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Star Wars - Die letzten Jedi

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In Space no one can hear you yawn.

Star Wars - Die letzten Jedi Kritik

Star Wars - Die letzten Jedi Kritik
2 Kommentare - 30.12.2017 von Silencio
In dieser Userkritik verrät euch Silencio, wie gut "Star Wars - Die letzten Jedi" ist.
Star Wars - Die letzten Jedi

Bewertung: 2 / 5

Anscheinend hat die Erste Ordnung die Republik im letzten Teil zerstört und rückt nun vor, um den Widerstand auszulöschen. Dieser flüchtet in Raumkreuzern, kann aber trotz Lichtgeschwindigkeit nicht entkommen. Während Poe und Finn händeringend nach einer Lösung suchen, will Rey sich von Luke Skywalker ausbilden lassen. Der ist aber von dieser Idee gar nicht angetan, denn die Jedi verdienen es auszusterben. Kylo Ren hadert indessen mit den Versuchungen der hellen Seite der Macht.

Trailer zu Star Wars - Die letzten Jedi

Über „Das Erwachen der Macht“ musste man sich seit Erscheinen viele Witze anhören, sei er doch nur ein Remake des „Krieg der Sterne“ und was es da sonst noch für „clevere“ Beobachtungen gibt. Er war aber nötig, denn zu frisch waren die Erinnerungen an die viel gescholtene Prequel-Trilogie. Die Marke „Star Wars“ wurde im öffentlichen Bewusstsein erfolgreich rekalibriert, die Möglichkeiten schienen nun endlos und Tür und Tor standen offen für neue Möglichkeiten. Jetzt müsste man sie nur noch wahrnehmen...

Syd Field stellt in seinem Standardwerk „Screenplay: The Foundations of Screenwriting“ die These auf, dass ein Autor, bevor er mit dem Schreiben anfängt, vier Storybeats festlegen muss. Dies wären das Ende, der Anfang und zwei Plot Points, die jeweils in den zweiten und den dritten Akt führen. Zweck der ganzen Angelegenheit ist es, eine erkennbare Struktur zu schaffen, die den Leser (und im letzten Arbeitsschritt natürlich den Zuschauer) durch das Drehbuch (den Film) leitet. Diese Struktur ist auch jedem bekannt, der regelmäßig Filme schaut. Jeder hat sich schon mal dabei erwischt, wie er instinktiv vorhersagen konnte, dass ein Film bald enden würde, ohne ihn vorher gesehen zu haben. Nun wird sich der geneigte Leser dieser Kritik fragen, warum das hier erwähnt wird. Ganz einfach: „Star Wars: Die letzten Jedi“ geht nach seinem logischem Schlusspunkt noch eine halbe Stunde weiter. Wo eigentlich Resolution vorherrschen sollte werden, und da tut sich ein Muster auf, Konflikte künstlich am Leben gehalten.

Der zentrale Konflikt von „Die letzten Jedi“ lässt sich wie folgt zusammenfassen: besteht noch Hoffnung für Kylo Ren und mit ihm für den Widerstand an sich? Viel der Laufzeit wird mit eben jenen Fragen verbraten, alles ist auf deren Antwort ausgerichtet. Bald kommt es dann auch zur klimatischen Konfrontation im Dreiergespann Rey, Ren und Snoke. Was in einem fokussierten Film der letzte Akt wäre, in dem alles zusammengeführt wird, ist in „Die letzten Jedi“ allerdings letztlich nur Geplänkel, eine weitere Station auf dem Weg zur nächsten Materialschlacht. Der wirkliche letzte Akt entpuppt sich dann als Remix der Hoth-Schlacht aus „Das Imperium schlägt zurück“, die zwar nett anzuschauen ist, aber zu lange dauert und bei der vergleichsweise wenig auf dem Spiel steht. Statt am Rande des Kinosessel Nägel zu kauen, erwischt man sich beim gelegentlichen Blick auf die Uhr. Woran liegt das? Naja, thematisch findet der Film seinen Abschluss im Thronsaal Snokes. Lukes Scheitern entpuppt sich als (zumindest bis zur nächsten Episode) endgültig, Kylo ist unwiederbringlich verloren. Für den Widerstand selbst besteht aber auch im Angesicht der Übermacht der Ersten Ordnung (wo auch immer die herkommt) noch Hoffnung. Alles, was danach kommt, ist eigentlich nur Nachklapp, der dem Zuschauer außer Schauwerten nur wenig zu bieten hat.

„Die letzten Jedi“ leiht sich aber mehr als nur Hoth von „Das Imperium schlägt zurück“. Wie das große Vorbild erzählt er eine eher episodenhaft gestaltete Geschichte, im Gegensatz dazu lässt er jedoch dessen superbe Kontrolle über Plot, Wendungen und Ton vermissen. Stattdessen präsentiert uns Autor und Regisseur Rian Johnson ein halbgares Sammelsurium an Ideen zur Macht, die einerseits clever buddhistisch klingen sollen, aber fallengelassen werden, wenn der Plot es braucht, Subplots, die ins Leere führen und verquere politische Botschaften, die Fehl am Platze wirken. Exemplarisch dafür steht der Handlungsbogen um Finn (der grundsympathische John Boyega) und seinen neuen Sidekick Rose (blass: Kelly Marie Tran). Um die gnadenlose Verfolgung durch Snokes Supersternenzerstörer zu beenden, wird er von Poe Dameron, gespielt vom gelangweilt dreinschauenden Oscar Isaac, ausgeschickt, einen fähigen Codeknacker zu suchen. Die Suche führt auf einen Planeten, auf dem sich die Reichen und Schönen in Casinos vergnügen. Der Film nimmt dies als Vorwand für simple Kapitalismuskritik, die nicht nur reichlich platt ist, sondern auch noch äußerst ironisch scheint, kommt sie doch vom allmächtigen Disneykonzern. Ein Film bevölkert von „niedlichen“ Tierchen, die mithilfe von Fokusgruppen designt scheinen, um möglichst viele Merchandiseartikel zu verkaufen, sollte zum Thema Kapitalismus vielleicht den Ball flach halten. Kann man darüber aber noch hinwegsehen, weil es die eigenen politischen Überzeugungen widerspiegelt oder einen solche Thematiken einfach nicht kümmern, bleiben immer noch die dramaturgischen Schwächen übrig. Denn der gesamte Subplot könnte ohne große Verluste aus der Handlung gestrichen werden, hätte Autor Johnson ein Vieraugengespräch zwischen Poe und Vizeadmiral Holdo (Castneuzugang Laura Dern) geschrieben, in dem sie ihm ihren eigentlich recht simplen Plan mitgeteilt hätte.

Stattdessen entschied er sich, Poe und Holdo gegeneinanderprallen und Poe zum Meuterer werden zu lassen. Nicht nur, dass dieser Subplot dann mit einem Fazit abgeschlossen wird, dass sich am besten mit „Vertrau immer der militärischen Obrigkeit“ zusammenfassen lässt, wird der Konflikt zwischen den beiden mit Sympathiebekundungen Holdos gegenüber Poe aufgelöst. Warum sie Poe am Ende dann doch mag, obwohl dieser fast ihre Pläne durchkreuzt und damit den Widerstand in unnötige Gefahr gebracht hat, bleibt ungeklärt. Der Film wirkt an solchen Stellen konfus bis inkohärent, die Charakterzeichnung wird Plot und Feel Good-Konflikbewältigung untergeordnet. Es passiert das, was nützlich ist oder vordergründig „Spaß“ machen soll. Denn Disney verkauft das Gefühl „Das Imperium schlägt zurück“, aber nicht dessen Qualität.

Star Wars - Die letzten Jedi Bewertung
Bewertung des Films
410
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2 Kommentare
MJ-Pat
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Kayin : : Schneemann
02.01.2018 21:53 Uhr
0
Dabei seit: 11.10.15 | Posts: 1.269 | Reviews: 2 | Hüte: 105

Wenn nicht dein Name drüber stehen würde, dann würde ich anhand des Geschrieben wissen, wer es verfasst hat. Und das meine ich positiv.

Gut geschrieben, aufm Punkt, Daumen hoch!

After that, I understood the rules, I knew what I was supposed to do, but I didn’t. I couldn’t. I was compelled to stay, compelled to disobey. And now, here I stand because of you, Mr. Anderson. Because of you, I’m no longer an Agent of this system.
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eli4s : : Moviejones-Fan
30.12.2017 14:14 Uhr
0
Dabei seit: 22.02.12 | Posts: 1.931 | Reviews: 29 | Hüte: 46

Finde gut, dass du auch mehr auf grundliegende Probleme der Dramaturgie eingehst. Genau die habe ich auch sehr stark gesehen, was man an anderen Stellen auch im Detail lesen kann. Das Storytelling und die meisten Figuren sind wirklich extrem schwach. Dabei fällt mir auch bei deiner Kritik auf, dass du fast nicht über Rey sprichst. Dabei sollte sie eigentlich die Hauptfigur sein. Für mich auch ein riesen Problem des Films.
Letztlich sind die einzigen einigermaßen interessanten Figuren Kylo Ren und Luke. Alles andere ist recht belangloses Beiwerk, das eigentlich nur Zeit und Raum mit belanglosem Plot füllt.

Unabhängig davon, gefällt mir dein Schreibstil auch in deinen anderen Kritiken. Flüssig, kommt zum Punkt und begründet auch gut.

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