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Zwielicht

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Zwielicht Kritik

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Zwielicht Kritik
1 Kommentar - 05.12.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Zwielicht" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Als der Erzbischof von Chicago brutal ermordet wird, wird schnell der Ministrant Aaron Stampler (Edward Norton) verdächtigt und festgenommen. Der Staranwalt Martin Vail (Richard Gere) übernimmt die Verteidigung des mittellosen und unter einer Beweislast erdrückten Mannes ein. Er hofft so sein öffentliches Bild aufpolieren zu können. Vor Gericht treffen sie auf Vails Ex-Freundin und Staatsanwältin Janet Venable (Laura Liney). Vail gerät immer mehr in die Tiefe des Falls und versucht die Schuldfrage für sich zu klären, indem er die Psychologin Dr. Molly Arrington (Frances McDormand) zur Unterstützung bittet.

Die Judikative ist eine in der Gewaltenteilung klar definierte Instanz, deren Aufgabe es über Dinge zu urteilen. Das ist natürlich auch eine philosophische, wie auch ethische Frage, die in den Raum geworfen wird, wenn man überlegt, mit welchem Recht ein Individuum über ein anderes richten kann. Als Zwielicht in die Kinos kam, hatte das Sub-Genre des Gerichtsfilms gerade mit Werken wie Eine Frage der Ehre (1992), oder auch Philadelphia (1993) seine Hochphase. Und daher reiht dieser Film sich auch so gut in diese Riege ein. Dennoch ist das ein gefährliches Unterfangen, mit dem man sich beschäftigt, weil das Kino von großen Emotionen lebt, die nicht immer rational begründbar sind und ein Gerichtssaal auf die stumpfen Fakten hinaus will. So weit, so eingänglich und daher ist es auch nur logisch, daß die Logik zugunsten der Spannung gedrosselt wird. Allerdings fallen einige Kernmomente, die der Anwältin Jenat Venable im Film gelegt werden, zuungunsten der Verteidigung vom verschlossenen Aaron Stempler aus und ab diesem Punkt ist das Werk somit mehr ein Konstrukt, als eine logische Fallstudie. Derweil unterfüttert das Werk auch einen eher ungesunden Zeitgeist, indem der als Feminismus propagierte Charakter der gleichen Anwältin im Film zu keinem Zeitpunkt die Sympathie des Zuschauers trägt, oder auch nur irgendwie sympathisch gestaltet wurde. Da wird dann penetrant behauptet, daß ja alle um sie herum keine Ahnung und dabei wird man überheblich. Gleichsam ist dieser Film nicht nur in einer ungesunden Beziehung zu dieser Frau, sondern regelrecht antifeministisch. Denn die Figur hegt eine längere Vergangenheit mit der strahlenden und viel zu platten Hauptfigur und muss dabei dann doch noch belehrt werden.

Nun kann man das sicherlich ambivalent betrachten, weil gerade das Finale, dieser sehr Wendungsreichen Geschichte eigentlich alle bis auf eine Ausnahme als Verlierer herausstellt, doch es ist stark zu bezweifeln, daß das nochmal aufgearbeitet werden wird. Und die Ironie des Ganzen liegt dann in der Tatsache, daß es in diesem Film um die rechtschaffende Wahrheit geht, während eigentlich alle Figuren – ausgenommen die kleine Ausnahme eben – verlieren. Das heißt, daß auch die Frau hier bis zum Schluß vollständig versagt, nur um dann von einem Mann errettet zu werden. Letzten Endes wird sie auf der rechtschaffenderen Seite stehen, ist aber dann im weiteren Film eigentlich nur eine Marionette für höhere Instanzen. Beinahe erschreckend ist aber, inwieweit dieses Werk in die moderne Zeit passt. Das Rape-and-Revange-Subgenre, daß hier zu Teilen aufgemacht wird, spiegelt im Umgang mit Missbrauchsfällen und tatsächlich realen Ereignissen natürlich eine Haltung wider, die man nur allzu gut kennt: Verdrängung. Und ohne sich als moralische Instanz aufspielen zu wollen, muss man in Zwielicht anerkennen, daß da ein Nerv getroffen wird, der seine Wahrheit hat. Gleichsam ist das natürlich auch clever, um die ein oder andere Figur sympathisch erscheinen zu lassen. Unterdessen ist der Film vielleicht zynisch oder hegt eine ganz andere Form von Moral an den Tag, die Diskussionsstoff liefern könnte. Wenn man sich eben die Hauptfiguren genauer ansieht und abermals das Ende betrachtet, kann man durchaus den Eindruck bekommen, daß da eine neue Gedankenwelt aufgemacht wird.

Ein bisschen schade ist dieses ganze Drumherum eigentlich nur für Richard Gere. Denn während seine Figur die eigentliche Hauptfigur sein soll, und eben einen Prototyp-Macho verkörpert, der zum Ende zwar sein Fett wegbekommt, aber teils zu unbeschadet bleibt, wirken gerade die anderen Figuren wesentlich interessanter. Zwar ist auch die von Laura Linney verkörperte Anwältin etwas schlecht und altbacken geschrieben, doch hat die Figur eine Härte, und im Hinblick auf die Vergangenheit mit der Hauptfigur auch eine Tiefe zu sich, die sie in den Konflikt aus Erfolgsdruck und Emotionalität bringt. Dummerweise macht das Werk aus diesem dann nicht so viel, sondern fährt den Charakter eigentlich nur gegen die Wand. Das ganze große Licht ist hier aber der von Edward Norton verkörperte Aaron Stampler, dessen Schauspiel einfach nur atemberaubend ist. Von Szene zu Szene gelingt es ihm in seiner Figur die unterschiedlichsten Facetten hervorzurufen, sodass man wirklich den Eindruck gewinnt, hier sitzen ganz andere Personen vor einem. Nun wirft der Film aber auch eine sehr komplexe Frage damit auf, indem er eben eine eher schwierige Persönlichkeit zum Thema macht, kommen unweigerlich die Gedanken einer Inklusion hervor. So kann man das gesamte Werk auf zwei unterschiedlichen Ebenen deuten, indem das Individuum mit seiner eigenen Persönlichkeit zum Thema gemacht wird und es da eine Hoffnung auf Rehabilitierung gibt und auf der anderen Seite aber durchaus auch die Möglichkeit einer Abschreckung von dieser Person entsteht. Ob dieser Film dann wirklich so inklusiv und offen ist, darf im Hinblick auf die große Wendung eigentlich bezweifelt werden.

Nun muss man aber das komplexe Skript dafür loben, daß es einen von allen Seiten mit komplexen Figuren, die hier entweder in Symbolik, oder Ideologie ausgedrückt werden, konfrontiert. Die mehrdimensionale Herangehensweise sorgt für eine endlose Verwirrung beim Zuschauer, die die Spannung bis zum Schluß aufrechterhalten kann. Und ohnehin liefert der Film eine Wendung nach der anderen, ohne dabei völlig ins Abstruse oder Unrealistische abzudriften. Und das wiederum ist auch nur gut so, weil es eben dem sehr düsteren Ton des Films zu sehr geschadet hätte, wenn die Figuren nicht auf dem halbwegs realistischen Boden blieben, oder der Film zu leicht zu entziffern wäre. Das heißt zwar auch nicht, daß das Werk keinerlei Längen hat, dennoch sind diese leichter zu verschmerzen und man hat das Gefühl, als wäre der Film wesentlich schneller vorbei, als man das von der Laufzeit her vorhersehen konnte. Dabei geht es dann auch um Moral, die die Figuren die ganze Zeit begleitet. Als Thema mag das zwar zu groß sein und dann wiederum hält der Film sich aber mit seinen Konsequenzen nicht zurück. Das interessante ist zudem, daß Gregory Hoblit dafür keine großen Actionsequenzen oder absurd groteske Gewaltbilder benötigt, um den Zuschauer an das Werk zu binden.

Inwieweit das Werk eben durch seine ganze Geschichte in ewiger Erinnerung verweilen wird, bleibt fraglich. Allerdings serviert Zwielicht einen moralisch zutiefst ambivalenten Exkurs, über den Zynismus und die Fehlbarkeit der Menschen. Gerichtsfilme stagnieren natürlich mit den ewigen Klischees, über unehrliche Mandanten und großem Pathos um Moral und Vergebung, gleichsam ist dieses Werk kaum mit Längen ausgestattet und stellt ein Debüt in den Raum, welches man erstmal übertrumpfen muss. Vor allem ist es eben Edward Norton, der sich mit dem Film ein Denkmal setzt und dabei alles andere gnadenlos in den Schatten stellt.

Zwielicht Bewertung
Bewertung des Films
710

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landtoday : : Moviejones-Fan
11.12.2022 02:43 Uhr
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