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Eyes Wide Shut

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Eyes Wide Shut Kritik

Eyes Wide Shut Kritik

Eyes Wide Shut Kritik
2 Kommentare - 12.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Eyes Wide Shut" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Dr. William (Tom Cruise) und Alice Harford (Nicole Kidman) sind Mitglieder einer erlesenen Gemeinschaft in Manhattan. Auf einem Ball drängt Sandor Szwavost (Sky du Mont) Alice dazu, ihm in den ersten Stock zu folgen. Alice entzieht sich dem Charmeur und denkt danach immer wieder über das Thema Treue nach. Als William bei einem Ball ein seltsames Erlebnis mit einer Frau unter Drogen hat, erfährt er bald darauf von einem geheimnisvollen Ort, an dem ausschweifende Orgien und Feiern stattfinden.

Ein gespaltenes Werk, welches sicherlich das kontroverseste und vielleicht unbeliebteste Stück Film in der Vita von Kubrick darstellt. Ein Film, der polarisiert und dessen Irrungen und Wirrungen vermutlich nie so richtig enträtselt werden können. Eyes Wide Shut ist Kubricks letzter Film und gleichsam wohl auch sein mit Abstand komplexester. Ob man das hören mag oder auch nicht, aber gänzlich zugänglich scheint es nicht für jeden zu sein. Das ist an sich auch kein Problem, wenn man eben dahinter etwas zu sagen hat und nicht einfach nur verschachtelt erzählt und Versatzstücke streut, um eben dies zu tun. Nein, viele Themen werden hier angeschnitten, die Einsamkeit der Großstadt, die Dekonstruktion von Beziehungen, die Bedeutung von Romantik im Kontrast zum Körper. Die Nacktheit ebenso. Okkulte Vereinigungen, die eine höhere Macht darstellen und alles in allem ist das mächtig viel, was Kubrick da auf den Zuschauer zulässt. In seiner Qualität schwankend, gerade dann, wenn sich die Geschichte von Moment zu Moment stiehlt, in der Sexbesessenheit, aber auch die Liebe einander den Rang ablaufen. Nicht immer passt hier alles zusammen, oder eben doch und man hat es nur nicht verstanden. Aber eine Altherrenphantasie ist dieser Film sicherlich nur ganz, ganz marginal.

Es ist schon ein wenig ironisch, daß gerade Tom Cruise hier die Hauptrolle verkörpert. Normalerweise sind Werk und Künstler ja strikt zu trennen, wenngleich das nie funktioniert. Doch hier muss man sagen ist die Besetzung Cruises, für einen Mann, der sich in einer undurchsichtigen Vereinigung verliert und eine Ehe mit Nicole Kidman führt eigentlich ein reiner Meta-Gag. Ja, um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Scientology. Nein, Eyes Wide Shut könnte sicherlich als Idee für eine Verschwörungstheorie herhalten, würde Kubrick nicht immer mal wieder einwerfen, daß es sich hier auch um einen Fiebertraum seiner Hauptfiguren handeln könnte. Und logisch wäre das auch wiederum, schließlich findet sich relativ zu Beginn auch der ein oder andere Drogenausflug wieder. Man kann sagen, daß Kubrick hier wohl am ehesten ein Gesellschaftsbild einer bestimmten, höheren Klasse porträtiert, die so ein wenig Kontrolle über das Leben haben. Das erinnert nicht zuletzt auch ein wenig an Die Firma (1993) in dem – Überraschung – Cruise die Hauptrolle verkörperte und Sydney Pollack inszenierte. Pollack spielt hier auch eine ebenso nicht unwesentliche Rolle. Der deutliche Unterschied liegt aber hier schon in der Art der Inszenierung. Denn während Pollacks Film ein realer Albtraum ist, ist Kubricks Film eher ein irrealer Fiebertraum, der sich durch seine bewusst konfuse Inszenierung auch ein wenig von der Realität entfernt.

Natürlich kann man etliche Interpretationen anstellen. Von der Flucht aus dem gutbürgerlichen Leben, die angesprochenen Verschwörungsmythen und die Bedeutung von Sexualität, die eben auch als Sucht und damit als Abhängigkeit und damit wiederum in Form von Entzugssymptomen auftreten könnte. Ob sich Kubrick aber weit von dem entfernt hat, wo er sein Schaffen verrichtete, kann ebenso in Zweifel gestellt werden. Tatsächlich funktionierte Eyes Wide Shut denn auch als Allegorie auf Hollywood. Drogen, Sex, Tod und Machtstrukturen. Es ist ein offenes Geheimnis und Kubrick wäre nicht der erste und letzte Regisseur, der auf diese Art und Weise eine Art Eigentherapie betreibt. Nicht zuletzt tat es Damien Chazelle in Babylon – Rausch der Ekstase (2022). Doch es ist eben nicht einfach nur ein Thema, daß den Film umtreibt, weswegen eine klare Deutung des Werks schier unmöglich erscheint. Da steckt natürlich eine ganz eigenartige Körperlichkeit drin. Ein Erotik-Thriller, dessen Bilder natürlich berauschen sollen. Es ist ein Drogentrip, nicht nur zwischen den Zeilen und im Verhalten der Figuren, sondern auch dadurch, daß man eben Cruise und Kidman in die Hauptrollen packt. Ob Cruise nun zu den Sexsymbolen schlecht hin gehörte, oder auch Kidman darunter zu finden war, ist nicht ganz klar. Ist ja immer subjektiv. Auf der anderen Seite passen sie natürlich zusammen, weil sie eben in jenen Tagen auch ein Paar bildeten. Und so vermischt Kubrick eine weitere Ebene im Film. Nicht nur Symbolismus und der surreale Touch, den sein Film ohnehin hat, sondern auch die tatsächliche Realität wird hier noch mit eingemischt. Nicht umsonst sprach man zu jener Zeit noch eher von Filmstars – also wahrscheinlich eher den Schauspielern, als ihren Figuren – als man es vermutlich heute tut.

Unterdessen zeichnet Kubrick noch das Bild der Endlichkeit. Natürlich schwer in einem Medium, daß konserviert. Doch in kleinen Einschüben sieht man auch, was eventuell, gerade im Vergleich mit diesen sonst so makellosen Körpern, mit diesen perfekten Menschen passierten könnte. Und da kommt dann auch wieder ein unglaublich moderner Anstrich an Eyes Wide Shut heran. Schließlich wird man ja durch modernere Medien mit Bildern und Menschen überflutet, die vermeintlich perfekt sind. Gerade Influencer machen ja ihren Reibach damit, sich zu schminken und ihr geschminktes Gesicht, mitsamt Produkt in die Kamera zu halten. Nun wäre es wohl falsch, diese Menschen gänzlich als Produkt anzuerkennen, die von ihren Sehnsüchten getrieben werden. Dafür ist der Film auch was das angeht zu wenig fokussiert. Auf der anderen Seite werden Hollywoodstars ja auch gerne mal als makellos empfunden. Da wären sie wieder, die Ideale. Und während sich William Harford auf die Reise begibt und seinem Eskapismus hingibt, bleibt natürlich das gewöhnliche, fast schon banale Familienleben, mitsamt Frau und Kind auf der Strecke. Kubrick wirft in den Raum, daß es da durchaus Probleme gibt. Ob es mehr geben soll und was eigentlich die Situation entzerren könnte, darauf weiß er keine nahbare Antwort. Doch er zeichnet die Menschen dieser Epoche als relativ ziel- und planlos. Was eben auch eher vorausdeutend, als wirklich akut zum Ende der 1990er Jahre war. Insofern ist der Film da wieder aktuell, bedenke man die Möglichkeiten und die Tatsache, daß zum Beispiel fast jeder Dritte sein erstes Studium abbricht.

Fast rein allegorisch ist Eyes Wide Shut ein Film über das Leben und die Flucht aus der Gewöhnlichkeit. Sehr viele Seitenhiebe, die mitunter durch die konfuse Erzählung nicht immer gänzlich zur Geltung kommt, werden hier verteilt. Und dennoch macht das eine riesige Freude und zählt wohl zu den komplexesten und undurchdringlichsten Filmen der Geschichte.

Eyes Wide Shut Bewertung
Bewertung des Films
910

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2 Kommentare
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ProfessorX : : Moviejones-Fan
13.02.2024 17:54 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 922 | Reviews: 917 | Hüte: 40

@TiiN

Für mich ist das tatsächlich bei weitem besser als zum Beispiel Full Metal Jacket, den ich nach wie vor nur als "gut" empfinde - 7/10 Punkten. Der hier ist genau das, was ein Film sein sollte. Absurd, teifsinnig und jedem Fall überraschend und eben nicht gänzlich erklärbar. Wir neigen ja dazu alles zu wissen und alles, was wir nicht erklären können, verachten wir. So ist es bei Eyes Wide Shut in meinen Augen.

Consider that a divorce!

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TiiN : : Goldkerlchen 2019
12.02.2024 22:37 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 8.890 | Reviews: 172 | Hüte: 583

Du hast es eingangs schon angedeutet. Für meinen Geschmack bekommt Eyes Wide Shut leider nicht die Anerkennung wie frühere Kubrick-Werke. Wobei man sagen muss, dass der Film im laufe der letzten zwei Jahrzehnte in der Gunst der Zuschauer durchaus gestiegen ist.

Ich erinner mich gut, als ich damals als Teenager ganz unwissend zuhause die Videokassette gefunden habe und sie ahnungslos abgespielt habe. Der Film hat mich total gefesselt! Eine so starke Eindringlichkeit habe ich von Kubrick in keinem anderen Film erlebt.


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