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Big Eyes

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Big Eyes Kritik

Big Eyes Kritik

Big Eyes Kritik
0 Kommentare - 08.08.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Big Eyes" ist.
Big Eyes

Bewertung: 3.5 / 5

Im Zuge der 1950er Jahre versucht die unverkennbare Künstlerin Margaret (Amy Adams) ihr Glück in der Großstadt. Als sie dort den charmanten Walter Keane (Christoph Waltz) kennenlernt und heiratet, werden auch ihre Bilder sehr erfolgreich. Denn Walter und Margaret verkaufen die Bilder unter dem Namen von Walter, der es durch sein Verkaufstalent schafft, die Leute an die Bilder zu binden. Doch je länger das Geschäftsmodell der beiden funktioniert, desto mehr möchte Margaret auch für ihre Kunst gewürdigt werden.

Leicht wäre es, einen Film wie diesen in seiner eigenen Struktur zu zerreißen. Eine Biografie über Künstlerinnen und Künstler gibt es ohne Ende. Daher sind solche Ideen auch nicht zwingend etwas, was man noch unbedingt großartig innovativ gestalten kann. Konzeptionell leidet dieser Film tatsächlich aber auch an ganz anderen Fehlern. So ist es vor allem der fehlende aufrecht bleibende Spannungsbogen, der die Geschichte gerade zur Mitte hin zäh macht. Die ständigen Streitereien über eine Offenbarung, die für den Zuschauer vor den Augen liegt und eigentlich die einzige Lösung des gesamten Treibens sein kann, wird dann zum Fleck, von dem sich die Regie nicht wegbewegen möchte. Irgendwie werden Dinge, die Charaktere betreffen und ihre Beziehung zueinander weiter ergründen sollen, nun mehr und mehr untermauert. Auf etlichen Feiern kommt es dann dazu, daß das Charisma der einen Figur, daß Problem der anderen wird. Und weil das so auf einem Punkt bleibt, wirft der Film damit eine Frau auf, die er besser nicht ins Rollen gebracht hätte. Es ist diese Frage, die hinter allem, wirklich allem im Leben steckt und so lautet wie folgt: warum? Big Eyes etabliert eine sogenannte freigeistige Ehe, die am Mitleid für die Hauptfigur und an semi-überraschenden Wendung nagt. Dabei geht es dann um eine Form von Missbrauch, wenn man so will. Dieser Umstand könnte indes auch als Begründung genügen, wäre er doch vom Film etwas besser erklärt worden, doch da ist nichts.

Trailer zu Big Eyes

Weiterhin geht es dann um Kunst, besser um die Kommerzialisierung von Kunst. Klar, daß Walter Keane dann Angst hat, aufzufliegen. Daß ist das zentrale Thema der Geschichte und vielleicht ist das für ein kommerzielles Werk wie einen Hollywoodfilm auch etwas fadenscheinig. Doch gleichsam ist es ein sehr spannendes Thema. Fast in Akkordarbeit und in dunklen Kammern wird diese Frau unter dem Vorwand der gemeinsamen Zukunft und Unabhängigkeit von ihrem Mann dazu gebracht, Bild um Bild zu malen. Daß dieser dann im direkten Austausch mit vermeintlichen Kunstverstehern keinerlei Ahnung hat, wovon das Werk letztlich handelt, ist egal, denn er gibt dem Werk ein Gesicht. Ein charmantes Gesicht und Christoph Waltz ist in dieser Rolle so fabelhaft. Es ist vielleicht bewusst, oder auch nicht, aber dennoch betreibt Waltz hier ganz klares Overacting. Seine Figur biedert sich die gesamte Zeit über bei anderen Menschen an, tut so als hätte sie Ahnung von solchen Werken und kommt dabei so großartig rüber. Es macht Spaß Waltz mit seinem charmanten Nuscheln dabei zuzusehen, wie er immer mehr und immer weiter möchte. Die gesamte Darstellung grenzt an einer Karikatur, weil sie wie aus einem Cartoon entnommen scheint. Doch Waltz meistert den Spagat aus seriösem Drama und überstilisiertem Nonsens so, daß man einfach nur noch herzhaft lachen muss. Gerade im Finale entlädt sich dann der Hass, den man gegen die Figur aufgebaut hat und man möchte gleichsam noch mehr von ihm sehen.

Daß Kunst hier im Zusammenhang mit Betrug gebracht wird, lässt darauf schließen daß Burton natürlich am Recht des Autors gelegen ist. Und dies wird dann von Amy Adams dargestellt, deren Leistung nicht minder der von Waltz ist. Sie gibt im Prinzip das naive Landei, wenngleich sie nicht vom Land kommt, so ist sie diesem Mann von Anbeginn an verfallen. Sie muss dazu lernen und so entwickelt sich aus der jungen Frau im Laufe der Geschichte eine wahrhaftig starke Persönlichkeit, welche Adams hier auch eindrucksvoll zum Ausdruck bringt. Der Film schreibt diese Figur indes auch sehr clever, aber wie Adams den Wandel porträtiert ist großartig. Dann entsteht eine Kraft sich aufzulehnen und die Macht der Frau durch Intellekt, Wert und Auflehnung im Kontrast zur verfrühten Hochzeit und ihr Umgang mit ihrem Mann nicht rein für diese Frau zu sprechen, wodurch eine großartige Mehrdimensionalität entsteht. Unterdessen schafft der Film es nicht nur seine Charaktere charmant zu gestalten, sondern macht dem Zuschauer auch klar, was so faszinierend an den Werken Margaret ist. Natürlich sind sie Kinder ihrer Zeit und somit passt das schrille, übertriebene auch in die 1960er Jahre. Gleichsam haben diese Kinder natürlich auch etwas sehr Lebendiges und melancholisches zugleich, was eben eine großartige Kombination ist.

Unterdessen scheint auch diese Burton-Biografie sich etwas von gängigen Biografien abzuheben. Das liegt vor allem daran, daß man den Fokus richtig liegt. Im Prinzip ist der Film ein psychologisches Machtspiel in Tarnung einer Komödie. Gleichsam beruft er sich eben nur auf die wirklich relevanten Schaffensjahre und die Auseinandersetzung mit der Tyrannei. Das wird dann eben durch das großartige Filmende aufgezeigt, welches hier tatsächlich eine richtig zufriedenstellende Katharsis bildet. So muss der Zuschauer keine grausame Kindheit, den ständigen, unbedingten Willen zum Erfolg und viele weitere Stigmata solcher Filme über sich ergehen lassen. Von Farce, über Drama, über Feelgoodfilm bedient Burton hier alles, was es zu bedienen gibt und scheitert paradoxerweise an keinem einzigen Punkt. Die melodische Inszenierung durch wirklich klaren und teils verwaschene Farben, in Kombination mit der brillanten Musik, erinnert am ehesten an Burtons Big Fish (2003), dessen Absurdität zwar weitaus drastischer, und damit spannender war, allerdings scheint dies wirklich die große Vorlage von Burton gewesen zu sein. Dazu schaut sich das gesamte Werk so schnell weg, daß das Pacing hier einfach auf den Punkt gebracht ist.

Ein ebenso wichtiger und ausschlaggebender Punkt für die Raffinesse von Big Eyes ist, daß Burton es schafft, diese Bilder durch seinen schrillen Stil so besonders wirken zu lassen, daß man als Zuschauer auch sofort versteht, warum sie besonders sind. Das ist vielleicht nicht immer der Fokus, den viele solcher Filme wählen, dennoch zentral, um überhaupt ein Verständnis für das gesamte Treiben zu entwickeln.

Witzig, rasant, charmant und einen puren Machtkampf beschert Tim Burton mit Big Eyes. Der Film scheint dabei bewusst als ein kleineres Werk angelegt und baut deutlich zur Mitte hin ab. Auf der anderen Seite spielen die Akteure ihre Rollen dermaßen unterhaltsam, während das technische Segment in jeder Hinsicht zu überzeugen weiß und eine recht kurzweilige Unterhaltung bietet.

Big Eyes Bewertung
Bewertung des Films
710

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