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Basic Instinct

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Basic Instinct Kritik

Basic Instinct Kritik

Basic Instinct Kritik
5 Kommentare - 11.07.2021 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Basic Instinct" ist.

Bewertung: 4 / 5

Nachdem ein berühmter Rockstar mit einem Eispickel ermordet wurde, wird schnell die Freundin des Mordopfersd verdächtigt. Die Autorin Catherene Tramell (Sharon Stone) gerät nun in das Visier des Ermittlers Nick Curran (Michael Douglas), da sich der Mord exakt so zugetragen hat, wie in ihrem neuen Buch, in dem ebenfalls ein Rockstar mit einem Eispickel ermordert wird. Die verführerische Blondine schafft es den Detective so in ihren Bann zu ziehen und offenbart ihm, daß in ihrem nächsten Buch ausgerechnet ein Polizist das Mordopfer ist.

In den seltensten Fällen sieht man eine solch spannende Dynamik zwischen den Hauptakteuren der Handlung. Wie ein Sog verfällt der von Douglas gespielte Nick Curran der mysteriösen Schriftstellerin. Und dafür braucht es nicht mal eine Erklärung. Denn normalerweise würde man das als Hollywood-Blödsinn abtun, da es keine wirkliche Grundlage für diese Form der Anziehung gibt. Doch Sharon Stone hat diese Anziehung. Sie nimmt diesen eigentlich doch recht simpel wirkenden Charakter und macht ihn sich zu eigen. Man bekommt zu jeder Zeit das Gefühl als habe sie alles unter Kontrolle. Gleichzeitig versteckt sie auch eine gewisse Verletzlichkeit, die sich bis zum Schluß nicht völlständig erklären lässt.

Die Dynamik der Charaktere ist auch nicht zuletzt deshalb so spannend, weil sie eben mit den klassichen Filmtropen spielt. Das bedeutet im Kern, daß man im Normalfalle eben einen starken, nie scheiternden, strahlenden Helden hat, der die gerbrechliche, unsichere Femme Falate retten muss. Doch nicht so in diesem Film. Je mehr sich Nick Curran in die Abgründe der Vergangenheit begibt, desto ausgelieferter ist er. Er ist verbohrt, weil er das rational nicht mehr begründen kann und weiß auch nicht um eine andere Lösung, als sich seinen eigenen Trieben hinzugeben. Damit gibt uns Skandalnudel Paul Verhoeven eine Aufklärung in Sachen Feminismus und gleichzeitig eine Persiflage auf das klassische Hollywoodkino, daß nicht zuletzt auch unter Helden wie Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone an einem Testosteronüberschuß erkrankte.

Überdies passt sich auch die Musik von Jerry Goldsmith dem Spiel an. Sie ist so ruhig und hat eine für mich starke melancholische Note. Irgendwas lauert da und irgendwie möchte etwas ausbrechen. Sie hat etwas romantisches, aber gleichzeitig ist sie nie zu überpräsent, sodass sie einen aus dem Film rausreißen würde. Es entsteht eben völlige Verwirrung, die sich auch über die gesamte Laufzeit des Films hält.

Wobei sich dies nicht über den gesamten Film als Solches sagen lässt. Denn ja, auch dieser Film krankt an dem ein oder anderen Pacing-Problem. Gerade zur Mitte hin, kann man dem Ende schon ein wenig auf die Schliche kommen. Geschulte Augen werden dabei erkennen, daß hier ein wenig getrickst wird und der Zuschauer eben auf eine falsche Fährte gelockt werden soll. Ich für meinen Teil habe das zumindest da noch nicht glauben können.

Aber im weiteren Verlauf wird dies dann glücklicherweise deutlich. Man stellt sich dabei die Meta-Frage und fragt sich, wieso Nick ihr nun verfällt. Wieso, wieso, wieso? Doch je länger man sich mit dem Charakter befasst umso interessanter wird er und es ist klar, warum er es zumindest nicht lassen kann. Diese Form der Obsession, die eben nie Rational erscheint, ist eine der zentralsten Fragen unseres gesamten Seins. Denn dafür gibt es keine Wissenschaft, oder vielleicht doch und wir haben sie nur noch nicht ordentlich definiert.

Und Verhoeven wäre nicht Verhoeven, wenn er sich nicht den ein oder anderen Spaß mit dem prüden Publikum erlauben würde. Sicherlich fanden die pubertären und pubertär gebliebenen Geister der 1990er Jahre großen Gefallen an einer entblößten Sharon Stone. Und ja, sie hat diese Gravitas. Wobei sie schlicht und ergreifend einfach großertig im Film ist. Hier könnte man dem Film pure Provokation vorwerfen, doch Verhoeven provoziert nicht um der Provokation Willen. So macht es eher ein Lars von Trier. Diese Szenen dienen weiterhin der Obsession, aber auch gleichzeitig der Macht und Dominanz, die dieser Charakter ausstrahlt. Es geht eher um Feminismus wenn man so will. Es geht darum zu zeigen, wie stark das vermeintlich schwache Geschlecht ist. Wenn man das jetzt weiter spinnt, könnte man sicherlich wieder eine endlos lange Diskussion führen, daher halte ich mich jetzt kurz. Eine zentrale Rolle nimmt dabei auch die von Jeanne Tripplehorn gespielte Dr. Beth Garner ein.

Es sollte niemanden wundern, daß der Titel des Films Basic Instinct, also Urinstinkt lautet. Alles hat eine starke Meta-Komponente die man hier auf das Sexleben, auf das erste Bauchgefühl, wie auch auf alle Charaktere anwenden könnte. Der Zuschauer bekommt das Gefühl gar nicht zu wissen, da eben auch irrationales im Film stattfindet und stark propagiert wird. Was jetzt wahr ist und was nicht, bleibt im Endeffkt eine Deutungsfrage. Doch nicht wie so häufig ist diese Frage bloß eine Frage um möglichst clever zu wirken. (Siehe: M. Night Shyamalan) sondern um sich philosophisch damit zu befassen. Und nicht nur sind Provokationen da, um mal provoziert zu haben (Siehe Pseudo-Kunstwerk: Joker), sondern um das gesellschaftliche Leben auf etwas hinzuweisen, was die eigentliche Aufgabe der Kunst ist, wenn sie denn eine Aufgabe hat.

Basic Instinct Bewertung
Bewertung des Films
810
DVD & Blu-ray

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5 Kommentare
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Silencio : : Moviejones-Fan
11.07.2021 18:37 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.910 | Reviews: 48 | Hüte: 205

Schwach.

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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ProfessorX : : Moviejones-Fan
11.07.2021 17:57 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 623 | Reviews: 100 | Hüte: 18

@Silencio

Das ist selbstverständlich kein logischer Fehlschluß, weil es immer noch Auslegungssache ist. So wie eben in vielen Fällen sich auch darum gestritten wird, wer Prota- und wer eigentlich Antagonist ist.

Ja, also auf der Basis muss man nicht diskutieren. Wenn es tatsächlich um etwas ginge, was zu etwas führen würde und was du mir auch Objektiv schlüßig erläutern könntest, dann können wir das gerne mal ausdiskutieren. Hier sprechen wir aber leider über Deutungshoheit und da gewinnt eben keiner.

Und nur zur Erläuterung - falls die Frage kommt - was Basic Instinct interessant macht, oder eben nicht ist eine Deutungsfrage, keine objektive Meinung von Silencio.

Damit ist das an der Stelle für mich gegessen.

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Silencio : : Moviejones-Fan
11.07.2021 16:25 Uhr | Editiert am 11.07.2021 - 16:28 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.910 | Reviews: 48 | Hüte: 205

Professor X:

"Na, da die Definition dahingehend eben fließend zu anderen Stereotypen Rollenerscheinungen ist, ist die eigentliche Definition auch schwer greifen. Im Falle der Femme Fatale spricht man, wenn man den Begriff sucht von einer "Frau mit Charme und Intellekt, die durch ihren extravaganten Lebenswandel und ihr verführerisches Wesen ihren Partnern häufig zum Verhängnis wird." welche Catherene Tramell eindeutig ist

In unserem Kontext sind alle Definitionen fließend, weil Filmanalyse keine hard science ist. Deswegen aber davon auszugehen, dass keine absoluten Aussagen möglich sind ("Das ist eine Femme Fatale, das ist keine") ist ein logischer Fehlschluss.

Und jetzt lies nochmal, was ich da von dir zitiert habe und überleg, warum das nicht mit dem zusammenpasst, was du da jetzt ergoogelt hast. Ich würde übrigens einfach mal das Reclam-Heftchen zum Film Noir empfehlen, mit dem man sich recht einfach zumindest einen groben Überblick über die Begrifflichkeiten des Genres macht. Als Einstieg echt gut, im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen günstig und schärft die Analysefähigkeit. (Auch wenn ich nicht alles unterschreiben würde, was da drinsteht.)

"Dazu gesellt sich noch, daß eben die Femme Fatale auch in anderen Werken oft Opfer ihrer Umstände ist, bzw. unter den Druck höherer Instanzen gerät. (Siehe: Sherlock Holmes, oder einige James Bond-Filme)

Andere Archetypen sind auch häufig Opfer ihrer Umstände, das macht sie nicht zu Femme Fatales genausowenig wie die Femme Fatale nicht unbedingt Opfer ihrer Umsände sein muss. (Und gerade im Film Noir, das mit dem Begriff vernetzteste Genre, sind meistens ALLE Figuren Opfer der Umstände/des Schicksals, weil es eben ein höchstexistentialistisches Genre ist...)

"Zu dem anderen Punkt muss ich leider gestehen, daß ich nicht verstehe wie du mir objektiv erklären willst, was einen Film aus subjektiver Sicht für mich interessant macht.

Wenn du da gerne eine Semantikdiskussion draus machen willst, kann ich das auch umformulieren: Das Alleinstellungsmerkmal von "Basic Instinct" ist nicht, dass er die Tropen umdrehen würde, sondern dass er sie konsequent durchzieht und überhöht, um ihre Bedeutungsebenen aufzuzeigen. Ironischerweise ist das nämlich tatsächlich ein Film mit Metaebene...

"Auch im Hinblick auf die Meta-Frage muss ich widersprechen. Denn wenn man den Begriff zerlegt, bedeutet Meta eben nichts anderes als sich Gegebenheiten unabhänig von dem eigenen Ich zu betrachten. Insofern ist es eine Meta-Ebene, als das sich Nick Curran eben fragt, was diese Frau für ihn so anziehend macht, sonst würde er ihr ja auch nicht verfallen.

"Warum finde ICH diese Frau so anziehend?" ist also keine auf das eigene Ich bezogene Frage? Interessant...

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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ProfessorX : : Moviejones-Fan
11.07.2021 16:05 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 623 | Reviews: 100 | Hüte: 18

@Silencio

Na, da die Definition dahingehend eben fließend zu anderen Stereotypen Rollenerscheinungen ist, ist die eigentliche Definition auch schwer greifen. Im Falle der Femme Fatale spricht man, wenn man den Begriff sucht von einer "Frau mit Charme und Intellekt, die durch ihren extravaganten Lebenswandel und ihr verführerisches Wesen ihren Partnern häufig zum Verhängnis wird." welche Catherene Tramell eindeutig ist. Dazu gesellt sich noch, daß eben die Femme Fatale auch in anderen Werken oft Opfer ihrer Umstände ist, bzw. unter den Druck höherer Instanzen gerät. (Siehe: Sherlock Holmes, oder einige James Bond-Filme)

Zu dem anderen Punkt muss ich leider gestehen, daß ich nicht verstehe wie du mir objektiv erklären willst, was einen Film aus subjektiver Sicht für mich interessant macht.

Auch im Hinblick auf die Meta-Frage muss ich widersprechen. Denn wenn man den Begriff zerlegt, bedeutet Meta eben nichts anderes als sich Gegebenheiten unabhänig von dem eigenen Ich zu betrachten. Insofern ist es eine Meta-Ebene, als das sich Nick Curran eben fragt, was diese Frau für ihn so anziehend macht, sonst würde er ihr ja auch nicht verfallen.

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Silencio : : Moviejones-Fan
11.07.2021 15:11 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.910 | Reviews: 48 | Hüte: 205

Professor X:

"Die Dynamik der Charaktere ist auch nicht zuletzt deshalb so spannend, weil sie eben mit den klassichen Filmtropen spielt. Das bedeutet im Kern, daß man im Normalfalle eben einen starken, nie scheiternden, strahlenden Helden hat, der die gerbrechliche, unsichere Femme Falate retten muss.

Nein, was du da beschreibst, ist sogar das genaue Gegenteil der Femme Fatale (was der Name auch schon andeutet). "Basic Instinct" macht nicht interessant, dass er die Tropen irgendwie umkehren würde, sondern dass er sie hemmungslos überzieht und deren darunterliegende Bedeutung offenlegt (und der Femme Fatale nochmal eben eine emanzipatorische Komponente verschafft). Man kann eine direkte Linie von Ava Gardner zu Sharon Stone ziehen...

"Man stellt sich dabei die Meta-Frage und fragt sich, wieso Nick ihr nun verfällt.

Das ist keine "Meta-Frage", das ist schlichtweg das Thema des Filmes und gehört damit ganz einfach zum Text. Irgendeine Bezugnahme über den Film hinaus (DANN wird es Meta) wird bei dieser Frage nicht hergestellt.

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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