit seinen ersten Spielfilm seit sechs Jahren vorlegt, auch das Thema dürfte Cineasten hellhörig werden lassen, denn es geht um die Entstehungsgeschichte des Drehbuchs zu einem der größten Meisterwerke der Filmgeschichte, nämlich "Citizen Kane".

Handlung:

Trailer zu Mank

1940 zieht sich der alkoholabhängige und nach einem Autounfall bettlägerige Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz, von allen nur Mank genannt, mit einer Sekretärin auf eine abgelegene Farm zurück, um dort unter großem Zeitdruck das Drehbuch für den ersten Spielfilm des nach seinem "Krieg der Welten"-Geniestreich als Wunderkind gepriesenen Orson Welles zu verfassen. In mehreren Rückblenden in das Hollywood der 30er-Jahre wird deutlich, dass Mank die Inspiration für sein Skript aus eigenen Erfahrungen schöpft, die er insbesondere mit dem einflussreichen Zeitungsverleger William Randolph Hearst und dessen Geliebter, der Schauspielerin Marion Davies, machte.

Kritik:

Der visuelle Stil von "Mank" ist an die Filme der damaligen Zeit, insbesondere "Citizen Kane" selbst, angelehnt, was nicht nur Schwarzweiß-Fotografie einschließt, sondern auch solche Details wie sichtbare Filmkratzer. In diesem Zusammenhang ist es jedoch etwas schade, dass Fincher - wohl aus Kostengründen - nicht auf Film, sondern digital gedreht und das Material anschließend künstlich "verschlechtert" hat, um den Look alter Filme zu erzeugen, wodurch das Ergebnis eben nicht komplett überzeugend ausfällt. Nichtsdestotrotz macht der Film optisch Einiges her und Finchers inszenatorische Referenzen an Welles wissen ebenso wie der an Bernard Herrmann angelehnte Score des mit dem Regisseur eingespielten Duos Reznor/Ross zu gefallen.

Wer hier tiefergehende Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Meisterwerks "Citizen Kane" erwartet, dürfte enttäuscht werden, handelt es sich hierbei doch mehr um eine Charakterstudie der Hauptfigur, in die auch Gesellschaftskritik mit überraschend aktuellen Bezügen eingewoben wurde. Letzteres passiert allerdings oft recht schwerfällig und thesenhaft.

Kenner des alten Hollywood können sich über einige Easter Eggs und massenhaftes Namedropping freuen, während es für Unkundige wohl schwierig sein dürfte, in den Rückblenden alles sofort einzuordnen. Für das Verständnis der Geschichte ist das aber sekundär.

Eine Charakterstudie gibt dem Hauptdarsteller naturgemäß die Bühne für einen großen Auftritt und wenig überraschend nutzt ein Mime vom Schlage Gary Oldmans diese Gelegenheit zu einer beeindruckenden Performance, die seine nächste Oscar-Nominierung zur Formsache machen dürfte.

Auch die übrigen Darstellerleistungen sind durchweg positiv, allenfalls bei der Darstellung von Louis B. Mayer hätte es etwas weniger Betonung auf dessen Schmierigkeit auch getan, durch die er hier zeitweise fast zur Karikatur verkommt, aber das scheint nun mal Mayers Los in Verfilmungen dieser Ära zu sein. Charles Dance hat zwar weniger Screentime erhalten als man angesichts seiner wichtigen Rolle erwarten konnte, aber in einer richtig guten Szene bekommt er dafür die Gelegenheit, sogar Oldman die Show zu stehlen. Auch Amanda Seyfried darf mehrfach ihr Können zeigen, während Lily Collins in der undankbaren Rolle der Identifikationsfigur für den Zuschauer wenig zu tun bekommt.

Besondere Erwähnung verdient auch das Casting von Welles-Darsteller Tom Burke, dessen Duktus und Stimme - für nicht wenige ohnehin Welles markantestes Merkmal - dem Vorbild wirklich zum Verwechseln ähnlich ist.

Abschließend noch einige Anmerkungen zum Wahrheitsgehalt der in "Mank" geschilderten Geschichte: Neben einigen weiteren, nicht sonderlich schwerwiegenden historischen Ungenauigkeiten und künstlerischen Freiheiten stößt dann doch sauer auf, dass Welles Beitrag zum "Citizen Kane"-Skript hier mehr oder weniger darauf reduziert wird, eine Kiste aus Wut gegen die Wand geschleudert zu haben. Es gilt mittlerweile als gesichert, dass die These von Manks alleiniger Autorenschaft nicht haltbar ist und Welles sehr wohl signifikanten Anteil am Drehbuch hatte. So eine nachträgliche Diffamierung ist daher gelinde gesagt problematisch, künstlerische Freiheit hin oder her.

Fazit:

Rein als fiktiver Film betrachtet ist "Mank" eine formal gelungene, durchaus interessante Charakterstudie geworden, in die - wenn auch etwas schwerfällig - Gesellschaftskritik mit aktuellen Bezügen eingewoben wurde.

Mank Bewertung
Bewertung des Films
710
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9 Kommentare
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PaulLeger : : Moviejones-Fan
08.12.2020 20:34 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 807 | Reviews: 7 | Hüte: 111

@ MobyDick

Danke für den Hut. Freu mich schon darauf deine Kritik zu lesen, deinen anderen Besprechungen nach zu urteilen wirst du sicher einen Schwerpunkt auf bestimmte inhaltliche Aspekte legen, die ich hier noch größtenteils ausgespart habe.

Zum Remake:

Muss zugeben, dass bei meinem Urteil Stil und Inszenierung schon recht stark eingeflossen sind. Finchers Filme sehen nun mal klasse aus, da ist "Verblendung" keine Ausnahme, während das Original im Vergleich schon ein wenig wie ein biederer ARD-Vorabendfilm wirkt (ich meine die oder das ZDF hätten die Filme auch mitproduziert). An das Ende kann ich mich gar nicht mehr so richtig erinnern, wenn es mich gestört hat, haben es solche Sequenzen wie die Folterszene zu "Orinoco Flow" mehr als aufgefangen. wink

Diesen neuesten Vertreter hab ich noch gar nicht gesehen, da ich die beiden Fortsetzungen schon nur okay fand, ist mein Interesse da nicht allzu hoch.

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MobyDick : : Moviejones-Fan
08.12.2020 14:25 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.124 | Reviews: 146 | Hüte: 471

PaulLeger

Sehr schöne Kritik, auch mit sehr informativem Background, dafür ein Hut :-)

Mal schauen, wann ich dazu komme, den Film zu schauen, aber habe eigentlich auch vor, den Film zu besprechen, nur nach den ersten zehn Minuten hatte ich dann doch nicht die Musse erstmal weiter zu schauen - wie man ja gerade unschwer sehen kann, bewege ich mich derzeit in etwas niedrigeren Gefilden wink

(Auch wenn Off-Topic, ich weiss nicht mehr, wo du das geschrieben hast, aber da wir ja auch irgendwie bei Fincher sind: ich finde das Millenium Remake von Fincher ehrlich gesagt etwas schlechter das Original. das hat aber nichts mit der Darstellerin oder der Inszenierung an sich zu tun, sondern mit der Charakterisierung, die dann doch irgendwann die Figur etwas schwächer wirken lässt als es der Schwedenfilm tut, dort ist die Charakterisierung von lisbeth und damit auch das gesamte Ende nach meinem Empfinden deutlich passender. Nachdem ich jetzt auch den Queen Elisabeth Film gesehen habe, muss ich ganz klar sagen, dass alle drei Darstellerinnen die Figur sehr gut umsetzen und jede auf eine eigene Art interpretieren, dass ein Vergleich der Darstellerinen gar keine klare Gewinnerin auszeichnen kann, die Filme sind halt qualitativ sehr unterschiedlich. Der schwedische Erstling ist für mich ganz klar die Nummer 1, dann kommt Finchers Version. Teile 2 und 3 sind schon ganz nett, aber irgendwie schon ein klarer Abfall, mit dennoch immer noch grandiosen Darstellern, vor allem Nyquist ist für mich die klar bessere Wahl als Craig! Und dann jetzt der Neuling, der eher als Pulp-Vehikel daherkommt, aber das für seine Verhältnise aber auch wirklich gut hinkriegt. Das ist irgendwie die James Bond Variante mit Fetishcharakter, aber wenn man weiss worauf man sich einlässt immer noch ganz ok)

Dünyayi Kurtaran Adam
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TiiN : : Pirat
06.12.2020 17:25 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 6.406 | Reviews: 134 | Hüte: 378

@eli4s

Das ist richtig, abe wir reden hier von David Fincher, der ein Garant dafür ist, Filme zu inszenieren, welche sowohl beim Mainstream als auch bei den Kritikern Anklang finden.
Bei Kinoveröffentlichungen gibt es Presseembargos. Hier hätte ich gedacht, dass am Freitag diverse Seiten, inkl. Moviejones, eine Kritik dazu veröffentlichen.

Danke für die Zusatzinfos, PaulLeger. Ich gucke ihn mir demnächst an und bin gespannt. Vielleicht ganz praktisch, dass Citizen Kane nicht so im Fokus ist. Ich habe ihn damals zwar gesehen, habe mich daran aber nicht so ergötzt wie viele andere. Der Film hängt doch sehr an seiner Zeit und man muss ihn historisch betrachten, um ihn groß genießen zu können. Finde ich zumindest.

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eli4s : : Moviejones-Fan
06.12.2020 12:58 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.506 | Reviews: 31 | Hüte: 104

@PaulLeger /TiiN

der Film ist doch erst seit zwei Tagen verfügbar.

Guter Punkt zu Finchers Stil. Werde mir den Film früher oder später natürlich ansehen, aber habe es nicht gerade eilig.

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
06.12.2020 12:43 Uhr | Editiert am 06.12.2020 - 12:49 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 807 | Reviews: 7 | Hüte: 111

@ TiiN

Danke für den Hut. Ist mit auch aufgefallen, dass es bislang weder Kommentare noch Kritiken gab, daher bin ich bei inhaltlichen Punkten auch extra sehr vage geblieben, weil ich davon ausging, dass ihn viele wohl noch nicht gesehen haben und ich die Kritik so spoilerfrei wie möglich halten wollte.

Zu der Frage: Da Thematik und Genre doch etwas anders ist als bei seinen sonst meist im Thriller-Bereich verorteten Werken, ist "Mank" nicht gerade ein typischer Vertreter für Fincher geworden. Dennoch scheint seine Handschrift stilistisch immer wieder durch. Zum Ende hin gibt es z.B. eine rasant geschnittene Parallelmontage, die absolut typisch für Fincher ist. Also seinem Stil bleibt Fincher durchaus treu, auch wenn er natürlich an vielen Stellen Welles Inszenierung zitiert, was sich einfach anbietet. Insgesamt passt das erstaunlich gut zusammen, finde ich jedenfalls.

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TiiN : : Pirat
06.12.2020 10:07 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 6.406 | Reviews: 134 | Hüte: 378

Danke für diese Kritik, PaulLeger. Ich hatte mich gewundert, dass es bislang sonst noch keine dazu gab. Ist es doch ein Film, auf den durchaus viele Leute gespannt gewartet haben.

Für mich liest sich deine Kritik weniger nach einem klassischen Fincher sondern an einem Gefallen an seinem verstorbenen Vater und ein gut gelungenes Hollywood Revival der 1930er/1940er Jahre. Kommt der Fincher Effekt etwas zum Vorschein oder bleibt es bei einer gut gemachten Zeitreise, welche aus vielerlei Hinsicht gut in die Award-Saison passt?

Ich sehe schon eine postume Oscarnominierung für Jack Fincher vor Augen.

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
05.12.2020 21:07 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 807 | Reviews: 7 | Hüte: 111

@ eli4s

Könnte mir gut vorstellen, dass du die politischen Themen, die angeschnitten werden, interessant findest. Ob man die Ausführung dann gelungen findet, ist eine andere Frage. Aber eine reine Hollywood-Nabelschau ist es sicher nicht geworden, da kann ich dich beruhigen.

Dass Fincher schon seit einiger Zeit digital dreht stimmt natürlich, aber wenn man in diesem speziellen Fall den Look schon so zwanghaft auf alt trimmt, hätte man es meiner Meinung nach auch "richtig" machen können.

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eli4s : : Moviejones-Fan
05.12.2020 20:45 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 2.506 | Reviews: 31 | Hüte: 104

Danke. So wirklich begeistert bin ich aber jetzt immer noch nicht.

Von den Ungereimtheiten zur "wahren" Geschichte habe ich auch schon gehört. Es war auch meine Sorge, dass der Film viel auf Referenzen usw baut und am Ende mehr vom Ruf von Citizen Kane lebt und nur so aus filmhistorischer Sicht Neugier wecken könnte, als dass er wirklich eigenständig funktioniert und interessiert.

Das mit der Charakterstudie klingt ja wenigstens ansatzweise gut.

PS: wenn ich mich recht erinnere, ist Fincher generell jemand der gern digital dreht und keiner der knallharten Zelluloidverfechter.

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
05.12.2020 20:20 Uhr
2
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 807 | Reviews: 7 | Hüte: 111

Eine spoilerfreie Kritik zu dem auf Netflix verfügbaren neuen Fincher-Film. Viel Spaß beim Lesen!

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