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Oppenheimer

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Der zwölfte Film des Briten

Oppenheimer Kritik

Oppenheimer Kritik
4 Kommentare - 21.07.2023 von TiiN
In dieser Userkritik verrät euch TiiN, wie gut "Oppenheimer" ist.
Oppenheimer

Bewertung: 4.5 / 5

Oppenheimer ist die inzwischen zwölfte Regiearbeit des britischen Regisseurs, Drehbuchautors und Produzenten Christopher Nolan. Diese Kritik ist spoilerfrei.

Trailer zu Oppenheimer

Im Jahr 2005 schrieben die Autoren Kai Bird und Martin J. Sherwin eine Biografie über Julius Robert Oppenheimer. Sie trägt den Titel The Triumph and Tragedy of J. Robert Oppenheimer und wurde ein Jahr später mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Christopher Nolan hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Biografie nun zu verfilmen.

In aller Kürze zu Robert Oppenheimer: Er war ein US amerikanischer theoretischer Physiker welcher in den 1940er Jahren die wissenschaftliche Leitung über das Manhattan-Projekt hatte, der Entwicklung der Atombombe.

Christopher Nolan hat sich insbesondere mit seiner Batman-Trilogie vor vielen Jahren einen sehr großen Namen geschaffen und dabei viele Anhänger für sich gewonnen. Mit diesen drei Filmen ist es ihm gelungen, klassisches Unterhaltungskino auf eine ernste und teilweise auch intellektuelle Art zu präsentieren. Dass der Mann auch heute noch so einen Hype auslöst ist irgendwie faszinierend. Denn bereits seine letzten drei Filme (Interstellar, Dunkirk und Tenet) haben sich durchaus vom Unterhaltungssektor wegbewegt. So haben wir auch im Jahr 2023, beim Kinostart seines neuesten Regiewerkes eine durchaus vorhandene Erwartungshaltung und teilweise einen kleinen Hype.

Auch wenn die Werbemaßnahmen vielleicht etwas anderes vermuten können, aber Oppenheimer ist definitiv kein Unterhaltungsfilm! Wir haben es hier mit einem waschechten Polit-Thriller zutun, welcher zusätzlich von der wissenschaftlichen Arbeit am Manhattan-Projekt erzählt. Aber mit einem Blockbuster hat Oppenheimer überhaupt nichts mehr gemeinsam.
Überraschend ist das bei der Thematik nicht und die Historie (Dunkirk) sollten ebenfalls Signale gewesen sein.

In diesem 180 Minuten langen Werk wird das Leben von Robert Oppenheimer beleuchtet, dabei bewegt man sich ungefähr zwischen den 1920er und 1960er Jahren hin und her, wobei der größte Teil durchaus im Manhattan-Projekt in den 40er Jahren angesiedelt ist. Zwar ist die Handlung nicht chronologisch angeordnet, aber es ist nicht das ganz besondere Stilmittel wie etwa bei Memento oder Tenet sondern einfach einer dynamischeren Erzählung geschuldet. Das gleiche kann man zum Wechsel zwischen s/w sowie Farbbildern sagen. Der Film hängt sich an diesen Mitteln nicht auf, aber sie unterstützen die Geschichte.

Der Film sieht wunderbar authentisch aus. Als würde er direkt aus der Zeit stammen und man hätte ihn damals mit hochwertigen Kameras von heute aufgenommen. Die Szenenbilder, die Frisuren, Kleidungen, das Makeup. Was reden wir oft über digitale Verjüngung oder jemand Altern lassen: In Oppenheimer sehen wir, wie man Figuren von Robert Downey Jr. oder Cillian Murphy fast schon beliebig altern lassen kann, ohne sie hinter einer fetten Maske oder digitalen Effekte zu verstecken

Im Vorfeld wurde insbesondere über den enormen Cast berichtet welcher von Murphy, Downey Jr. hinweg über Damon, Emily Blunt, Josh Hartnett, Rami Malek oder Kenneth Branagh und viele weitere reicht. Man könnte meinen der Film sei vollgestopft mit Stars. Tatsächlich ist die dreistündige Handlung voll mit unterschiedlichsten Figuren und gefühlt jeder ist wunderbar dosiert in seiner Screentime und fühlt sich homogen im Gesamtfilm an. Die größten Rollen dürften vermutlich Cillian Murphy, Robert Downey Jr. sowie Matt Damon haben. Murphy in der Hauptrolle des Robert Oppenheimer trägt diesen Film auf beeindruckende Weise und hat eine unglaubliche Ausstrahlung. Wenn es später im Film die ersten Tests und militärischen Diskussionen gibt, kann man direkt in seinen Augen sehen, was in ihm vorgeht.
Neben Murphy kann Robert Downey Jr. als Lewis Strauss groß aufspielen und wird im späteren Verlauf zu einer wichtigen Figur in diesem Konstrukt. Möglicherweise einer seiner besten Leistungen. Weiterhin sehr erwähnenswert sind Emily Blunt (Kitty), Matt Damon (Leslie R. Groves) sowie Florence Pugh (Jean Tatlock).

Oppenheimer geht bis zum letzten Bild sehr kritisch mit dem um, was die alliierte Wissenschaftselite in den 1940er Jahren für eine Mammutaufgabe bewältigt hat. Trailer mit feiernden Zuschauern welche Fahnen schwenken können möglicherweise ein anderes Bild vermitteln. Aber sofern es tatsächlich so stattgefunden hat war sich Robert Oppenheimer durchaus bewusst, was er da voran getrieben hat und zu was das führen kann bzw. geführt hat.

Trotz allem ist die wissenschaftliche Zusammenarbeit spannend umgesetzt, wenn auch sehr von theoretischen Diskussionen geprägt – was nicht überraschen dürfte, denn viele der involvierten Wissenschaftlicher waren theoretische Physiker. Die Ingenieursseite selbst steht weniger im Vordergrund. Spannend auch, wie Leslie R. Groves (Matt Damon) immer wieder drängelt und auf Termine pocht. So funktioniert die Welt leider – insbesondere bei einem Zeitdruck wie in der damaligen Situation.

Tatsächlich nimmt die wissenschaftliche Tätigkeit aber nicht den größten Teil des Films ein.
In seinem Hauptfokus entpuppt sich Oppenheimer als ein Polit-Thriller um Sicherheitsfreigaben, diese stehen in den Anhörungen viel mehr für Antisemitismus-Vorwürfe, Diskreditierungen und Interessenskonflikten. Diese Diskussionen sind teilweise hochgradig kompliziert und vermutlich nur schwer für Zuschauer zu durchdringen. Auch wenn man nicht jeder einzelnen Beschuldigung folgen kann, so wird die jeweilige Botschaft immer sehr deutlich rüber gebracht. Weiterhin hat man mach Oppenheimer wohl einen ganz anderen Blick auf Auszeichnungen, welche man von führenden Personen bekommt.

Durch seine Verschachtelung der Ereignisse hat der Film eine recht große Dynamik, was der Laufzeit mit 180 Minuten sehr gut tut und keine Längen aufkommen. Christopher Nolan inszeniert insbesondere die Konflikte und die Zerrissenheit des J. Robert Oppenheimer audiovisuell überzeugend. Während einer Aussage zieht er sich sprichwörtlich nicht nur vor den versammelten Verantwortlichen sondern auch vor seiner Ehefrau aus.

Zwar hieß es bei Nolan in den letzten Jahren immer wieder, dass er freie Hand hat, aber ab und zu fühlte es sich schon an, als würde ein Studio an der Handbremse hängen. Bei Oppenheimer sehen wir erstmalig Szenen, welche man so noch nicht in einem Film des Briten sah. Das ist keine große Sache und macht nur wenige Momente im Film aus, aber es ist so, als würde man eine zusätzliche Freiheit durch den Universal Deal erkennen können.

Musikalisch begleitet, wie schon in Tenet, Ludwig Göransson das Geschehen. Die Musik ist passend und zweckmäßig, aber hatte man sicher schon mal erinnerungsreicher erlebt. Auf jeden Fall immer präsent und treibt den Film zunehmend voran. Der Schnitt bei Jennifer Lame wirkte, ebenfalls wie schon bei Tenet, an manchen ruhigen Stellen etwas zu wild, ist insgesamt aber vollkommen in Ordnung.

Weil Oppenheimer ein sehr dialoglastiger Film ist, kann man hinterfragen ob es nötig gewesen wäre, in IMAX zu filmen. Zwar gibt es ein paar visuelle Erlebnisse und Peaks, aber diese dominieren nicht das Geschehen. Trotzdem stört IMAX natürlich nicht – es wäre wohl nur nicht nötig. Auch wenn Nolan da sicher eine ganz eigene Meinung zu hat.

Oppenheimer ist ein Film, wie ihn Christopher Nolan noch nie zuvor gedreht hat. Kein Streifen zur Unterhaltung, kein Blockbuster und daher auch kein Film für jedermann. Er zeigt wozu die Menschen wissenschaftlich und politisch in der Lage sind, er zeigt aber auch, was für eine Bedrohung von ihnen ausgehen kann. Dabei wird die Geschichte von erstklassigen Schauspielern, einer starken Inszenierung und einen teilweise komplexen und komplizierten Drehbuch begleitet. Die Botschaft des Films ist jedoch bei all dem komplexen Geschehen ziemlich klar und eindeutig.

Oppenheimer Bewertung
Bewertung des Films
910

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4 Kommentare
MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
21.07.2023 20:01 Uhr
0
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 8.965 | Reviews: 184 | Hüte: 618

@TiiN:

Ich war vielleicht zu ner "ungünstigen" Zeit, es waren "nur" etwa 1/3 des Kinos belegt. Aber für ne 16:30 Vorstellung war das schon ordentlich. Und die meisten sind bis zum Schluss (nach dem Abspann) sitzen geblieben und ich habe das eine oder andere Gespräch mitbekommen, was danach geführt wurde. Ich denke er kam gut an.

Hab jedenfalls länger nicht mehr noch den Tag danach immer wieder über Aspekte eines Films gegrübelt. Aktuell überlege ich noch ne IMAX-Vorstellung in Bochum mitzunehmen. Mal sehen ob sich das die Tage machen lässt. Denke der wäre das Format auf jeden Fall wert.

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
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TiiN : : Goldkerlchen 2019
21.07.2023 19:40 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 9.089 | Reviews: 173 | Hüte: 610

Danke für den Hut, ZSSnake!

Was ich gerne noch ergänzen mag und was mich bei dem sperrigen Thema doch sehr überrascht hat: Als der Abspann losging gab es im Saal tatsächlich Applaus. Nicht von allen Seiten, aber durchaus von mehreren Menschen.


MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
21.07.2023 16:10 Uhr
0
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 8.965 | Reviews: 184 | Hüte: 618

@ TiiN:

Gefällt mir, liest sich gut - gibt nen Hut.

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
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TiiN : : Goldkerlchen 2019
21.07.2023 01:14 Uhr
2
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 9.089 | Reviews: 173 | Hüte: 610

Vorhin im Kino gewesen und weil ich nach diesem Kinoerlebnis nicht sofort schlafen gehen konnte, habe ich meine Gedanken in einer Kritik verfasst.

Der Film war zuende und tatsächlich musste ich erstmal einen Moment Inne halten.

Dass Oppenheimer für unterschiedliche Meinungen sorgen wird ist nicht verwunderlich. Leute die Nolan ausschließlich wegen Batman und vielleicht noch Prestige oder Inception feiern werden hier wohl nicht glücklich werden.


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