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Der rosarote Panther

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Der rosarote Panther Kritik

Der rosarote Panther Kritik

Der rosarote Panther Kritik
0 Kommentare - 01.03.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Der rosarote Panther" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Der sagenumwobene rosarote Panther ist ein großer Diamant mit rosarotem Schimmer. In einem italienischen Wintersportressort wird der Stein vom englischen Meisterdieb Charles Lytton (David Niven) geklaut. Währenddessen ist auch der trottelige Inspektor Jaques Clouseau (Peter Sellers) vor Ort und setzt alles daran, den Dieb zu fassen. Dieser versteht es aber Clouseau immer wieder abzuhängen.

In seinem quasi Kammerspiel Der rosarote Panther lässt Regisseur Blake Edwards die pure Inkompetenz und klassischen Slapstick aufeinandertreffen. Da geht es um ein einfaches Katz-und-Maus-Spiel, nach welchem vor allem der verantwortliche Polizist Jaques Clouseau den Kürzeren zieht. Es ist kein besonders komplexer Film, der sich da offenbart, wenngleich Edwards natürlich einen solchen inszenieren wollte, besser gesagt einen sehr wirren Film, der dem Zuschauer aber zu jeder Zeit zugänglich ist. Es gibt da einen schmalen Grat, auf dem sich der Film bewegt. Es ist natürlich auch alles andere als realistisch, daß zum Beispiel ein Inspektor Clouseau plötzlich mit einem Diamanten im Gefängnis landet. Ja, so richtig intelligent ist das nicht. Doch das muss es gar nicht sein, denn in seinem Kern stellt dieser Film einfach klassischen Klamauk dar. Was Leslie Nielsen für die späten 1980er mit Die nackte Kanone (1988) war, war Peter Sellers in den 1960ern. In dieser Art von Schauspiel steckt große Kunst, weil es immer um eine gewisse Physis geht. Es reicht nicht, wenn etwa ein Clouseau einfach durch einen Raum läuft und eine gewisse Form von Ehrbarkeit und Männlichkeit ausstrahlt, nein. Im Prinzip funktioniert das hier als groß angelegte Parodie auf das Männlichkeitsideal, im Übrigen ein Ideal, was heute noch zu weiten Teilen genauso besteht. Und da wirkt ein Clouseau mit gnadenloser Selbstüberschätzung und dann wiederum mit absoluter Inkompetenz, wie die beste Mischung, die man sich zu jenem Zeitpunkt vorstellen kann.

Eigentlich ist das aufregend und atemberaubend, weil die Prämisse, die Edwards seinen Figuren gibt und auch das allgemeine Setting wenig hergeben. Schließlich spielt sich der gesamte Film etwa zu siebzig Prozent in einem Raum ab. Und dann laufen da allerlei Gestalten hin und her. Eine Frau, die gleichsam eine zweifache Affäre lebt, ist natürlich die Frau des Inspektors. Und dahingehend ist es natürlich ebenso spannend, daß er nichts davon mitbekommt. Sicherlich strapaziert, da Edwards die Nerven heutiger Zuschauer nicht wirklich. Allerdings muss man diese Übersexualisierung, die ja durchaus zwischen den Zeilen immer wieder mitschwingt, oder gar auch ausgelebt wird, durchaus hoch loben. Gerade in den Staaten dürfte das auch im Hinblick auf eine Komödie deutliche Zeichen gesetzt haben. Wenngleich Edwards natürlich nie so Radikal wie ein Billy Wilder mit Filmen wie Manche mögen’s heiß (1958) oder auch Eins, Zwei, Drei (1961), so ist sein Werk hier deutlich erkennbar, mit deutlicher Handschrift und einem interessanten Blick auf Kunst. Und damit ist vor allem dann die Art von Kunst gemeint, die auch bis heute zu Teilen gerne verlacht wird. Es geht hier um Cartoons. Ähnlich wie einige Jahre später in Das große Rennen rund um die Welt (1965) versteht sich der Film letzten Endes als bloße Hommage und als Huldigung an die Übertreibung. Hier findet sich das vor allem in den Zufällen wieder und in der Tatsache, daß Clouseau neben seiner Inkompetenz auch wie ein absichtlicher Pechvogel wirkt. Er hat eigentlich alle Teile für das Puzzle vor seinen Augen, doch bringt es nicht zusammen. Und da grätscht der Film auch voll in eine Meta-Ebene, weil der Zuschauer um den Umstand weiß, daß das hier alles doch sehr, sehr zufällig ist. Doch auf der anderen Seite ist das bereits ironisch aufgearbeitet und somit einfach unterhaltsam.

Komödien gehörten in den 1950er und 1960er Jahren vermutlich zu dem radikalsten, was man im Hollywood-Mainstream-Kino bringen konnte. Da wurden dann plötzlich systemische Fragen, oder auch die eigene Sexualität ironisch kommentiert. Natürlich so, daß man es nicht als starken Bruch mit den Werten und Normen der damaligen Gesellschaft verstehen würde. Aber insgesamt kann man sagen, daß das, was sich einige Filmemacher da erlaubt haben, durchaus wegweisend war. Im Falle von Der rosarote Panther sind es eben Themen, wie etwa die Männlichkeit, an der geschraubt wird, eine polygam lebende junge Frau, die eigentlich drei Männer an der Nase herumführt. Und das eben zugunsten des eigenen Vergnügens. Natürlich traut man ja gerade auch Frauen, ebenso heute noch, nicht zwingend zu, daß sie auch so etwas wie ein sexuelles Verlangen nach mehreren Männern haben. Und das ist damit fast schon wieder traurig, weil man im Laufe der Zeit wohl nicht viel dazu gelernt hat. Natürlich funktioniert das gesamte Treiben eben auch deshalb, weil der Film eine Vielfalt an Charakteren präsentiert. Den trotteligen Polizisten, das gewiefte Schlitzohr, die Frau mit Geheimnissen, den nacheifernden jungen Mann und so weiter und so fort. Es fällt sehr schwer, nicht auf diese Kombination abzufahren, weil es diese Art von eintönigem, aber elegantem und damit sich ausgleichenden Figuren so auch nicht mehr gibt. Schaut man in moderne Blockbuster, ist alles ironisch und damit ein Comicrelief.

Und sowas erkennt man dann vor allem an gewissen Szenen. Eben an der grandiosen Szene, die sich im Zimmer von Clouseau und seiner Frau abspielt. Allein, wie Edwards es hier schafft etwa zwanzig bis dreißig Minuten nur aus dieser Szene zu nähren, ist atemberaubend. Dann wiederum gibt es aber auch weitere Merkmale, die daß Werk so berauschend machen. So etwa einen Heist, indem sich zwei Männer als Gorilla verkleiden und einen Tresor öffnen wollen. Natürlich ist das alles albern und dennoch täte man falsch daran, wenn man das als bloße Infantilität abtäte. Klar, man könnte auch hier sehr schnell systemisch vorgehen und sich fragen, warum etwa die High-Society sich da gegenseitig bestiehlt. Und weiter noch, die Arbeiterklasse darunter leiden lässt. Das ist ein bitterböses Ende, vielleicht sogar mit neoliberalem Gedankengut, nach welchem man eben clever sein muss, um in dieser Welt zu überleben. Auf der anderen Seite zahlt sich grenzenlose Inkompetenz am Ende des Tages wohl auch einfach nicht aus.

Skurril, auch nach Jahrzehnten seines Erscheinens ist ein Werk, daß seinesgleichen sucht. Natürlich inhaltlich etwas banal, doch der Film zeichnet sich durch eine seltsame Mischung aus Realität und Cartoon aus und kann mit einem äußerst charmanten Cast punkten, der sich perfekt in der Verkörperung jeweiliger Klischees ergänzt.

Der rosarote Panther Bewertung
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