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The Zero Theorem

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The Zero Theorem Kritik

The Zero Theorem Kritik

The Zero Theorem Kritik
0 Kommentare - 26.02.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "The Zero Theorem" ist.
The Zero Theorem

Bewertung: 3.5 / 5

In einer nahen Zukunft wird die Welt in einem Überwachungsstaat unter der wachsamen Augen von Management (Matt Damon) beherrscht. Qohen Leth (Christoph Waltz) ist ein Genie am Computer, meidet aber aus Angst menschlichen Kontakt. So lebt er zurückgezogen in einer ausgebrannten Kapelle. Stets wartete er auf einen Anruf, der ihm den Sinn seiner Existenz verraten soll. Unterdessen versucht er gleichsam das sogenannte Zero Theorem, zu lösen, um somit die Sinnlosigkeit allen Seins zu beweisen. Ständig scheitert er bei seiner Aufgabe und wird zur Ablenkung öfter von dem jungen Bob (Lucas Hedges) besucht. Auch der Mancorn-Mitarbeiter Joby (David Thewlis), sowie die Prostituierte Bainsley (Mélanie Thierry), stören ihm bei seinem Vorhaben.

Das menschliche Streben nach Sinn ist ein Thema, daß niemals nur ein Thema sein wird. Tausende, Millionen, gar Milliarden Thesen, die zur Beantwortung einer Frage führen könnten. Je nach Laune und Ansatz mal mehr zugänglich, mal weniger und letztlich tut man vielleicht gut daran, nicht allzu sehr darüber nachzudenken, wie das Leben überhaupt zu leben ist oder was es bedeutet. Aber auch das kann am Ende des Tages nicht die Antwort sein. The Zero Theorem von Regisseur Terry Gilliam mutet zunächst wie eine bessere Pulp-Variante von Das fünfte Element (1997), denn in Sachen Humor und Aufmachung ähnelt das schon sehr dem, was Luc Besson in den 1990ern Kunst nannte. Inhaltlich muss man sagen bewegt sich der Film zwischen Nonsens, Satire und philosophischer Studie hin und her. Ja, er ist dabei nie wirklich zugänglich, weil Gilliam hier wirklich an einem Punkt ist, wo alles verhalten, alles tun und lassen letztlich nur noch als Allegorie oder Metapher auf unser Leben funktioniert. Das kann anstrengend sein und verliert auch im Verlauf des Films sicherlich so ein wenig an Reiz. Hier die Frage aller Fragen, Pornos, Sex-Spiele und so weiter und so fort. Ganz sicher gehört der Film damit nicht zu den besten aller Zeiten, aber er hatte die Möglichkeit, einer zu werden.

Trailer zu The Zero Theorem

Richtig tiefschürfende, unkonventionelle und künstlerisch hochwertige Filme gibt es ja ganz, ganz selten. Wenngleich deren Hintergründe und Ideen vielleicht auch nicht jedem gefallen werden, so etwa wie bei The Fountain (2006), der sich mit ähnlichen Fragen befasst. Doch ab das Christentum die Antwort darauf ist, daß ist wirklich Geschmacksfrage. The Zero Theorem beginnt zunächst aber als Satire, angesiedelt in einer fernen Welt, die womöglich Parallel zu unseren existiert, oder gar die Zukunft darstellt. Hier hat man einen hart arbeitenden Mann, der ein mathematisches Problem lösen möchte und damit die Sinnfrage hinter allem zu lösen versucht. Das Leben selber, daß ist wohl die Ironie dahinter, nimmt er gar nicht mehr wahr. Denn Qohen Leth schließt sich zuhause ein und werkelt den ganzen Tag. Beziehungen hat er nur beiläufig, eine kleine Liebelei, die ihn hier vom Arbeiten abhält und hin und wieder besucht ihn der Sohn seines Chefs und will Pizza essen. Es ist erstaunlich, wie es Gilliam hier gelingt eine Parabel für das unsere Leben zu erstellen, die wir häufig – gerade in Deutschland ist das wohl so – unseren Job zum Zentrum unseres Lebens machen und uns dem verschreiben, was unsere Vorgesetzten so tun. Daß ausgerechnet auf der Arbeit nach dem Sinn des Lebens gesucht werden soll, ist als klare Kritik am neoliberalen Zeitalter zu verstehen, wo man auch sehr persönlich mit seinem Chef ist.

Doch da hört es nicht auf, denn die Wahrheit ist, daß Qohen Leth ja seine Arbeit mit nachhause nimmt. Spätestens seit Corona ist das gar nicht mehr so absurd, wie es scheint und Firmen und Unternehmen finden auch gefallen daran, weil man den Weg zur Arbeit und Derlei Dinge dann immerhin zur Maximierung von Profit nutzen kann. Daß alles zeigt The Zero Theorem, der noch dazu in beeindruckenden Bildern erzählt. Natürlich kann man das exzentrisch nennen und das ist es auch. Doch der Ideenreichtum und gerade die Darstellung dieser doch nicht so abstrakten Welt zeigen, daß Gilliam ein Gespür für Bilder hat. Nun könnte man der Stelle meinen, daß der Film damit schnell zum Style-over-Substance überschlägt, doch das tut er nicht. Die Antwort auf alles sein und vor allem den Sinn, die kann der Film nicht so wirklich geben. Und das wäre sicherlich auch der falsche Anspruch. Was The Zero Theorem aber zu beantworten weiß, ist daß das Leben im modernen Turbo-Kapitalismus eben nicht erfüllend ist. Und sehr vieles im Film handelt letztlich von Einsamkeit, die aber nie als solche wahrgenommen wird. Zumindest zu Beginn nicht. Leth scheint nicht unglücklich, stellt aber dadurch, daß er nicht beantwortbare Fragen stellt, eben auch die falschen Fragen. Unterdessen karikiert Gilliam gekonnt einen ebenso großen Trend, indem Leths Vorgesetzten Joby hin und wieder mal auftreten lässt. Er hingegen wirkt sehr einfältig, aber sympathisch. Nicht wirklich denkend, sondern oberflächlich am Individuum interessiert. Und damit nimmt der Film sogar die Struktur moderner Unternehmen vorweg, indem dein Chef gleichsam auch dein Freund sein soll und tatsächlich ist hier sogar zu erkennen, daß nur solche nach ganz oben kommen, die ohnehin nicht groß nachdenken, sondern einfach tun. So wie es im Kapitalismus sein sollte. Keine Fragen, keine Meinung und dann hast du es geschafft.

Die Selbstverständlichkeit von Vetternwirtschaft, die in amerikanischen Unternehmen sicherlich noch gängiger sind als hierzulande, kann der Film ebenfalls aufgreifen. Und dann ist The Zero Theorem vor allem ein wirrer Film. Nicht unbedingt konventionelles Werk, daß von Anfang bis Ende einer einfachen Frage nachgeht. Das hier ist verkopftes Kino, daß mitunter nerven kann, wenn man auf diese Art von Gedankenspielchen eben keine Lust hat. Doch allein die Bilder sind schon eine Kunst für sich und man fragt sich, ob Gilliam einen etwas von dem Zeug abgeben würde, wenn man ihn denn träfe. Daß bei all der digitalen Arbeit und dem Technizismus, die Zwischenmenschlichkeit komplett auf der Strecke bleiben, hat man zumindest in weiten Teilen während Corona gesehen. Hier will das Unternehmen diese Möglichkeit eben nutzen und es ist schon eine einsame Welt, die sich da offenbart. Melancholisch in Albernheiten. Und dennoch ist das glaubhaft, weil der Film eben eine nicht wegzudenkende Tiefe besitzt. Eben auch wunderbar zärtlich von Waltz verkörpert. Und das in diesen Kostümen, das war sicherlich nicht einfach.

In The Zero Theorem stellt Terry Gilliam das Leben im 21. Jahrhundert auf eine sehr spezielle Art und Weise dar. Damit ist es abstrakt und selbst wenn die Antwort auf alles nicht gegeben ist und man als Mensch hier eher im Kitsch sein Pflaster findet, beeindruckt der Film doch zunächst sehr stark. Er verliert sich dann ein wenig, kommt aber zum Ende hin zu einem sehr guten Schluß, der eine bittere Satire vermuten lässt.

The Zero Theorem Bewertung
Bewertung des Films
710

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