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The Banshees of Inisherin

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The Banshees of Inisherin Kritik

The Banshees of Inisherin Kritik

The Banshees of Inisherin Kritik
2 Kommentare - 13.01.2023 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "The Banshees of Inisherin" ist.
The Banshees of Inisherin

Bewertung: 4.5 / 5

Der gutherzige Pádraic Súilleabháin (Colin Farrell) lebt auf einer kleinen Insel an der irischen Westküste. Jeden Tag um 14. Uhr trifft er sich mit seinem besten Freund Colm Doherty (Brendan Gleeson), um im Pub seine Zeit zu verbringen. Doch eines Tages öffnet Colm ihm nicht mehr seine Tür und er kündigt ohne konkreten Anlass seine Freundschaft auf. Nun muss Pádraic herausfinden, was mit seinem einstigen Freund los ist.

Ein treuer Freund, der nicht mehr mit einem spricht. Eine kleine Ortschaft, in der jeder über jeden Bescheid weiß und ein Konzept, das in seiner Originalität seinesgleichen sucht. Dutzende Fragen drängen sich im Zuge der Sichtung von The Banshees of Inisherin auf. Was soll das Theater? Ist das Theater? Ist das Kunst? Kann ich es greifen, kann man es begreifen? Ist es die Mühe wert, oder doch nur wieder eine Finte, die über die eigentliche inhaltliche Sparflamme hinwegtröstet? Die Welt ist einsam, das Dorfleben sowieso. Gerade, wenn man nicht, wie Andere ist. Für extrovertierte Menschen unerträglich, wenn etwas Getanes im Raum stehen bleibt und nichts mehr da ist, was eigentlich mal da gewesen war. Fraglich ist es immer noch, ist es die Mühe wert? Führt das irgendwo hin, muss es einen tieferen Sinn geben? Was ist die Aufgabe von einem Film? Ganz sicher ist Regisseur Martin McDonagh ein Werk gelungen, daß seinesgleichen sucht. Nicht, weil der Film so bahnbrechende Erkenntnisse über das Leben liefere. Es ist gespenstisch, schließlich geht es ja auch irgendwie um Geister. Doch es gibt einen Makel. So einen kleinen Makel, der ebenso gar nicht da sein könnte. Und wie es auch dem Film gelingt viel zu zeigen und nichts zu sagen, winde auch ich mich um eine feste Aussage herum, weil ich während des Schreibens noch gar nicht ermessen habe, wie ich zu dem Werk stehe.

Trailer zu The Banshees of Inisherin

Martin McDonagh war eigentlich mit seiner Filmografie, die mit Brügge sehen ... und sterben? (2008), 7 Psychos (2012) und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2017) relativ überschaubar ist, ein Regisseur, der überbewertet war. Das vermeintlich fiese und groteske in seinen Dialogen in Figuren würde im Vergleich zu seinem Bruder John Michael McDonagh, der Werke wie The Guard – Ein Ire sieht schwarz (2011) und Am Sonntag bist du tot (2014) schuf, immer zu verkopft bleiben. Vielleicht gar ein wenig infantil und dann wiederum artifiziell inszeniert, sodass jeder sich sagen kann, daß das nun wirklich sehr tiefgründig ist. Nun ist auch The Banshees of Inisherin eigentlich als Mysteryfilm ausgelegt. Es geht um ein großes Mysterium, daß vielleicht auch nur deshalb zu einer solch großen Frage gemacht wird, weil die Charaktere mit Ablehnung nicht klarkommen. Und da schleicht sich gleich diese mehr als nur seichte Homoerotik in der Beziehung zwischen Pádraic Súilleabháin und Colm Doherty mit ein. Sie sind Freunde, natürlich können Freunde so für einander empfinden, ohne vielleicht auch solche Präferenzen zu haben. Und natürlich ist auch diese Art der sexuellen und romantischen Komponente nichts, über das es sich eigentlich zu reden lohnt. Doch dieser Film stellt schon so ein wenig die Frage, wie diese Männer zueinander stehen und dann ist es Thema. Diese Freundschaft, die man vielleicht zu wenig ergründet, ist zerstört. Sie mündet sogar in drastische Selbstzerstörung und ab dem Punkt muss der Zuschauer mitdenken. Es ist kein besonders zugängliches Werk, vielleicht ist das aber auch etwas Positives.

McDonagh streut immer wieder Bilder ein. Es geht im gesamten Film, der wie für ihn üblich doch aus starkem Dialogwitz besteht, eher weniger um das. Vielleicht hebt es sich auch deshalb so stark von seinen anderen Werken ab. In gewisser Weise hat das etwas von Nomadland (2020) oder auch einem Wes Anderson-Film. Über allem thront die Schwere einer Dorfmelancholie, in der einzelne, ausgezeichnet charakterisierte Menschen ihr Dasein fristen. Auch da kann man The Banshees of Inisherin sofort zerreißen. Denn wenn man ihn als Film betrachtet, dann bleiben etwaige Subplots viel zu unergründet. So etwa auch die sexuell missbräuchliche und physisch gewalttätige Beziehung zwischen Dominic Kearney und seinem Vater Peadar. Das ist kein schöner Film, den McDonagh da inszeniert und vielleicht ist es auch kein realitätsnaher Film, so hoffe ich zumindest für die meisten Menschen. Doch ähnlich wie Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis (2007) sich an der Dorfromantik abarbeitet, ist auch dieser Film voller Überschätzungen und teilweise gruseliger Lebenseinstellungen. Gerade an der des Colm Doherty erkennt man auch, wohin das bedeutungslose Nachdenken über den eigenen Platz in der Welt hinführen kann und ab dem Punkt wird dieser Film paradox, weil er die Melancholie des Daseins karikiert und dann wiederum befürwortet. Denn die Gegenseite der Medaille ist eben der von Farrell verkörperte Pádraic Súilleabháin. Ein Mensch, der einfach gut ist. Eine Eigenschaft, die sich gerade Opportunisten immer wieder zuschreiben. Und währen Farrell so eine Art Forrest Gump (1994) darstellt, ist man überdies beeindruckt, weil Farrell tatsächlich einfach die wohl prägnanteste Darstellung seit Jahren abliefert. Waren Figuren wie der Pinguin in The Batman (2022) durchaus von großer Spielfreude und eben auch großem Talent gesegnet, spielt Farrell hier einen vollendeten Idioten, der nicht damit klarkommt, daß sich Dinge einfach ändern.

Zugegeben, es kommt ja auch aus dem Nichts und jeder andere wäre natürlich auch schockiert, wenn ein Freund von heute auf morgen einfach beschließt, daß man einfach nicht zusammen passt. Das Skurrile daran ist, daß der Film sich zwar durch seine gesamte Prämisse und auch die Inszenierung der Witze wie ein wesentlich seichteres Werk anfühlt, dabei aber auch brillant den Balanceakt zwischen eben jener Leichtigkeit und der Frage nach der Existenz und der Gewissheit über den Gegenüber meistert. Es ist ein so ungewöhnlicher Film und das nicht im schlechten Sinne. McDonagh ist meisterhaft darin, den Film nie zu erklären. Und auch das ist paradox, weil man das irgendwie will, aber auch versteht, warum er es nicht tut. Während ein grausamer Bürgerkrieg in Irland tobt, zerstreiten sich die Freunde gar nicht so weit weg und trotzdem geht das Leben seinen geregelten Gang. Es leitet zum Interpretieren an und die gängige These ist wohl, daß beide Figuren hier den Konflikt der Menschheit. Den gewaltvollen Konflikt verkörpern. Ähnlich, wie Colm Dohertys Entscheidung, die Freundschaft zu kündigen, sinnlos ist, ist auch jeder Krieg auf Erden sinnlos. Das ist eine Aussage, die der Film natürlich durch etwaige Einschläge und das Knallen von Waffen immer wieder unterfüttert. Ob das nun die eine Wahrheit ist, die es zu bestätigen gilt, bleibt offen. Es könnte ebenso alles sinnlos sein. Eine ähnliche These warf auch Everything Everywhere All at Once (2022) in den Raum und damit macht der Film sich als Konzept unbegreiflich, aber als Kunstwerk einmalig. Das ist universell, weil es sinnlos ist.

Man erinnert sich so ein wenig an den Konflikt zwischen Walter Matthau und Jack Lemmon in Ein seltsames Paar (1968) und dabei zeigt das Werk, wie komplex und wie schwierig doch zwischenmenschliche Beziehungen eigentlich sind. Das ist ja etwas, was man im Film immer wieder präsentiert, aber niemals so einfach vor Augen geführt bekommt. Ein einfacher Dialog ist schwierig, wenn die Reaktion, die man bekommt, nicht die Reaktion ist, die man erwartet. Natürlich könnte man das auch alles als etwas pubertär bezeichnen, doch richtige Aussprache hilft da ja auch nicht. Zumal man ja auch die Frage stellen könnte, was denn erwachsen ist.

Tiefere Antworten in The Banshees of Inisherin zu suchen kann man sicherlich machen, sollte man vielleicht aber nicht. Der Film lädt zu endlosen Interpretationen über das Leben und zwischenmenschliche Konflikte ein und ist schwer zu fassen. Natürlich an manchen Stellen sehr gewollt und dennoch bleibt diese Sinnsuche unerklärt. Es mutet so ein wenig nach Mystery an, doch auch da wird man auf die falsche Fährte gelockt und die Wahrheit hinter allem ist, daß man sich keine Wahrheit suchen sollte.

The Banshees of Inisherin Bewertung
Bewertung des Films
910

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2 Kommentare
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ProfessorX : : Moviejones-Fan
14.01.2023 09:40 Uhr
1
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 801 | Reviews: 479 | Hüte: 35

@Raven13

Ja, kann ich nur zustimmen. Ist ein Film, über den man noch eine Weile nachdenkt. Und das muss nicht immer etwas gutes sein, ist es aber in diesem Fall defintiv.

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
13.01.2023 23:40 Uhr | Editiert am 13.01.2023 - 23:41 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 5.874 | Reviews: 72 | Hüte: 513

@ ProfessorX

Sehr schöne Kritik!

Ich war heute im Kino und bin so voller Emotionen zu diesem Werk, dass ich es nach einigen Stunden noch immer nicht so recht fassen kann. Der Film hat mich auf eine Weise mitgenommen, wie es lange kein Film mehr geschafft hat: auf eine extrem persönliche Weise. Sehr eindrücklich und hoch emotional.

Grandios auch die schauspielerische Darbietung, und zwar von allen, Hauptdarstellern sowie Nebendarstellern. Top besetzt und grandios gespielt.

Auch musikalisch sehr minimalistisch und doch extrem eindrücklich.

Auf jeden Fall ein unglaublich starker Film, ja sogar für mich einer der besten des Jahres.

Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.

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