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Der Junge und der Reiher

Kritik Details Trailer News
Ein Kunstwerk für die Sinne

Der Junge und der Reiher Kritik

Der Junge und der Reiher Kritik
2 Kommentare - 31.12.2023 von Moviejones
Wir haben uns "Der Junge und der Reiher" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Der Junge und der Reiher

Bewertung: 4 / 5

Oscarpreisträger Hayao Miyazaki ist wohl einer der größten Künstler unserer Zeit und gehört neben Walt Disney zu den größten Visionären des Zeichentrickfilms der letzten 100 Jahre. Nur einen Tag nach dem deutschen Kinostart, am 5. Januar, feiert der Meister des Anime seinen bereits 83. Geburtstag. Auch diesem Alter ist es geschuldet, dass es als kleines Wunder anzusehen ist, dass mit Der Junge und der Reiher zehn Jahre nach seinem eigentlichen Abschiedswerk Wie der Wind sich hebt jetzt ein neuer Film des Mitgründers des legendären Studio Ghibli ins Kino kommt. Vermag der Altmeister mit diesem neuen Werk an die Qualität seiner vielen Klassiker heranzureichen?

Der Junge und der Reiher Kritik

Nachdem seine Mutter bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg umgekommen ist, muss der elfjährige Mahito Tokio verlassen. Er zieht zu seinem Vater und dessen neuer Frau in ein altes Herrenhaus, das sich auf einem riesigen Landgut befindet. Isoliert von der Welt, beginnt Mahito, die verzauberten Landschaften, die sein neues Zuhause umgeben, zu erforschen und begegnet einem mysteriösen Graureiher, der hartnäckig an seiner Seite bleibt. Nach und nach wird der Reiher zu seinem Führer und hilft ihm, die Welt um ihn herum besser zu verstehen und die Geheimnisse des Lebens zu lüften.

Trailer zu Der Junge und der Reiher

Liefert ein Altmeister wie Miyazaki nach so vielen Jahren ein neues Werk ab, dann lässt es sich kaum vermeiden, dieses mit seinen vielen Vorangegangenen zu vergleichen. Und in der Tat gibt es Ähnlichkeiten und mehr als einmal wird man an einen seiner früheren Filme erinnert. Bei einem Gesicht im Feuer denkt man natürlich an Das wandelnde Schloss. Bei bestimmten kleinen magischen Wesen kommen Erinnerungen an Prinzessin Mononoke oder Mein Nachbar Totoro hoch. Der Film bietet einige dieser Momente. Doch Der Junge und der Reiher ist nie eine Kopie von etwas anderem, höchstens eine Erinnerung.

Erzählt wird hier eine ganz eigenständige Geschichte voller Fantasie aber auch Emotionen. Es ist nicht selten diese Kombination, die so viele seiner Filme auszeichnet. Sie sind fantasievoll, magisch, oft auch durchaus eigenartig und stets mit einem emotionalen Kern verwoben. Dies macht auch Der Junge und der Reiher zu einem klassischen Miyazaki-Werk.

Dass dieser Film wie bereits erwähnt in Teilen Ähnlichkeiten zu früheren Ghibli-Filmen aufweist, ist absolut kein Zufall. Der Junge und der Reiher basiert auf dem gleichnamigen Roman Kimitachi wa Dô Ikiru ka des Autors Genzaburo Yoshino. Das Buch wurde 1937 veröffentlicht und Miyazaki bezeichnet es als eines der prägendsten aus seiner Kindheit. Man kann wohl davon ausgehen, dass er aus diesem Roman viel an Inspiration für seine Filme herauszog.

Vielleicht ist Miyazakis Liebe zur Vorlage aber auch der Grund, warum wir nicht von einem perfekten Film reden können. In Teilen wollte er hier einfach zu viel und hat sich ein wenig verhoben. Der Junge und der Reiher behandelt eine große Anzahl verschiedener Themen, von denen einige trotz der Laufzeit von 124 Minuten zu kurz kommen. Depression, der Verlust der Mutter, der Zweite Weltkrieg und einiges mehr. Viele der hier vorkommenden Themen kennt man auch schon aus Miyazakis früheren Filmen, doch dort wurden sie meist gezielter thematisiert. Hier erschlagen sie sich teils gegenseitig und zum Ende hin kommt manches dadurch leider viel zu kurz.

Diese Vielfalt an Themen lädt aber auch zum mehrmaligen Sichten ein, denn Der Junge und der Reiher ist kein Film, der einem mit dem Abspann sofort loslässt. Er regt durchaus zum Nachdenken an und wir können uns gut vorstellen, dass so manches, was diesem Film innewohnt, erst mit weiteren Sichtungen besser zum Tragen kommen wird.

Abgesehen von den Themen, die behandelt werden, so ist ein Film von Hayao Miyazaki vor allem immer auch ein Fest für die Sinne. Der Junge und der Reiher bildet da wahrlich keine Ausnahme. Gezeichnete Wolken sahen selten so wunderschön aus wie hier. Durch den ganzen Film hindurch erhält man Bilder, die nichts anderes als Kunstwerke sind. Filme von Miyazaki unterscheiden sich dabei vor allem in einem Punkt von fast allen heutigen Animationsfilmen: Sie sind nach wie vor handgezeichnet. Eine unfassbare Arbeitsleistung, die zudem klarmacht, warum es so viele Jahre gedauert hat, bis Der Junge und der Reiher endlich fertiggestellt wurde. Aber diese Qualität, man sieht sie dem Film an.

Auch musikalisch hört man deutlich, dass dies ein Studio Ghibli-Film ist. Komponist Joe Hisaishi war seit Nausicaä - Aus dem Tal der Winde für jeden Film von Miyazaki verantwortlich und Der Junge und der Reiher bildet da keine Ausnahme. Erneut ist ihm ein wunderschöner Score gelungen, der einem dabei hilft, sich in dieser Fantasiewelt zu verlieren.

Eines muss vor allem für Familien und Eltern noch erwähnt werden. Hier im Westen ist man es gewohnt, dass gezeichnete oder animierte Filme immer hauptsächlich für Kinder sind. Für Anime-Fans ist es dagegen nichts Neues, dass dies in Japan nicht der Fall ist. Wir würden Der Junge und der Reiher durchaus noch als Familienfilm einstufen, doch es gibt Szenen und Momente, die fast schon eher in Richtung Horrorfilm gehen. Und es fließt Blut, teilweise nicht einmal wenig. Es hat seine Gründe, warum der Film bei uns eine Altersfreigabe ab 12 Jahren erhalten hat.

Fazit

Wenn Studio Ghibli draufsteht und Hayao Miyazaki die Regie übernommen hat, darf man sich beruhigt zurücklehnen. Der Altmeister hat erneut nicht enttäuscht und mit Der Junge und der Reiher ein fantastisches Werk abgeliefert, welches sich perfekt in seine bisherige Filmografie einreiht. Er mag sich bei der Vielzahl an Themen, die er hier behandeln wollte, etwas verhoben haben, doch dies wird alleine durch die enorme künstlerische Qualität, die in jeder Sekunde dieses Filmes steckt, locker wieder wett gemacht.

Miyazaki ist schon längst eine Legende und gehört zu den größten, die das Filmgeschäft hervorgebracht hat. Ihm verdanken wir einige der schönsten Filme aller Zeiten. Dass er auch im hohen Alter immer noch so ein Werk hervorbringen kann, ist ein Geschenk, an dem wir uns alle erfreuen sollten. Das neue Kinojahr hätte kaum schöner beginnen können.

Wiederschauwert: 80%

Der Junge und der Reiher Bewertung
Bewertung des Films
810

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2 Kommentare
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Lehtis : : Bowser
02.01.2024 19:13 Uhr
0
Dabei seit: 24.08.11 | Posts: 1.760 | Reviews: 6 | Hüte: 67

Was für eine Filmauswahl als letzte Filmkritik. Schön das es ein nochmal guter Ghibli Film wurde. smile

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TiiN : : Goldkerlchen 2019
01.01.2024 11:17 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 8.900 | Reviews: 172 | Hüte: 584

Die vermutlich letzte Filmkritik von Moviejones für ein Werk von Hayao Miyazaki. Das kann man ruhig so machen.

Vielleicht bleibt es aber trotzdem nicht die letzte Kritik. Miyazaki war schließlich auch schon im Ruhestand.


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