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Porträt einer jungen Frau in Flammen

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Porträt einer jungen Frau in Flammen Kritik

Porträt einer jungen Frau in Flammen Kritik

Porträt einer jungen Frau in Flammen Kritik
0 Kommentare - 25.11.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Porträt einer jungen Frau in Flammen" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Die Pariser Malerin Marianne (Noémie Marchant) wird von der verwitweten Gräfin (Valeria Golino) beauftragt, ein Hochzeitsporträt ihrer Tochter Héloïse (Adèle Haenel) zu malen. Doch das stellt sich nicht gerade als einfache Aufgabe heraus, weil Héloïse gegen die eigene Mutter rebelliert und sich gegen die arrangierte Ehe auflehnt. Doch ohne das Gemälde ist die Eheschließung mit dem unbekannten Mann aus Mailand nichtig. Also versucht Marianne bei nächtlichen Spaziergängen mit der jungen Braut genau zu beobachten, um so das Porträt aus dem Kopf zu malen. Doch je mehr Zeit die beiden Frauen miteinander verbringen, desto näher kommen sie sich.

Skandalfilme sind eine heikle Angelegenheit, weil sie grundsätzlich eben diese oder jene Diskussion auslösen und damit in einer politischen Filterblase einen gesonderten Stellenwert erhalten, weil sie vermeintlich was wagen. Darüber hinaus finden dann nur noch Extreme statt. Die einen, die empört über die Darstellung einer eher unkonventionellen Liebe sind. Zumindest in den Kreisen, wo sich die Kritiker bewegen. Und die anderen, die keine Kritik an jener Kunst zulassen, weil das Werk ja wichtig ist. Und dann gelangt man zum Kernproblem der heutigen Kunstverwertung: Wichtig heißt nicht unbedingt gut. Muss aber auch nicht schlecht bedeuten. Im Falle von Porträt einer jungen Frau in Flammen heißt es im Kern, daß es sich um einen guten Film handelt, der dennoch seine Probleme hat. Und diese Probleme finden sich zunächst in der angesiedelten Epoche wieder. Das 18. Jahrhundert, wo noch alles anders war und Frauen sicherlich mehr Objekt waren, als sie es glücklicherweise heute sind. Dann gab es da wohl auch eine Menge Frauen, die eine Liebe leben wollten, die sie nicht leben konnten. Der Knackpunkt am Werk ist, daß wenn man es in die heutige Zeit verfrachtet, es kaum noch einen Skandal gäbe. Sicherlich gibt es Kreise, in denen Homosexualität keinerlei Rolle spielen darf. In diesen Kreisen spielen Frauen aber ebenso wenig eine Rolle. Daher ist der Skandal erstmal nur Fassade, weil kein Mensch sich um den Film scheren würde, wenn es eine heterosexuelle Beziehung im 21. Jahrhundert wäre. Und das sagt eine Menge über beide Extreme aus.

Trailer zu Porträt einer jungen Frau in Flammen

Der Film spielt glücklicherweise dann doch mit einer gewissen Ehrlichkeit, wenngleich das Ende sich zu Beginn erahnen lässt, weil der gesamte Film ja sonst obsolet wäre. Doch glücklich wird man hier nicht, weil man weiß, daß man nicht glücklich sein darf. Und dann verweist der Film eben auf die Probleme jener Zeit. Also etwa sowas wie die unerreichbare Liebe, den Umgang mit Frauen und die Einsamkeit der finanziellen Unabhängigkeit. Zumindest letzteres Thema spielt natürlich mit der Sinnsuche und ist immer universell. Davon abgesehen wird man dem Werk aber einiges verzeihen, weil er zunächst von zwei wahrhaft guten Schauspielerinnen getragen wird. Das Model, daß eigentlich kein Model stehen will und sich damit gegen eine arrangierte Ehe zur Wehr setzten möchte. Und auf der anderen Seite ist es diese Künstlerin, die eine große Faszination für diese Frau hegt. Warum man das glauben kann, liegt vor allem daran, daß Noémie Merlant und Adèle Haenel schauspielerisch zu Höchstformen auflaufen. Es geht selten um ausgesprochene Gefühle und auch darin ist der Film sehr ehrlich, weil es Menschen selten liegt, ihre eigenen Gefühle in Worte zu fassen. Dabei klebt man förmlich an den Lippen von Merlant, weil sie auch immer den Eindruck vermittelt, als hätte sie tausende von Worten für ihre Liebste Héloïse übrig. Doch die sie wird sie nie aussprechen dürfen, so denkt sie und in ihrer Zeit ist das natürlich gut begründet. Auf der anderen Seite ist dann eben die Angebetete Héloïse, die ebenfalls im ständigen Konflikt steht, weil sie natürlich in eine Rolle gedrückt wird, in die sie nicht möchte.

Dabei lässt das Drehbuch doch einen Zweifel daran, ob es so klug war, die männliche Seite im Film so außen vorzulassen. Sicherlich kann man damit nur verlieren, weil man einerseits lügen würde, wenn man sagte, daß Frauen von ihren Männern nicht unterdrückt würden. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, daß es plakativ wäre und vielleicht sogar ein wenig Männerfeindlich, wenn man hier einen direkten Antagonismus etablierte. In dieser Hinsicht hat sich Céline Sciamma in eine Ecke geschrieben, aus der sie nicht mehr herauskam. Denn wenn ein Aktualitätsbezug fehlt, dann ist das Werk irgendwie obsolet. Und so, wie der Film das schildert, lässt sich diese Epoche leider nicht auf unsere Zeit übertragen. Man wird das aber verzeihen können, weil das Werk auf anderen Ebenen wirklich gelungen ist. Nimmt man die Geschichte mal außen vor, so verbleiben Bilder, die ebenso wie Gemälde daherkommen. Da gibt es ganz bunte Farben, die in all diesen Momenten einfangen werden und dabei immer durch eine gewisse Blässe hervorstechen. Das ist ein seltsamer Stil, aber er gefällt, weil er eine ganz subtile Ader zu sich hat, die das Werk ansonsten vermissen lässt. Ob Sciamma nun aber wirklich einen anderen Blick auf die Weiblichkeit wirft, lässt die Frage im Raum, wer und wie man Weiblichkeit definiert. Eine endlose Diskussion, derer sich die Leute, die so etwas behaupten, gerne annehmen dürfen.

Schön ist zumindest, daß die gesamte Liebe, die hier gezeigt wird, eigentlich nur durch puren Symbolismus lebt. Wenn die Geschichte aus der Vergangenheit erzählt wird, dann sprechen Bilder an Klippen oder im Bett. Es spricht die Dunkelheit, der Tag. Es sprechen Menschen, kommen Geister und es werden Gemälde verziert. Nichts davon hat, weil es eben so komplex und teilweise vielleicht widersprüchlich ist, den Anspruch, die Liebe als solche zu definieren. Was ist Liebe? Das ist eine philosophische Frage, derer man sich mit keiner zufriedenstellenden Antwort annähern kann. Man könnte dem Film hier vielleicht zu Unrecht eine Art von Faulheit unterstellen, allerdings wäre das falsch. Weil es im Film nicht um eine Wertung der Personen geht, sondern um die bloße Darstellung von Gefühlen. Und damit ist der Kern der gesamten Geschichte mehr eine moralische Frage. Darf man das? Ja, man darf. Der Symbolismus wird dann natürlich auch in die Dialoge gestreut und so erzählt Marianne an einer Stelle, daß sie als Frau keine Aktgemälde malen darf. Damit stellt der Film natürlich klar den männlichen Blick infrage und wirft weitere Fragen über Sexismus und ganze Industriezweige auf. So wird ja auch gerne die Pornoindustrie gerügt dafür, daß sie den sogenannten Male Gaze ins Zentrum rückt. Natürlich ist die Verbindung erstmal nicht klar, doch im Film und im Porno geht es viel um Nacktheit und wie diese zur Schau gestellt werden. So zumindest gelingt es Céline Sciamma zu Teilen einen Aktualitätsbezug zu wahren. Nur leider, ist das bei weitem nicht genug.

Diese und andere Bezüge stellt man aber auch nur her, weil das Werk nicht so richtig in Fahrt kommt. Und es ist hier kein Problem, daß ausversehen entstanden ist, weil der Film viel zu vernarrt in lange Einstellungen und Bilder ist. Das ist zu Teilen tatsächlich auch interessant, beißt aber durchaus mit der Geschichte. Denn diese ist erahnbar und führt auch nicht wirklich den Diskurs in irgendeiner Form weiter.

Egal, wäre vielleicht ein zu hartes Wort, um Porträt einer jungen Frau in Flammen zu bezeichnen. Der Film ist aber mindestens mal aus der Zeit gefallen und lässt sich mit heutigen Problemen nur marginal verbinden. Und da der Film explizit diesen Diskurs anschlägt, ist er selbst schuld. Wahrhaftig ist das Werk vor allem wegen der großen unaufgeregten Schauspielkunst und den teils wirklich schönen Einstellungen, die mehr sind als nur bloße Bilder. Der Film trotzt – wenn auch einem simplen – vor Symbolismus, der ihn interessant macht.

Porträt einer jungen Frau in Flammen Bewertung
Bewertung des Films
710

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