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Moby Dick

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Moby Dick Kritik

Moby Dick Kritik

Moby Dick Kritik
3 Kommentare - 20.09.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Moby Dick" ist.

Bewertung: 4 / 5

Der griesgrämige Kapitän Ahab (Gregory Peck) macht sich auf den Weg, um Wale zu erledigen. Dazu heuert er die Matrosten Ismael (Richard Basehart) und Queequeg (Friedrich von Ledebur) an. Doch schon bald stellt sich heraus, daß Ahab nur noch von Rache getrieben wird, die er an dem riesigen weißen Pottwal Moby Dick auslassen möchte. Je länger die Männer aus See sind, desto mehr hebt sich der Unmut in der Truppe, bis schließlich der Steuermann Starbuck (Leo Genn) eine Meuterei anzetteln will...

Gerne möchte man an ein Beispiel heranziehen, um diesen Film, beziehungsweise das Treiben einer ganz bestimmten Figur darin zu beschreiben. Denn wenn man mal ehrlich ist, dann zweifelt man schon so manches Mal an diesem Käpt’n Ahab, der auf einem Racheseezug ist. Um ehrlich zu sein ist das auch seine eigene Schuld und hier kommt dann das Beispiel zu tragen. Man stelle sich eine Wespe vor. Sie fliegt gegen eine Fensterscheibe, in der Hoffnung in die dortigen Innenräume, oder wieder nach draußen zu gelangen. Die Wespe wird nicht, oder nur sehr langsam verstehen, daß sie einfach an der Stelle keinen Erfolg hat und versucht das so lange, bis sie schließlich völlig verwirrt einen Weg findet, der eventuell auch durch einen Menschen geebnet wurde. Falls dieser keinen Staubsauger zur Seite zieht. Ergo würde man also die Wespe als dumm bezeichnen, weil sie das gleiche immer und immer wieder versucht und ein anderes Resultat erwartet. Die Wespe in diesem Film ist also Käpt’n Ahab. Und Käpt’n Ahab hat keinen wirklich rationalen Grund diesen Wal zu töten, denn Rache ist nicht rational. Nicht in diesem Fall. Zumal auch der Verlust, den er bei seiner vorherigen Begegnung mit dem Wesen erlitten hat, ja eigentlich auch seine eigene Schuld ist. Was erwartet man denn, wenn man ein Tier angreift. Das klingt natürlich jetzt alles sehr idealistisch, doch das Problem ist, daß die Figur mit einem Pathos auftritt, der ihr eigentlich nicht so wirklich zusteht, denn ein wirklich lupenreiner Held ist Ahab sicherlich nicht. Und problematisch ist das vor allem, weil der Film es kaum zeigt, sondern für eine Gegebenheit erklärt.

Dann wird es zu Teilen auf der Fahrt auch recht spirituell, wenn etwa eine überirdische Entität in Form eines grünen Lichtes positiv Einfluss auf die Jagd von Ahab nehmen wird. Nun könnte man hier auch argumentieren, daß das Überirdische in diesem Fall – gerade auch im Hinblick auf die Zeit, in der der Film gedreht wurde – eigentlich nur Gott sein kann. Doch ebenso kann es, auch der Teufel sein, der die Figuren hier für seine Zwecke gewinnt. Denn schließlich wird sich das Ende des Filmes dahingehend gut anpassen. Wer es nun ist, entscheidet man am besten für sich selbst. Tatsächlich funktioniert das Werk aber nicht ohne eine Form von Spiritualität, was sich an dem Beispiel ja eindrucksvoll zeigt. Unter diesen und weiteren Gesichtspunkten ist Moby Dick ein wirklich interessantes Werk: Der Film besitzt allein auf der handwerklichen Ebene schon eine richtige Wucht. Da ist es also, das ganz alte Hollywoodkino, mit seinem Hang zu großen Bildern und großen Geschichten, mit einem mindestens ebenso großen Aufwand vor und hinter der Kamera. Wie der Wal, aber auch das Meer eingefangen wurden, daß bringt einen schon zum Staunen. Vielleicht Puppen, Bilder und dergleichen, doch es sorgt ebenso dafür, daß man gekonnt und sofort in diese Geschichte abtauchen kann. Man riecht die dreckige See sofort durch die Bilder und bekommt wirklich das Gefühl vermittelt, dort in den schlimmsten Momenten sicherlich nicht sein zu wollen. Das Abenteuer Mord und Rache, etwas fragwürdig ist das schon, aber Spannung kommt da in jedem Fall auf.

Und dann gelingt es dem Film auch weitere spannende Fragen zu stellen. Es gibt hier eine klare Hierarchie auf dem Schiff von Käpt’n Ahab. Er ist der alleinige Bestimmer. Daß er als von Rache zerfressener Mann jetzt nicht immer die klügsten und wohlwollendsten Entscheidungen zugunsten seiner Crew treffen wird, ist klar. Doch das macht den Reiz aus, weil hier natürlich auch, ebenso im Hinblick auf den Ausgang des Films, die Frage nach der eigenen Freiheit und einer demokratischen Ordnung gestellt wird. Piraten sind dahingehend wohl bessere Beispiele gewesen, weil sie neben der eigenen Unfallversicherung und Rente, auch vieles sehr demokratisch entschieden. Hier führt das die Figuren an ihre Grenzen und je länger diese Reise andauert und keinen Zweck erfüllt, desto mehr wird sich die Arbeiterklasse hier erheben. Zumindest sind Käpt’n Ahab und seine Funktionäre aber auf einer Ebene schon deutlich anders als diktatorische Regime, denn sie nehmen auch direkt am Geschehen teil, was ebenfalls der Glaubwürdigkeit der Figuren im Film guttut. Eine wahre Augenweide dagegen ist hier, daß in einer solchen Konzeption natürlich die Gruppe durchaus bunt zusammengewürfelt wird, sofern das zu dieser Zeit eben ging. Von körperlich Behinderten, über dunkelhäutige, sowie indigene Menschen findet der Film einen sehr inklusiven Touch. Da ist es völlig egal, wer nun wo herkommt, selbst wenn das mal gefragt wird an der ein oder anderen Stelle. Doch dann ist es auch kein Thema mehr. Marginalisierung spielt hier keine Rolle.

Der Geschichtenerzähler ist hier der junge Ismael, der bei Ahab anheuert. Doch er als Figur ist tatsächlich nicht so interessant, weil auch die Handlung so, oder sehr ähnlich ohne sie stattfinden könnte. Suchte man also nach zwei zentralen Themen, die Moby Dick neben der Fülle an komplexen Strukturen hat, dann würde man vielleicht dazu übergehen, daß Rache und Angst Themen sind, die gerade Käpt’n Ahab umhertreiben. Bei Ahab stellt man zunächst offenkundig fest, daß er von Rache getrieben wird, er will dieses Tier um jeden Preis erledigen. Es hat ihn verletzt, in irgendeiner sehr altertümlich, männlichen Weise entehrt und es ist nun mal auch altertümlich nicht unüblich, daß Männer so eine Form der vermeintlichen Erniedrigung nicht so stehen lassen können. Psychologisch würde man hier wohl ein Feststecken in der Adoleszenz attestieren. Aber das führt zu weit. Das eigentliche Problem ist, daß Ahab seine eigene Angst mit Gewalt auslebt. Er fürchtet Moby Dick und Angst ist etwas, was wenn sie so tief sitzt, selten rationalen Dingen entspringt. Daher ist das Verhalten von Ahab auch so logisch. Und daher lässt sich dieses Thema auch gut auf unsere Welt übertragen, indem man es eben als Vergleich für Kriege und dergleichen sieht. Gerade das bietet sich hier auch an und man hat das Gefühl, daß das Trauma des Zweiten Weltkriegs, bedingt durch das Erscheinen inmitten der 1950er Jahre verständlicherweise noch tief in den Beteiligten hinter dem Film liegt. Natürlich würde man jetzt argumentieren, daß der Roman ja viel älter ist. Doch das Gleiche ließe sich auf jeden Krieg oder Gewaltakt anwenden und es zeigt der Film eben in seiner Konsequenz auf, daß Rache nie eine Lösung sein kann, weil es keine Befriedigung darin gibt.

Eine klassische Allegorie auf Gewalt also. Und man spürt, wie es die Psyche von Ahab zerstört, weil je länger die Jagd geht, umso mehr Menschlichkeit und Rationalität büßt er ein. So lehnt er Unterstützung ab, um schneller voranzukommen oder dergleichen. Gleichsam vergisst er das humane und hilft einem zufällig getroffenen Kapitän auf dessen Schiff nicht, dessen Verlustleiden zu lindern und seine Hilfe anzunehmen. Er ächtet sich selber und je näher der Sturm zum Finale kommt, zeigt sich, daß ihm nun wirklich nicht mal mehr das eigene Leben heilig ist. Ahab baut sich somit zum Antagonisten, was in einem Finale und einer Konsequenz mündet, die Rache suchenden Menschen im sprichwörtlichen Sinne zerfrisst und im wörtlichen Sinne vom Film zur Schau gestellt wird.

Das große Meer, ein Abenteuer, Rache und vieles mehr versammelt John Huston in Moby Dick. Manch ein Eingang, mag nicht weit genug geöffnet gewesen sein und man darf viele Dinge nicht von Beginn an zu kritisch sehen, weil man sich so ein wenig den Spaß nimmt. Doch auf der anderen Seite bietet der Film atemberaubende Szenen, tolle Schauspieler und wirklich spannende und zum Diskutieren anregende Fragen, die auch ziemlich zeitlos sind und sich sehr gut als Kriegsmetapher verstehen lassen, wodurch der Film zu keinem Zeitpunkt zu Sinken gerät.

Moby Dick Bewertung
Bewertung des Films
810

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3 Kommentare
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ProfessorX : : Moviejones-Fan
21.09.2022 17:13 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 767 | Reviews: 384 | Hüte: 32

@MobyDick

Richtig. Ich hab mir tatsächlich vor wenigen Tagen, dazu noch einige Reviews angeschaut und Kritiken gelesen. Aber ja, ich hab den Film ein wneig anders gedeutet, als es der Durchschnitt so tut. Das kann natürlich auch eben eine fehlerhafte Interpretation sein, aber letzten Endes ist es, wie du sagst, Interpretationssache. ^^

Grundsätzlich ist es bei mir aber so, daß ich in Filmen häufig nach Symbolen und reinen Idiologien Suche. Das heißt auch, daß ich in für mich weniger spannnenden Momenten durchaus mal abschalte und eigentlich nur die Meta-Ebene betrachte. Wenn man sie dennn so nennen mag ^^

Wollte Dich auch keineswegs mit einer lumpigen 8 von 10 kränken MobyDick laughing

@luph92

Danke smile

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MobyDick : : Moviejones-Fan
20.09.2022 21:32 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.930 | Reviews: 207 | Hüte: 554

Hmmm, ohne jetzt wirklich ins Detail zu gehen, hast dir wirklich viel Mühe gegeben und versuchst auch diverse Denkanstösse mitzugeben, inklusive einiger interessanter Beispiele. Daher mag ich jetzt dein Review auch nicht wirklich madig machen, aber es gibt ein paar Momente in deinem Review, wo ich mich gefragt habe, ob du den Stoff wirklich verstanden hast oder ob du zu verkopft an die Sache rangegangen bist. Bewertung geht völlig in Ordnung, aber du hast mich immer wieder mit deinen Überlegungen verloren.

Nur ein Beispiel: Das grüne Licht wird von dir ganz anders interpretiert als von mir, aber letztendlich ist das Medium zum Interpretieren da, wer weiss schon wer was richtiger versteht oder ob es das so überhaupt gibt...

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
20.09.2022 20:25 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.645 | Reviews: 166 | Hüte: 553

Sehr schönes Review!

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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