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Inception

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Ein traumhaft durchschaubarer Film

Inception Kritik

Inception Kritik
1 Kommentar - 26.08.2010 von Tim
In dieser Userkritik verrät euch Tim, wie gut "Inception" ist.

Bewertung: 4.5 / 5

Viel hörte man im Vorfeld zu Inception und besonders auch danach, wie grandios dieser Film sei, eine wahre Bewusstseinserweiterung, so vielschichtig und komplex in seiner Struktur, dass man danach sogar viel mehr seines Gehirns benutzt. Naja, entsprechend hoch waren die Erwartungen und ich wurde tatsächlich von einem durchweg spannenden Film überrascht, aber in der Gesamtheit scheint auch hier der Wirbel wie bei The Dark Knight größer zu sein, als der Film.

Die Story dürfte jeden soweit bekannt sein, der sich etwas mit dem Film auseinandergesetzt hat. Cobb ist ein Extractor, der in die Träume anderer Menschen einbricht um Ideen zu stehlen. Der letzte Einsatz geht schief und um nicht in die Schusslinie zu geraten, arbeitet er für seine frühere Zielperson. Doch diesmal soll er keine Idee stehlen, sondern eine Inception durchführen, die Implantation einer Idee. Hierfür muss Cobb ein neues Team zusammenstellen und ab da an wird der Film richtig interessant. Weniger durch die Handlung, sondern einfach weil Inception geil besetzt ist. Leonardo DiCaprio liefert als Cobb wie immer eine hervorragende Leistung ab, Ellen Page als Ariadne ist sexy und talentiert wie eh und je, Joseph-Gordon Levitt als Arthur sah ich zum ersten Mal, ruhig und doch souverän. Cillian Murphy als Zielperson war wie immer durchdringend mit seinen Augen und dann gabs da Tom Hardy. Bisher hatte ich ihn noch nie so richtig wahrgenommen. Ich sah Star Trek 10 und BlackHawk Down mit ihm, aber nahm ihn nicht wirklich zur Kenntnis. Hier war das anders, präsent und überzeugend und ich muss sagen, ich freue mich nun richtig ihn als neuen Mad Max zu sehen, die Rolle passt. Aber auch sonst ist Inception super besetzt - Ken Watanabe, Tom Berenger, Marion Cotillard oder der leider viel zu kurz kommende Michael Caine. Auf Schauspielerseite ist Inception ein Genuss.

Aber nicht nur da, denn auch die Story weiß zu gefallen und besonders der über die gesamte Laufzeit von 148 Minuten gehaltene Spannungsbogen. Kein auf die Uhr schauen in der ganzen Zeit und das will was heißen in der heutigen Zeit. Inception punktet wirklich durch eine clevere Storyidee die dank dem üppigen Budget Realität werden konnte. Es kommt heute selten vor, dass eine Idee die nicht auf bekannten Material basiert, so imposant umgesetzt werden darf. Warner ging hier ein großes Risiko ein, welches sich aber durch ihren Goldjungen Christopher Nolan mehr als auszahlte. Eine Besonderheit von Inception ist auch, dass die Effekte die Handlung wunderbar unterstützen, sie sind nicht wie in anderen Filmen reiner Selbstzweck. Auch Vergleiche zu Matrix könnte man ziehen. Der Film arbeitete damals mit zwei Ebenen, Traum und Realität. Man hätte mehr erzeugen können, hätte man Neos Angriff in Matrix 2 auf die Wächterdrohnen als Aufhänger benutzt, er befinde sich noch immer nicht in der Realität, sondern vielmehr war seine Fähigkeit sie zu besiegen der Beweis, man befinde sich nur in einer zweiten Matrix. Inception geht hier einen Schritt weiter und arbeitet mit vier Traumebenen, vielleicht sogar ein paar mehr.

Dennoch bleibt an manchen Stellen von Inception ein fader Beigeschmack nicht aus, ähnlich wie bei The Dark Knight. Man gewinnt den Eindruck, viele wollen aus dem Film mehr machen was er ist. Im Kern ist Inception eine recht einfache Idee, die mit ein paar Zusatzeinfällen und Nebenhandlungen aufgebläht wird. Doch im Grunde ist der Film nicht so komplex wie viele glauben wollen, man kann aber eine Menge reininterpretieren. Aber das ist vielleicht der Fehler und macht aus dem Film mehr als er ist. Wir schachteln uns in den Träumen hinunter und dann wieder hinauf. Dabei lässt sich diskutieren, bei wem denn wirklich eine Inception durchgeführt wird, Murphy oder DiCaprio. Jede Handlung in Inception kann aber ohne weiteres allein betrachtet werden, jedem steht es dabei frei etwas hineinzudenken und das tun auch viele. Ähnlich wie bei The Dark Knight, der einen ähnlichen Wirbel verursachte. Inception hat diesen in meinen Augen aber weit mehr verdient, so überzeugte The Dark Knight in erster Instanz durch eine düstere Handlung mit tollen Schauspielern, aber eben auch Logiklöchern, in die Öltanker passen. Das blenden viele gerne einfach aus und idealisieren Filme dadurch. Zum Teil passiert auch das bei Inception. Eigentlich ist der Film sogar extrem auf den Mainstream zugeschnitten, damit er auch von Otto Normalverbraucher verstanden werden kann. Ich hätte es vielleicht sogar interessanter gefunden, wenn statt dem linearen Weg die Traumlevel hinab, es wirklich Kreisbewegungen gegeben hätte in den Ebenen oder wir uns stärker hin und herbewegt hätten, Träume haben schließlich keine Grenzen. Das macht es auch leichter, vieles in Inception hinzunehmen, was möglicherweise nicht ganz plausibel sein mag. Es sind eben Träume in denen alles möglich ist. Ebenso das Ende wurde extrem Richtung Massenmarkt konzipiert, ich hätte mir hier einen echten Schocker gewünscht, aber da schwächelt Nolan immer ein wenig. Natürlich lässt sich streiten ob es weiter ein Traum ist oder nicht, ob seine Kinder älter sind oder nicht, ob die Kinder die gleiche Kleidung tragen oder nicht. Aber das ist ziemlich offensichtlich konzipiert, fast schon plump. Da ist die Frage schon spannender, ob Cobb jetzt eigentlich derjenige war, der eine Inception brauchte nur um von seiner Frau loslassen zu können und in Wahrheit nie verfolgt wurde, oder wo der erste Traum überhaupt begann. Es ist die Masse an kleinen Handlungen, die alle recht linear sind, aber in denen viele Ideen aufgeworfen wurden, über die man ruhig nachdenken kann und wird. Aber ich würde dies nicht automatisch mit unheimlich komplex gleichsetzen. Ein wenig wie ein Labyrinth/Puzzle bestehend aus vielen linearen Ideen, die zusammengewürfelt etwas konfus erscheinen mögen. Wer Animes kennt, sah streckenweise weit komplexere Sachen oder ein Donny Darko lässt einen noch viel mehr hinterfragen, selbst ein Zurück in die Zukunft bietet in seiner Komplexität nicht weniger als Inception, wenn man gewillt ist vieles zu hinterfragen. Deswegen sollte man aufpassen, aus Inception nicht mehr zu machen als es ist. Am Ende des Tages ist Inception nur ein cleverer Film, man sollte nichts reininterpretieren, was nicht da ist. Es ist wie mit Gedichten von Goethe und Schiller. So mancher Künstler von einst wird lachen, wenn er sieht was in seine Werke für abstruse Ideen reininterpretiert werden, ebenso wird es Nolan ergehen, der sicher vieles mitbekommt.

Diese Kritik ist aber keine Schwäche des Films und kann ihm auch nicht angelastet werden, es ist vielmehr eine an der Gesellschaft, die in manchen Dingen einfach mehr sehen will als da ist und überreagiert. Inception bleibt ein spannender Blockbuster, der endlich einmal nicht das Abschalten des Hirns erlaubt, Action, Spannung und Emotionen bietet und auch nach verlassen des Kinos im Gedächtnis bleibt, der Ideen aufwirft und weiterspinnt, ein Werk das unterhält und begeistert aber dennoch nur ein Film ist. Dennoch hätte ich davon bitte viel mehr, aber eben auch nicht andauernd, auch hier macht es die Mischung. Nolan bleibt nach Inception einer der anspruchsvollsten Regisseure Hollywoods und es wird Zeit, dass dies die Academy bei der Oscarverleihung einmal würdigt, ebenso die Leistung von DiCaprio der letzten Jahre. Es bleibt ebenso spannend, wen wir aus dem Cast zu Inception im finalen Batman Film wiedersehen werden. Hardy und Levitt bieten sich an. Fazit: 9/10 Punkte für Inception, da mir der finale Kick am Ende gefehlt hat und alles zu sehr nach Happy End roch.

Inception Bewertung
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1 Kommentar
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TardisHQ : : Moviejones-Fan
06.09.2010 10:56 Uhr
0
Dabei seit: 09.04.10 | Posts: 259 | Reviews: 1 | Hüte: 14
Sehr schöne Kritik. Einzig der Ausdruck ist stellenweise redundant. Aber sonst top.

Mir hat er Film auch sehr gut gefallen und er hat mich zum Nachdenken angeregt. Allerdings - und das seh ich wie du - wird eine tiefengründige Analyse sicherlich zeigen, dass die originelle Grundidee sehr einfach umgesetzt wurde. Dies tut dem Film keinen Abbruch, sondern deckt vielmehr eine Pseudo-Tiefgründigkeit in der Gesellschaft, genauer in der Interpretation vieler Kinogänger auf.
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