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Scream

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Ist das Meta oder kann das weg? - Scream

Scream Kritik

Scream Kritik
1 Kommentar - 13.01.2022 von ZSSnake
In dieser Userkritik verrät euch ZSSnake, wie gut "Scream" ist.
Scream

10 Jahre ist es her, dass Scream 4 über die Leinwände flimmerte. Seitdem ist extrem viel passiert - aber das wohl Einschneidenste, das in der Zeit passierte, war der Tod von Scream-Schöpfer und Horror-Mastermind Wes Craven, der leider 2015 von uns ging - bevor er einen weiteren Film der Reihe machen konnte. Damit schienen alle Hoffnungen auf eine weitere Fortsetzung begraben. Doch wie es in Hollywood nunmal so ist (und wie uns der Film nicht müde wird, zu erklären) leben Totgeglaubte eben doch länger und so trifft uns 2022, nach wie vor in der Pandemie, der selbstreferenziell schlicht "Scream" getaufte fünfte Teil der Reihe. Doch hat sich´s geloht? Dazu im Folgenden mehr. Diese Kritik ist Spoilerfrei.

Trailer zu Scream

Inhalt:
Zehn Jahre nach den letzten Ereignissen rund um Ghostface und die nächste Reihe der Woodsboro-Morde hält der Schrecken erneut Einzug in die kleine Gemeinde. Ein neuer Killer taucht auf und attackiert im Stile des Originals Tara (Jenna Ortega). Das ruft ihre große Schwester Sam (Melissa Barrera) auf den Plan, die nach langer Abwesenheit in ihre Heimatstadt zurückkehrt, um dem Killer auf die Schliche zu kommen. Dabei trifft sie auf alte Bekannte und muss schnell erkennen, dass des Rätsels Lösung in der Vergangenheit liegt...

Kritik:
Scream als Reihe hatte immer eine gewisse Sonderstellung unter den Slasher-Franchises. Zum Einen hatte die Reihe niemals nur diesen einen Killer, der stets wiederkehrte wie Halloween oder Friday 13th, sondern präsentiere in jedem neuen Teil neue Personen, die aus verschiedenen Gründen die inzwischen ikonische Ghostface-Maske aufsetzten und mit dem Messer Leute gekonnt in blutige Schweizer-Käse-Cosplays verwandelten. Zum Anderen hatte die Reihe stets das Sonderstellungsmerkmal mit Sidney Prescott (Neve Campbell) und ihren Freunden immer auch Legacy-Charaktere mit durch das Franchise zu nehmen.

Waren die ersten drei Filme noch direkte Fortsetzungen im Stile einer Trilogie in zeitlich recht kurzem Abstand, hat spätestens Teil 4 klargemacht: Egal wer hier Teil der neuen Clique wird - am Ende wird unweigerlich Sidney sich dem Killer in den Weg stellen und entgegen aller Wahrscheinlichkeit ein weiteres Mal triumphieren.

Das machte die Reihe emotional oftmals weit interessanter, als viele andere Slasher-Franchises, in dem viele der Charaktere schlicht in Film 1 oder spätestens 2 über den Jordan gehen und die dann in der Regel keine Figuren zurückbringen - abseits des Killers natürlich. Als der Cast des neuesten Teils dann bekannt wurde und wir in den Trailern die bekannten Figuren sahen, war klar, dass hier auf den "Legacy-Sequel"-Zug aufgesprungen würde - die Reihe dafür aber auch gleichzeitig absolut prädestiniert wäre. Die Figuren leben seit Teil 1 und sind immer Teil der Filme gewesen - warum sollte das nun in Teil 5 anders sein?

Sicher, es gibt eine neue Clique an Teenagern rund um das erste Opfer Tara, die nun miträtselt und sich natürlich reihum frotzelnd des Mordes beschuldigen - und mit Sam Carpenter (hach wie clever) wird auch ein neuer Hauptcharakter eingeführt, der den neuen Zuschauern als Ankerpunkt herhalten darf - aber unterm Strich bleibt die Reihe sich treu und Sidney, Gale (Courtney Cox) und Dewey (David Aquette) bleiben wesentliche Figuren in der Handlung.

Trotzdem ist hier nicht alles Gold was glänzt und bei einer Reihe, die 25 Jahre nach dem Original einen fünften Teil raushaut, der schlicht Scream betitelt wird - ganz im Geiste großer Bands, die seit Jahren im Geschäft sind, und mit einem selbstbetitelten Album signalisieren wollen "Wir sind immer noch die alten, This is us!" - muss man zwingend die Motive hinterfragen. Und einerseits wird der Film hier Wes Craven gewidmet und er hat auch eine wunderbare Szene, die in unvergleichlicher Meta-Manier dem Altmeister wissend zuprostet. aber andersrum ist klar, dass es dieses Sequel nur gibt, weil die Kuh eben noch nicht leergemolken ist.


Und so befindet sich der Film in diesem seltsamen Nirvana zwischen dem Fan in mir, der frohlocken möchte, weil man seinem Vermächtnis treu bleibt und neben neuen Figuren eben auch alte Bekannte und etablierte Locations präsentiert - und dem Zyniker, der natürlich genau sieht, was hier passiert. Denn so viel der Film über Legacy-Sequels (oder Requels, wie sie es im Film mehrfach nennen, scheußliches Wort) herzieht und so oft er auch mit dem Meta-Zeigefinger herumwedelt und darauf herumreitet, wie ätzend doch Stab 8 (Der achte Teil der In-Universe Verfilmung der Ereignisse um die Woodsboro-Morde, anm. d. Snakeaktion) ist - am Ende macht er ja genau das auch.


Jetzt mag man argumentieren, dass Scream ja immer schwer Meta daherkam - und da kann ich auch nicht widersprechen - ABER, und da liegt der Hase im Pfeffer: nach 25 Jahren, nach dem Tod von Craven, als klar war, dass die Reihe damit nun vorbei sein müsse, nochmal einen Film nachzuschieben und die Dreistigkeit zu haben, ihn als Meta-Kommentar zu späten Sequels aufzuziehen... das ist entweder sehr mutig oder sehr kalkuliert. Kann man nun sehen wie man will, denn so viel Spaß der Film auch macht und so blutig die Morde allesamt daherkommen - Ghostface ist teils ne richtige Bestie in diesem Teil - irgendwie schleicht sich in meinen Kopf immer wieder dieses Bild: Ein Hipster, der vapend in der Ecke steht und wissend in sich hineinlacht, während er still die Raucher an der Tür verurteilt.


Zu diesem Hipster ist Scream geworden. Der Film, der clever mit einem Augenzwinkern das Studiosystem und die Sucht nach dem Ausschlachten bekannter Franchises verurteilen will, dabei aber selbst zum Hypokriten wird. Was nicht bedeutet, dass der Film als Fan nicht absolut launig ist und mich auch sehr gut unterhalten konnte. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass der Film der wohl stärkste Slasher der Reihe ist seit Part 2. Doch hinter der Fassade bleibt dieser leicht bittere Nachgeschmack, dieser nagende Gedanke im Hinterkopf, dass bei all dem erwartbaren Meta-Gefasel eben der Film sich trotzdem all der angekreideten Elemente wohlwissend selbst schuldig macht. Und ob wir da nun auf dem Terrain sind, in dem der Film dann ungemein clever oder eben nur verdammt dreist ist - das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Fazit:
Ich hatte unheimlich Spaß mit Scream (Vergebene Chance, den Film 5cream zu nennen btw.) und war auch in der Geschichte, dem Suspense und all den vielen kleinen und großen Referenzen voll drin. Ich hab mitgerätselt, mitgefiebert und am Ende grinsend das Kino verlassen. Aber ich hab auch dieses Rattern im Hinterkopf wahrgenommen, dass immer lauter wurde, bis ich es heute in der Review niedertexten konnte. Dieses Rattern, dieses Wissen darum, dass der Film eben bei all dem Fanservice und der bitterbösen Kritik am Studiosystem - ich geh so weit zu sagen, dass James Vanderbilt und Guy Busick ein klasse Script abgelierfert haben, das Williamson alle Ehre macht - eben doch Teil der Maschinerie bleibt; Und dieses Trademark dann auch stolz auf der Brust trägt.


So bleibt ein starker Beitrag im Franchise, der aber nun wirklich als Schlusspunkt stehen bleiben sollte. Denn so gern der Fan in mir alle 10 Jahre nach Woodsboro zurückkehren würde - er sieht auch mit diesem Film, dass es nun gut ist und die Reihe wirklich nichts mehr zu erzählen hat, was über gebetsmühlenartiges Herunterrattern aktueller Kinotrends hinausgeht. Und das wäre dann endgültig nicht mehr clever - das ist dann nur noch traurig. Dieses eine Mal will ich es aber noch verzeihen - denn Scream fühlt sich wie ein echter Scream an und darf dementsprechend von Fans auch gerne gemocht werden.

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1 Kommentar
MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
13.01.2022 12:25 Uhr
0
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 8.569 | Reviews: 175 | Hüte: 579

Kurz zur Erläuterung: Auf die Wertung hab ich verzichtet, weil es mir sehr schwer fiel Fan-Sicht und die eher kritische Perspektive soweit zu trennen, dass ich ne einheitliche Wertung drunterschreiben könnte. Beide schwirren halt irgendwie zu nahezu gleichen Teilen in meinem Kopf rum. Man kann unheimlich Spaß an dem Film haben, sich aber auch mit den kritischen Gedanken im Kopf drüber ärgern. Ich würde aber als Orientierungspunkte sagen:

Fan-Wertung wären so 8/10, weil der Film halt gewohnt abliefert, stark gefilmt ist und auch nen guten und spannenden Slasher präsentiert, der mit nem überwiegend gut geschriebenen Scream-Skript daherkommt. Im Rahmen der Reihe macht er halt, was man erwarten würde auf gewohnt hohem Niveau.

Kritische Wertung eher so 4-5/10, weil der Film sich eben 25 Jahre nach dem Original der Frage stellen muss, ob ein kalkuliertes "Meta-Script" einen Film entschuldigt, genau die Manuerismen selbst abzuarbeiten, die er mit erhobenem Zeigefinger anprangert. Und wie weit einem diese Kritikpunkte den Film dann runterziehen oder eben nicht.

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
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