
Bewertung: 3.5 / 5
Thor - Love and Thunder wird vielen von euch gefallen. Er macht vieles richtig, hat gut aufgelegte Stars und sehr viele Lacher zu bieten. Wer ein Ticket kauft, bekommt zwei Stunden gute Unterhaltung geboten. Dennoch können wir leider nicht ganz in die Jubelschreie mit einstimmen und müssen Kritik üben. Denn einiges hat uns an dem Film so gar nicht gefallen.
Thor - Love and Thunder Kritik
Der vierte Teil der "Thor"-Filmreihe begleitet den Gott des Donners auf eine Reise, die für ihn komplett neu ist: die Suche nach innerem Frieden. Doch die wird empfindlich gestört, als ein galaktischer Killer, bekannt als Gorr der Götterschlächter, ins Spiel kommt, der die Auslöschung aller Götter anstrebt. Um gegen diese Bedrohung anzukommen, holt Thor sich Unterstützung von König Valkyrie, Korg und seiner Ex-Freundin Jane Foster, die - zu seiner Überraschung - nun unerklärlicherweise als Mighty Thor seinen magischen Hammer Mjölnir schwingt. Gemeinsam begeben sie sich auf ein nervenaufreibendes kosmisches Abenteuer, um die Hintergründe des Götterschlächter-Rachefeldzugs zu ergründen und ihn aufzuhalten, bevor es zu spät ist...
Trailer zu Thor - Love and Thunder
Dieser Film ist ein Novum, denn Thor ist der erste MCU-Held, der mit Thor - Love and Thunder sein bereits viertes Solo-Abenteuer erhält. Dies liegt sicher auch an Chris Hemsworth, dessen Liebe und Einsatz für die Figur uns stark an Hugh Jackman erinnert. Ob es an den australischen Genen liegt?
Hemsworth präsentiert sich erneut voller Spielfreude und vermutlich so fit wie noch nie. Der neueste Thor-Teil gibt ihm dabei die Möglichkeit, sein komplettes Schauspiel-Repertoire abzurufen. Sein Talent für Comedy darf er hier erneut unter Beweis stellen. Sein Charisma erstrahlt den Film und auch wir würden ihm in die Schlacht folgen. Und auch an dramatischen Momenten fehlt es nicht und Hemsworth schafft es, die innere Verletzlichkeit Thors gekonnt herauszustellen.
Dabei ist es vor allem beeindruckend, wie er in eigentlich lustigen, fast schon albernen Szenen, innerhalb von Sekunden es schafft, den Schalter umzulegen und den inneren Schmerz offenzulegen, den Thor verspürt. Hemsworth liefert hier vielleicht seine bisher beste Performance als Thor ab.
Zumeist an seiner Seite spielen Tessa Thompson und Natalie Portman. Die Chemie zwischen allen dreien stimmt und es macht Spaß, ihnen gemeinsam zuzusehen. Thompson macht genau dort weiter, wo sie mit Thor - Tag der Entscheidung aufgehört hat und sie hätte mittlerweile ihr eigenes Solo-Abenteuer verdient. Vor allem Portman aber beeindruckt mit ihrem Auftritt.
Dass sie des Hammers würdig ist und weiß, diesen zu benutzten, daran gibt es zu keiner Zeit einen Zweifel. Vor allem ihre physische Erscheinung wird einige in Staunen versetzten. Leider kommt ihr Charakter dann doch etwas zu kurz und so manche Entwicklung verläuft viel zu schnell. Teils hat man das Gefühl, als würden wichtige Szenen und Übergänge fehlen. Vor allem ihre Nebengeschichte abseits des Mighty Thor wird viel zu wenig erforscht, wodurch leider einiges an Potential in den Sand gesetzt wird und auch das Ende nicht die Wirkung erreicht, die es haben könnte.
Ein ähnliches Problem haben wir mit dem Auftritt von Russell Crowe. Er hatte merklich Lust darauf, diese Persiflage von Zeus zu verkörpern. Am Ende erinnerte uns sein Auftritt aber eher an einen teuren Superbowl-Werbeclip. Das Problem sind nicht die Schauspieler, es ist das Skript und die Regie. Dennoch sind wir sicher, dass viele von euch viel Freude an seinen Szenen haben werden.
Doch einer stiehlt ihnen allen die Show. Sein Name ist Batman, vielen von euch auch bekannt als Christian Bale. Der Auftritt als Gorr der Götterschlächter markiert sein Comeback in die Welt der Comicverfilmungen und wer befürchtet hatte, dass der Oscarpreisträger und viel gelobte Schauspieler mittlerweile solche Rollen nicht mehr ernst nimmt, hat weit gefehlt. Wie man es von ihm gewohnt ist, hängt sich Bale komplett in die Rolle hinein und liefert eine fast schon unheimliche Performance ab. Es macht ihm sichtlich Spaß, den Bösewicht zu geben. Auch, weil man seinem Gorr ein äußerst nachvollziehbares Motiv für seine Taten gibt, gehört er sicherlich zu den besseren Bösewichtern, die es im MCU bisher gab. Seit Tom Hiddleston hat kein Bösewicht mehr dem Helden so sehr die Show gestohlen.
Doch auch bei ihm bleibt leider einiges an Potential auf der Strecke. Um ihn wirklich auf eine Stufe mit Bösewichtern wie Loki oder Thanos zu hieven, hätte es dann doch mehr Szenen gebraucht. Denn im Grunde hört man nur, was er tut, bekommt es aber so gut wie nie gezeigt. Der Film ist in diesem Punkt schon fast faul und findet unoriginelle Wege, um dem Zuschauer zu erklären, was für ein Böser dieser Gorr doch eigentlich ist.
Wir müssen langsam zu den negativen Aspekten übergehen. Denn die Figuren haben fast alle dasselbe Problem: Nicht nur hat man das Gefühl, dass wichtige und notwendige Szenen fehlen, oft ist der Film auch einfach viel zu albern. Selbst als Bales Gorr dem Publikum vorgestellt wird, und das auf sehr tragische Weise, wird dies sogleich mit einer für uns unpassenden Albernheit unterbrochen, sodass die Tragik ihre Wirkung nicht gänzlich entfalten kann. Und dies zieht sich vor allem durch die komplette erste Hälfte des Films. Hier wird nichts ernst genommen und alles ist gefühlt nur ein Witz. Wo ein James Gunn mit den Guardians of the Galaxy-Filmen diesen Grat zwischen Humor und Emotionen, sogar Tragik, absolut meistert, versagt Waititi leider und legt den Fokus viel zu stark auf den Humor.
Wenn gefühlt niemand die Geschichte, die Figuren sowie deren Schicksale ernst nimmt, warum sollte es der Zuschauer dann tun?
Dies macht vieles kaputt. Erst in der zweiten Hälfte nimmt der Humor etwas ab und der Ernst langsam zu. Hier lässt Waititi dann auch einige tragische Momente endlich mal atmen, ohne sie mit Albernheiten zu unterbrechen, was dem Film spürbar guttut. Leider erreichen die Szenen dann nicht mehr die erhoffte Wirkung, da der Aufbau bis dahin durch die vielen Albernheiten zu sehr gelitten hat.
Wir können dies nicht ganz nachvollziehen. Bei Thor - Tag der Entscheidung wusste Regisseur Taika Waititi noch, wie er seinen Humor einbaut, ohne dass es allzu übertrieben gerät. Bei Jojo Rabbit schaffte er auf fabelhafte Art und Weise, zwischen seinem Humor und der Tragik der Geschichte zu balancieren und erhielt dafür auch zu Recht einen Oscar. Hier jedoch gerät diese Balance für uns völlig aus den Fugen. Was umso ärgerlicher ist, da unter dem ganzen Humor ein sehr starker, dramatischer Film versteckt ist, der das Zeug gehabt hätte, vielleicht sogar zu einem der ganz großen des Genres zu werden.
Es ist aber nicht nur der übertriebene Humor. Auch die Inszenierung hat einige Probleme. Es wirkt befremdlich, dass in einem vierten Solo-Abenteuer ständig Story-Recaps eingebaut werden müssen, damit auch jeder nachvollziehen kann, was gerade passiert und welche Hintergründe die Figuren zueinander haben. Darauf hätten wir gerne verzichtet, wenn wir dafür einige der für uns fehlenden, notwendigen Szene bekommen hätten.
Auch wirken manche Szenen, sicherlich nicht ungewollt, wie 80er Jahre Trash. Dies passt zwar zu Teilen des Films, beißt sich dann aber damit, dass gleichzeitig versucht wird, einen Film im Zack Snyder-Stil zu inszenieren.
Man merkt, dass Taika Waititi sehr viele Ideen und merklich Lust hatte, sich hier auszutoben. Einiges funktioniert und klappt wunderbar, doch als Gesamtwerk ist Thor - Love and Thunder sehr unrund und vieles will einfach nicht zueinanderpassen. Sind wir ganz streng, müssen wir urteilen, dass der Film billig zusammengeschustert wurde und am Schneidetisch unter dem Motto "Passt schon" entstand. Leider passt es aber oft eben nicht.
Wir sahen den Film im englischen Original. Und auch hier störte uns etwas: Die Art, wie die Dialoge gesprochen werden, wirkte wie ein übertrieben aufgesetztes Theaterstück. Es passt zu der humorvollen Inszenierung, oft aber nicht zu der eigentlich dramatischen Geschichte. Auch dies wird ab der zweiten Hälfte des Filmes besser. Was dann aber die Frage aufwirft, warum die Figuren, vor allem Thor, nur in der ersten Hälfte so sprechen. Dies ist jedoch ein Kritikpunkt, den ihr vermutlich im Kino in der deutschen Version nicht bemerken werdet.
Ihr seht schon, so richtig warm geworden sind wir mit dem neuen Thor-Abenteuer nicht. Das klingt jetzt alles sehr negativ. Die ganzen Kritikpunkte sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir trotz allem zwei Stunden lang eine gute Zeit hatten und vor allem am Ende trotz allem auch emotional berührt waren.
Auch der Soundtrack kann sich hören lassen. Wir haben fast den Verdacht, dass Waititi sich hier James Gunn zum Vorbild genommen hat. Und auch wenn wir die Inszenierung teils kritisiert haben, erschafft Waititi einige richtig starke Bilder und liefert auch tolle Ideen, die wir so noch nicht gesehen haben. Eine Szene erinnerte uns sogar an eine Rick and Morty-Folge. Mal sehen, ob ihr herausfinden könnt, welche wir meinen.
Auch kurz positiv hervorheben wollen wir Marvel Studios. Wir werden natürlich nichts spoilern, aber so manche Entscheidung, gerade im Hinblick auf die Zukunft des MCU, hat uns dann doch sehr überrascht und zeigt, dass man eben nicht immer den offensichtlichen Weg geht, den viele erwarten.
Nach inzwischen acht Auftritten stellte sich diesbezüglich natürlich im Vorfeld auch die Frage: Wird dies Thors letztes Abenteuer? In der Tat könnte Thor - Love and Thunder wunderbar als Abschluss für seine Figur fungieren. Ob es aber wirklich ein Abschied ist, dass müsst ihr schon selber herausfinden und ja, der Film liefert die Antwort dazu.
Hier wäre viel mehr möglich gewesen, und dies ärgert uns wohl am meisten. Für uns war es dann doch eine Spur zu viel des Humors in Verbindung mit einigen inszenatorischen Mängeln. Dennoch kann sich auch Thor - Love and Thunder sehen lassen. Wer Chris Hemsworth gerne als Thor sieht, Taika Waititis Humor mag und Lust auf eine fesselnde Performance von Christian Bale hat, macht hier absolut nichts falsch.
Wiederschauwert: 70%
