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Jeremiah Johnson

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Jeremiah Johnson Kritik

Jeremiah Johnson Kritik

Jeremiah Johnson Kritik
0 Kommentare - 03.03.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Jeremiah Johnson" ist.

Bewertung: 2.5 / 5

Jeremiah Johnson (Robert Redford) ist ehemaliger Soldat und Aussteiger. Zurückgezogen hat er sich in die Berge Colorados, wo er alles über das einsame Leben durch Bear Claw (Will Greer) lernt. Eines Tages wird er Zeuge eines Überfalls der Schwarzfuß-Indianer. Die einzigen Überlebenden sind eine scheinbar verrückt gewordene Frau und deren Sohn (Josh Albee). Sie zwingt Jeremiah das Kind unter seine Obhut zu nehmen. Doch das wird nicht die einzige Kuriosität auf seinem Weg bleiben.

Ein einsamer Mann im Schnee entlassen aus der Zivilisation oder selbst flüchtend gestrandet. Jeremiah Johnson ist ein Werk der Dekonstruktion, mal über die klassisch, amerikanische Ideologie und mal über den Heldenmythos, geprägt von den Pionieren John Wayne oder anderen Konsorten vergangener Tage. Es ist ein Film voller Charme, der eigentlich eine ganz gegensätzliche Vorlage nimmt und man muss sich dann unweigerlich als Zuschauer schon fragen, warum man ausgerechnet Sydney Pollack und Robert Redford eine solche Geschichte zugetraut hat. Natürlich war es sicherlich schwer, einen solchen Film zu jener Zeit „realitätsnah“ und rau zu inszenieren, doch hier liegt auch leider schon der Hund begraben. Es hat nämlich tonal etwas Romantisches und harmlos ist es noch dazu. So charmant wie sich ein Robert Redford eben in Der Clou (1973) in die Ewigkeit gespielt hat. Hier lässt aber alles dann einen satirischen Charme erwecken. Gerade zu Beginn, wenn Redfords Figur auf eine vereiste Leiche trifft, glaubt man, man befände sich in einer Art Westernsatire, nur um dann ernüchternd festzustellen, daß man das nicht ist. Denn dieses Werk ist eigentlich relativ ernstgemeint, was kein Problem wäre, wenn es irgendwann mal einen Schluß finden würde.

Denn das Kernproblem von Jeremiah Johnson ist, daß Sydney Pollack ab einem gewissen Zeitpunkt gar nicht mehr zu erzählen weiß. Als hätte das Werk nie einen roten Faden gehabt, beginnt es als Aussiedler-Trip und mündet letzten Endes im Schutz der Zweckfamilie, oder im bloßen nichts. Denn wie in einer richtigen Odyssee so üblich, begegnet die Hauptfigur am laufenden Band irgendwelchen Menschen. Mal mit Forderungen und mal mit dem Eingreifen in deren Lebensrealität. Das Problem hierbei ist nur, daß das zu weitläufig gedacht ist. Man hat wirklich den Eindruck, als wolle Sydney Pollack den gesamten westlichen Lebensstil des vergangenen Jahrhunderts in einen Film packen und satirisch verarbeiten, um damit unter Beweis zu stellen, wie sinnlos und albern das eigentlich ist. Zugegeben, es gibt dümmere Analysen und die Übertragung vom 21. Jahrhundert auf einen Western war sicherlich in den späten 1960ern, beziehungsweise frühen 1970ern genauso wenig dumm, wie sie es heute wäre. Dabei erzählt Pollack unter der verträumten und manchmal wilden Musik von John Rubinstein einen Kampf ums Überleben, der relativ schwerelos anmutet. Es ist eben dem Umstand geschuldet, daß man den entspanntesten Schauspieler Hollywoods hier in einer Hauptrolle hat. Wer, wenn nicht Redford vermittelt einem das Gefühl, daß alles machbar und alles einfach ist, selbst im Angesicht des Todes?

Vielleicht hätte Jeremiah Johnson aber eine härtere Gangart durchaus gutgetan. Da ist die Frage, was im Kino der 1970er Jahre gegangen wäre. Wobei man nach Bonnie und Clyde (1967) ja eigentlich einen künstlerischen Wendepunkt erreicht haben sollte. Denn vom Kannibalen Johnson ist in diesem Film erschreckend wenig zu sehen. Natürlich kann man die Frage stellen, ob man sich da nicht besser an den italienischen Western orientiert hätte, die damit auch eine durchaus drastische Dekonstruktion des amerikanischen Heldenmythos vorgebracht hätte. So oder so ist das Werk selber relativ langatmig und verliert den Zuschauer irgendwann dabei, die eigentlich spannende Prämisse in das Klischee zu münden. Die Idee selber ist auch nicht schlecht, nur sollte man das Klischee, also das einfache Leben dann auch als etwas zeichnen, daß man kritisieren kann. Und das tut der Film nur marginal, indem er natürlich die Entmenschlichung der Frau hin zu einem Objekt durchaus zur Schau stellen kann, doch auch darin viel zu klischiert vorgeht und eben nicht die Härte der italienischen Pendants zum Ausdruck bringt. Natürlich ist Redford hier ein Fest. Ein Schauspieler, der den gesamten Film fast alleine tragen muss und das eben ob seines Charismas und der Tatsache, daß er ein verdammt guter Schauspieler war, auch kann. Da gibt es andere Vertreter, die durchaus weniger zur Geltung kommen.

Hier ist also die Flucht aus der Zivilisation vordergründig. Es wird nie erklärt, warum Johnson sich dafür entscheidet, doch es scheint eben auch logisch. Das wäre in der Post-Moderne eigentlich nicht möglich und dennoch will Pollack dem Zuschauer nicht jede Leerstelle erklären. Jeder, der ein bisschen systemisch denken kann, findet auch immer mindestens einen Grund, sich zumindest einmal gedanklich aus diesem entfernen zu wollen. Das ist eben das, was New Hollywood auszeichnet und was Redford und Pollack spätestens mit Die drei Tage des Condor (1975) perfektionierten. Ganz subtil konterkariert Pollack hier die amerikanische Idylle. Es ist ein Gedankenexperiment sozusagen, indem der Film noch Film sein darf. Denn das, was eigentlich nicht zu der Leichtigkeit passt, ist das, was auf der Leinwand passiert. Es ist eben nichts Schönes in diesem Amerika, daß auf Blut und Kälte aufgebaut ist, wie auch die Bilder hier unterstreichen. Ob diese Analogie aber funktioniert, darf bezweifelt werden, weil Pollack eben ja das Aussiedeln und die peinliche Rückkehr ironisch zentralisiert. Man könnte ja mal infrage stellen, ob eine neue Welt, nicht auch ganz neue Regeln braucht und ob das Verhandeln und diskutieren mit indigenen nun wirklich schon Skandal genug ist. Na ja, das darf bezweifelt werden, solange man eben nicht John Wayne heißt.

Mit einem fulminanten Auftakt beginnt Jeremiah Johnson als parodistisch, clevere Analyse des amerikanischen Gründer-Mythos. Gut gespielt und ganz gut eingefangen, verliert sich das Werk aber bald in einem nicht enden wollendem Trip, ohne klar erkennbares Ziel und Fokus. Zwar funktioniert die Metapher, doch man muss sie erst mal selber erdenken, wodurch der Film schon anregend wird, aber irgendwann auch zäh.

Jeremiah Johnson Bewertung
Bewertung des Films
510

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