Anzeige
Anzeige
Anzeige

Bambi

Kritik Details Trailer Galerie News
Das Original von "König der Löwen" und "Dinosaurier"

Bambi Kritik

Bambi Kritik
9 Kommentare - 11.06.2020 von luhp92
In dieser Userkritik verrät euch luhp92, wie gut "Bambi" ist.

Bewertung: 2 / 5

Wenn man Disneys Animationsfilmhistorie zurückverfolgt, wird man beim Schauen von "Bambi" feststellen, dass "Der König der Löwen" und "Dinosaurier" inhaltlich und inszenatorisch Vieles von "Bambi" übernommen haben.

Offensichtlich ist dabei der Tod von Bambis Mutter und Mufasa, es geht aber noch weit darüberhinaus. In allen drei Filmen wird die Handlung durch das Leitmotiv des Kreises des Lebens definiert, in allen drei Filmen werden Auserwählte etabliert (Bambi und Simba als erbende Monarchensöhne, Aladar als Moses-artiger Befreier), die äußeren und inneren Gefahren trotzen und diese überwinden müssen. Innere Gefahren stellen individuelle und meistens charakterisierte Artgenossen dar (der Rehbock Ronno, der Löwe Scar, der Iguanodon Kron), äußere Gefahren sind unpersönlicher, allegorischer Art. In allen drei Filmen handelt es sich dabei um Natur-/Umweltereignisse, des Weiteren die Jäger und Jagdhunde in "Bambi", die in "Dinosaurier" durch Carnotauren und Raptoren ersetzt werden. Die finale Konfrontation zwischen den Protagonisten und den Jagdhungen bzw. dem Carnotaurus findet zudem auf einem Steinhang statt und wird auf ähnliche Weise in Szene gesetzt. Ansonsten funktioniert der Kreis des Lebens in Disney-Filmen natürlich nicht ohne Liebesbeziehung, Faline und Nala sind Kindheitsfreunde von Bambi und Simba, sie treffen nach Jahren der Trennung zufällig wieder aufeinander und verlieben sich sofort.

Im Gegensatz zu "Der König der Löwen" und "Dinosaurier" hatte "Bambi" nie großen Einfluss auf meine Kindheit und frühe Jugend, ich sah den Film gestern also quasi zum ersten Mal. Dahingehend muss ich mir zumindest zu einem gewissen Grad eine subjektiv verfälschte Wahrnehmung eingestehen. Nichtsdestotrotz kam ich gestern nicht umhin festzustellen, dass die Charaktere, Themen und Inhalte in den beiden Folgewerken wesentlich ausgefeilter, konkreter und, ja, auch politischer ausgearbeitet werden. Sicherlich ist es keine Pflicht, Kinderfilme politisch zu gestalten, mehr als ein nettes und audiovisuell hochwertiges Märchen für Kinder sehe ich in "Bambi" jetzt aber nicht. Aus Erwachsenensicht hat das für mich keinen Reiz, aus Kindersicht gefielen mir die ersten 40 Minuten aufgrund der liebenswürdigen und knuffigen Natur der Geschichte noch sehr gut. Als "Bambi" nach dem Tod der Mutter jedoch umschwenkte und düstere, erwachsene Töne anschlug, wurden die Schwächen deutlich und der Film verlor mich.

Der Tod von Bambis Mutter läutet zwar eine 180°-Wendung ein und gilt als der Kindheitsschock schlechtin, der Szene selbst wird allerdings keine Zeit zur Entfaltung eingeräumt, darüberhinaus hat der Tod der Mutter keine Bewandtnis für Bambis Charakter. Nach dem Tod der Mutter und einer Todeserklärung durch Bambis Vater erfolgt ein stilistischer und zeitlicher Hard Cut, die Trauerszene wird sofort durch eine fröhliche Musikszene abgelöst, in der Vögel den Frühling besingen. Bambi ist nun ein junger Rehbock und eine Frohnatur wie eh und je, wie es ihm nach dem Tod und in der Zwischenzeit ergangen ist, erfährt man nicht. Im Vergleich dazu stellt "Der König der Löwen" nach Mufasas Tod Simbas Trauma und Traumabewältigung in den Vordergrund, was dann im Duell zwischen Simba und Scar seinen Höhepunkt findet.

Die kurze Laufzeit von 68 Minuten bricht "Bambi" meiner Meinung nach das Genick. Zu großen Teilen begründet sich das dadurch, dass der Film keine durchgehend konstruierte Geschichte erzählt, sondern über eine episodenartige Erzählstruktur verfügt - Bambi gegen Ronno, Bambi gegen die Jagdhunde, Bambi und der Waldbrand. Mit einer längeren Laufzeit oder gar als Serienadaption hätte das funktionieren können, in einem 68-Minuten-Film verbleiben all diese Ereignisse auf einem unterentwickelten Niveau.

Ronno taucht plötzlich als Nebenbuhler auf, beansprucht Bambis Freundin Faline für sich, duelliert sich mit Bambi, verliert und verschwindet dann wieder aus der Handlung. Weil Ronno als Antagonist keine Charakterzeichnung besitzt und weil die Liebesbeziehung zwischen Bambi und Faline zuvor gehetzt etabliert wurde, ohne innerlich reifen zu können, fehlt dem Kampf zwischen Bambi und Ronno eine feste Grundlage und tiefere Bedeutung. Es ist ein Kampf der Triebe, es geht um die Frage, wer metaphorisch gesehen den Längsten hat, der Kampf findet primär auf einer niederen, tierischen Ebene und nicht auf einer intellektuellen, menschlichen Ebene statt. Im Gegensatz dazu entwickeln sich in "Dinosaurier" die Liebesbeziehung zwischen Aladar und Neera sowie die antagonistische Beziehung zwischen Aladar und Kron organisch aus der Handlung heraus (gleiches gilt für Simba und Scar in "König der Löwen"), weshalb die stetig brodelnden Konflikte zwischen Aladar und Kron eine viel größere, charaktergetriebene Wirkung erzielen und das Wesen von Autorität und Dominanz deutlich herausgearbeitet wird. In "Dinosaurier" stellt der Neuling Aladar die Autorität und Dominanz des Führers Kron über seine Schwester und über seine Herde in Frage.

Das gesellschaftsbeobachtende und -kritische Potential sowie die charakterbezogene Dramatik des Waldbrandes nutzt "Bambi" kaum aus, im Grunde genommen macht es sich der Film sogar sehr einfach. Die Tiere fliehen vor dem menschengemachten Waldbrand lediglich tiefer in den Wald und leben dort glücklich bis ans Ende ihrer Tage, das Problem wird also nicht bewältigt, sondern beiseitegeschoben und kitschig übertüncht. "König der Löwen" dagegen bettet die Natur-/Umweltkatastrophe in einen größeren Kontext ein, das Wohl von Lebensraum, Natur und Umwelt steht hier in Abhängigkeit zum politischen System und kann nur dann gesunden, wenn auch das politische System gesundet. Wie weit die missliche Lage reicht, sieht man daran, welche Strecken Nala zurücklegen muss, um Nahrung zu finden. "Dinosaurier" nutzt sein Setting der harten, unbarmherzigen Natur- und Umweltbedingungen, um Diktatur/Faschismus und Demokratie/Sozialismus als Konzepte zur Überlebenssicherung der Herde gegenüberzustellen und lässt seine Charaktere dabei regelrecht leiden. "Bambi" für sich spielt allgemein mit dem negativen Einfluss des Menschen auf Natur, Umwelt und Lebensraum (Jäger, Jagdhunde, Waldbrand), die Oberfläche des Themas durchdringt der Film damit aber nicht.

Abseits davon offenbart sich das Frauenbild in "Bambi" als stark veraltet. An wichtigen bis erwähnenswerten, weiblichen Charakteren wären da Bambis Mutter, Bambis Freundin Faline und die beiden Freundinnen von Thumper und Flower zu nennen, ihre Rolle im Film ist es, Männer zu verführen, Kinder zu gebären und Kinder zu erziehen, ansonsten haben sie in der Handlung keine Funktion. Zum Vergleich erneut Nala und Neera, die beiden nehmen in ihren jeweiligen Filmen aktiver an der Handlung teil und das auch in Bereichen wie Politik, die nicht dem traditionellen Frauenbild entsprechen. Bambis politische und weltliche Ausbildung durch seinen Vater, den monarchistischen Herrscher des Waldes, beginnt zudem auch erst, nachdem die Mutter gestorben ist.

Fazit: Ich wurde in zweierlei Hinsicht von "Bambi" überrascht. Zum Einen wusste ich überhaupt nicht, wie ähnlich der Film "König der Löwen" und "Dinosaurier" ist, zum Anderen hätte ich nicht gedacht, dass mit der Film nicht gefallen würde. Naja, mal schauen. Ich habe jetzt jedenfalls Lust auf weitere Disney-Animationsfilme aus der ganz alten Zeit bekommen, "Pinocchio" und "Dumbo" habe ich schon ins Auge gefasst^^

Bambi Bewertung
Bewertung des Films
410
DVD & Blu-ray

Weitere spannende Kritiken

Abgeschnitten Kritik

Wenn Fitzek und Alvart sich an einem südkoreanischen Rachedrama verheben - Achtung: ist nur meine Annahme, soll kein Vorwurf sein :-)

Poster Bild
Kritik vom 01.12.2020 von MobyDick - 1 Kommentar
Manchmal ist es ein Fluch, dass man ein bißchen viele Filme gesehen hat. So auch in diesem Fall. Als ich den Trailer sah, und die rudimentäre Handlung wahrnahm (Während einer Obduktion einer Leiche findet der betreffende Arzt heraus, dass seine Tochter entführt wurde und wird in...
Kritik lesen »

Predator - Upgrade Kritik

Murks vom Gurk

Poster Bild
Kritik vom 30.11.2020 von MB80 - 15 Kommentare
Ich war ehrlich gesagt nie der größte Fan des originalen "Predator" von John McTiernan. Vielleicht hängt das mit seinem Ruf als Macho-Actionfilm zusammen, vielleicht weil ich "Alien" immer für den besseren Film gehalten habe. "Alien" Fans waren für mich die Rotwein-, "Preda...
Kritik lesen »
Mehr Kritiken
Horizont erweitern

Was denkst du?
oder direkt auf MJ registrieren Ich stimme den Anmelderegeln beim Login zu!
9 Kommentare
MJ-Pat
Avatar
luhp92 : : BOTman Begins
13.06.2020 20:28 Uhr | Editiert am 13.06.2020 - 20:31 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.480 | Reviews: 150 | Hüte: 477

@MobyDick
"Zur Zeit seiner Entstehung ist der Film komplett über jeden Zweifel erhaben und in seiner eigentlich fast schon stummen Inszenierung auch noch jedermann alleine durch seine Bildsprache zugänglich - egal welchen Alters."

Das ja. Audiovisuell ist "Bambi" sogar aus heutiger Sicht noch über jeden Zweifel erhaben. Und zugänglich ist der Film natürlich auch für jedes Alter, inhaltlich sehe ich hier aber nicht das große, reife Meisterwerk, das über ein einfaches Kindermärchen hinausgeht. Gerade das Kindliche und Liebeswürdige in den ersten 40 Minuten gefiel mir selbst als Erwachsener ja sehr, sobald der Film aber düstere und erwachsenere Töne anschlägt, fallen die Schwächen innerhalb eines solchen Kinderfilms deutlich auf. Und wie gesagt, "Bambi" hatte auf mich als Kind und Jugendlicher keinen Einfluss, einen Nostalgiebonus beim Rewatch hatte der Film für mich also nicht.

"Der Film hat schon alleine mit dem unerwarteten Tod der Mutter, der auch Jahrzehnte später noch funktioniert, frag meine Kinder, auch einen wunderbaren Wendepunkt."

Klar, das hatte ich ja auch geschrieben, und als Schock funktioniert die Szene aus Kinderaugen sicherlich sehr gut. Dahinter steckt meiner Meinung nach allerdings wenig substantielle Tiefe. Die Szene läutet den Wendepunkt ein, aber das hätte genauso gut auch der Tod von Thumper oder Flower sein können. Denn die Mutter spielt nach dem Tod für Handlung und Charaktere in keinerlei Hinsicht noch irgendeine Rolle.

"Allgemein muss man diese Filme wie gesagt auch als Zeitzeugnis wahrnehmen, dann sollte die Wertung auch etwas gnädiger ausfallen."

Das fiele mir bedeutend leichter, gäbe es aus meiner Sicht nicht mit "Der König der Löwen" und "Dinosaurier" zwei wesentlich besser ausgearbeitete und weniger frauenfeindliche Quasi-Remakes.


@Duck-Anch-Amun

"dass wir quasi einen "realen" Ausschnitt aus dem Leben haben. Bambi ist vielleicht am nahesten an der Realität orientiert, wo ein Junges eben trotz Tod seiner Mutter ein normales Leben führen kann."

Ja, das stimmt. In "Bambi" wirken die Tiere tatsächlich realer und natürlicher, während sie in vielen anderen Disney-Filmen anthropomorph und/oder cartoonhaft und singend dargestellt werden.

Dennoch werden den Tieren in "Bambi" auch menschliche Eigenschaften zugesprochen. Sie sprechen die menschliche Sprache und können auch ohne Probleme artübergriefend miteinander sprechen und Freundschaften schließen. Und es werden Themen behandelt, die kein Tier kennt und/oder menschliche Kinder bewusst ansprechen sollen. Über Liebe und den Kreis des Lebens denkt sicherlich kein Tier nach und einen Hirschen als Monarchen des Waldes kennen Tiere erst recht nicht.

Als Tier könnte Bambi sicherlich ein normales Leben nach dem Tod der Mutter führen, die menschliche Komponente widerspricht dem innerhalb des Filmkosmos jedoch. Zumindest für mich in so großem Maße, dass es nicht mehr funktioniert. Eine Dokumentation käme auch ohne all das aus, dann würden die Tiere in "Bambi" gar nicht erst sprechen.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
Avatar
Raven13 : : Desert Ranger
12.06.2020 23:54 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 3.198 | Reviews: 31 | Hüte: 318

@ Hansel

"Was für eine blödsinnige Kritik."

Was für ein blödsinniger Kommentar.

Gerade erst neu dabei und schon ohne Argumente und ohne vernünftige Worte Beleidigungen ohne Inhalt gegenüber langjährigen und erfahrenen Usern aussprechen.

Avatar
Hansel : : Moviejones-Fan
12.06.2020 23:48 Uhr
0
Dabei seit: 30.05.20 | Posts: 131 | Reviews: 0 | Hüte: 2

Was für eine blödsinnige Kritik.

Avatar
Duck-Anch-Amun : : Moviejones-Fan
11.06.2020 20:16 Uhr | Editiert am 11.06.2020 - 20:17 Uhr
0
Dabei seit: 15.04.13 | Posts: 8.759 | Reviews: 35 | Hüte: 535

@luhp92
Danke für die Quellen, war mir nie so bewusst gewesen. Allein die Kimba-Sache ist ja wirklich spannend, da man hier ja Disney immer noch Plagiat vorwirft.

Was bei Bambi halt anders zu vielen späteren Disney-Filmen ist, ist der Fakt, dass wir quasi einen "realen" Ausschnitt aus dem Leben haben. Bambi ist vielleicht am nahesten an der Realität orientiert, wo ein Junges eben trotz Tod seiner Mutter ein normales Leben führen kann. Während spätere Werke eher in Richtung Komödie und Musical gehen (Tiere in Dschungelbuch, König der Löwen und Co. sind ja alle überzeichnet), könnte Bambi fast eine zeichnerische Dokumentation über das Leben eines Hirsches sein.
Es beginnt ja schon damit, dass Bambi eigentlich fast den gesamten Film über nicht spricht, die Tiere beginnen auch nicht plötztlich zu singen.

Ansonsten sehe ich es wie MobyDick. Disney hatte ja wohl Angst, dass der Tod Bambis Kinder mitnehmen könnte. Schon in der Zeit zwischen Bambi und Lion King (ich finde beides schlimm^^) scheint man den Kindern mehr zumuten zu können, was solche Szenen betrifft. Deshalb ist König der Löwen natürlich nochmals prägender.

@MobyDick
welche ich auch mit (Nicht)Auflösung des Konflikts nicht weiss, ob ich das jedem Kind ohne weiteres vorsetzen kann...
Ich kann mich erinnern, dass dies uns als Kinder schon ziemlich mitgenommen hat. Gott sei dank kam dann der impressionate Wal, so dass man nciht länger darüber nachdenken musste^^

Avatar
MobyDick : : Moviejones-Fan
11.06.2020 14:50 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.725 | Reviews: 123 | Hüte: 417

Hmmm, schwierig...

Ich denke du solltest Bambi weder aus der Sicht des Jetzterwachsenen sehen, noch aus der Sicht des Erwachsenen, der den Film zum ersten Mal sieht, wenn du den Film richtig einordnen - auch filmhistorisch- willst.

Zur Zeit seiner Entstehung ist der Film komplett über jeden Zweifel erhaben und in seiner eigentlich fast schon stummen Inszenierung auch noch jedermann alleine durch seine Bildsprache zugänglich - egal welchen Alters.

Natürlich wirkt er betulich und altbacken, dafür ist er auch weniger hektisch und als Familienfilm, auch mit den Kindern später über den Kreislauf des Lebens zu reden.

Der Film hat schon alleine mit dem unerwarteten Tod der Mutter, der auch Jahrzehnte später noch funktioniert, frag meine Kinder, auch einen wunderbaren Wendepunkt.

Allgemein muss man diese Filme wie gesagt auch als Zeitzeugnis wahrnehmen, dann sollte die Wertung auch etwas gnädiger ausfallen.

Grundsätzlich ist Bambi ganz klar ein wichtiger Film bei Disney und der Popkultur, mich persönlich fängt er auch nicht zu 100% ein, dennoch würde ich ihm schon mindestens 7 Punkte geben.

Pinocchio ist übrigens auch so ein interessantes Produkt jener Zeit, da würde mich deine Meinung zu auch interessieren, vor allem hat der Film eine extrem ambivalente Herangehensweise an den typischen Schurken und der Schuldfrage, welche ich auch mit (Nicht)Auflösung des Konflikts nicht weiss, ob ich das jedem Kind ohne weiteres vorsetzen kann...

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
Avatar
luhp92 : : BOTman Begins
11.06.2020 13:57 Uhr | Editiert am 11.06.2020 - 14:00 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.480 | Reviews: 150 | Hüte: 477

@Duck-Anch-Amun

Dass "Bambi" auf einem Buch basiert und bewusst episodenhaft erzählt wurde, ist mir bekannt. Ich kritisiere aber ja nicht die Art und Weise des Erzählens, sondern lediglich, dass es in dieser Form eines kurzen 68-Minuten-Films für mich kaum funktioniert.

Die Intention der Dramaturgie ist mir ebenfalls bekannt. Ich kritisiere da aber nicht den Einsatz der Off-Camera-Technik und die Art der Inszenierung der Todesszene, sondern das, was danach geschieht. Nach dem Tod von Bambis Mutter erfolgt ein stilistischer Cut hin zum Fröhlichen und zudem ein zeitlicher Sprung hin zum jungen Rehbock Bambi. Es ist mehr ein unterbewusster Schock, weniger eine konkrete Auseinadersetzung mit dem Tod und wie sich das auf die Hinterbliebenen auswirkt. Bambi sieht man ja erst Jahre später wieder und hat sich charakterlich nicht verändert, der Tod der Mutter hatte anscheinend also keinen Einfluss auf ihn.

Interessanterweise spielt "Bambi 2" aber genau in dieser Zeit nach dem Tod der Mutter, die in "Bambi" übersprungen wurde. Vielleicht sollte ich mir den Film auch mal ansehen^^

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
Avatar
luhp92 : : BOTman Begins
11.06.2020 13:19 Uhr | Editiert am 11.06.2020 - 18:38 Uhr
1
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.480 | Reviews: 150 | Hüte: 477

@Duck-Anch-Amun

Hast du auch den Absatz "Einfluss" gelesen? Da ist auch von "Bambi in Africa" die Rede, und mit diesem Begriff - oder auch als "Bambi in Africa meets Hamlet" - wurde "Der König der Löwen" unter den Filmschaffenden damals tatsächlich beschrieben und beworben.

Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3

Hier auch noch ein Statement des "König der Löwen"-Koregisseurs Rob Minkoff, der im Prinzip genau das gleiche an der Szene des Todes vom Bambis Mutter kritisiert wie ich und aus dem Grund in "König der Löwen" ein anderer Weg eingeschlagen wurde.

Quelle 4

Darüberhinaus hat wohl selbst Osuma Tesuka, der Regisseur von "Kimba, der Weiße Löwe" bestätigt, dass er sich von "Bambi" inspirieren ließ. Und "König der Löwen" gilt ja als deutliche Blaupause von "Kimba, der Weiße Löwe".

Quelle 5


Quelle 1) https://www.forbes.com/sites/charliefink/2018/08/31/the-elevator-pitch-for-the-lion-king-true-story/#7f59df531c00
Quelle 2) https://www.insider.com/lion-king-trivia-2017-7#7-the-villain-song-be-prepared-was-originally-called-thanks-to-me-7
Quelle 3) https://books.google.de/books?id=N9NoDwAAQBAJ&pg=PA8&lpg=PA8&dq=the+lion+king+bambi+in+africa&source=bl&ots=kS5vHBE5fQ&sig=ACfU3U2jizOTxg6Z7COewkeczkPyRGUOOA&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjrkL7gzfnpAhUM0uAKHYGOA7sQ6AEwFHoECAoQAQ#v=onepage&q=the%20lion%20king%20bambi%20in%20africa&f=false
Quelle 4) https://www.cinemablend.com/news/1699080/how-bambi-influenced-the-lion-king-according-to-the-director
Quelle 5) http://www.eidolon.net/old_site/issue_16/16_ce.htm

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
Avatar
luhp92 : : BOTman Begins
11.06.2020 12:53 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.480 | Reviews: 150 | Hüte: 477

P.S.: An "Bambi" sieht man übrigens auch sehr gut, wie sich Bedeutungen von Wörtern mit der Zeit verschieben. In zwei der Lieder im Film wird das Wort "gay" noch in Form seiner ursprünglichen Bedeutung verwendet, also "fröhlich", "munter", usw.

Heutzutage würde wohl niemand mehr das Adjektiv "gay" in diesem Kontext verwenden.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

Avatar
Duck-Anch-Amun : : Moviejones-Fan
11.06.2020 08:58 Uhr
0
Dabei seit: 15.04.13 | Posts: 8.759 | Reviews: 35 | Hüte: 535

Puuh was man alles in so einen Film hineininterpretieren kann^^

Es sei wohl angemerkt, dass die Ähnlichkeit der Filme natürlich vorhanden ist, sie aber immer auf unterschiedlichen Vorlagen basieren. Bambi basiert auf einem 1923 erschienenen Buch und ist bewusst episodenhaft erzählt.

Ohne viel zu suchen findet man bereits auf Wikipedia einige Interpretationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Bambi_(Film)#Analyse

Schlussendlich sei angemerkt, dass Bambi und König der Löwe einfach zu komplett unterschiedlichen Zeiten erschienen. So gesehen könnte man auch noch die Entwicklung der Zeichentrickfilme per se ansprechen.
Deshalb bin ich aber nun geradzu gespannt auf deine Interpretation von Dumbo und Pinocchio. Gerade letzterer war neben Bambi und König der Löwen wohl für viele Kinder als eine Art Trauma zu betrachten.

Forum Neues Thema
Anzeige