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Braveheart

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Braveheart Kritik

Braveheart Kritik
18 Kommentare - 10.07.2016 von luhp92
In dieser Userkritik verrät euch luhp92, wie gut "Braveheart" ist.

Bewertung: 2.5 / 5

"Braveheart" gilt als Filmklassiker, nicht nur unter den Historien-Epen sondern auch allgemein. Wie oft mir in dieser Hinsicht schon geraten wurde, mir dieses Epos endlich einmal anzusehen! Die meisten Kritiker und normalen Kinogänger mögen den Film, hier im Forum hört man nur Gutes darüber und auch meine Eltern lieben "Braveheart". Wie zur Bestätigung dessen erhielt der Film zehn Oscarnominierungen, von denen er fünf gewinnen konnte. Darunter neben den technischen Auszeichnungen für Kamera, Tonschnitt und Make-Up auch jene für Film und Regie. Die Zeichen für ein großartiges Stück Kino hätten also nicht besser stehen können, im Nachhinein machte sich bei mir aber die Erkenntnis breit: "Braveheart" ist ein zutiefst mittelmäßiger Film.

Wenn ich an andere Genre-Vertreter wie Der Herr der Ringe oder Gladiator denke, die sich durch epische Breite, Komplexität, emotionale Wucht und charakterliche Tiefe auszeichnen, wirkt "Braveheart" im Vergleich dazu geradu einfach und stümperhaft. Auch ein Werk wie Troja macht da einen bedeutend intelligenteren und komplexeren Eindruck. Eine epische Breite findet sich in Mel Gibsons Film zwar auch, aber mehr in Form der Laufzeit und weniger in Form des Inhalts.

Dies liegt vor allem daran, dass Gibson und Wallace die komplexen, realen Begebenheiten rundum William Wallace, Robert the Bruce und Edward Longshanks zu einer simplen Rache- und Freiheitsgeschichte eingekocht haben, in der die Schwarz-Weiß-Zeichung überwiegt. Während Gibson die Schotten als ehrwürdige und aufrechte Freiheitskämpfer glorifiziert, dämonisiert er die Engländer als grausame, hinterlistige Unterdrücker. Besonders ärgerlich wird es dann, wenn man bedenkt, dass auf der Schotten-Seite Brendan Gleeson, James Cosmo und Brian Cox mitspielen, diese dank Gibsons Schwarz-Weiß-Malerei aber keine Möglichkeiten haben, ihr Talent auszuspielen. Im Abspann hätte man sie leider genauso gut als "Romantisierter Schotten-Krieger Nr. X" bezeichnen können. Immerhin wurde Gleeson ein sehr emotionaler Moment gewährt, als sein Film-Vater (Cosmo) starb. Ansonsten verbleibt auch die weitere Charakterzeichnung größtenteils auf einem eindimensionalem Niveau. Zu nennen sind da z.B. der nervige, verrückte Ire, William Wallace Ehefrau, die englische Prinzessin (überfordert: Sophie Marceau) oder der böse Edward Longshanks (hervorragend: Patrick McGoohan). Robert the Bruce (toll: Angus Mcafadyen) kommt lange Zeit zwar auch nicht über sein machtbezogenes Hin-und-Her-Getue hinaus, macht jedoch gegen Ende als einer der wenigen glücklicherweise doch noch eine Entwicklung durch.

Mit seiner Selbstinszenierung als William Wallace setzt Gibson dem Ganzen schließlich die Krone auf, man könnte es durchaus auch als Selbstverliebheit bezeichnen. Aus dramaturgischen Gründen oder der Einfachheit halber stammt sein Wallace anstatt aus wohlhabenden aus bäuerlichen Verhältnissen, um ihn gemäß des Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Prinzips zum Heerführer aufzubauen. Eine durch und durch idealisierte Heldenfigur, die insbesondere gegen Ende zum Fremdschämen einläd, wenn Gibson Wallace als Jesus Christus glorifiziert und mit einem peinlichen "FREIHEIT!!" aus dem Film scheidet. Und als wenn das alles nicht schon schlimm genug wäre, scheitert Wallace Darstellung vor allem an einer Sache: Mel Gibson selbst. Schauspielerisch absolut fehlbesetzt, gelingt es ihm keineswegs, Wallace Charakter oder Motivation irgendwie greifbar zu machen. Nur Kämpfen und Schreien zu können, reicht definitiv nicht aus. Wobei eine Szene emotional tatsächlich sehr stark ausfiel: der Moment, als Wallace erfährt, dass er von Robert the Bruce verraten wurde und zusammenbricht.

Insgesamt hat "Braveheart" eine Laufzeit von 177 Minuten und wenn ein solcher Film aus meiner Sicht inhaltlich und charakterlich kaum etwas zu bieten hat, fällt eine Identifikation mit der Geschichte natürlich ziemlich schwer. Beispielhaft dafür hatte die Ermordung von William Wallace Ehefrau, welche den Stein des Freiheitskampfes ja erst ins Rollen bringt, für mich überhaupt keinen Nachhall. Gibson versucht zwar oft, die Eintönigkeit seiner Geschichte und seiner Charaktere durch Kitsch und Pathos zu übertünchen, die ganz großen Emotionen erzeugt er jedoch so gut wie nie. Abgesehen von den Schlachtszenen hat "Braveheart" daher ebenfalls mit einigen Längen zu kämpfen.

Apropos Schlachtszenen: Wenn Mel Gibson etwas kann, dann das! Ich liebe das Raue, das Dreckige, das Blutige, welches er in die Geschichte und insbesondere in die Kämpfe einfließen lässt. In diesen Szenen liegen die wahren Stärken des Films, wahrlich atmosphärisch! So wenig ich die Oscar-Auszeichungen für Film und Regie bzw. die Nominierung für das Drehbuch nachvollziehen kann, umso mehr sind sie für die technischen Aspekte gerechtfertigt. Die Kamera fängt die Landschaften und das Schlachtengetümmel sehr gut ein, James Horners Soundtrack wertet die fade Geschichte auf, Kulissen, Requisiten und Kostüme verleihen ihr ein mittelalterlich glaubhaftes Aussehen. Dass Kilts im 13. Jahrhundert noch nicht existierten, geschenkt; dafür sorgen sie für ordentlich schottischen Charme! Denn auch das ist "Braveheart": eine Art Werbefilm für Schottland und seine Highlands.

Auf der Pro-Seite stehen für mich nun die überragenden Kampfszenen, die Landschaftsaufnahmen, die raue und dreckige Atmosphäre, der Soundtrack, die technischen Finessen und der Cast in der zweiten Reihe. Auf der Contra-Seite stehen eine simple und flache Schwarz-Weiß-Geschichte, eindimensionale Charaktere, ein fehlbesetzer und sich selbst inszenierender Mel Gibson, zu viel Kitsch bzw. Pathos und zu wenig wahre Emotionen.
Insgesamt macht das 5/10 Punkten. Warum "Braveheart" vom Großteil der Filmliebhaber und Laien so sehr abgefeiert wird, erschließt sich mir nicht so recht.

Braveheart Bewertung
Bewertung des Films
510
DVD & Blu-ray

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18 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
27.08.2021 22:00 Uhr | Editiert am 27.08.2021 - 22:05 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.663 | Reviews: 162 | Hüte: 522

@Raven13

"Filme müssen übertreiben, sonst sind sie banal und langweilig."

Das ist schon eine sehr einschränkende Aussage, Filme müssen erstmal gar nichts. Wenn man jetzt z.B. nur Actionfilme schauen würde, könnte das den Eindruck erwecken, dass die Aussage richtig ist, aber dadurch wird die eigene Wahrnehmung ja nicht wahr. Grundsätzlich kann man natürlich sagen, dass Filme als Fiktion immer ein verzerrtes/übertriebenes Bild der Realität zeichnen, nur bewegen sich diese Übertreibungen in den meisten Gibson-Filmen in ungesunden bis toxischen Regionen. Was in "Braveheart" die Engländer sind, sind in "Die Passion Christi" die Römer und Juden, in "Apocalypto" die Maya und in "Hacksaw Ridge" die Japaner.

"Aus Deutscher Sicht waren die Amerikaner, Juden und andere Länder im 2. Weltkrieg die Bösen, aus deren Sicht war es andersherum."

Nur würde nie jemand einen solchen Film aus Sicht der Deutschen drehen bzw. es hat niemand solche Filme gedreht, mit Ausnahme eben der Nazis, als sie an der Macht waren. Der Zweite Weltkrieg ist aber ohnehin eine Ausnahmesituation und nicht wirklich für einen Vergleich geeignet. Die Alliierten als gut und/oder die Nazis als böse darzustellen, ist alternativlos.

"Gerade im Mittelalter waren die Menschen extrem leichtgläubig und abergläubisch. Da haben die Leute, gerade auch das unwissende und ausgebeutete Volk, eben sehr schwarz-weiß gedacht."

Ende des 20. Jahrhunderts sollte man dann aber schon weiter sein, als so ein mittelalterliches Weltbild inklusive christlich aufgeladener Messias-Symbolfigur und Diffamierung eines vermeintlich homosexuellen englischen Königs 1:1 und unhinterfragt zu übernehmen. Diverse Historienfilme und -serien beweisen, dass es besser geht. Wobei man "Braveheart" gar nicht nur "mittelalterlich" interpretieren kann, Freiheitskämpfe ziehen sich durch die gesamte Neuzeit (passenderweise ist Wallace im Film ein Bauer und kein Adliger mehr) und gerade in Schottland war es in den 90ern brandaktuelle Politik. Ja, auch ich bin, aus heutiger Sicht im Bezug auf den Brexit, für eine Unabhängigkeit Schottlands, aber doch nicht in dieser Form, wie Schottland und England im Film portraitiert werden.

"Mir kommt es so vor, als wenn du den Film subjektiv einfach nur nicht magst."

In den letzten beiden Absätzen habe ich doch erläutert, was ich am Film mag und gut finde. Wenn ich die positiven Aspekte allerdings mit den negativen Aspekte aufsummiere, die sich am Film festmachen lassen, ergibt das für mich nicht mehr als Mittelmaß. Im Gegensatz übrigens zu "Apocalypto", das ist Gibsons Meisterstück als Regisseur von Actionepen, der steht bei mir trotz inhaltlicher Schwächen bei 7-7,5/10 Punkten.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
24.08.2021 12:14 Uhr | Editiert am 24.08.2021 - 12:20 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 4.394 | Reviews: 47 | Hüte: 405

@ luhp92

Hier ist wirklich bereits alles gesagt worden von ZSSnake und Strubi und den anderen.

Ich kann die Kritik auch nicht nachvollziehen und bin absolut gegenteiliger Meinung.

Man kann dem Film vorwerfen, dass er historisch nicht akkurat ist und dass er Wallace Charakter größer macht, als er vielleicht in Wirklichkeit war. Aber das ist auch schon alles. Und das kann man Troja, Gladiator und anderen Historienfilmen genauso vorwerfen.

Filme müssen übertreiben, sonst sind sie banal und langweilig.

Noch etwas zur schwarz-weiß-Darstellung (England = böse, Schottland = gut). So ist das nunmal aus der Sicht der jeweiligen Menschen aus den Ländern.

Aus Deutscher Sicht waren die Amerikaner, Juden und andere Länder im 2. Weltkrieg die Bösen, aus deren Sicht war es andersherum. Bravheart erzählt die Geschichte aus der Sicht eines Schotten, der zudem seine Frau durch einen widerlichen englischen Besatzungs-Soldaten verloren hat. Wie würdest DU dich denn in der Situation fühlen und über die Engländer denken? Gerade im Mittelalter waren die Menschen extrem leichtgläubig und abergläubisch. Da haben die Leute, gerade auch das unwissende und ausgebeutete Volk, eben sehr schwarz-weiß gedacht.

Weiterhin kann ich nicht nachvollziehen, was an Mel Gibsons Schauspiel schlecht sein soll? Er gibt doch wirklich alles. Er zeigt eine Menge Emotionen verschiedenster Art und er ist mit Leidenschaft dabei. Mehr geht einfach nicht. Ich habe ihm seine Rolle immer zu 100 % abgekauft und tue es noch immer.

Mir kommt es so vor, als wenn du den Film subjektiv einfach nur nicht magst. Das ist ja auch völlig okay und du kannst ihm natürlich subjektiv eine absolute Mittelmäßigkeit vorwerfen. Dass du allerdings Kritikpunkte suchst, die eigentlich gar nicht da sind, nur um deine 5/10 irgendwie zu begründen, ist wie an den Haaren herbeigezogen. Sag doch einfach, dass du den Film nicht magst, auch wenn er objektiv gut ist. So hat es FlyingKerbecs auch getan. Er hatte auch objektiv fast nur Lob übrig, hat ihm aber subjektiv aus persönlichen Gründen dennoch eine schwächere Note gegeben. Das ist fair und das hat er gut begründet.

Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.

MJ-Pat
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Kaishaku-Nin : : Moviejones-Fan
02.09.2016 21:16 Uhr
0
Dabei seit: 21.07.12 | Posts: 1.540 | Reviews: 0 | Hüte: 41

Hi Luhp, ich schulde dir noch ne kleine Antwort wink

Also mit Gibson-Filme meine ich eigentlich die, mit ihm als Schauspieler. Apocalypto finde ich aber auch sehr gut, Die Passion Christi interessiert mich nicht sonderlich. Was auch immer man von seinem Privatleben halten mag, im Film finde ich ihn meist sehr sympathisch und cool. Hier ein kleines Ranking meiner Favoriten:

Braveheart

Payback - fast gleichauf mit der Nr. 1. Leg ich dir sehr ans Herz! – Zieh ihn dir rein! (und das ist keine Bitte! wink)

Die Leathal Weapon Reihe

Die Mad Max Reihe

Ein Vogel auf dem Drahtseil (Hab ich aber seit Jahrzehnten nicht gehen wink)

Für Mordaufträge verlange ich 500 Ryō...
MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
14.07.2016 10:49 Uhr
0
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 8.526 | Reviews: 171 | Hüte: 576

@ Shalva:

Danke für die formschöne Kopfbedeckung. Hilft bei dem Wetter sicherlich :-) Ich wollte erst garnix schreiben und nur Kopfschütteln...aber dann war mir das Ding doch zu frustig xD

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
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Shalva : : Moviejones-Fan
14.07.2016 09:09 Uhr
0
Dabei seit: 04.06.11 | Posts: 4.513 | Reviews: 2 | Hüte: 128

@Snake

Kann ich dir nur zustimmen! Hast Du alles sehr schön erklärt!

MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
14.07.2016 01:04 Uhr | Editiert am 14.07.2016 - 01:08 Uhr
3
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 8.526 | Reviews: 171 | Hüte: 576

Ohne Flax - Luph du guckst zu viel Wolfgang Schmitt O.o

Und das sagt auch schon alles zu meiner Meinung zu deiner Kritik zum Film. Jedem das seine, aber gewöhn dir eventuell wieder an Filme mehr für den Spaß und die Emotionen zu schauen und weniger um sie intellektuell zu sezieren. Das tut mir ja fast in der Seele weh, wie du den Film mit dem Kopf zerredest und dich dabei auf emotionaler Ebene nicht darauf einlassen kannst.

Allein an das "FREEEEDOOOM!!" von Wallace am Ende zu denken lässt Gänsehaut und Tränen in mir hochkochen. Der Film ist sicherlich an stellen mit etwas Pathos gesegnet, aber es ist nunmal auch eine Geschichte über einen Volkshelden - das funktioniert nicht ohne Pathos und ein gewisses Maß an Verklärung.

Dass es im Kern eine Rachegeschichte ist, ist mehr oder weniger wahr, aber Gibson macht so viel mehr daraus. Große Bilder, ein Plot über Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und die Verderbtheit der Politik, die Wallace zunächst als kleinen Bauern betrachtet und sich seiner Bedeutung für das Volk in deren Aufbegehren gegen die Obrigkeit erst sehr viel später gewahr wird. Wallace selbst, der mit einfachen Mitteln den Kampfeswillen in einer kleinen Gruppe Schotten entfacht und dem nach und nach mehr und mehr folgen. Er sucht sich den Weg aus und wählt sich seine Waffenbrüder aus seiner Meinung nach standhaften Figuren aus. Die Schlachten und der Score sind unfassbar gut. Die Emotionen funktionieren aber ebenso gut. Der Tod der Frau ist ein blutiger und harter Schnitt (no pun intended) innerhalb der Story des Films und ähnlich dem (sehr simplen aber effektiven) Katalysator des "toten Hundes" in John Wick letztes Jahr funktioniert es auf einer emotional sehr einfachen Ebene. Identifikationspotential ist hier das Stichwort und das hat Wallace durch seinen bäuerlichen Hintergrund und seine Bildung.

Mit den wahren historischen Begebenheiten habe ich mich nie befasst, aber ganz ehrlich, dass muss ich auch nicht, denn der Film funktioniert wie der ist hervorragend. Ein Heldenepos wie Braveheart dafür zu kritisieren, dass es historisch inakkurat ist kann man machen - wirkt aber dann irgendwie wie die verzweifelte Suche nach Kritikpunkten.

Troja ist absolut nicht vergleichbar, Gladiator eventuell thematisch, weil beide eine Form von Rachegeschichte beschreiben - aber Braveheart bleibt eine glorifizierende Geschichte über einen Volkshelden. Eine Figur dann an manchen Stellen überhöht darzustellen gehört dazu. Der Film funktioniert eben weil er mitreißt, die Figur greifbar macht und Identifikationspotenzial bietet. Dass Wallace eben trotz seines Charismas und seiner Anführerqualitäten letztlich zum Spielball der Mächte wird und ihm die Kontrolle über das was er gestartet hat entgleitet - ja ihn sogar in den Tod führt - wird dann am Ende in starken Bildern eingefangen und diese fast religiöse Erlösergestalt-Metapher mit Wallace Tod passt eben zu der nahezu kultischen Verehrung als Volksheld. Zur Idee, die sogar im Film aufgegriffen wird, dass Wallace eben zu mehr gemacht wird als er vielleicht war eventuell noch kurz dieses Zitat:

"Ich bin William Wallace." - "William Wallace ist 2 Meter groß!" - "Ja, hab ich gehört. Er kann Männer zu hunderten umbringen. Und wenn er bei uns wäre, hätte er den Feind schon lange mit Feuerbällen aus seinen Augen verzehrt und mit Blitzschlägen aus seinem Arsch!"

Aber wenn du ihn nicht mochtest ist das dein gutes Recht. Trotzdem halte ich deine Kritikpunkte für unsinnig (mein gutes Recht wink ). Wie gesagt - du solltest weniger Wolfgang Schmitt gucken - der macht dich zu nem intellektuell verklärten Zyniker, der Filme nicht mehr mit dem Herzen gucken kann. Nichts für ungut...

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
12.07.2016 02:30 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.663 | Reviews: 162 | Hüte: 522

@DirtyMary

Mit Filmliebhabern meine ich so Leute wie wir hier, die sich in Foren rumtreiben, eine Sammlung haben o.Ä. Leute, die "Filme schauen" als Hobby bezeichnen würden. Mit Laien meine ich solche Leute, die sich Filme einfach nur anschauen und dann vielleicht den Regisseur oder die bekannten Schauspieler kennen, aber das war es dann (meine Eltern z.B.).

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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DirtyMary : : Moviejones-Fan
11.07.2016 23:10 Uhr | Editiert am 11.07.2016 - 23:12 Uhr
0
Dabei seit: 07.08.13 | Posts: 175 | Reviews: 33 | Hüte: 6


Wo der Unterschied zwischen Filmliebhabern und Laien liegt, versteh ich nicht so recht.

Historisch mag Braveheart völlig Banane sein, aber welcher Mittelalterschinken mit Einnahmenplus ist dies nicht? Mel Gibson unterwirft sein Schlachtengemälde konsequent den Vorgaben maximalen dramaturgischen und emotionalen Effekts, welcher bei mir allerdings nur beim Ersten Ansehen zündete. Beim zweiten Ansehen kam ich nicht mal bis zur Hälfte, aus ziemlich genau den Gründen, die in der Kritik angesprochen werden. Zu viel an Vorwissen, zu viel an bestimmter Erwartung zerstören das Seherlebnis bei Stories, deren einziges Ziel ist, emotional voll auf die Zwölf zu gehen. Aber wenn Mel Gibson irgendein filmisches Talent besitzt, dann wohl genau das.
Diese Verfilmung des Ur-“Brexit“ war zu seiner Zeit auf dem Gebiet des Freiheitsepos das Nonplusultra, daher auch die Oscarflut. Und die dazugehörige Musik von James Horner wird noch sehr lange eine Zierde für so manche Playlist sein. Dafür hat sich der Freiheitskampf der Schotten auf jeden Fall gelohnt smile

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
11.07.2016 15:48 Uhr | Editiert am 11.07.2016 - 15:54 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.663 | Reviews: 162 | Hüte: 522

@Pathos und emotionale Wucht
Zitat pursuyt: Wir können uns das gar nicht richtig vorstellen, so unterdrückt zu werden, aber ich glaube, das ist gar nicht atypisch, einen Aufstand so anzuzetteln.

Das ist genau eines der Probleme, die ich hier sehe. Die Schotten sind verängstigt ob der englischen Übermacht und befinden sich quasi schon auf dem Rückzug, als Mel Gibson seine Rede hält. Und die ist einfach nicht überzeugend, sondern lebt nur vom Pathos. Für mich war es nicht glaubwürdig, dass die Schotten da so einfach mitgehen und rumbrüllen. Wie gesagt, nur "Freiheit!" brüllen, reicht definitiv nicht.
Gegen Pathos in Historien-Epen habe ich nichts, nur in Braveheart ist der mMn eben nicht gut platziert. Ein Problem sehe ich darin, dass sich Gibson eben selbst inszeniert und sich selbst (also Wallace) idealisiert darstellt. Da fehlt mir die Distanz, vor allem wenn er sich gegen Ende als Jesus Christus stilisiert.

Die emotionale Wucht geht damit teilweise einher. Bei Wallace Folter und Tod war z.B. mein einziger Gedanke: "Der christlich-fundamentale Mel Gibson inszeniert sich selbst als Jesus Christus. Geil! :/" Ansonsten kann ich mich da nur wiederholen: Eine eindimensionale Charakterzeichnung und schlechtes Schauspiel (Gibson, Marceau) schmälerten die emotionale Wucht mMn enorm. Ausnahmen sind da wie gesagt die Kampfszenen, die Trauerszene mit Brendan Gleeson und James Cosmo und William Wallace Zusammenbruch, als er von Roberts Verrat erfährt.

@Schwarz-Weiß-Zeichnung
Gladiator
empfinde ich da als bedeutend komplexer. Maximus ist jemand, der von ganz oben (römischer Feldherr) nach ganz unten (Sklave, Gladiator) fällt und sich danach wieder nach oben kämpft. Er muss also die Scheiße fressen, die er vorher selbst produziert hat. William Wallace dagegen kommt von unten und wird von vorneherein als idealisierte Lichtgestalt dargestellt. Als Bauerssohn kann er sich z.B. als Held gegen den bösen, schottischen Adel durchsetzen, während er in der Realität selbst ein Günstling des Adels war. Auf der Schurken-Seite finden sich in Braveheart fast nur Charaktere, die nicht über die Eigenschaft "böse" hinauskommen. Commodus dagegen ist bedeutend vielschichtiger, er ist nicht einfach nur böse, sondern getrieben von diveren Motiven und Emotionen.
Des Weiteren ist Gladiator eine frei erfundene Geschichte, die nicht auf realen Tatsachen beruht; Braveheart dagegen schon. Die Rachegeschichte ist frei erfunden und wurde von Gibson/Wallace aus dramaturigschen Gründen eingefügt. Ähnlich wie z.B. DiCaprios Filmsohn in The Revenant, um die reale Rachegeschichte noch etwas aufzupeppen. MMn hätte Braveheart viel besser sein können, wenn Gibson den Freiheitskampf genauer und detaillierter ausgearbeitet und diesen vor allem nicht so vereinfacht (klassisches Gut gegen Böse) dargestellt hätte. Dafür hätte es die Rachegeschichte, die mich emotional obendrein emotional nicht berührte, nicht gebraucht. Vielleicht bin ich mittlerweile auch zu sehr von Game of Thrones verwöhnt und empfinde Filme wie Braveheart daher kritischer, keine Ahnung...

In Troja finden sich verschiedene Weltansichten und Motive, weniger schwarz-weiß sondern mehr grau gezeichnete Charaktere. Generell steht dort die charakterliche Vielfalt im Vordergrund, weshalb die Charaktere dort auch nicht so sehr in der Masse untergehen wie in Braveheart. Aber das habe ich in meiner Troja-Kritik schon etwas ausführlicher beschrieben.


@Kaishaku-Nin
Hehe^^ Ich habe mir ein paar Kritiken zu Braveheart durchgelesen und festgestellt, dass ich da auf jeden Fall nicht der einzige bin, der den Film so sieht. Nichtsdestotrotz hast du Recht, wenn man zehn Leute fragt, wird vielleicht einer Braveheart nicht mögen.

Meinst du mit Gibson-Filme jetzt die Werke, in denen er schauspielert oder Regie führt? Oder beide? Von seinen Filmen als Schauspieler kenne ich Mad Max 1-3, die bei mir bedeutend höher rangieren. Und Machete Kills, da war Gibson auch klasse. Seine Regie-Werke Die Passion Christi und Apocalypto habe ich schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen, aber Apocalypto würde ich aus Basis meiner Erinnerung höher einstufen als Braveheart. Inszenatorisch eine Meisterleistung, den fragwürdigen Inhalt (komplette Falschdarstellung der Maja) an dieser Stelle mal außenvorgelassen.

@jerichocane
Ach, sieh das mit der Genre-Bezeichnung doch nicht so eng, du weißt du genau, was ich meine. Dann nenne es halt von mir aus "Sandalen-Epos, "Schwert-und-Bogen-Epos" oder was auch immer.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

MJ-Pat
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Kaishaku-Nin : : Moviejones-Fan
10.07.2016 22:09 Uhr
0
Dabei seit: 21.07.12 | Posts: 1.540 | Reviews: 0 | Hüte: 41

Dank dir Strubi für den Hut! Mittlerweile glaube ich fast wir tun dem guten Luhp unrecht. Er muss den fiesen Fehler gemacht haben, zu dem Film mit dem zum Verwechseln ähnlichen Cover von Asylum gegriffen zu haben. Titel: Brave-Fart

Für Mordaufträge verlange ich 500 Ryō...
MJ-Pat
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Strubi : : Hexenmeister
10.07.2016 21:29 Uhr
0
Dabei seit: 30.08.10 | Posts: 3.249 | Reviews: 2 | Hüte: 50

@pursuyt
Nein, ich sehe schon auch etwas mehr in dem Film. Er gehört ja auch zu meinen absoluten Lieblingsfilmen.
Ich wollte damit nur andeuten, dass man ihn zwar darauf hinunterbrechen kann, das aber bei anderen Filmen genauso geht, wenn man es denn darauf anlegt.

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pursuyt : : Moviejones-Fan
10.07.2016 21:20 Uhr | Editiert am 10.07.2016 - 21:20 Uhr
0
Dabei seit: 26.03.14 | Posts: 553 | Reviews: 6 | Hüte: 23

Also streng genommen ist Braveheart ja auch keine Rachegeschichte, sondern die persönliche Komponente (Tod seiner Frau) bringt das Fass der Unterdrückung nur zum Überlaufen. Es ist keineswegs so, dass Wallace seine Mitstreiter mobilisiert, um sein Weib zu rächen, sondern sie kämpfen eben für ihre Freiheit - und Wallace selber zum Teil für Genugtuung. Aber das reicht für mich nicht zu einer 08/15-Rachestory, die ihr hier alle gesehen haben wollt.

Quentin Tarantino ist so wie eine Kartoffel - nur anders.

MJ-Pat
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Strubi : : Hexenmeister
10.07.2016 21:11 Uhr
0
Dabei seit: 30.08.10 | Posts: 3.249 | Reviews: 2 | Hüte: 50

@Kaishaku-Nin
Gut auf den Punkt gebracht, dafür nen Hut wink.

Mir geht das Braveheart immer ähnlich. Wenn Wallace, nachdem seine Frau ermordet wurde, zum Angriff schlägt und da mit voller Gewalt und Intensität vorgeht, dann spüre ich selbst am TV eine innere Genugtuungembarassedtongue-out. Auch dein "gleich zum Schwert greifen"-Satz passt gut zu mir in diesem Fallwink.

MJ-Pat
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Strubi : : Hexenmeister
10.07.2016 21:05 Uhr
0
Dabei seit: 30.08.10 | Posts: 3.249 | Reviews: 2 | Hüte: 50

Die Kritik ist grundsätzlich ganz gut geschrieben, auch wenn ich inhaltlich größtenteils nicht damit übereinstimme.

Es stimmt, dass es im Grunde eine Rache-Geschichte in historischer Verpackung ist. Aber ist nicht der von dir angesprochene Gladiator letztendlich genau das Gleiche? Gemeinsam haben beide Filmen auch, dass ihre Hauptfiguren etwas sehr idealisiert dargestellt sind. Bei Gladiator ist es der große Feldheer, der von allen geliebt wird und deshalb aus Neid vom Kaiser hintergangen wird. Aber er lässt sich nicht unterkriegen, schwört Rache und kämpft sich von ganz unten wieder nach oben. Bei Braveheart ist es eben der (durch die Erziehung seines wohlhabenden Onkels gebildete) Bauernsohn, der eigentlich nur seinen Frieden will, aber dann zum Kampf für die Liebe/Rache und Freiheit "gezwungen" wird.
So runtergebrochen sind beides keine inhaltlichen Meisterwerke.
In beiden Filmen geht es aber neben der Rache auch um Liebe, Freundschaft und Ehre. Und vor allem ist die Umsetzung mMn in beiden Filmen sehr stark.

Braveheart erzeugt keine emotionale Wucht? MMn gibt es nicht viele Filme, die überhaupt eine solche emotionale Wucht erzeugen, wie Braveheartwink. Zummindest bei mir persönlich ist das so.
Der Tod seiner Frau, der darauffolgende (Rache-)Angriff, der Kampf für die Freiheit, die abschließende Folter und Tod... es gibt für mich so viele Szenen, die, gerade in Verbindung mit der genialen Musik, bei mir Emotionen erzeugen. Natürlich ist das manchmal sehr einseitig, sehr "schwarz-weiß-lastig" inszeniert. Aber ist das immer schlimm? Hier empfinde ich das definitiv nicht so, auch wenn man vllt ab und zu wenigstens mal hätte andeuten können, dass nicht alle Engländer Drecksschweine sindwink.

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jerichocane : : Advocatus Diaboli
10.07.2016 20:43 Uhr
0
Dabei seit: 08.08.09 | Posts: 6.340 | Reviews: 22 | Hüte: 286

Also ich kann deine Kritik überhaupt nicht nachvollziehen, aber gut Geschmäcker sind unterschiedlich.

Aber dein Vergleich mit HdR passt doch überhaupt nicht, da der Film ein ganz anderes Genre ist und du schreibst so als ob Braveheart zum gleichen Genre wie HdR gehört, dem ist aber nicht so, das eine ist ein Historienfilm und das andere ist Fantasy.

Vorallem was das Thema Pathos und Schwarz und Weiss an geht triefen Troja und gerade Gladiator viel mehr danach.

Für mich zählt Braveheart zu den besten Historienepen der Filmgeschichte.

Aber wie schon meine Vorredner sagten, Geschmäcker sind unterschiedlich

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