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Last Night in Soho

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Last Night in Soho Kritik

Last Night in Soho Kritik

Last Night in Soho Kritik
0 Kommentare - 14.11.2021 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Last Night in Soho" ist.
Last Night in Soho

Bewertung: 3.5 / 5

Gerade Frisch vom Land in die Stadt gezogen möchte die junge Modestudentin Eloise (Thomasin McKenzie) in London durchstarten. Während ihr Mitstudierenden immer wieder auf Partys ihre Jugend zelebrieren, sehnt sich Eloise so ein wenig nach ihrer Heimat und ist auch mit dem Großstadtleben überfordert. In ihren Träumen wird sie in das London der 1960er Jahre verfrachtet und beobachtet die Junge Sandy (Anya Taylor-Joy) wie sie durch das Nachtleben der Stadt geistert. Eines Tages trifft sie auf den Clubmanager Jack (Matt Smith), der sie zu einem großen Star machen möchte und ihr die Welt der Männer zeigt.

Das Kino der 2010er Jahre war neben den zum Teil noch recht erfrischenden innovativen Comicverfilmungen, der ein oder anderen Indie-Perle, vor allem übersäht von purer Nostalgie. Was sich doch recht häufig in der Ära des späten New Hollywood-Kinos wiederfand, sind die Verweise, Huldigungen und Reinkarnationen einer Zeit, die das massentaugliche Kino nicht nur für immer veränderte, sondern es auch unerreicht für die ein oder andere Person zu sein scheint. Nun ist Edgar Wright als Filmemacher immer auch eine Person, die mit Querverweisen auf das von ihm so geliebte Kino spielt. Da werden dann teilweise einzelne Szenen in einem anderen Kontext nachgestellt, oder Regeln die durch Klassiker verschiedenster Genre etabliert wurden aufgegriffen und mal mehr, mal weniger persifliert. Im Falle von Last Night in Soho setzt der Regisseur und Autor die Tradition fort, welche er mit Baby Driver (2017) begann. Nämlich ernsteres Kino zu inszenieren und sich fast komplett vom Komödienfach zu lösen. Doch ist Last Night in Soho eben nicht einfach nur ein Horrorfilm. Das wäre sicherlich zu einfach gedacht und würde auch gar nicht in das Schema eines Edgar Wrights passen. Last Night in Soho ist ein bunter Genre-Mix.

Trailer zu Last Night in Soho

Besonders deutlich merkt man das zu Beginn, wenn der Film seine Hauptfigur etabliert. Das große Träumen vom neuen Leben in der Großstadt. Eine wenig innovative Charakterisierung, welche in Zügen sogar an Zoomania (2016) erinnert. Dabei tun sich eben auch in der von Thomasin McKenzie gespielten Eloise einige Wunderlichkeiten auf. Da wäre zum Beispiel die Attitüde zu nennen, mit welcher sie die 1960er Jahre verherrlicht. So plant sie ihren modischen Stil an eine Zeit anzupassen, aber auch alles Alte wie Musik, oder Gebäude wirken auf die Junge Frau so anziehend. Der geneigte Zuschauer ist auch hier ob der Prämisse am Grübeln, sobald die ersten Albträume über die Figur hereinbrechen. Eine nicht ganz so stringente Handlung um eine Sängerin in den 1960ern inspiriert Eloise zu ihrer Mode-Kollektion. Und man möchte an der Stelle nichts vorweggeben, darf aber gleichzeitig auch mal die Frage in den Raum werfen, was denn für eine Junge Frau in den 1960ern gruselig wirken kann. Wenn man das getan hat, so hat man fast den gesamten Film schon aufgedröselt. Zwar ist das, was erzählt werden will in sich stimmig und auch eine gute Geschichte, dennoch muss man kein Genie sein um diese Eckpunkte miteinander zu verknüpfen und den Kern des Filmes zu deuten. Doch irgendwie scheint diese Figur ein naives Mauerblümchen zu sein, daß entweder die Strukturen jener Zeit konsequent ausblendet, oder davon noch nie etwas gehört hat.

Zur Verteidigung des Konzeptes muss man sagen, daß natürlich jene Filme nicht genug gedreht werden können. Schließlich ist die Debatte um Gleichberechtigung aller Geschlechter auch nicht sonderlich weit gekommen in der Vergangenheit und so ist es ein muss, den Zuschauer immer und immer wieder daran zu erinnern, daß hier nicht alles Gold ist, was zu glänzt. Riskanter wäre es natürlich gewesen die Geschichte nochmal zwanzig Jahre später in der Vergangenheit anzusiedeln, weil sich gerade auch die 1980er Jahre anbieten, sie zu dekonstruieren. Da das Kino dieser Zeit jedoch vermeintlich weiter war und auch in den popkulturellen Köpfen irgendwie als Heiliger Gral herumwuselt, hätte man sich am Ende des Tages vielleicht auch keine Freunde mehr gemacht.

Schließlich ist die künstlerische Auswertung und auch die gesellschaftliche Aufarbeitung von Me Too als Thema noch komplett am Anfang. Filme wie Bombshell – Das Ende des Schweigens (2019) oder Promising Young Woman (2020), The Last Duel (2021) und jetzt Last Night in Soho bilden den Anfang einer hoffentlich, langanhaltenden Debatte über ein Thema, daß bis in die Anfänge des Kinos, aber auch der Gesellschaft zurückreicht. Dabei ist die Verknüpfung von Horror und Realität insbesondere in diesem Kontext erschreckend, weil die eigentlichen Horrorsequenzen fast schon Belanglos gegen die Realität wirken. So ergibt sich allein schon aus einer einfachen Taxifahrt eine extrem gruselige Konversation zwischen der Hauptfigur und einem Mann, die im Schatten des Königs der 1960er Jahre steht. Sean Connerys vierter Auftritt in James Bond 007 – Feuerball (1965) wird da groß und unverkennbar beworben, sodass der Film das Problem eben auch in der Kunst jener Zeit sucht. Witzigerweise ließe sich Anhand eines weiteren James Bond-Filmes der 1980er Jahre auch perfekt in diese Zeit verfrachten. Schließlich ist auch James Bond 007 – Octopussy (1983) mit einer der sexistischsten Bond-Filme überhaupt und bei einer solchen Reihe will das schon etwas heißen.

Darüber Hinaus verreißt der Film nicht nur das Frauenbild jener Filme, sondern hat auch abseits dessen einige Querverweise auf das Horrorkino zu bieten. So erinnern einige Momente auch ganz stark an Klassiker wie Zombie – Dawn of the Dead (1978) oder den John Carptenter-Film Sie leben (1988), während vor allem die Horrorfilme der 1960er ein Vorbild von Wright waren. Diesen Rundumschlag serviert die Kamera von Chung-hoon Chung in phantastisch, grellen Neonlichtern, gepaart mit dem dreckigen Morast des Londons der 1960er Jahre. Diese zeigen zudem auch hier das Aufkeimen des Kapitalismus, während die Stadt als Solches im dunklen Regen getränkt wird, nehmen die Lichter die sinnliche Wahrnehmung des Konsums ein, der die Figuren am Schlafen zu hindern scheint. Allgemein lässt sich der Film dennoch nicht nur in ein einzelnes Genre packen. So waren bisher alle Filme von Wright Genre-Mixe und Last Night in Soho setzt dem Ganzen die Krone auf. So beginnt der Film als Coming of Age-Film, wandelt sich dann schnell in eine Geschichte über Träume und Surrealismus, die wiederum mit der Zeitreise Thematik abgerundet wird, dann folgt ein Horror-Slasher, mit der ein oder anderen Gore-Sequenz bis hin zum Kern-Thema Rape and Revange. Überdies können auch die Schauspieler in allen Punkten begeistern. Neben Thomasin McKenzie, die hier eine wirklich wechselseitige Darstellung abgibt, entpuppt sich insbesondere die Figur von Anya Taylor-Joy als vorhaltender Spiegel für seinen Zuschauer, der durch Joy perfekt balanciert wird. Aber auch der Supporting Cast um Matt Smith, Michael Ajao, Terence Stamp und Diana Rigg, zeichnet sich durch eine großartige Präsenz aus, die sich ohne Mühe in das Gedächtnis seiner Zuschauer spielt.

Ein in sich stimmiges Bild entsteht, wenn Edgar Wright in seinem Last Night in Soho versucht die Zuschauer zu schockieren. In manchen Momenten verliert der Film sich vielleicht sogar ein wenig zu sehr in seinen Referenzen und verpasst es dabei, seine Geschichte ein wenig komplexer zu entfalten. Dennoch geht das Konzept auf und die retrospektive Analyse einer romantisierten Zeit verliert ihren Glanz, sobald man sie näher beleuchtet. Schauspielerisch ist der Cast bis in die kleine Nebenrolle großartig besetzt und wird von der wunderschönen Kamera gut eingefangen.

Last Night in Soho Bewertung
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710
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