Tenet

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Dafür ist Kino gemacht

Tenet Kritik

Tenet Kritik
13 Kommentare - 30.08.2020 von TiiN
In dieser Userkritik verrät euch TiiN, wie gut "Tenet" ist.
Tenet

Bewertung: 4.5 / 5

Tenet ist der inzwischen elfte Spielfilm von Christopher Nolan und erschien im August 2020 in den europäischen Kinos. Die nachfolgende Kritik ist spoilerfrei.

Trailer zu Tenet

Die Trailer haben genau das über die Handlung erzählt, was man im Vorfeld wissen muss. Es gibt eine neue Technologie mit der man die Zeit invertieren kann. Das augenscheinliche Ziel ist es, einen weiteren Krieg zu verhindern. Natürlich steckt hinter allen viel mehr, aber zu Beginn ist diese Information völlig ausreichend.

In einem Trailer zu Tenet wird so schön gesagt „versuchen Sie nicht es zu verstehen. Fühlen Sie es.“ An dieser Aussage ist tatsächlich eine ganze Menge dran. Denn von seiner erzählerischen Komplexität ist Tenet wirklich ein sehr schwerer Brocken, der in diesem Punkt durchaus Memento in den Schatten stellen kann. Es wird zwischendurch einiges erklärt und das ist gerade bei der ersten Sichtung sehr viel und wird sehr schnell abgehandelt. Das Interessante ist jedoch, dass es ausreicht um die zweite Hälfte des Films vollkommen zu fühlen und auf gewisse Weise nachvollziehen zu können. Der Film ist kompliziert, aber nicht so, dass es wehtut oder anstrengend ist, sondern so, dass die Unterhaltung immer noch im Vordergrund steht. So sind die schnellen Erklärungen für manche möglicherweise eine Schwäche des Films, im Resultat wird dieser Punkt aber zu einer Stärke von Tenet – Das ist eine Erzählkunst wie sie wohl kein Zweiter beherrscht.
Am Ende hat man, wie schon bei Following, Memento oder Prestige das Gefühl, dass man den Film am liebsten gleich nochmal sehen möchte. Besonders schön war es, nach dem Abspann die vielen anderen Kinobesucher zu beobachten, wie sie angeregt über den Film diskutiert haben. Das ist es, was Kino ausmacht, was uns begeistert. Oft bekommen wir eine 0815 Erzählung serviert, die 2 Stunden zu unterhalten weiß, aber anschließend sofort verschwunden ist. Das ist hier definitiv nicht der Fall.


Weiterhin kann man kritisch betrachten, dass Tenet auf einer ganz simplen Geschichte aufbaut und diese „nur“ sehr umständlich vermittelt. Das stimmt und das ist nichts Neues, aber dafür steht Christopher Nolan – es geht gar nicht um das eigentliche Ziel, sondern um den Weg, den Menschen gehen, um ihr Ziel zu erreichen.

Um auf ein paar nüchterne Fakten in der Besetzung einzugehen, so hebt sich Tenet insofern von seinen Vorgängern ab, dass sowohl im Filmschnitt wie auch in der Musikkomposition das Jahre lange Stammteam nicht verfügbar war. Lee Smith (Schnitt) wurde durch Jennifer Lame ersetzt und die Musik stammt aus der Feder von Ludwig Göransson und nicht mehr von Hans Zimmer.
Der Filmschnitt wurde hier und da im Vorfeld etwas kritisiert, meiner Meinung nach nimmt sich die Änderung jedoch nicht viel, der Schnitt passt gut zum raschen Filmtempo und kommt daher sehr authentisch daher. In der Musik liefert Göransson zwar einen ähnlichen Stil wie Hans Zimmer ab, welcher thematisch auch durchaus passt, aber leider kann die Genialität eines Hans Zimmer nicht erreicht werden und die Musik hat nur einen geringen Wiedererkennungswert. Interstellar (sein Meisterwerk), Inception, oder auch Batman Begins sind so einprägsam, das misst man bei Tenet leider – trotz authentischer Klänge. Über die eindrucksvollen und vor allem handwerklichen visuellen Effekte wurde in vielen anderen Kritiken schon genug erzählt – Tenet schaut bombastisch aus.

Schauspielerisch gibt es ebenfalls sehr viel Neuland. Lediglich Kenneth Branagh (Dunkirk) und Michael Caine (jeder Film seit Batman Begins) sind aus vorherigen Zusammenarbeiten erneut vertreten. Getragen wird Tenet vor allem von den neuen Gesichtern von John David Washington, Robert Pattinson sowie Elizabeth Debicki, welche sich alle drei wunderbar in die eher kühle Inszenierung einfügen.

Vergleichbar mit Dunkirk gibt es nur wenig persönliche Motive der Figuren - das kann ebenfalls für manche Zuschauer eine Schwäche sein. Für die Mysteriösität des Films war es teilweise notwendig, so bleiben die meisten über fast die ganze Laufzeit ein Rätsel.

Dass die Geschichte der Zeitinversion keine verrückte Idee von Nolan ist und auf wissenschaftlichen Thesen basiert, deutete nicht nur schon im Trailer eine Tafel im Hintergrund an. Wer den Abspann beobachtet, wird u.a. den Namen Kip Thorne finden. Inzwischen ist er Nobelpreisträger der Physik und nach Interstellar stand Thorne offenbar auch bei Tenet beratend zur Seite.

Wer sich für Memento, Inception oder/und Interstellar begeistern konnte, der wird auch an Tenet seine Freude haben. Christopher Nolan bringt durch ein durchdachtes Drehbuch und eine dazu stimmige Inszenierung komplexe Phänomene und Paradoxa als Unterhaltungsfilm verpackt an die Zuschauer und animiert diese einmal mehr dazu, sich über Filme tatsächlich Gedanken zu machen und darüber zu reden.

Dafür ist Kino gemacht.

Tenet Bewertung
Bewertung des Films
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13 Kommentare
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TiiN : : Pirat
16.09.2020 22:42 Uhr
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Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 5.883 | Reviews: 130 | Hüte: 309

Ich habe mir vorhin das inzwischen dritte Mal Tenet im Kino angeschaut, diesmal im IMAX.

Das Bild und vor allem der Sound waren nochmal eine ganze Ecke beeindruckender. Bis auf das Studiologo war zudem wirklich ALLES im IMAX Format gewesen.

Zum Film selbst, er wird mit jedem Mal gucken besser, weil man mehr Verbindungen entdeckt und Sachen mehr Sinn ergeben. Die Schnitte haben mich gar nicht mehr gestört und sogar die Musik ist durchaus authentisch, auch wenn die markanten Stücke nicht so oft vorkommen. Etwas unpassend ist jedoch dieser Song am Ende zu Credit-Beginn.

Die nächste Sichtung wird es dann in einigen Monaten auf Blu Ray geben.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
31.08.2020 20:10 Uhr | Editiert am 31.08.2020 - 20:11 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.243 | Reviews: 148 | Hüte: 470

@TiiN
"Wir sind immer mitten in Situationen drin und selten auf dem Weg zu irgendwelchen Szenarien."

Das würde ich in "Tenet" jetzt auch als normales Cutten bezeichnen. Aber in "Inception" spielt Nolan ja bewusst damit und arbeitet eine Analogie zwischen Traum und Film bzw. Traumarchitektur und Filmdreh heraus.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
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FlyingKerbecs : : Hisoka
31.08.2020 19:26 Uhr
0
Dabei seit: 24.11.15 | Posts: 4.508 | Reviews: 25 | Hüte: 232

@TiiN

Achso. Für mich war das einfach schnelles Cutten und Weglassen von "unwichtigen" Szenen. Fand ich einerseits gut, andererseits war es insgesamt einfach viel zu übertrieben.

Vlt. kommt ja in ein paar Jahren Tenception. tongue-out

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TiiN : : Pirat
31.08.2020 19:17 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 5.883 | Reviews: 130 | Hüte: 309

@luhp92 & FlyingKerbecs

Tenet beinhaltet augenscheinlich keine Verbindung zu Inception. Aber es gibt eine ganz interessante Sache woraus man möglicherweise was basteln könnte: Wir sind immer mitten in Situationen drin und selten auf dem Weg zu irgendwelchen Szenarien. Erinnern wir uns an Inception und Doms Erklärungen: Wie sind wir in dieses Cafe gekommen? Wir erinnern uns nie, wie wir irgendwo hin kamen, plötzlich sind wir da.

Bisschen weit hergeholt und daraus wird man sicher nichts machen, aber theoretisch möglich. smile

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
30.08.2020 20:50 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.243 | Reviews: 148 | Hüte: 470

@TiiN
Ah, von Theobald wusste ich selbst noch gar nicht. Cool.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
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FlyingKerbecs : : Hisoka
30.08.2020 19:59 Uhr
0
Dabei seit: 24.11.15 | Posts: 4.508 | Reviews: 25 | Hüte: 232

@luhp92

Hätte mich auch gewundert.^^

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TiiN : : Pirat
30.08.2020 19:47 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 5.883 | Reviews: 130 | Hüte: 309

@luhp92

Danke für die Info, bislang ist mir heute nur noch Jeremy Theobald aufgefallen. Mit ihm, Donovan, Branagh sowie Caine gibt es ja doch vier bekannte Gesichter.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
30.08.2020 19:36 Uhr | Editiert am 30.08.2020 - 19:38 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.243 | Reviews: 148 | Hüte: 470

@TiiN
Mit Martin Donovan (der Geheimdienst-Vorgesetzte des Protagonisten zu Beginn des Film) arbeitete Nolan hier übrigens nach langer Zeit auch mal wieder mit einem Schauspieler zusammen, der schon in "Insomnia" mitspielte.

@FlyingKerbecs
Es gibt auch keine Verbindung zu "Inception".

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
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FlyingKerbecs : : Hisoka
30.08.2020 10:25 Uhr
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Dabei seit: 24.11.15 | Posts: 4.508 | Reviews: 25 | Hüte: 232

@TiiN

nicht direkt erneut sehen wolltest,

Wohl eher nie wieder.^^ Zumindest Memento. Prestige schau ich vlt. irgendwann nochmal.

Aber ich empfinde es trotzdem immer als einen Hochgenuß, diese Art der Erzählung serviert zu bekommen.

Da es mir nicht gefallen hat, ich dann eher weniger. Dann lieber so wie bei Interstellar oder Inception.^^

Während des Films dachte ich mir, dass sogut wie gar keiner von den Beteiligten wohl wirklich verstanden haben kann, was sie da gerade drehen.

Das wird wohl selbst Nolan nicht verstanden haben. Er dachte wohl, ach ich denk mir jetzt irgendeinen Quark aus und präsentiere es als sehr komplex, dann wird es sicher gefeiert. tongue-out

Zu den spoiler Inhalten:

Die Verbindung zu Inception sehe ich nicht wirklich.

Würde ich auch gut finden, allerdings wird der Mann nicht jünger und daher kann ich verstehen, dass er kürzer tritt.

Wirklich? Hm fand ihn jetzt nicht so heftig, aber gut, in Nolans Filmen ist der Gewaltgrad eh niedrig, da kann Tenet schon über der Grenze liegen.^^

Sehe ich auch so.

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TiiN : : Pirat
30.08.2020 08:54 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 5.883 | Reviews: 130 | Hüte: 309

@FlyingKerbecs & Rotschi

Danke schön.

Wenn du Memento und Prestige nicht direkt erneut sehen wolltest, dann spiegelt es doch meine These ganz gut wieder.

Seine Batman Trilogie, Inception und vor allem Interstellar waren klar mainstreamiger verpackt und ich wenn ich an The Dark Knight denke, hätte ich auch nichts, wenn Nolan künftig mal wieder einen ganz normalen Film irgendwelche Zeitspielereien machen würde. Aber ich empfinde es trotzdem immer als einen Hochgenuß, diese Art der Erzählung serviert zu bekommen.

Während des Films dachte ich mir, dass sogut wie gar keiner von den Beteiligten wohl wirklich verstanden haben kann, was sie da gerade drehen.

Ein paar Spoilerinhalte

Im Vorfeld wurde wild darüber geschrieben, dass Tenet mit Inception verknüpft sein könnte. Das wurde so offenkundig gezeigt, dass hier der Zuschauer klar an der Nase herumgeführt wurde. Letztendlich zeigt sich Tenet als ein Eigenständiges Werk, auch wenn theoretisch Verbindungen zu anderen Filmen möglichen wären.

Die Rolle von Michael Caine war wirklich sehr kurz und quasi nicht mehr als ein kleiner Cameo gewesen. Vergleichbar wie mit Dunkirk, es wäre schön, wenn Caine künftig wieder eine größere Rolle hätte.

Ich war ein bisschen über den Gewaltgrad überrascht. Nolan-Filme sind grundsätzlich harmlos. Aber nach The Dark Knight und Insomnia glaube ich, dass man hier den "heftigsten" Film hat.

Das Ende kann man ein kleines bisschen wie einen Cliffhanger für eine Fortsetzung deuten. Ich hoffe jedoch nicht, dass es dazu kommt. Diese Idee ist ein Knaller für einen Film. Bezogen auf mehrere Streifen stelle ich mir das abre etwas eintönig vor.

MJ-Pat
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FlyingKerbecs : : Hisoka
30.08.2020 08:21 Uhr
0
Dabei seit: 24.11.15 | Posts: 4.508 | Reviews: 25 | Hüte: 232

Tolle Kritik, kann dir nur bei dem Teil

Das Interessante ist jedoch, dass es ausreicht um die zweite Hälfte des Films vollkommen zu fühlen und auf gewisse Weise nachvollziehen zu können. Der Film ist kompliziert, aber nicht so, dass es wehtut oder anstrengend ist, sondern so, dass die Unterhaltung immer noch im Vordergrund steht. So sind die schnellen Erklärungen für manche möglicherweise eine Schwäche des Films

und vor allem bei dem Teil

Am Ende hat man, wie schon bei Following, Memento oder Prestige das Gefühl, dass man den Film am liebsten gleich nochmal sehen möchte.

nicht zustimmen, leider.^^ Zu Following kann ich nix sagen, aber bei Memento und Prestige hatte ich das Gefühl, dass ich sie nie wieder sehen will. tongue-out

Dass Tenet also ausgerechnet wie die beiden Filme von Nolan wird, die ich am wenigsten mag, ist ärgerlich.

Dafür ist Kino gemacht.

Dazu sag ich mal besser nix...^^

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Rotschi : : M. Myers
30.08.2020 02:27 Uhr
0
Dabei seit: 17.12.09 | Posts: 1.406 | Reviews: 6 | Hüte: 35

Sehr schön geschriebene Kritik. Unterschreibe ich in fast allen Punkten. Der Schnitt hat mich ebenfalls etwas gestört. Den Soundtrack hingegen von Ludwig fand ich hervorragend. Klar ein Hans Zimmer ist stand heute nochmal eine andere Hausnummer. Einprägsame Themen konnte ich jetzt indes auch nicht gleich greifen, aber insgesamt, war es für den noch sehr jungen Komponisten eine sehr sehr gute Leistung.

Ich suchte den Film in den nächsten Tagen ebenfalls nochmal. Und bin immer noch begeistert vom Film. Je mehr ich lese desto mehr hallt der Film nach.

Das ist, wie du so schön sagtest, Kino.

Chapeau Nolan.

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TiiN : : Pirat
30.08.2020 01:39 Uhr
1
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 5.883 | Reviews: 130 | Hüte: 309

Ich bin echt sehr angetan, war zwischendurch etwas skeptisch, aber der Film hat mich voll gepackt und ich freue mich auf weitere Sichtungen im Kino.

Jedem Filmfreund der mit Nolan ein bisschen anfangen kann, dem sei geraten ins Kino zu gehen und sich diesen Film anzuschauen.

Bei mir war das Kino heute - im Rahmen der Sitzabstandsregeln - voll und alle haben sich an die Hygienemaßnahmen gehalten und anschließend begeistert über Tenet diskutiert. Ein sehr schönes Gefühl.

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