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Das Dschungelbuch

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Das Dschungelbuch Kritik

Das Dschungelbuch Kritik

Das Dschungelbuch Kritik
0 Kommentare - 03.03.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Das Dschungelbuch" ist.

Bewertung: 4 / 5

Das Findelkind Mogli (Bruce Reitherman) wird im Dschungel von einem Rudel Wölfe aufgezogen. Doch eines Tages kehrt der böse Tiger Shir Khan (George Sanders) in den Teil des Dschungels zurück, in dem der Junge lebt. Er hasst Menschen und hat es auf das Kind abgesehen. Der freundliche Panther Baghira (Sebastian Cabot) nimmt Mogli mit sich, um Schutz für ihn in einer Menschensiedlung zu suchen. Auf ihrem Weg treffen sie den gemütlichen Bären Balu (Phil Harris), von dem Mogli sofort fasziniert ist.

Triggerwarnungen sind heute sehr beliebt. Besonders bei heiklen Werken, die die Filmkunst, insbesondere Disney als Firma hervorgebracht haben, wird man nun ständig daran erinnert, daß in der Vergangenheit eine falsche Moral propagiert wurde. Mal ist das angebracht und vielleicht auch einfach nicht in Ordnung, wie etwa im Falle von Susi und Strolch (1955) oder Aristocats (1970), mal ist es jedoch völliger Blödsinn wie etwa im Fall von Das Dschungelbuch. Das Dschungelbuch wird seit geraumer Zeit dafür kritisiert, daß Tiere hier Menschen darstellen und insbesondere betroffen von dieser Kritik sind die Affen um King Louie, der nach Aussagen vieler – man muss es wirklich so sagen – antiintellektueller eben einen Afroamerikaner darstellt, der noch dazu den anderen gut konnotierten Tieren im Film weit unterlegen ist. Oder besser gesagt nur wilde Phantasien von Waffen hat, mit denen er Macht ausüben kann. Nun ist diese These um Louie als dunkelhäutigem Menschen auf so ziemlich allen Ebenen dermaßen schwachsinnig, daß es fast schon keinen Spaß mehr macht, diese aufzudröseln. Allein der Gedanke in Louie einen dunkelhäutigen Menschen zu sehen, funktioniert ja nur dann, wenn man selber irgendwelche abartigen Vorurteile hat. Und insofern ist das Thema schon gar nicht mehr der Rede wert. Dann wiederum muss man sich dann auch fragen, wenn es hier in Teilen um Rassenkonflikte gehen sollte, wer repräsentiert dann die hellhäutigen Menschen und anhand welcher Parameter kann das bestimmt werden? Nein, genug dieser Diskussion.

Leidlich ist das natürlich schon. So aus einer analytischen Sicht heraus, weil Das Dschungelbuch ansonsten fast kaum etwas hergibt, worüber man genau reden könnte. Es ist mit Sicherheit ein üblicher Disney-Film der 1960er, der auch so ein wenig die Handschrift von Regisseur Wolfgang Reitherman erkennen lässt. Denn dieses Werk bedient sich mitunter stark an Die Hexe und der Zauberer (1963) und zeichnet das pädagogische Entdecken von eigentlichen Banalitäten aus. Der Dschungel ist gefährlich, daß ist die Erkenntnis, die hinter diesem Werk steckt. Gleichermaßen ist es aber auch aufregend und zeichnet pluralistische Lebenswelten, die mal mehr, mal weniger gefährlich daherkommen. Da ist eben die Pädagogik, die gruselige Eltern ihren Kindern mehr als deutlich mit auf den Weg geben. Steig bloß nicht ins Auto des netten Mannes mit den Süßigkeiten! Dieser ist hier in Form von Kaa zu erkennen. Viel spannender als das jedoch sind hier die Elefanten, die so eindeutig das „Krieg-spielen“ für sich entdeckt haben. Nun adaptiert der kleine Elefant Junior diese Ideologie und möchte mit Papa mitmarschieren, weil es ja lustig ist, Krieg zu spielen. Die Elefanten sind aber grundsätzlich hochinteressant, weil Papa-Elefant natürlich eine klare hierarchische Ordnung hat, die aber ständig von einer alles überblickenden und kritisierenden Frau unterbrochen wird. Hier kann man schon feministische Züge erkennen. Eigener Wille und die Kontrolle über den ach so starken Mann.

Interessant ist zudem, wie Krieg oder die Vorbereitung auf den Krieg – denn für was anderes ist eine Armee eben nicht zuständig – hier infantilisiert wird. Und da könnte man jetzt natürlich herangehen und sagen, daß man hier Kinder instrumentalisiert und propagandistisch indoktriniert, um Freude an Gewalt und der Arbeit im Dienste des Landes zu wecken. Doch Das Dschungelbuch ist eben nicht Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel (1986) und Reitherman stellt hier viel eher heraus, wie albern Krieg eigentlich ist und auch der Gedanke darin etwas Heroisches zu suchen, eher albern wirkt. Da muss man sagen, war der Film seiner Zeit deutlich voraus. Aus heutiger, post-heroischer Sicht, ist das natürlich klar. Aber für die späten 1960er schon irgendwo erstaunlich. Die Frage bleibt natürlich, warum Shir Khan als Figur dermaßen bedrohlich wirkt, während ein Panther, ein Bär und eine Horde von Elefanten eigentlich deutlich überlegen sein könnten und auch schon im Einzelnen eine Bedrohung für den Tiger darstellen sollten. Doch diesen kleinen Fehler kann man schon verziehen, immerhin handelt es sich hierbei natürlich auch um eine Metapher und so gesehen ist es natürlich ebenso klar, daß das Bedrohungsszenario von den Machern aufrechterhalten werden muss.

Wenn man ganz fies ist, dann sieht man in einigen Figuren auch eine Parodie auf die Hippie-Bewegung der 1960er Jahre. So etwa in einem Elefanten, der ständig auf Kraut herumkaut und seltsame Augen hat. Dann wiederum könnte man Balu ja eigentlich auch als Hippie begreifen, dessen Lebensphilosophie aber ehrlich gesagt auch neoliberale Züge widerspiegelt. Er lebt in den Tag hinein, geht keiner wirklichen Tätigkeit nach und soll hier lernen, Verantwortung zu übernehmen, weil er eben Kurzzeitig als Papa agiert. Nun funktioniert das für Balu aber nicht und im Verlauf des Films wird deutlich, daß Balu sich eben nicht wandeln kann. Denn eine wirkliche Entwicklung macht die Figur glücklicherweise auch nicht zum besseren. Man könnte auch generell mal die Frage in den Raum werfen, ob Balu nicht sogar schwul oder mindestens Bi-Sexuell ist. Denn immerhin fühlt er sich großartig, wenn er mit Männern tanzt und macht auch hin und wieder mal einige Bemerkungen, wie es wäre, wenn Baghira und er denn ein Kind hätten und so weiter und so fort. Zum Ende hin verkleidet er sich noch als Affe und tanzt mit männlichen Affen. Wobei das Anziehen von weiblichen Kleidungsstücken ja erst mal nichts mit der Sexualität zu tun hat. Aber dennoch, genug Spielraum für Balu als queeren Charakter gibt es hier dennoch.

Richtig verzwickt ist Das Dschungelbuch nicht. Dennoch ist es einer der interessantesten Disney-Filme überhaupt, der auch insgesamt einen sehr eigenen und gekonnten Charme verzeichnet. Die Ideen dahinter sind gut und durchaus auch anders interpretierbar, wofür man danken kann, wenn eben nicht alles klar auf dem Tisch liegt und durch definiert wurde.

Das Dschungelbuch Bewertung
Bewertung des Films
810

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