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Ich bin dann mal weg

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Ich bin dann mal weg Kritik

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Ich bin dann mal weg Kritik
0 Kommentare - 25.07.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Ich bin dann mal weg" ist.
Ich bin dann mal weg

Bewertung: 3.5 / 5

Der Entertainer Hape Kerkeling (Devid Striesow) entschließt sich nach einem Zusammenbruch auf der Bühne den Jakobsweg entlangzupilgern. Im französischen Saint-Jean-Pied-de-Port lernt er dabei Stella (Martina Gedeck) und die junge englische Journalistin Lena (Karoline Schuch) kennen, die er bald jedoch wieder aus den Augen verliert. Je länger Kerkeling unterwegs ist, desto einsamer wird er. Zudem ist er auch nicht der sportlichste Mensch und der denkt darüber nach, seine Reise abzubrechen.

Hape Kerkeling ist ein echter Philanthrop. Zwischen Auftritten und Begegnungen, kommt immer ein Lächeln über ein Gesicht, welches so viel Trauer in sich trägt. Dann eines Tages, wird dieser Zustand zu viel und in einer mehr oder weniger schlechten mediceischen Kondition entscheidet sich der Entertainer dazu, den Jakobsweg zu gehen. Die völlige Einsamkeit liegt ihm so gar nicht, doch er scheint das Gefühl zu haben, daß nun durchziehen zu müssen. Dabei trifft er auch den ein oder anderen Menschen und wenngleich diese Geschichte so andersartig daherkommt, so muss man an der Stelle auch sagen, daß sie sich der Jakobsweg als Thema für einen Film vielleicht als Seltenheit entpuppt, aber dennoch auch bereits in einem eher kleineren Film namens Dein Weg (2010) von Emilio Estevez verfilmt wurde. Die Weichen sind hier so ziemlich die Gleichen, ein ungleiches Gespann trifft sich auf dem Weg und hat mal mehr oder weniger Lust, an einer Gruppenreise teilzunehmen. Hier ein viel zu verfrühter Verlust, da eine Flucht aus dem Alltag und schon findet man all diese Beweggründe für eine spirituelle Reise, die noch dazu ihren Reiz natürlich aus einer gewissen Ehrfurcht zieht. Nun muss man diese auch erstmal verspüren, ob nun der Film dadurch zu einem religiösen Werk wird, daß kann man wohl nicht ganz unterschreiben. Schließlich bezeichnet sich auch Hape Kerkeling nicht unbedingt als den größten Gläubigen.

Trailer zu Ich bin dann mal weg

Tatsächlich hat aber Ich bin dann mal weg eine sehr spannende Wahrheit zu der ganzen Thematik zu verkünden. Denn der Film von Julia von Heinz vermittelt über die gesamte Laufzeit die bereits erwähnte Ehrfurcht und scheint damit natürlich vor allem auf den Weg anzuspielen, den die Figuren gehen. Hier spielt natürlich auch eine Manipulation eine gewisse Rolle, denn tatsächlich lassen sich Menschen gerne durch bestimmte Orte oder Menschen inspirieren und versuchen sich Selbst zu finden. Was auch immer das heißen mag. Das soll an der Stelle aber gar nicht verpönend gemeint sein, denn die Wahrheit kennt sehr wahrscheinlich niemand. Nun ist das aber auch entscheidend, ob man einen Zugang zu der Geschichte findet. Denn tatsächlich sind die wenigsten Menschen im Westen heute noch streng gläubig. Vermutlich würde man das irgendwo auch als albern ansehen, sich einem Buch oder dergleichen zu verschreiben, zumindest wenn man die Thesen nicht genau durchdenkt. Und das ist auch genau der Punkt. Es sind völlig subjektive Welten, die der Film gekonnt in dem Aufeinandertreffen seiner Figuren zur Schau stellt. Da geht es darum, eine Sinnkrise zu überwinden und eine Erkenntnis zu erlangen, nicht aber um das als Glauben zu titulieren. Selten erlebt man im Kino, daß so unterschiedliche, spirituelle Aspekte dazu führen, daß Menschen tatsächlich eine andere Seite offenbaren können, als das so bekannte Stigma. Kerkeling als Mensch kennenzulernen, der zwar immer etwas kindlich in die Welt blickt, ist im Hinblick auf sein Schaffen in der Welt durchaus spannend.

Denn es ist kontrastreich, was da erlebt wird. Nun kann man diesen Film vielleicht nicht mal mehr, ohne die zweite, zeitlich vorher angesiedelte Biographie über Kerkelings Leben Der Junge muss an die frische Luft (2018) gesehen zu haben, deuten. Denn wenngleich von Heinz schon versucht, gewisse Dinge aus der Vergangenheit von Kerkeling als einen der Beweggründe für seine Reise zu deuten, so vervollständigt sich das Bild nur im Ganzen. Denn offenkundig scheint es erstmal keinen Grund für die psychische Verfassung der Hauptfigur zu geben. Da ist etwas im Raum, doch warum dem so ist, daß weiß die Figur selber nicht. Und das unterscheidet ihn vielleicht auch von den anderen „Suchenden“. Nicht nur daß, auch die Art, wie diese Figur transportiert wird, macht ihn auf eine gewisse Weise besonders und besonders spannend. Es für tatsächlich relativ erstaunlich, wie gut der Film es schafft, einen Menschen zu zeichnen, der eigentlich sein Geld damit verdient, anderen etwas vorzuspielen und Rollen einzunehmen, die eher parodistisch wirken. Doch das liegt eben auch daran, daß Kerkeling als Person relativ gefestigt scheint und psychisch total stabil, weil er über seine tiefsten Bedürfnisse und sein Leben reden kann, ohne sich zu verstellen. Und diese Komplexität und Eigenheit transportiert Hauptdarsteller Devid Streisow großartig, weil er seine Sehnsucht immer auch bedingt durch neue unerwartete Situationen, den Wandel in der Figur logisch vollzieht.

Die Inszenierung von Julia von Heinz passt sich dem gesamten Treiben natürlich an. Sobald es lustige Momente gibt, werden diese vor allem durch Striesow getragen, während von Heinz sich vor allem in den zwischenmenschlichen Begegnungen und dem Verlangen ihrer Hauptfigur als Segen entpuppt. Dann, sie ist sehr sanft, lässt vor allem auch Naturaufnahmen und musikalische Untermalung für sich sprechen, während die Figuren das tun, was sie eben tun. Das ist zwar nicht auf Top-Niveau, aber diesen Maßstab kann man generell auch sehr selten anlegen, weshalb das nicht wundern sollte. Zumal es auch ein großer Segen ist, daß die Offenheit dieser Person und die Schwere einer Sinnkrise so gut miteinander harmonieren. Da wäre durchaus eine Schwere im Stile eines melancholischen Dramas, auch im Hinblick auf die Vergangenheit drin gewesen, doch aus irgendeinem Grund hat man nie das Gefühl, als wären die Hauptfigur hier völlig am Ende. Das trifft dann mehr auf die ein oder andere weibliche Hauptfigur zu, die aber auch nicht zu melodramatisch gezeichnet wird.

Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, Gegenwart, dem inneren Konflikt und der Suche nach der Suche macht aus Ich bin dann mal weg ein schweres, aber leichtfüßiges Werk. Das liegt nicht zuletzt vor allem an der großartigen Darstellerriege und der zurückhaltenden Inszenierung der Regisseurin. Der Film erzählt so viel in so wenig Zeit und schafft es sich den wirklich spirituellen und schweren Fragen im Leben, mit einer kindlichen Faszination anzunähern, die wohl kaum eine andere erwachsene Person so glaubwürdig hätte rüberbringen können, wie der im Film porträtierte Mann.

Ich bin dann mal weg Bewertung
Bewertung des Films
710

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