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The Menu Kritik

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The Menu Kritik
1 Kommentar - 06.12.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "The Menu" ist.
The Menu

Bewertung: 4 / 5

Zusammen mit seiner Freundin bereist der Restaurant-Kenner Tyler (Nicholas Hoult) die besten kulinarischen Angebote der Welt. Nun gelten er und seine Freundin Margot (Anya Taylor-Joy) als Experten auf diesem Gebiet und erfahren durch soziale Meiden von einem exzentrischen, abgelegenen Restaurant, indem der Küchenchef Slowik (Ralph Fiennes) ein einzigartiges Menü zaubert. Dazu reisen sie auf eine abgelegene Insel und treffen dort auf weitere Gäste, die sich bekochen lassen.

Eine seltsame Gruppe wahllos zusammengewürfelter Menschen wird auf eine abgelegene Insel gebeten und dort von einem unglaublichen Koch und seinem Team betreut und bekocht. Dieses Ensemble, daß tatsächlich irgendwo die Genialität des Werkes widerspiegelt und sich natürlich auch wunderbar wie eine Produktion von Adam McKay anfühlt, hat aber ein kleines Problem. Denn dadurch, daß sich die Darstellung der Menschen, die hier zwischen Kritikern, Influencern, einfach gestrickten Gutbetuchten und Menschen, die seit jeher das Geld pachten suhlt, bleiben auch die Charaktere nie so viel mehr als Metaphern. In The Menu geht es um viele Dinge. Es gibt da nicht die einfache Antwort. Die Arbeiterklasse wird hier repräsentiert. Die moderne Welt, daß Verständnis von Essen in modernen Zeiten, daß Aufsteigentum, die vermeintlich intellektuelle Elite und viele weitere geben sich hier die Klinke in die Hand und leiden doch insgesamt etwas darunter, daß es in The Menu doch eher darum geht, gewisse gesellschaftliche Schichten, die Völlerei, das grenzenlose Verlangen des Menschen in Bildform auszudrücken. Was einerseits die Genialität des Films und eine relativ moderate Metapher widerspiegelt, ist dennoch aber zu schlicht gehalten. Auch im Hinblick darauf, wie sich die Geschichte dann besonders um den von Nicholas Hoult gespielten Tyler entwickelt, hält der Film ein besonderes Geheimnis parat, daß auch in der Darstellung seiner Figur Ausdruck findet. Er verhält sich in dem Schreckensszenario eben nicht so, wie man es erwartet und was dahinter schlummert ist zwar an sich logisch, für einen Film, der aber sonst so weit über dem Mittelmaß stattfindet, wiederum dann doch zu gewöhnlich.

Trailer zu The Menu

Essen ist ein Privileg. Und The Menu begreift Essen als vieles. Sicherlich ist die einfache Deutung, daß Menschen das nicht verdienen, weil sie nichts dafür tun müssen. Doch das ist nicht die Metapher, nicht die einzige zumindest. Wenn man das, was die Handwerker, Menschen, die an dem Essen arbeiten überträgt, dann muss man das Essen hier als Kunst begreifen. Man sieht das auch immer wieder eindrucksvoll, wenn ganze Teller zu Kunstwerken werden und peinlichst genau darauf geachtet wird, daß eine Speise zur richtigen Zeit, mit der richtigen Beilage serviert wird. Essen zu kochen ist Kunst und Handwerk, brutales Handwerk. Jeder, der mal in einer Küche gearbeitet hat, wird das bestätigen können. Am Beispiel einer Restaurantkritikerin und ihrem alles bejahenden Sidekick zeichnet der Film die Wertung der Kunst. Ähnlich wie ein Film, gerade auch heute, bedingt durch eine schnelllebige Zeit ein Todesurteil durch schlechte Kritiken bekommt, sind Restaurantkritiker, was ihren Bereich angeht, ebenso einflussreich. Der Film zeichnet Kritiker als Intellektuell und Antiintellektuell in einem. Das ist paradox, gelingt hier aber ganz gut. Da werden dann Phrasen hin- und hergeworfen, die ein Essen beschrieben sollen. Richtige Ahnung haben da die wenigsten und das gesamte Treiben hinter der Nahrung, also das brutale Handwerk bedeutet puren Schmerz und Ästhetik. Zudem sind Kritiker hier so sehr an gewisse Muster gewöhnt, daß sie das Essen nur noch als solches begreifen. The Menu ist nicht so blöd sich auf eine Seite einzulassen und lamentiert nicht wie ein Shayamalan darüber, wie gemein doch Kritiker wären. Zwar schreibt der Film Kritikern versnobtes Phrasendreschen zu und gleichzeitig scheinen die Kritiker hier auch Ahnung zu haben. Das elitäre ist aber nicht nur einseitig und so findet der Film einen intelligenten Konsens, wenn es darum geht auch die Künstler hier, als etwas seltsam darzustellen.

Der Film fühlt sich die gesamte Laufzeit über relativ frisch an, weil er den Zuschauer auch nicht, wie eben Genreüblich, mit Gewaltspitzen konfrontiert. Gleich zu Beginn werden alle Karten auf den Tisch gelegt. Es ist klar, die Menschen müssen sterben, sie sollen sterben. Doch daraus, daß man das weiß, generiert der Film immer wieder Spannung, weil er aufzeigt, wie Menschen mit der Gewissheit umgehen. Insofern bricht Regisseur Mark Mylod sogar ein wenig mit Genrekonventionen, weil nicht ständig hinter jeder Türe eine neue Gefahr lauert. Und dann serviert er zudem eine faszinierende Darstellung von Ralph Fiennes. Natürlich ist Fiennes über jeden Zweifel erhaben, doch seine große Zeit schien lange vorbei zu sein. In diesem Werk jedoch zeichnet sich Fiennes abermals durch unglaublich intensives und unaufgeregtes Spiel aus. Seine Figur entspricht nicht dem gängigen Klischee eines überdrehten Psychopathen, sondern gewinnt eine unglaubliche Präsenz durch die erzeugte Spannung, Körperbeherrschung und eben ruhige Momente, in denen er sich und sein Vorhaben erklärt. Gleichsam gibt es hier eben nicht diesen postmodernen Trauerbewältigungsquatsch, nach welchem ein schweres Leben zu Gräueltaten führt. Nichts wird hier psychologisch begründet und ohnehin scheinen alle Figuren nicht gerade die nettesten Menschen auf Erden zu sein. Natürlich ist das ein heikles Thema, weil man den Mord an Menschen auch nur aufgreifen kann, weil sie nicht wehrlos oder unschuldig sind. Ohnehin wäre The Menu kein Film für Optimisten, oder Menschen, die keinen schwarzen Humor verstehen, denn davon hat dieser Film reichlich zu bieten.

Immer wieder fragt sich der Zuschauer zwangsläufig, wie kommen die Figuren da heraus? Kommen Sie überhaupt da raus, oder müssen sie sterben. Zuzutrauen wäre es dem Film und damit auch den Figuren und damit weiß man nur, daß man gar nichts weiß. Eine klare Kritik an der Konsumierung von Produkten ist vorhanden und der Mensch, der diese zu sich nimmt, an sich nimmt, wird sie nie wertschätzen können. Die Antithese dessen kristallisiert der Film dann aber zum Finale hin heraus, als etwa die Figur von Taylor-Joy verlangt, daß der Küchenchef ihr einen Burger servieren soll. Natürlich ist das Fast Food und hat man die Worte von bestimmten Hollywood-Größen im Hinterkopf, dann wird klar, auf was hier angespielt wird. Für den Film ist klar, daß der Burger ausdrückt, daß Kunst auch Spaß machen darf, wenn nicht sogar muss. Denn dieser Künstler, der hier so darauf bedacht ist, daß sein Werk verstanden wird, leidet darunter, daß er nicht versteht, daß es nichts Schlechtes sein muss, einfach Spaß an etwa zu haben.

Auch auf handwerklicher Ebene erweist sich Mylod als fähiger Regisseur. Und so inszeniert er, natürlich bedingt durch das passende Szenario, viele Szenen in einer perfekt durchgeplanten Struktur. Figuren bewegen sich von A nach B befolgen Befehle und stehen somit auch in der Tradition eines Horrorfilms. Das ist immer wieder recht anschaulich, weil es sehr sektoid daherkommt und gleichzeitig auch entmenschlicht. Der Film reduziert seine Schauplätze auf ein Minimum, welche sehr theatralisch anmuten und daher als Kammerspiel so auch wohl im Theater aufgeführt werden könnte.

So einladend und durchdacht The Menu auch ist, so leiden die Figuren dennoch ein wenig unter realitätsnähe. Alles für die Metapher, das hilft der Kunst, schadet aber dem Handwerk paradoxerweise. Doch ferner verhält sich der Film in all seinen Themen doch sehr intelligent und kann abermals durch einen berauschenden Cast überzeugen.

The Menu Bewertung
Bewertung des Films
810

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landtoday : : Moviejones-Fan
11.12.2022 02:43 Uhr
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Dabei seit: 17.11.22 | Posts: 61 | Reviews: 0 | Hüte: 0

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