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Collateral

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Collateral Kritik

Collateral Kritik

Collateral Kritik
0 Kommentare - 12.09.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Collateral" ist.

Bewertung: 4 / 5

Der Träumer Max (Jamie Foxx) arbeitet als Taxifahrer und hofft eines Tages einen eigenen Limousinenservice eröffnen zu können. Auf einer seiner nächtlichen Fahrten trifft er auf den Geschäftsmann Vincent (Tom Cruise), der ihm 600 Dollar anbietet, wenn er ihn über die Nacht zu fünf Terminen chauffiert. Kurz darauf entpuppt sich der lukrative Handel als Albtraum für Max, denn während dieser fünf Reisestopps, kommt es schnell zur Gewalt durch Vincent an den „Verhandlungspartnern“. Unterdessen nehmen die Polizisten Fanning (Mark Ruffalo) und Weidner (Peter Berg) die Spuren eines Mordes auf.

Böse Zungen würden behaupten, daß Michael Mann zu den Regisseuren gehört, deren Schaffen immer so ein wenig Style over Substance beinhaltet. So könnte man Heat (1995) als den ewigen Teaser betrachten, Ali (2001) als den einen weiteren Boxerfilm und Collateral als ganz simple Geschichte. Da kommt ein wildfremder Mann in ein Taxi, möchte zu fünf verschiedenen Person chauffiert werden und diese dann töten. Ganz einfach und auch ein wenig albern. Da lassen sich erste Risse in einer ohnehin nicht sonderlich reizenden Geschichte erahnen. Warum lässt man sich also darauf ein, mit einem solchen Mann mitzufahren, besser gesagt, ihn zu fahren. Hier wird dann ein Taxifahrer etabliert, der noch große Träume hat, diese aber nur durch das Kapital leben kann. Dann kommt es dazu, daß man öfter kontrolliert wird, weil auch die Behörden nun langsam erahnen, daß irgendetwas faul sein muss. Und natürlich wird man dabei nicht erwischt, oder der Zufall eines plötzlichen Einsatzes rettet über diese Misere hinweg. Warum fährt Cruises Vincent nicht selber einen Wagen und bringt die Leute in Ruhe um. Warum in einer Nacht. Eben der Zufall, der sich dennoch ganz klar mit dem Realismus, den Michael Mann sonst so in seinen Filmen an den Tag legt, beißt. Und in diesem Fall könnte man, wenn man dem Film etwas Böses wollte, ganz klar auch auf diesen kleinen Logiklöchern oder Ungereimtheiten beharren.

Auf der anderen Seite ist es aber auch dieser Minimalismus, der Mann in diesem Werk durchaus zuzurechnen ist. Ein Zufall oder Zustand bringt zwei Charaktere zueinander, die eigentlich zwei Seiten der gleichen Münze darstellen. Darauß entsteht ein sehr dialoglastiges Werk, daß seinen Reiz eben darauß zieht, daß Charaktere reden. Das gehört ebenfalls zu den Stärken von Mann, wenngleich es nirgendwo so effektiv scheint, wie in Collateral. Denn der große Pluspunkt hier ist ganz einfach, daß Mann hier Figuren aufeinandertreffen lässt, die so interessant sind. Sie haben ganz eigene Werte und Moralvorstellungen, die sie auch in eher unmenschliche Kreise bringen würden, doch irgendwie kann man gerade den Auftragsmörder Vincent doch nicht für all das hassen, was er tut. Man wird dem im Kern vermutlich niemals zustimmen, wenn er darüber redet, wie einfach es ihm gelingt, Menschen zu ermorden. Und dennoch liegt gerade in diesen philosophisch anmutenden Gesprächen der Beiden, die mit größte Faszination. Das wiederum verwundert auch so ein wenig, weil der Film ja als Actionfilm sehr Actionarm ist und zumeist einfach nicht wirklich etwas passiert. Das wird dann gleichsam von der Musik von James Newton Howard untermalt. Selten erlebt man Klänge, die wirklich im Gedächtnis bleiben oder eine klare Definition hervorrufen können. Bei Howard ist es die Qual, die mit der Nacht eingefangen wird. Da liegt etwas im Sterben, man hört es, erahnt es und es fühlt sich an, wie wenn ein großer Kontrast das Sein überfordert. Natürlich ist es auch ein wenig albern, Kunst mit Metaphern zu erläutern, weil man es dann auch lassen kann. Doch diese Endlosigkeit und Ziellosigkeit in dieser Stadt transportiert diese Musik deutlich.

Für Mann steht hier auf der Heldenseite ein Charakter, der eigentlich im heutigen Hollywood nichts mehr zu suchen hat und ebenfalls starke Parallelen zum New Hollywood und damit zum neuen koreanischen Film aufweist. Max Durocher ist eine Figur, die versucht den amerikanischen Traum zu leben. Er hat eine Mutter im Krankenhaus, um die er sich ebenfalls kümmern muss. Seit zwölf Jahren versucht er ein Geschäft aufzubauen, daß ihm aber einfach nicht gelingen will. Natürlich ist das der amerikanische Traum, zumindest von der Schattenseite. Doch ideologisch verbrennt sich Michael Mann für einen Bruchteil der Sekunde gar die Finger daran. Denn wenn man im Film denkt, dann stehen Antagonist und Protagonist gegenüber. Wenn man in diesem Film denkt, dann sind es vor allem das System, daß hier vage als Antagonist fungiert und dieser Max Durocher als Held. Das Problem, was hier gezeigt wird, ist aber, daß nicht konsequent genug gegen das kaputte System agiert wird. Denn da wird eine andere Form von amerikanischem Traum eben aufgemacht, indem das Individuum erstmal zum Erfolg hinarbeiten, oder Mut beweisen muss. Das kreidet der Film auch an und entlarvt so ein wenig den Helden der Arbeiterklasse. Dabei wird der Film aber hochkomplex, weil auch äußere Umstände oder zu Teilen auch fehlende Erklärung als Begründung für das Nichthandeln in den Raum wirft. Das sind Gegensätze und dennoch ist das auch wahr, weil es den Menschen gut beschreibt. Denn einfach ist der Mensch sicherlich nicht.

Tom Cruise hingegen spielt die Antithese seiner eigenen Karriere. Einen waschechten Auftragsmörder, der nur daran interessiert ist, Geld zu bekommen. Viel erfährt man zudem nicht über diese Figur, das baut aber auch gute Spannung auf, die der Film bis zum Schluß behalten kann. Gleichsam ist die Überspychologiserung von Charakteren auch nichts, was zwingend immer notwendig wäre. Show dont tell, was das nächste Paradoxon in Collateral ausmacht, weil der Film tatsächlich viel über Dialoge funktioniert. Doch dadurch wirken die Actionsequenzen erst so richtig. Gerade wenn Cruise eine Straßenbande bekämpft, ist das schon ziemlich beeindruckend und macht große Freude. Dennoch sind diese Actionsequenzen sparsam eingesetzt. Und die Spannung resultiert auch daraus, daß man eine Eskalation der gesamten Situation der beiden Hauptfiguren erahnen kann. Vermutlich weiß jeder, daß es dazu kommen muss. Doch wie und in welcher Form und Drastik, daß überlässt der Film keinem Zufall. Und das macht Spaß, weil es so einfach ist und dennoch effektiv. Neben Cruise und Foxx, sind aber auch die Nebencharaktere großartig. Mark Rufallo gibt hier zwar einen stereotyp verbissenen Polizisten, doch das kauft man ihm ab. Er lebt für diesen Job und ist ähnlich authentisch und nahbar, wie er es in Spotlight (2015) war. Auch Jarvier Bardem in einigen Szenen, sowie Jada Pinkett Smith bleiben sofort im Gedächtnis, was für die Qualität der Schauspieler, aber auch für die der Inszenierung spricht.

Los Angeles als Ort zu dekonstruieren, ist etwas, was Hollywood gerne in Angriff nimmt. Der Name und der Status dieser Ortschaft geben es ja gerne hier und in diesen Momenten gelingt es Mann auch sehr gut, die Verlogenheit der Stadt der Engel einzufangen, weil die Atmosphäre hier so düster ist. Dann wiederum stellt der Film eine ganz spannende Frage, die aus dem Verhältnis zwischen Kapital und Mensch, beziehungsweise Vincent und seinen Opfern resultiert. Denn wenn man in einer pervertierten Form von Kapitalismus steckt, dann sind Menschen nur noch Material und das Kapital ist so eine Art von Befriedigungserlös. Das lässt sich austauschen und durch anderes ersetzen, aber der Kern dürfte gleich bleiben. Wenn man dann in einem so eher untypischen Metier wie dem des Auftragsmordes steckt, dann ist natürlich wichtig und fraglich, inwieweit man sich mit den Zielen, also Individuen auseinandersetzt. Denn Mord ist kein herkömmliches Geschäft, zumindest nicht direkt. Und genau hier wird dieser Film dann moralisch wieder so spannend, weil er zeigt, wie dieser Vince seine Opfer entmenschlicht und einfach so handelt, wie er eben handelt. Das führt zu großartigen Dialogen, die mit zum Höhepunkt des gesamten Filmes gehören.

Minimalistisch und manchmal zu banal, lenkt Michael Mann in Collateral trotzdem einen sicheren Wagen, der sein Ziel erreicht. Schauspielerisch bedeutet das, gerade von Seiten von Cruise eine der spannendsten Figuren in seiner Vita, während der Film auf inszenatorischer Ebene einfach brillant ist, weil er sich so echt und dennoch melancholisch düster anfühlt. Da werden zwar nicht unbedingt zwei verschiedene Welten gegeneinander ausgespielt, dennoch aber welche, die sich nicht immer ähneln, obwohl sie es könnten. Gleichsam ist auch der Supporting-Cast großartig, während das Werk insgesamt mehr als in seinen eigenen Momenten verweilt.

Collateral Bewertung
Bewertung des Films
810

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