Shin Godzilla

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Eine Kritik von Tim

Shin Godzilla Kritik

Shin Godzilla Kritik
17 Kommentare - 05.08.2017 von Tim
In dieser Userkritik verrät euch Tim wie gut Shin Godzilla wirklich ist.
Shin Godzilla

Bewertung: 3 / 5

Nachdem MD02GEIST schon vor längerer Zeit eine Kritik zu Shin Godzilla abgeliefert hat, wollte ich den Film nun auch endlich mal nachholen. Gestern war es nun soweit und ich war gespannt darauf, wie diese Neuinterpretation der Kultechse werden wird.

Trailer zu Shin Godzilla

Shin Godzilla bricht von Anfang an mit den alten Banden, dies ist nicht der Godzilla den wir kennen sondern ein ganz klassischer Reboot. Entsprechend weiß niemand im Film, was für eine Bedrohung auf sie zukommt. So entspringt dem Meer zu Beginn auch nicht die klassische Riesenechse, sondern ein Ding, welches ein komisches deformiertes Wasserlebewesen ist, welches noch nicht erkennen lässt, wohin die Reise geht. Entsprechend verwirrt sind auch die japanische Regierung und die Bevölkerung, denn womit hat man es hier zu tun? Erst im Laufe der Zeit wird klar, welche Urgewalt Japan und vor allem Tokyo bedroht.

Nach wenigen Minuten wird bei Shin Godzilla klar, endlich sind die Japaner auch in der Gegenwart angekommen. Zwar bin ich ein großer Freund von Modellen und möglichst handgemachten Effekten, aber es gibt Situationen, da bietet sich der Einsatz von CGI einfach an und wenn eine Riesenechse ein Land bedroht und massiver militärischer Einsatz nötig ist, dann ist dieser Moment bekommen. Das Ergebnis sind ein paar wirklich sehenswerte Sequenzen, die auch durch die realistische Darstellung der Handlung noch an Wirkung gewinnen.

Überhaupt haben die Macher versucht die Handlung aus einem Standpunkt heraus zu drehen, was wäre, wenn so eine Katastrohphe wirklich passieren würde. Entsprechend ernst gehen die Darsteller zur Sache und von den Albernheiten früherer Filme ist man wirklich weit entfernt. Dies tut der Idee ausgesprochen gut, denn gerade die Albernheiten haben den Filmen immer so einen Trashcharme verpasst und der fehlt hier völlig. Überhaupt werden viele Traumata der Japaner in Shin Godzilla kritisch angesprochen. Die Nukleartechnik, Atombomben, die Tsunami-Katastrophe... Dabei spielen auch innenpolitische Probleme eine Rolle, der Einsatz des Militärs wird hinterfragt und vieles mehr. Dadurch wird versucht auch heute noch relevante Themen hier kritisch zu verpacken.

Doch dabei schießt man ein wenig über das Ziel hinaus. Denn der Film verkommt an vielen Stellen zu einem politischen Debatierclub. Es steht der Prozess zur Lösungsfindung, wie mit Godzilla umgegangen wird im Fokus. Dabei verliert man aber die Darsteller und Figuren aus den Augen. Die Darsteller spielen ordentlich für so einen Film, manche verfallen aber dem typisch asiatischen Overacting. Schlimm ist allerdings, dass die Charakterentwicklung völlig auf der Strecke bleibt. Eine Bindung der Protagonisten an den Zuschauer gelingt dem Film an keiner Stelle, woran einmal die viel zu vielen Figuren Schuld sind, die teilweise nur 1-2 Sequenzen im Film mitspielen, aber auch die desaströse Schnittabfolge. Der gesamte Film besteht aus absolut harten Schnitten, in der Szene an Szene aneinandergereiht wird. Ein fließender Übergang erfolgt nicht, stattdessen gibt es Sequenzen, in der in wenigen Sekunden 5-6 Schnitte erfolgen.

Da die Handlung aber nicht besonders komplex ist, abgesehen von Godzilla taucht auf und muss beseitigt werden, nimmt dies jegliche Dramaturgie heraus. Da der Zuschauer auch keine Bindung zu den Figuren hat, ist ihm das Schicksal reichlich egal. Schade, denn Godzilla wird hier wirklich als Urgewalt dargestellt. An sein neues Design musste ich mich zwar erst gewöhnen, aber es passt. Was weniger passt, ist das man zwar überall auf CGI setzt, aber bei ihm immer noch ein Mensch drinzustecken scheint. Entsprechend albern bewegt er sich oft, vor allem seine absolut steifen Arme gehen nun mal gar nicht. Das dies den Machern nicht auffällt oder egal ist, mir absolut unverständlich.

Shin Godzilla ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, aber leidet unter einer zähen Handlung, einem wirklich miesen Schnitt und viel zu wenig Godzilla. Gerade Gareth Edwards Versuch einen neuen US-Godzilla 2014 zu schaffen, wurde wegen zu wenig Screentime der Echse kritisiert. Bei Shin Godzilla gibt es noch viel weniger von ihr zu sehen, dafür ganz viel politisches Gerede mit viel zu vielen Personen. Für Godzilla-Fans ein Muss, für den Rest der Welt aber dann doch eher nur ein netter Versuch der in einem mittelmäßigen Film mündet.

Shin Godzilla Bewertung
Bewertung des Films
610
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17 Kommentare
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bartacuda : : Mitternächtlicher Haijäger
06.08.2017 20:28 Uhr
0
Dabei seit: 03.03.10 | Posts: 3.779 | Reviews: 0 | Hüte: 217

@luhp

möchte mich eigentlich ungern in diese emotionaliiserte Diskussion einmischen, aber ..

... manchmal ist der erste Gedanke der beste.

... ... aber lass uns ganz offen sein, Du hast nie Wert gelegt auf meine Freundschaft!
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luhp92 : : BOTman Begins
06.08.2017 19:57 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 9.281 | Reviews: 98 | Hüte: 280

Nun, ich möchte mich eigentlich ungern in diese emotionaliiserte Diskussion einmischen, aber ein Argument möchte ich doch gerne kommentieren.

@Tim
"Dann bleibt wirklich nur das übrig vom Eisberg, was über der Wasseroberfläche zu sehen ist, denn als Zuschauer ist es mir erst einmal egal, was sich unter dem Wasser verbirgt. Alles was verborgen ist, ist das, was hätte sein können aber nicht ist."

Das hieße ja, die Titanic ist einfach so ohne Fremdeinwirkung gesunken. Aufgrund eines Scheins, eines imaginären Gedankenkonstrukts oder aufgrund eines Placebo-Effekts.
Als Eisberg unter der Oberfläche verstehe ich etwas real Existentes, das man auf den ersten Blick nicht sieht, aber eben doch vorhanden ist. Und meiner Meinung nach sind die Ansichten, die MD02GEIST zu "Shin Godzilla" vertritt, sehr wohl existent, man muss sie sich nicht hinzudichten. Aber das habe ich in meinem ersten Kommentar und meiner Kritik ja schon ausfühlrich erläutert.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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Andra : : Moviejones-Fan
06.08.2017 17:17 Uhr
0
Dabei seit: 01.05.11 | Posts: 381 | Reviews: 0 | Hüte: 21

Hallo MD02Geist,

ich freue mich sehr, dass du dich zurückmeldest! Mir ist bewusst, dass direkte, rationale Worte oft verletzen können. Aber ich dachte mir, ich muss dir schreiben, wie ich es empfinde und wie schade es wäre, wenn hier wegen ein paar unterschiedlicher Meinungen zwischen zwei Usern, deren Äußerungen ich schätze, "Krieg" ausbricht. Es ging mir persönlich nicht darum, dir zu zeigen, dass du vergeben sollst, wie du es ausdrückst. Nur bitte nicht von heute auf morgen den Kontakt abbrechen, denn dafür schätze ich Diskussionen zu sehr, an denen du, Tim und andere beteiligt sind.

Viele Grüße

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Tim : : King of Pandora
06.08.2017 17:15 Uhr
0
Dabei seit: 06.10.08 | Posts: 2.673 | Reviews: 192 | Hüte: 55

@MD02GEIST
Entschuldigung angenommen, aber es gibt eigentlich nichts zu entschuldigen. Ich kann dir nur sagen, ich wollte und will dir nichts Böses, sondern wollte dir nur meinen Standpunkt versuchen zu erklären.

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MD02GEIST : : Godzilla Fan #1
06.08.2017 16:38 Uhr
0
Dabei seit: 01.01.13 | Posts: 2.082 | Reviews: 14 | Hüte: 158

@ Andra+Rubbel
Danke füre eure Posts.

Wie ich gerade auch schon zu Sully schrieb. Ich habe nach meiner Abmeldung vorhin nochmal alles rekapituliert und nochmal über alles sehr intensiv nachgedacht. Dann kamen eure beiden sehr netten und über alle Maßen natürlich korrekten Posts.

Tim, wenn du das hier liest:
Ich habe einen Fehler gemacht und Bitte hiermit um Verzeihung. Es tut mir Leid so extrem engstirnig an die Sache herangegangen zu sein.

Ich kann und werde dir natürlich vergeben. Deine Meinung ist deine Meinung, meine Meinung ist meine Meinung.

Sicher es hat mich schon verletzt, aber ich hoffe du erkennst diese Geste als das was sie gemeint ist.

Ich möchte das Kriegsbeil wahrlich begraben.

Monsters are born too tall, too strong, too heavy—that is their tragedy - Ishiro Honda
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Rubbeldinger : : Moviejones-Fan
06.08.2017 15:31 Uhr
0
Dabei seit: 31.08.15 | Posts: 1.738 | Reviews: 7 | Hüte: 49

@MD02GEIST

Ich wünsche mir keinen Kontakt mit dir ab diesem Zeitpunkt.

Bitte lass dir das nochmal durch den Kopf gehen, ob du da nicht etwas überreagierst, es will dir ja niemand etwas böses oder schlimmes antun! Fan sein heisst ja auch sich intensiv mit etwas zu beschäftigen! Leidenschaftlich, als wär das Hobby eine innige Geliebte!

"Religiöser Fanatiker" klingt da schon recht hart, und bei Crom, Religion ist nun mal nicht zum lachen! Aber du mußt zugeben das da schon Parallelen existieren, aber fanatisch sind wir doch alle irgendwo! Jeder hat so seine Themen oder Ansichten die er vertritt!

Da ich seit jüngster Kindheit auch der großen Echse verfallen bin, kann ich deine Einstellung gut nachvollziehn, auch wenn du ganz klar der größere Fan von uns beiden bist, und man schnell mal was in den falschen Hals kriegen kann, wenns um die innige Geliebte geht!

Wenn ich jemanden Star Trek sagen hör, fängt bei mir erstmal auch ein Auge an zu zucken, weil ich nicht weiss wohin die Reise gleich gehn wird, aber hey dann lass uns zusammen fanatisch sein und ein bisschen verschreibungspflichtiges Marihuana verdampfen, das hat eine schmerzstillende und krampflösende Wirkung, hab ich gehört!

@Tim

Um auf die Kritik zurückzukommen:

Schlimm ist allerdings, dass die Charakterentwicklung völlig auf der Strecke bleibt. Eine Bindung der Protagonisten an den Zuschauer gelingt dem Film an keiner Stelle, woran einmal die viel zu vielen Figuren Schuld sind, die teilweise nur 1-2 Sequenzen im Film mitspielen, aber auch die desaströse Schnittabfolge.

Ich glaube es wurde auch gar keine wirklich Charakterentwicklung angestrebt, weil es hier nicht um Einzelpersonen geht! Diese sind zwar vorhanden, aber es geht um das Volk, das unter Godzilla leidet bzw dem Regierungsapparat, der ja auch aus sehr vielen Einzelpersonen besteht, aber ein Gesamtgebilde darstellt, das auch als Gesamtheit agieren und reagieren muss, was aber Angesichts dieser Bedrohung aufgrund von unvorbereiteter Überforderung nicht möglich ist! Daher sieht man nur die große Masse, in Form vieler Gesichter, ohne sich auf die einzelnen Menschen einzulassen, was der hektische Schnitt in Form der herrschenden Panik unterstreichen soll!

All Hail To Skynet!

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Andra : : Moviejones-Fan
06.08.2017 14:15 Uhr
0
Dabei seit: 01.05.11 | Posts: 381 | Reviews: 0 | Hüte: 21

Hallo MD02Geist,

ich bin ja meistens stille Mitleserin und habe wie so oft auch diese Kommentare hier nur verfolgt. Aber was ich jetzt lesen muss, schockiert mich doch ein bisschen.

Es mag sein, dass Tim den Film anders bewertet als du und ihr eine intensive Diskussion führt. Ich zum Beispiel versuche dein Warte zu verstehen, als Fan und Kenner, aber ich verstehe auch seinen Blickwinkel.

Wenn ich jetzt aber lesen muss "Ich wünsche mir keinen Kontakt mit dir ab diesem Zeitpunkt", dann muss ich ganz ungläubig mit dem Kopf schütteln. Niemand, Tim sicher nicht, hat sich in der Diskussion über dich in lächerlicher Manier geäußert oder dich persönlich angegriffen. Du magst es nicht glauben, aber einige deiner Aussagen wirken wirklich verklärt und nur das wurde angesprochen. Es nimmt dir doch keiner die Realitätsflucht, es wird doch nur versucht zu ergründen, warum der Film auf den einen so oder so wirkt.

Es ist leider nämlich gar nicht so weithergeholt, hier von religiösen Formulierungen zu sprechen, auch wenn ich diese Diskussion jetzt nicht weiter ausführen möchte, da dich die Einschätzung offenbar verletzt. Ich möchte nur, dass du drüber nachdenkst, wie du genau mit der Reaktion eigentlich bestätigst, was aufgeworfen wurde, wenn du nämlich genau so wie in deinem letzten Kommentar reagierst. Oder wenn man dich "vom rechten Weg" sprechen hört.

Ich hoffe nur, dass ich jetzt nicht denselben Satz von dir höre, das fände ich sehr schade. Und ich kenne Tim nicht, aber ich glaube, er denkt ähnlich.

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MD02GEIST : : Godzilla Fan #1
06.08.2017 14:00 Uhr
0
Dabei seit: 01.01.13 | Posts: 2.082 | Reviews: 14 | Hüte: 158

@ Tim
Wenn ich für dich wahrlich wie ein religiöser Fanatiker wirke, dann beende ich für mich diese Diskussion jetzt. Ich fühle mich wahrlich verletzt, wenn du mir religiösen Fanatismus zu meinem Hobby unterstellst. Es ist für mich die einzige Möglichkeit der Realität für kurze Zeit zu entfliehen.

Ich wünsche mir keinen Kontakt mit dir ab diesem Zeitpunkt.

@ all
ich weiß nicht, in wie weit ich auf euch wirke, aber so ist es eben. Ich bleibe euch erhalten und versorge euch gerne weiterhin mit Informationen und Meinungen, aber auch ich habe meine seelischen Grenzen.

Ich liebe mein Hobby, weil es das einzige ist was mir hilft mein "normales" Leben zu ertragen.

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Tim : : King of Pandora
06.08.2017 12:51 Uhr
0
Dabei seit: 06.10.08 | Posts: 2.673 | Reviews: 192 | Hüte: 55

@MD02GEIST Auch wenn die Echse bei dir ein heikles Thema ist, empfinde ich deine Argumentation an einigen Stellen als sehr gefährlich, da sie fast schon in den religiös fanatischen Bereich abdriftet.

Auf der einen Seite gestehst du mir meine Meinung zu, gibst das als Argument und konterst dann mit dem klassischen "ABER", womit alles was du zuvor sagst erst einmal negiert wird. Weil es ist sowieso nicht das was du denkst. Deine Meinung kommt erst danach, denn du sprichst immer vom richtigen Weg und ich hätte diesen richtigen Weg verlassen. Hier bewegst du dich meiner Meinung nach auf einer offensichtlichen Einbahnstraße, denn alles was nicht deiner Überzeugung entspricht, also dem was du in diesem Film siehst, wird von dir als falsch gebrandmarkt. Damit stellst du automatisch deine Meinung als die absolute Wahrheit dar, denn du hast dich in der Tiefe vollumfassend informiert, während jeder der dieser Meinung nicht folgt oder nicht bereit ist so tief zu graben, falsch liegen muss. So kannst du aber nicht argumentieren.

Du hast dein Faible für das japanische Kino, aber ich kann dir nur den gut gemeinten Rat geben, dabei auch bereit zu sein Schwächen zu erkennen. Eine Schwäche macht etwas noch lange nicht schlecht und es gibt keinen Grund immer alles bis aufs Blut zu verteidigen. Auch wenn mein Fokus auf dem Hollywood-Kino liegt, so weiß ich um deren Schwächen und liebe es mich auch anderweitig umzusehen, egal ob französisches, norwegisches, dänisches, japanisches, indisches oder koreanisches Kino. Die haben alle ihre Vorzüge, aber auch ganz klaren Mängel. Ich liebe die Abwechslung!

Du kannst ja viel in dem Film sehen und viele Ideen blitzen beim Film auch immer wieder durch. Deswegen betone ich auch, der Film ist mutig. An manchen Stellen auch recht ambitioniert in dem was er erreichen will. Aber um deine Eisberg-Metapher noch einmal herauszukramen: Es ist die Aufgabe eines Regisseurs nicht nur Ambitionen zu haben, sondern diese auch in einer Form umzusetzen, dass diese im Film greifbar sind und für den Zuschauer transportiert werden. Gelingt dies nicht, sei es aus dramaturgischen oder handwerklichen Schwächen, dann sind wir bei dem Punkt gut gemeint aber nicht gut gemacht. Dann bleibt wirklich nur das übrig vom Eisberg, was über der Wasseroberfläche zu sehen ist, denn als Zuschauer ist es mir erst einmal egal, was sich unter dem Wasser verbirgt. Alles was verborgen ist, ist das, was hätte sein können aber nicht ist. Der Film als solcher ist das was man sieht, nicht das was unter dem Wasser ruht und ich somit dazudichten muss. Das kann ein akzeptables Mittel sein, bei Filmen die eine Ambiguität besitzen und damit Interpretationsspielraum bieten. Bei den meisten Filmen bleibt das was der Regisseur oder der Autor aber aussagen will, verborgen.

Auch das viel gehasste Battleship war von Peter Berg mal sehr ambitioniert angegangen worden, mit vielen tollen Ideen. Nur diese sind im Film nicht sichtbar und nur in der Produktionsphase thematisiert worden. Ein Fantastic Four war ambitioniert aber schlecht umgesetzt. Ein Sucker Punch steckte voller Ideen und Möglichkeiten, aber der Style over Substance-Ansatz macht es kaputt. Kann man überall total in die Tiefe gehen, ändert es aber was für die Masse am Produkt?

Was du machst, ist alles was im Hintergrund läuft an Produktionsplänen, Problemen, Ideen und Möglichkeiten auf den Film zu projezieren. Dies sind aber im Gesamtkontext betrachtet nur nette Anekdoten. Lustige Geschichten, die einen als Fan interessieren und für einen selbst den Film auch bereichern. So wie Arnie zum Terminator wurde, Marty McFly umgecastet wurde, Indy auf dem Marktplatz den Säbelschwinger erschoss. Es sind Geschichten am Rand, die aber erst einmal nichts mit dem Produkt an sich zu tun haben. Wenn man gewillt ist, wirst du diese Geschichten bei jedem Film finden den es gibt, sogar bei den ganz, ganz schlechten von Asylum.

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MD02GEIST : : Godzilla Fan #1
06.08.2017 09:34 Uhr
0
Dabei seit: 01.01.13 | Posts: 2.082 | Reviews: 14 | Hüte: 158

@ Tim
"Der Film kratzt etwas an der Oberfläche und wirft den Zuschauer paar Knochen hin, aber wirklich ausgearbeitet ist dies nicht."

Hier kann ich nicht und kontern. Ich sehe deine Betrachtungsweise so. Du siehst nur die Spitze des Eisberges und weißt das ein ein Eisberg ist. Doch über seine Größe bist du entweder bewusst oder unterbewusst nicht im klaren. Und anstelle jetzt mal zu schauen wie groß dieser Eisberg ist, begnügst du dich nur so damit.

Und das ist es, was ich absolut nicht verstanden habe. Du warst auf dem richtigen Weg, hast vieles richtig gemacht, doch du machst auf einmal kehrt. Ich kenne dich nicht persönlich und das ist auch kein Vorwurf, doch es muss etwas gegeben haben was dich davon abhielt noch die letzten entscheidenden Schritte zu tun.

SHIN GODZILLA mag vielleicht "nur ein paar Themen" ansprechen, aber die alleinige Größe dieser Themen in ihrem Kontext musst du bedenken!

"Auch der Originalfilm war nicht zwangsläufig eine Verarbeitung der Traumata des 2. WK, er hat diese Interpretation nur zugelassen und eben mit der atomaren Angst gespielt. Dies ist der Interpretationsspielraum."

Godzilla als ganzes bietet natürlich sehr viele Interpretationen, aber dann bitte erkläre mir die Enstehungsgeschichte Godzilla in ALLEN Kontexten. Hier kannst die Haltungen des Studios und seiner Macher, sowie der SchauspielerInnen nicht außer Acht lassen.

Ich gebe dir insofern recht, dass der absolute Initialgedanke eines "Monsterfilms" rein wirtschaftlich und geldpolitisch war. Godzilla wurde aus der Not geboren, dass hier ein Ko-Produktion mit Indonesien geplatzt, weil letztere dann doch nicht wollten. Das Geld für diese Produktion konnte nicht zurückgezogen werden und so wurde Godzilla geboren.

Warum haben dann Leute wie Tanaka, Honda und Co. dann Zeit ihres Lebens klar gestellt, das entgegen dieses ersten Gedankens das vollständige Konzept als Verarbeitung dienen sollte! Sie wollten mit diesem Film vor allem auch was emotional bewegen = die Abschaffung der Nuklearwaffen.

Sicher dies ist ihnen nicht gelungen, aber das finde ich solltest du in Betracht ziehen.

"Das japanische TV/Kino hat für mich auch weiterhin seine Stärke im Bereich Anime, aber nicht im Sektor Realfilm."
Das ist dein subjektiver Eindruck. Jedoch kann ich nicht wissen was du alles kennst, jedoch kann ich dich nur ermutigen dich tiefer mit dem Thema Realfilm made in Japan auseinander zu setzen.

Meine Erfahrung sagt mir folgendes. Es gibt gutes wie schlechtes, jedoch Live-Action wie Anime werden oftmals als absolut gleichberechtigt empfunden, sprich es gildet hier kein Unterschied ob es nun ein Anime oder Realfilm ist wenn es um die Auseinandersetzung im kritischen Sinne geht.

Dies ist mein persönlich subjektiver Eindruck von jemanden der beides schaut und auch so sieht.

Jedoch möchte ich dir noch ein paar Fragen stellen, denn ich habe ja in meiner Kritik darauf hingewiesen:

1. kennst du Hideaki Anno und Shinji Higuchis andere Werke + ihre Position als Fans und Filmemacher?

2. die Stoffe die in SHIN GODZILLA visuell und audio-technisch referenziert werden (sprich andere Filme mit Godzilla bzw. japanischer Science Fiction) sind dir persönlich bekannt?

3. dir ist schon bewusst, dass dieser Film für Anno und Higuchi quasi ihr gemeinsames Lebenswerk darstellt, sprich sie haben auf dieses Projekt in ihren Leben hingearbeitet?

Zum Schluss. Wenn Fan-Sein für dich Verklärung bedeutet, dann sehe ich dies so. Ein "normaler" Mensch ist dann aber durch seine "Normalität" genauso verklärt.

Ich bin dir persönlich nicht böse, nur hast du für meine Wahrnehmung eben hier etwas komplett merkwürdiges getan.

Ich möchte nicht ausschließen, dass vielleicht der gestrige Arbeitstag mit seinen Schwierigkeiten mir noch im Magen lag und ich dieses zu diesem Zeitpunkt noch nicht seelisch verarbeitet hatte.

Sollte dies so gewesen sein, möchte ich mich dafür entschuldigen.

Monsters are born too tall, too strong, too heavy—that is their tragedy - Ishiro Honda
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pursuyt : : Moviejones-Fan
05.08.2017 21:25 Uhr
0
Dabei seit: 26.03.14 | Posts: 510 | Reviews: 6 | Hüte: 22

Als einer, der den Film NICHT gesehen hat, sage ich:

Niemand hat hier Niemanden angegriffen und Niemand sollte sich von Niemandem angegriffen fühlen.

@MD02GEIST, du bist doch sonst immer so sachlich - was ich sehr schätze (!) - bleib doch auch sachlich, wenn jmd dein Baby kritisiert. Das macht doch die gute Stimmung auf MJ aus.

Und niemand will, dass du deinen Account löscht, deine Meinung bereichert immer! smile

Stay calm, Dudes!

Quentin Tarantino ist so wie eine Kartoffel - nur anders.

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Tim : : King of Pandora
05.08.2017 15:41 Uhr
0
Dabei seit: 06.10.08 | Posts: 2.673 | Reviews: 192 | Hüte: 55

@MD02Geist Womit ich gerade ein Problem habe, ist, dass du diese Bewertung scheinbar als einen persönlichen Angriff auf dich siehst. Was ich nicht wirklich nachvollziehen kann. Es ist eine Bewertung des Films, nichts weiter und ich denke, ich habe die Punkte gut begründet, warum es ein Film ist den man sich mal ansehen kann, aber er manches auch einfach falsch macht.

Nicht nur du, auch ich schaue gern mal über den Tellerrand und schaue mir eine Menge ausländischer Filme an, gerade aus dem asiatischen Bereich. Aber nur weil diese Filme nicht aus Hollywood kommen, sind sie nicht automatisch gut oder besser. Das japanische TV/Kino hat für mich auch weiterhin seine Stärke im Bereich Anime, aber nicht im Sektor Realfilm. Da laufen sie dem koreanischen Kino was Anspruch und Umsetzung betrifft, wirklich Meilenweit hinterher. Ich habe natürlich nicht den Überblick über alle Filme, aber das ist mein Eindruck von den Filmen, die ich mir immer wieder mal zu Gemüte führe.

Und ich denke schon, dass aus einer Fanbetrachtung heraus deine Kritik verklärt ist. Dies ist völlig legitim, du wertest den Film als Fan wie er auf dich wirkt. Du kannst da deine Leidenschaft und die Emotionen bei diesem Film ausleben. Nur sobald eben jemand nicht von deinem Winkel den Film aus betrachtet, wird er ganz schnell viele Mängel nicht übersehen können und den Film deutlich anders bewerten. Wenn es darum geht den Film nach allgemeinen Maßstäben zu bewerten, ob es was für jemanden ist, der vielleicht noch nie einen Godzilla-Film gesehen hat und/oder sich einfach nur für das Genre interessiert, dann ist der Film eben nicht mehr einfach so empfehlenswert, sondern nur unter Vorbehalt. In meinem Bekanntenkreis würde ich den Film guten Gewissens niemanden empfehlen können.

Aus Fansicht kann ich verstehen, wenn man dem Film volle Punktzahl gibt. Es ist eine wirklich gut gemachte Neuerfindung von Godzilla, die auch noch viel Potential besitzt in Zukunft zu wachsen und den Mythos zu nähren. Aber der Film hätte einfach besser sein können und das in vielen Teilaspekten.

Ich weiß auch nicht was du mit tiefer meinst bei diesem Film. Es ist ein Film über eine riesige Echse die Japan bedroht. Da werden paar politische Themen und eben die Historie von Japan etwas drin verarbeitet. Ein wenig aktuelle Themen, ein wenig Verbeugung vor der historischen Bedeutung. Und gerade dieses Spiel mit den Themen hätte für mich sehr viel besser sein können. Der Film kratzt etwas an der Oberfläche und wirft den Zuschauer paar Knochen hin, aber wirklich ausgearbeitet ist dies nicht. Auch der Originalfilm war nicht zwangsläufig eine Verarbeitung der Traumata des 2. WK, er hat diese Interpretation nur zugelassen und eben mit der atomaren Angst gespielt. Dies ist der Interpretationsspielraum.

Und wie ich schrieb, die inhaltlichen Punkte stimmen bei dem Film, der hat viele gute Momente aber eben das Drumherum lässt hier und da zu wünschen übrig und da ist einfach mehr drin, wenn man das denn möchte. Die Macher haben sich für diesen Weg entschieden und der ist meiner Meinung nach eben nicht perfekt. Wenn ich Godzilla 2014 mit Shin Godzilla vergleiche, dann ist der US-Godzilla runder und unterhaltsamer, Shin Godzilla dafür mutiger.

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MD02GEIST : : Godzilla Fan #1
05.08.2017 15:17 Uhr
0
Dabei seit: 01.01.13 | Posts: 2.082 | Reviews: 14 | Hüte: 158

@ Tim
Wenn du meinst du müsstest, dich an einer Durchschnittsbewertung orientieren: gut, deine Sache.

Und ich sagte ja schon: du hast deine Meinung und das auch okay, doch ich sehe aber auch, dass du auch unter "normalen" Perspektive hier hättest mehr rausholen KÖNNEN. Doch das geschah nicht.

Zum Schluss. Wenn du meinst ich wäre "verklärt", dann brauche ich mit dir keine Diskussionen mehr führen.

Ich liebe GODZILLA über alles, dass weißt du und auch jeder hier. Daraus mache ich keine Hehl, aber habe ich nicht immer versucht euch ein wenig vom Alltagstrott made in Hollywood wegzuführen und neue Kenntnisse und Sichtweisen nahe zu bringen?

Sich davon zu lösen, dass eben Hollywood nicht alles ist und es andere Länder gibt, die genauso Filme produzieren und die auch einen "normalen" Menschen mal gesehen werden sollten?

Ich bin Fan, war Fan und werde immer Fan bleiben. Das Wort kommt nicht ohne Grund von fanatisch bzw. Fanatiker, doch ich habe immer versucht eine Balance hier zu finden. Wenn du aber mir das Wort "Verklärung" vor die Füße wirfst, dann empfinde das einfach nur als traurig und schade.

Denn dann brauche ich hier nichts mehr zu machen und könnte meinen Account löschen. Ich könnte mich nur noch mit meinen Co-Fans umgeben und somit quasi "die normalen" aus dem Blick verlieren. Doch das ist nicht mein Ziel.

Wir hier auf MJ sind eine große Community und ich steche sicherlich hervor, ob es dir nun passt oder nicht, aber ich bin ich. Und ich werde auch weiterhin dafür kämpfen, dass dem japanischen Kino und Godzilla & Co. insbesondere Gerechtigkeit und Anerkennung zukommt. Vielleicht bin ja Don Quichotte und kämpfe gegen Windmühlen, aber das stört mich nicht.

Du hast ja gutes gefunden und das ist ja wunderbar, aber warum gehst du dann nicht weiter? Was hindert dich daran tiefer zu gehen? Das du Non-Fan bist?

Wenn dies so ist, dann habe ich jedenfalls meine gesuchte Antwort. Sicher SHIN GODZILLA hat enorm viel was Fans anspricht, aber wenn du meine Kritik noch rekapitulierst, dann siehst du, dass dieser Film nicht zu 100 % positiv aufgenommen wurde.

Sicher deine Kritik ist dabei noch eine der vernünftigsten und positivsten die ich lesen durfte, doch das ist einfach mein Eindruck.

Monsters are born too tall, too strong, too heavy—that is their tragedy - Ishiro Honda
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Tim : : King of Pandora
05.08.2017 14:22 Uhr
0
Dabei seit: 06.10.08 | Posts: 2.673 | Reviews: 192 | Hüte: 55

@MD02GEIST
Ich weiß nicht ob meine Meinung präziser ist oder deine, aber ich bin ziemlich dicht an der IMDb Durchschnittsbewertung dran. Von daher muss ich scheinbar was richtig gemacht haben.

Letztlich muss ich den Film als das bewerten was er ist und wie er rüberkommt und da hat er einfach viele offensichtliche Schwächen. Vieles ist der japanischen Mentalität geschuldet, wie sie Filme drehen. Aber der Film ist einfach von der Umsetzung an vielen Stellen nicht besser als Mittelmaß.

Ich weiß, du bist der große Godzilla-Fan aber gerade aus dem Grund verklärst du sehr schnell die Sache. Siehe deine Kritik mit 5/5 die einfach nicht für diesen Film angemessen ist und zwar deine Liebe zur Echse zeigt, aber eben nicht als Wegweiser für den normalen Zuschauer gelten kann, nur für Godzilla-Freaks. Ich versuche den Film aus einem normalen Standpunkt heraus zu beurteilen.

Für mich hat der Film gute und interessante Ansätze, er ist aber einfach nicht rund und das aus den genannten Gründen Dramaturgie, Charakterentwicklung und generelle Umsetzung. Und so tiefgründig, dass ich da viel reininterpretieren will und kann, ist der Film nicht. Er greift letztlich nur paar japanische Traumata auf.

@ShinGojira
Kann ich aus Sicht eines Godzilla-Fans auch durchaus nachvollziehen, den 4x zu shcauen. Der Film hatte paar echt coole Momente.

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luhp92 : : BOTman Begins
05.08.2017 14:19 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 9.281 | Reviews: 98 | Hüte: 280

Da habe ich "Shin Godzilla" dann doch etwas anders und vor Allem positiver wahrgenommen.

Vorab: Beim hektischen Schnitt bin ich definitiv bei dir!
Aber ich denke, der Film wurde bewusst als eine Art politischer Debattierclub dargestellt, schließlich stehen hier die menschlichen bzw. politischen Konflikte und eine Lösungsfindung im Fokus. In den Origins (1954, 2014) verfügte Godzilla doch immer schon über eine geringe Screentime, hier fungiert er eben mehr als hintergründige Bedrohung und Katalysator der oben genannten Konflikte. In dieser Hinsicht halte ich "Shin Godzilla" absolut nicht für einfach gestrickt, der Film wirft zahlreiche Fragen zu gesellschaftlichen, innen- und außenpolitischen, militärischen und historischen Themen auf und geht damit sehr in die Breite. Ein paar hast du ja selbst schon erwähnt, in meiner Kritik dazu mehr.

Über die emotionale Bindung zu den Charakteren kann man streiten, aber meiner Meinung nach ist sie in "Shin Godzilla" durchaus gegeben, weil sich hier mehrere Parteien herauskristallisieren und die Zerstörungen durch Godzilla ziemlich drastisch dargestellt werden. Da kann man durchaus Analogien zu "Dunkirk" ziehen, der ähnlich funktioniert und weniger einzelne Charaktere in den Vordergrund stellt, sondern die Gesamtheit im Auge behält.

Das CGI-Design war den Machern definitiv nicht egal, es war eine - für mich schöne und eindrucksvolle - Hommage an der 1954er-Original! Godzillas Schwanz hätte man aber tatsächlich etwas kürzen und seine T-Rex-Ärmchen dafür verlängern können.

Für Godzilla-Fans ein klares Muss, für alle anderen ein Kann mit starker Empfehlung.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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