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Reality

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Reality Kritik

Reality Kritik

Reality Kritik
0 Kommentare - 25.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Reality" ist.
Reality

Bewertung: 3 / 5

Mit fünfundzwanzig Jahren arbeitet Reality Winner (Sydney Sweeney) für den amerikanischen Auslandsgeheimdienst NSA. Eines Tages im Juni 2017 kommt sie nach Hause und findet das FBI vor ihrer Tür. Dieses in Form von der Agenten Garrick (Josh Hamilton) und Taylor (Marchánt Davis) stellen ihr gesamtes zuhause auf den Kopf. Der Grund dafür: Winner hat geheimgehaltene Infos über die russische Beeinflussung der Präsidentschaftswahl im Jahr 2016 an die Medien weitergegeben.

Die Beziehung zwischen Staat und Individuum ist besonders in einer demokratisch gelegten Grundordnung durchaus manchmal infrage zu stellen. Spätestens dann, wenn einen Whistleblower gibt, muss man sich die Frage stellen, ob man dem Staat, dem man zuvor freiwillig oder unfreiwillig sein Vertrauen schenke, danach noch seines schenken sollte. Besonders schwer ist jener Umstand natürlich für Patrioten. Diese werden auf den jeweiligen Akademien und anderen Einrichtungen ja quasi dazu trainiert, den Staat über das eigene Leben zu stellen. Mal mehr, mal weniger sinnvoll wirkt das natürlich aus einer post-heroischen Sicht heraus. Und ja, es ist eine wesentlich einfachere Entscheidung, sich für das eigene Leben und gegen den Staat zu entscheiden. Oder wie man am Stammtisch seichterer Gemüter sagen würde „die da oben verarschen uns eh alle.“ Deshalb hat es Reality vielleicht schwer, einen Figurenwandel zu transportieren. Die einen verstehen nicht, wie man sich gegen den Staat wenden kann und die anderen blicken sehr abgeklärt auf diese Welt und reden sich natürlich ein, daß sie sowieso schon so was wussten. In der Post-Moderne ist es ja ohnehin recht schwierig irgendwas nicht zu wissen und insofern ist man solchen Leuten mit eher naivem Gut-glauben sowieso nicht beizukommen. Letzterer Fraktion muss ich mich dann im weiteren Verlauf von Reality aber auch anschließen.

Der gesamte Film indes leidet vielleicht zu sehr darunter Dokumentation und genaues, akribisches Arbeiten zu sein, als tatsächlich eine filmische Relevanz aufzuweisen. Wobei Whistleblower natürlich immer eine gewisse Relevanz haben und es ja kein Zufall ist, daß quasi pünktlich zur US-Wahl im Herbst 2024 ein solcher Film erscheint. Der wiederum spielt mit kammerspielartigen Mitteln. Basiert ja schließlich auch auf einem Theaterstück. Und dabei zeigt Reality über die Hauptzeit der Handlung eigentlich nur das Gespräch zwischen der titelgebenden Reality Winner und den Ermittlern vom FBI, die in jener Air Force-Veteranin eine Verräterin vermuten. Geheime Akten soll sie entwendet haben und dabei sieht man wohl ganz gut, wie das FBI psychologisch vorgeht, sobald sie Informationen von jemandem brauchen. Waren es zu Guantanamo-Zeiten noch Folter und maximal unethische Mittel, um „die Wahrheit“ ans Tageslicht zu bringen, sieht man hier einige Männer, die sich Reality Winner auf einer zwischenmenschlichen Ebene stellen. Nie werden sie laut oder gewalttätig, daß müssen sie auch nicht, denn immerhin ist Winner den Männern rein physisch und rein von der Anzahl einfach unterlegen. In solchen Momenten zeichnet sich Reality als durchaus interessanter Film aus, weil er die Bedrohung einfach so über den gesamten Film im Raum stehen lässt, aber gar nicht aussprechen muss.

Unterdessen ist auch die Figur von Winner selbst relativ interessant. Hier ist nämlich kein klassisches Hollywood zu erkennen. Kein Idealismus, der ausgelebt wird und der „dem Feind“ mit Selbstbewusstsein energisch gegenübertritt. Nicht einmal die Begründung ihrer Taten scheint dabei gelogen zu sein und es wirkt fast so, als sei Reality Winner tatsächlich eine relativ naive Person, der diese Bürde irgendwie zugelaufen ist. Fast schon im Affekt könnte man meinen, muss sie gewesen sein, als sie sich entschied geheime Informationen an Dritte weiterzugeben. Natürlich sehen die Ermittler zunächst eine Art Masche in ihrem Dasein, merken aber auch bald darauf, daß Winner eben einfach so ist und sich vielleicht nicht einmal darüber im Klaren war, was sie getan hat. Natürlich zählt so etwas in solchen Kreisen, oder auch den allerwenigsten Kreisen als Entschuldigung für das Handeln. Aber es ist durchaus mal eine andere Perspektive, die hier eingenommen wird. Interessanterweise wird diese wiederum auch sehr gut von Hauptdarstellerin Sydney Sweeney transportiert. Ansonsten zeichnet sich dieses Spielfilmdebüt vor allem dadurch aus, daß man versucht die theatralische Vorlage so ein wenig durch inszenatorische Kniffe aufzuwerten. Nun, man muss dazu wohl sagen, daß ohnehin ob der kurzen Laufzeit nie wirklich Langeweile aufkommt und man schon den Eindruck hat, daß Regisseurin Tina Satter durchaus ein Gespür für interessante Einstellungen hat. Aber am Ende des Tages bleibt ein Gimmick hier eben auch nur ein Gimmick.

Das Reality in Zeiten von True-Crime und interaktivem Begaffen von grauenhaften Ereignissen zustande kam, verwundert nicht. Hier ist es jedenfalls nicht so seltsam, wie sonst. Die Überforderung dieser Situation überdies stellt die Figur aber durchaus Realtisch dar. Denn während das FBI sie und das Haus auf den Kopf stellt, verwundert es nicht, daß sie sich zunächst erst mal um ihre Haustiere schert. Im filmischen Kontext natürlich albern, in der Realität aber durchaus sinnig. Denn immerhin neigen Menschen unter großem Druck auch dazu, relativ sinnfreie Dinge zu tun. Wie also auch Affekte selten in Filmen eine Rolle spielen, legt man hier den Fokus bewusst auf Nonsens um zu zeigen. Daß die Realität eben nicht Hollywood ist. Wobei man ja infrage stellen darf, ob das der Anspruch sein sollte. Hier jedoch wirkt das sehr angenehm, weil man das eben sonst nie sieht.

Mehr und mehr schleicht sich der Eindruck ein, es handle sich bei Reality eher um die Darstellung von Fakten, als um einen Film. Ist natürlich geboren aus den politischen Zuständen und dennoch darf man fragen, ob das die Aufgabe vom Film sein sollte. Dieser spielt mit gewissen Dingen und will dadurch einen Mehrwert gewinnen. Nun zumindest ist er kurzweilig und gut vorgetragen.

Reality Bewertung
Bewertung des Films
610

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