Anzeige
Anzeige
Anzeige

Meerjungfrauen küssen besser

Kritik Details Trailer News
Meerjungfrauen küssen besser Kritik

Meerjungfrauen küssen besser Kritik

Meerjungfrauen küssen besser Kritik
0 Kommentare - 14.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Meerjungfrauen küssen besser" ist.

Bewertung: 3 / 5

Im Amerika der 1960er Jahre lebt die fünfzehnjährige Charlotte Flax (Winona Ryder), mit ihrer extrovertierten und relativ umtriebigen Mutter Rachel (Cher) und ihrer kleineren Schwester Kate (Christina Ricci) zusammen. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt und auch ansonsten sieht ihr Beziehungsleben eher gestört aus. Die Gründe hierfür sind vielfältig und einer der Gründe ist, daß ihre Mutter ihre Partner schnell wieder verlässt und die Familie ständig umzieht. Alles ändert sich jedoch, als Rachel Lou Landsky (Bob Hoskins) kennenlernt.

Ich erinnere nur noch selten Zeiten, in denen es wirklich in Ordnung war mal Scheiße auszusehen. Gerade in den 1980er Jahren und vor allem auch in den Übergangen der 2010er bis 2020er Jahre scheint es einen Wahn zu geben, perfekt zu sein. Das ist nicht etwa ein unbegreiflicher Begriff, nach welchem man ja diese stabile These in den Raum werfen könnte zu sagen, daß es wahrhafte Perfektion wohl nicht gibt. Doch genauso ist es wohl, es gibt eine Definition von Perfektem aussehen. Sei es in vielerlei Hinsicht zu deuten und fragt man sich eigentlich, was das soll. Nun darf die Frage berechtigt sein, warum das nun ein Thema für Meerjungfrauen küssen besser ist, der doch eigentlich auch inhaltlich wenig mit objektiver Schönheit zu tun hat. Und klar wird manch einer das weit hergeholt finden, zu sagen, daß es überhaupt wichtig sei, doch es dient ja der Glaubwürdigkeit des Films, ob man nun glaubt, daß ein Mann und eine Frau zusammen sein könnten. Und so sehr das auch einen gewissen Charme hat und auch so gut wie möglich mit der Realität hadert, weil Cher und Bob Hoskins nun wirklich – wenn wir die Termini dieser Welt bedienen dürfen – nicht in einer Liga spielen. Das tun sie wohl nicht. Aber das ist auch egal, irgendwo zumindest. Denn eigentlich ist die Botschaft des Films wohl eine andere.

Mitunter fühlt sich das wie eine Light-Variante im wahrsten Sinne des Wortes an. Dabei könnte man meinen, daß sich Meerjungfrauen küssen besser wie eine Komödie anfühlt, die Tim Burton machen würde, um dem Publikum und vor allem den Geldgebern der Studios zu gefallen. Leider muss man sagen, hat sich Burton im Laufe der 2010er Jahre verloren und mit Dark Shadows (2012) zum Beispiel bewiesen, wie wenig Können da noch vorhanden ist. Meerjungfrauen küssen besser ist aber wohl schon irgendwo exzentrisches Kino. Nicht, weil die Geschichte um liebende Mütter und liebende Kinder so gewagt wäre, sehr wohl aber, weil Regisseur Richard Benjamin hier einen großen Wert auf eine gewisse Familiendramatik legt, die immer mit Humor untermauert wird. Auch da kann man nur mit weinendem Auge dasitzen und sich fragen, warum das heute in der Form nicht mehr möglich ist. Unterdessen ist vielleicht die Kernaussage und die Entwicklung, die vor allem die von Cher gespielte Mutter Rachel Fax lernen muss, daß man sich der öffentlichen Meinung niemals unterwerfen darf. Sie wird ganz salopp gesagt als Hure abgestempelt, weil sie natürlich nicht sesshaft werden will. Natürlich bekommen diese Menschen nicht wirklich Gesichter, aber der Konflikt spült sich dann in weitere Ebenen, in denen zumindest Mobbing an der Tochter in der Schule stattfindet. Da muss man sagen, gerade anhand der Mobber wählt Benjamin einen sehr interessanten Blick, weil er ein Klischee hier umdreht.

Die Kernproblematik geht aber in einen innerfamiliären Konflikt über, nach welchem vor allem die Tochter dann daran zu knabbern hat, wer nun ihr Vater ist. Eine Antwort, die Rachel wohl nicht so einfach geben kann. Man sollte sich da nicht allzu viel erwarten, sicherlich. Denn eine klare Handlung ist in weiten Teilen nicht ersichtlich. Doch das ist andererseits auch kaum ein Problem, weil ein Film sich auch nicht wirklich durch seine Handlung definiert, sondern durch seine Geschichte. Mag jetzt etwas verwirrend formuliert sein, das gebe ich an der Stelle zu. Doch diejenigen, die es verstanden haben, werden dem wohl zustimmen können. Das heißt also, daß eine Familie hier an den Rand der sozialen Existenz geführt wird. Das erinnert schon so ein wenig an Tim Burton. Irgendwie, auch wenn es nicht unbedingt dessen Handschrift ganz widerspiegelt, so findet sich dort auch ein wenig von Edward mit den Scherenhänden (1990). Unterdessen gibt Meerjungfrauen küssen besser zu verstehen, daß man sich niemals der Meinung anderer unterwerfen sollte. Für sich genommen wie gesagt, eine gute These. Dabei bleibt die Frage, wie man überhaupt den Film kategorisieren wollte. Weil eigentlich der Fokus immer wieder neu gelegt wird und zwischen Chers und Wyders Sicht, besser gesagt Mutters und Tochters Sicht hin und herwandert. Mal Drama, Verlustverarbeitung und Emanzipation und mal eben Coming-of-Age. Etwas skurril, vielleicht eine Kindergarten-Variante von Die Addams Family (1991). Wenngleich das keine Kritik darstellen soll, sondern den grundsätzlichen Ton widerspiegelt.

Natürlich braucht der heutige Zuschauer eine Erklärung für einzelne Nuancen, warum nun Tochter Charlotte eine Nonne werden möchte, während ihre Mutter eher anti-systemisch auftritt. Nun, für diejenigen, welchen. Es ist der Kontrast, die höchste Form der Anpassung. Polygamie gegen die Liebe zu Jesus. Und das wiederum hat einen satirischen Wert, daß muss man wohl ganz klar sagen. In diesen Momenten macht der Film Spaß, auch wenn er es nicht mit Aufbau zur Pointe deutlich macht. Doch Meerjungfrauen küssen besser ist ohnehin ein Werk, daß sehr leise und subtile Töne für sich sprechen lässt. Das macht ihn vielleicht irgendwo massentauglich im alten Sinne, unzugänglich nach modernen Maßstäben.

Verachtung und Moral sind wohl die Kernelemente von Meerjungfrauen küssen besser. Zur genialen Satire reicht das nicht, aber es ist sehr wohl ein Film, der einen gewissen Charme versprüht und sich dabei kaum erklären möchte. Man muss schon genau hinsehen und überlegen, wo die Lösung liegt und dann hoffen, daß man richtig lag.

Meerjungfrauen küssen besser Bewertung
Bewertung des Films
610

Weitere spannende Kritiken

Zeiten des Umbruchs Kritik

Zeiten des Umbruchs Kritik

Poster Bild
Kritik vom 14.04.2024 von ProfessorX - 0 Kommentare
Der kleine Paul (Banks Repeta) wächst in einer wohlhabende, jüdischen Familie in New York auf. Seine Mutter Esther (Anne Hathaway) ist sehr behütend, während sein strenger Vater Irving (Jeremy Strong) manchmal die Fassung verliert. Nun kann dieser kaum auf den sensiblen Jungen ei...
Kritik lesen »

Dark Star - Finsterer Stern Kritik

Dark Star Kritik

Poster Bild
Kritik vom 14.04.2024 von ProfessorX - 0 Kommentare
Eine Gruppe von vier Astronauten unter der Leitung von Kommandant Powell (Joe Saunders) soll instabile Planeten aufspüren und sie mittels Atombomben zerstören. Aus verschiedensten Gründen ist die Stimmung an Bord der Dark Starr sehr schlecht. So leidet Doolittle (Brian Narelle) unter ...
Kritik lesen »
Mehr Kritiken
Was denkst du?
Ich stimme den Anmelderegeln beim Login zu!

Forum Neues Thema
AnzeigeY