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Watchmen - Die Wächter

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„I tried my best, it wasnt much...“

Watchmen - Die Wächter Kritik

Watchmen - Die Wächter Kritik
50 Kommentare - 09.01.2021 von MB80
In dieser Userkritik verrät euch MB80, wie gut "Watchmen - Die Wächter" ist.
Watchmen - Die Wächter

Man kann über Zack Snyder und seine typischen Stilelemente bestimmt vieles sagen, aber ein unfreiwilliges (wahrscheinlich) fiel mir beim sehen von „Watchmen“ diesmal auf: Es gibt immer eine Szene, die so albern, so „turn it up to 11“ corny ist, dass man kurz den Film vergisst und einfach freudig mit kichern muss. Das war etwa die Szene in dem sehr gut ansehbaren „300“, in der Xerxes versucht Leonidas zu verführen. Das war die lächerliche Trainings-Montage in dem grenzwertig nicht-ansehbaren „Batman v Superman“. Und diesmal war es die bescheuerte „Sex im Eulenschiff“ Szene, aus deren musikalischer Untermalung ich mir den Titel für die Kritik gebastelt habe.

„Ich habe es versucht..“ ist wohl die beste Beschreibung für Snyders Versuch, Alan Moores inzwischen renommiertes Graphic Novel aus den achtzigern als Film zu adaptieren.

Trailer zu Watchmen - Die Wächter

Denn hier ist das Problem mit „Watchmen“ von 2009: es ist eine der Vorlage gegenüber außergewöhnlich gewissenhafte Verfilmung, und dadurch eine schwache Adaption und mit Sicherheit kein guter Film.

Macht keinen Sinn? Doch doch, Moment.

Kleiner Exkurs: wir vergleichen hier zwei Medien, ein Buch und einen Film. Bücher konsumieren wir für gewöhnlich über mehrere Stunden, wenn nicht Tage oder Wochen, und dasselbe gilt für so opulente Graphic Novels, die ja nicht umsonst inzwischen „Novels“ heißen. Ein Buch wird regelmäßig weggelegt, um eine Pause zu machen, weshalb eine episodenhafte Erzählstruktur unproblematisch ist oder dem Werk sogar mehr tiefe geben kann. Die Zeit muss man sich auch nehmen, denn weil wir uns nur auf das Wort verlassen müssen, muss detailliert erzählt werden. Hier ist der vielleicht größte Unterschied zum Film: so etwas wie eine Gemütsschwankung kann im Film mit einem Reaction Shot auf das Gesicht und einem kleinen Trick wie einer angespielten Melodie oder Spiel mit der Beleuchtung in zwei Sekunden vermittelt werden. Solche Tricks hat geschriebener Text nicht, da kann schon mal ein ganzer Absatz nötig sein (bei Thomas Mann wären das dann direkt vier Seiten). Aus der Not wird beim Buch aber eine Tugend, weil man eigentlich unendlich Zeit hat, kann man sich diese auch nehmen, um ganze Welten zu erbauen. Kann Film auch, indem er diese einfach zeigt, aber ich würde sagen eine ausufernde Beschreibung ist durchaus „reicher“ als ein paar Sekunden „Vistas“. Das hat Gründe, und die haben direkten Einfluss auf die Struktur von Filmen. Nicht umsonst liegen die meisten Filme immer noch in dem Rahmen 90-120 Minuten (Tendenz seit ein paar Jahren wieder steigend), weil das einfach unsere Aufmerksamkeitsspanne ist. Also muss man beim Film ein paar Dinge beachten, wie man das, was als Text auf Papier steht, visuell schlüssig und zeit-effektiv darstellt, und die Aufmerksamkeit des Zuschauers hält. Die „10 Minuten Regel“ zum Beispiel spielt hier auch eine Rolle, die besagt, dass man in den ersten 10 Minuten den Zuschauer gefangen haben muss, sonst hat der Film schon verloren. Die Kunst ist frei, und diese zu brechen ist jedermanns Recht, aber dies sind gute Daumenregeln, um sein Publikum auch zu erreichen.

Was uns zurück zu „Watchmen“ bringt... Der Film startet zumindest in meinen Augen durchaus stark, der Mord am Comedian wird als stylische Actionsequenz inszeniert, die effektiv in diesem Mysterium mündet, welches den Kern der Handlung bildet: Wer ist der Mörder, der dem Opfer offensichtlich bekannt war, und warum wurde die Tat begangen? Das ist tatsächlich ein gutes Beispiel für effektive Adaption, denn der langsame Start des Buches wurde leicht verändert, um die Aufmerksamkeit zu sichern.

Leider geht es deutlich schwächer weiter. Aus irgendeinem Grund wird die Titelsequenz des Filmes oft als eine der stärksten Szenen von Snyder gelobt, dabei ist genau diese so symptomatisch dafür, was hier schief geht. Für Kenner des Buches ist das ein nettes Kaleidoskop durch diverse Szenen, die eigentlich in verschiedenen Falschbacks erzählt oder beschrieben werden. Aber eigentlich ist es gescheitertes „Worldbuilding“, man versetze sich einfach mal in eine Person, die die Vorlage nicht kennt. Diese Szenen machen zusammen wenig Sinn, die Figuren sind fast alle unbekannt und es besteht kaum Zusammenhang. Man kann erahnen, dass man sich hier in einer alternativen Zeitlinie befindet, aber im ganzen bringen uns diese Minuten wenig.

Und damit habe ich mir auch das erste Stichword geleistet, wo der Film scheitert: das „Worldbuilding“. Dies war eine der großen Stärken der Vorlage, hier hatten wir eine komplett gefüllte, detailliert ausgedachte alternative Welt, die sorgsam mit Erinnerungen, Flashbacks, Zeitungsartikeln, Tagebucheinträgen und sogar scheinbar nicht in die Haupthandlung passenden Comicgeschichten ausgebaut war. Und hier ist auch das Problem der „Adaption“, Snyder behält diese Struktur, natürlich in geschnittener Form, einfach bei. Aber, wie oben erläutert, was als Buch funktioniert, funktioniert nicht unbedingt als Film. Und so werden wir als Zuschauer damit gestraft, dass sich diese Charaktere, oft wichtigem Bindegewebes beraubt, von einem Tableau zum nächsten hangeln. Das ist weniger ein Film, als ein „Best of“ ikonischer Bilder aus dem Buch. Aggressiv auffällig wird dies, wenn man nach 70 oder 80 Minuten, also eine Zeit, wo andere Filme schon komplett fertig oder im dritten Akt sind, auf die Uhr schaut und bemerkt, dass wir immer noch damit beschäftigt sind, nötiges Hintergrundwissen zu befüllen, sich die eigentliche Handlung aber kaum bewegt hat. Durch seine Mutlosigkeit, das Material anzupassen, macht Snyder hier einen Spagat zwischen dem „worst of both worlds“: Die Handlung bewegt sich nicht, UND die Charaktere und Welt fühlen sich seltsam unvollständig und gleichzeitig auch überladen an. Sollte man einmal in den zweifelhaften Genuss gekommen sein, David Lynchs „Dune“ gesehen zu haben, ohne das Buch zu kennen, wird die Verwirrung verstehen, die bestimmt viele hatten. Ein Grund, warum der Film an den Kassen floppte.

Sei es Mutlosigkeit, oder sklavisches Festhalten am Originalformat, bei der Adaption zum Film ist Snyder gescheitert. Leider verschlimmert er dies noch bei der Inszenierung. Die Vorlage stieß das Tor zu ernsteren Comicgeschichten auf, aber im Kern war dies nur ein Aspekt. Die ausführlich durchdachte Welt, die Noir-Mystery Handlung, die moralischen Implikationen und der Fakt, dass sich Moore so hart mit Kostümhelden ins Gericht ging, waren die eigentlichen Erfolgsfaktoren. Snyder will dies umsetzten, daran liegt kein Zweifel, nur leider scheint er die falschen Schlüsse gezogen zu haben. Auch bei Überlänge bleibt von dieser durchdachten Welt und der Handlung wenig. Von der eigentlichen Bedrohung, einer atomaren Apokalypse, bleibt bis auf eine Kubrick-Anspielung (denn Snyder schaut auch Filme yall) wenig übrig, und der zentrale Antagonist wirkt seltsam deplatziert, denn Veidt hat viel zu wenig Screentime. Ohne treibende Kraft in der Handlung wird der Film schnell zäh, um das ganze zu verschlimmern besteht Snyder aber darauf, das ganze durch Monologe und Tagebucheinträge von Rorschach of all things in die Länge zu ziehen. Und dieses Einlagen, die im Kontext des Buches vielleicht noch Sinn machten, werden hier einfach zu selbstverliebtem, pompösen Gebabbel.
Ganz bitter wird es dann allerdings bei der Inszenierung der Charaktere. Diese waren eigentlich bedauernswerte, extrem fehlerhafte Individuen, und das bleiben sie zum Teil auch in der Verfilmung. Snyder kann scheinbar aber nicht ausblenden, wie „cool“ er dieses Buch und die entsprechenden Szenen findet, und scheint auch zu dem Schluss gekommen zu sein, „dunkel“ würde „erwachsen und ernsthaft“ bedeuten. Wie dem auch sei, er inszeniert ausgerechnet die Actionszenen, die im Buch klar im Hintergrund standen, mit großem Fokus auf Style und Gore. Auffällig wird dies vor allem bei dem Kampf in der Gasse und der Rettung aus dem brennenden Hochhaus, um zwei zu nennen. Snyder glorifiziert hier durch Hochglanz und Slow-Motion, was niemals glorifiziert werden sollte. Am aggressivsten wird dieser Irrweg bei der Betrachtung von Rorschach, der zunächst wie eine 1:1 Umsetzung aussieht, den Snyder aber trotzdem für einen „Badass“ zu halten scheint. Wie dem auch sein, er konnte scheinbar seinen inneren Teenager nicht kontrollieren, und so bekommt Rorschach nicht nur die Möglichkeit, bei einer eigentlich kleineren Szene im Gefängnis den harten Hund raus hängen zu lassen, zu allem Überfluss kriegt dieser erbärmliche Charakter, der eigentlich einsam und ohne großen Aufwind krepieren sollte, ein schönes SloMo Ende serviert, komplett mit einem Nite Owl, der lamentierend auf die Knie geht. Thema verfehlt!

Ohne die Kernthemen der Handlung und ordentliche Charakterisierung ist dies fast kein Film, es ist ein Storyboard der Momente, die Snyder als „cool“ empfand, das sich eben bewegt. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass man für diese Inszenierung, nämlich einfach das meiste so zu filmen, dass es wie im Buch aussieht, auch mit einem Filmstudenten hätte auskommen können. Das zeigt sich auch daran, wie flach und pedantisch alles gefilmt ist, was nicht genau so im Buch war.

Es ist aber nicht alles mies hier, beim Casting und den Schauspieler_innen kann der Film durchaus punkten. So ist Patrick Wilson etwa ein perfekt gewählter Dan Dreiberg (Nite Owl II), und besonders Jeffrey D. Morgan und Jackie E. Haley können als Comedian und Rorschach Punkte einfahren. Leider wird dies auch fast wieder ausbalanciert, denn Malin Akerman, die Laurie Jupiter spielt, eigentlich das emotionale Herz der Handlung mit den meisten Facetten, sieht gut aus, hat aber die schauspielerische Reichweite eines Holzklotzes. Und Matthew Goode als Adrian Weidt ist purer Camp, der in seiner Überheblichkeit die subtile Unauffälligkeit der Vorlage, die sogar Selbstzweifel hatte, überhaupt nicht trifft.
Und so sehr ich die servile Inszenierung platt gewalzt habe: schlecht sieht das ganze nicht aus.

Was wir am Ende haben, ist eine oberflächliche Action-Verfilmung für die Kenner des Buches, welche diese eigentlich gleichzeitig sofort auf die Palme bringen müsste wenn man mal über die Themen des Buches nachdenkt. Aber Kenner des Buches können wenigstens die offenen Stellen mit ihrem Wissen füllen, was Nicht-Kenner nicht können. Für diese wird der Film leider ein träges Abarbeiten von Szenen bleiben, immer wieder unterbrochen mit Flashbacks und pompösen Geschwurbel. Ich sollte wohlgemerkt erwähnen, dass ich mich auf die Kinoversion beziehe, und weder den „DC“ noch den „UC“ kenne. Da diese allerdings wohl nur noch mehr Material einschieben, ohne die Struktur oder Inszenierung zu ändern, sehe ich hier kaum eine mögliche Aufwertung.

Wenn man ganz leise hinhört, kann man beim Abspann übrigens ein Kichern hören. Das ist nicht der Comedian, das ist Terry Gilliam, der aus der Vorlage eine opulent Miniserie machen wollte, und nach dem Scheitern des Projektes des Buch als unverfilmbar erklärte. Mit nur einem Versuch würde ich die These nicht als bewiesen ansehen, aber so geht das auf jeden Fall nicht.

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50 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
01.02.2021 11:59 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.123 | Reviews: 146 | Hüte: 471

Silencio:

Promising Young Woman - achtung, ganz viele Spoiler im Review --

Dünyayi Kurtaran Adam
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Silencio : : Moviejones-Fan
30.01.2021 16:48 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.872 | Reviews: 48 | Hüte: 202

Moby:

Gerne. Ich hab die Tage tatsächlich nochmal in SP reingeschaut UND noch was zum Thema gelesen, dann aber leider keine Zeit mehr gehabt, mein ausgeartetes Gezeter in eine Review zu prügeln... :p

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
30.01.2021 13:02 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.123 | Reviews: 146 | Hüte: 471

Silencio

Ich habe gestern einen anderen Film gesehen, der genau unsere Diskussion bzgl Frauen im Film aufgreift. Jetzt verstehe ich deine Argumentation auf jeden Fall besser, und muss sagen, dass es hier wie üblich um begriffliche Definitionen teilweise geht als um unterschiedliche Interpretation des Films. Ich habe vor den Film demnächst mal zu besprechen und werde dort auch den auf den ersten Blick extrem unpassenden Vergleich mit Sucker Punch vornehmen. Würde mich freuen wenn du dann dort mitdiskutierst. Den Namen des Films nenne ich ma noch nicht aber man wird schon sehen, um welchen Film s sich handelt

Dünyayi Kurtaran Adam
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MobyDick : : Moviejones-Fan
18.01.2021 18:52 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.123 | Reviews: 146 | Hüte: 471

Silencio

Diese Handlung (versuch der Wiedererlangung körperlicher und geistiger autonomität) ist nur oberflächlich, worum es in dem Film geht. Auch diese Handlungserwartung wird ja unterwandert: im Grunde genommen wird das vorherrschende System gesprengt, sie kämpft (abseits unseres Blickes), bricht Oscar Isaacs Charakter, verhilft ihrer Freundin zur Flucht, und stärkt Guginos Charakter, so dass diese das System auch nicht mehr unterstützen wird. Und ihr leises Lobotomiertwerden ist nur der letzte Schritt, denn die Art und Weise, wie sie sich ihrem Schicksal ergibt, lässt sie Hamm am Ganzen zweifeln und bringt erst den gesamten Umbruch möglich. Ihr Tod ist in diesem Sinne deutlich heroischer und auch sehr stark in Richtung "Märtyrertum" gedrängt. Ihre eigene Autonomität war nie das Ziel, als sie ihr eigentliches Ziel erreicht hat, transzendiert sie die Szenerie...

Das mag wie gesagt auf den ersten Blick nicht so wirken, und es kann sein, dass Snyder auch gar nicht meinte, was ich da reinlese, aber die Interpretationsmöglichkeiten sind frei und dafür zeigt er auch zu oft in diesem Film mit dem Stinkefinger auf jegliche Erwartungen.

Dünyayi Kurtaran Adam
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Silencio : : Moviejones-Fan
18.01.2021 12:10 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.872 | Reviews: 48 | Hüte: 202

Moby:

" Dabei sind diese Szenen aber ziemlich monoton, langweilig und bieten irgendwie überhaupt nichts, womit ich bei Stange gehalten werden könnte."

Naja, das dürfte aber keine bewusste Entscheidung gewesen sein, das sind ja die Hauptschauwerte des Filmes. Da ist Snyder eher an seiner eigenen Ästhetik (SP teilt sich ja die Hornhaut-Umbra bis Käsefuß-Gelb-Farbgebung und den sterilen Look mit "300") gescheitert.

"Soweit würde ich mich auch hier nicht aus dem Fenster lehnen, ich bin mir sicher es gibt das eine oder andere gegenwärtige Genie, die dem Film tatsächlich ebenjenes unterstellen dürften."

Die gibt es tatsächlich, es wird ja immer wieder eine kritische Ebene dazugedichtet, weil der Film am Ende als Erzählung enttarnt würde. (Was natürlich Unsinn ist, weil der Film schon ganz am Anfang mit seinem Voice Over diese Ebene aufmacht...)

"Auch hier lese ich den Film anders: Erstens ist es sehr wohl ein Heldentod, der zudem ungleich höher einzuwerten ist, da es sich hierbei um einen stillen, traurigen Protest handelt, der eben das System unterschwellig besiegt, da die Figur ja - wie sich am Ende herausstellt - gar keine eigene physische Flucht gesucht hat. Es ging darum, anderen in ähnlichen Situationen gefangenen Frauen einen Fluchtweg zu verschaffen. Ihr Opfer ist also sehr wohl von großer Geste und Wirkung, da sie ihren Körper auch mit aufgibt; zudem wird auch das bestehende System in Frage gestellt und zumindest teilweise verändert - ausgehebelt. Dazu gehört halt auch, dass Guginos Charakter stärker wird."

Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt, deswegen: ich denke schon, dass Snyder das Ende von SP auch für einen Heldentod hält.

Das Problem ist ja folgendes: der Film handelt ja ganz explizit vom Verlust der körpelichen und geistigen Autonimität und der (versuchten) Wiedererlangung dieser. Darauf kann die Antwort ja nicht... die Aufgabe der körperlichen und geistigen Autonimität sein. Das steht auch irgendwie im Widerspruch zur Frauenbewegung, die nicht leise in Hinterzimmern stattgefunden hat.

"Aber ganz ehrlich, der Film ist es mir jetzt nicht wert noch weiter zu verteidigen, dafür sind diese abstrus ausufernden Actionsetpieces einfach zu monoton, nervtötend und so bombastisch (im negativen Sinne) und auch wie immer bei Snyder derart ästhetisierned gestaltet, dass jegliche tatsächliche Message untergehen kann - q.e.d.

Nervtötender Bombast IST Snyders Message. ;) :p

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
18.01.2021 11:26 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.123 | Reviews: 146 | Hüte: 471

Silencio

Die Sühne kommt aber zum Einen erst nach zwei Stunden Eye Candy, die eben nicht so Empowering ist, wie Snyder sich das vorstellt. Das ist doch nur ein Feigenblatt, das davon ablenken soll, dass er dem Zuschauer genau das geliefert hat, was er vordergründig "kritisiert".

Nun ja, ich habe den Film etwas anders wahrgenommen: Der Zuschauer bekommt eben nicht zwei Stunden lang Eye Candy serviert, sondern immer dann wenn es darum geht, dass Eye Candy kommen soll, blendet er in diese Videospielästehetik aus, und bietet dem Zuschauer vermeintlich Eyecandy. Dabei sind diese Szenen aber ziemlich monoton, langweilig und bieten irgendwie überhaupt nichts, womit ich bei Stange gehalten werden könnte. Dann wird zurück geblendet und die geifernden Kerle feiern die Protagonistein für ihre Darbietung, etwas was uns eben vorenthalten wurde. Damit unterläuft er eben genau das, was du ihm vorwirfst, hält dem Zuschauer, und damit seinem vermeintlichen Publikum mit der total unpassenden Videospielzwischensequenz einen halbgar als Actionsetpiece getarnten Spiegel vor.

Mit der Argumentationslinie müsstest du auch "300" verteidigen, weil die Spartaner ja "nur" die Demokratie verteidigen - aber so offensichtlich wie der Faschismus da aus jedem Bild tropft, würde das auch niemand ernsthaft machen.

Soweit würde ich mich auch hier nicht aus dem Fenster lehnen, ich bin mir sicher es gibt das eine oder andere gegenwärtige Genie, die dem Film tatsächlich ebenjenes unterstellen dürften.

. Anderen steht das auch im extremen Kontrast zu dem, was Snyder seinen männlichen Figuren für Heldentode verschafft. Während da dauernd die Jesuspose ausgepackt wird (Leonidas kriegt sie zB ja auch spendiert) und die Jungs immer in einer blaze of glory draufgehen, gibt es bei "Sucker Punch" ein böser Blick, das war es. Bestehende Systeme werden da nicht angegriffen. Das ist vor allem (mir zumindest) unangenehm, weil die Lobotomie als Vergewaltigungsmetapher gelesen werden muss und die Aussage damit halt nicht unbedingt auf das beste Frauenbild hinweist...

Auch hier lese ich den Film anders: Erstens ist es sehr wohl ein Heldentod, der zudem ungleich höher einzuwerten ist, da es sich hierbei um einen stillen, traurigen Protest handelt, der eben das System unterschwellig besiegt, da die Figur ja - wie sich am Ende herausstellt - gar keine eigene physische Flucht gesucht hat. Es ging darum, anderen in ähnlichen Situationen gefangenen Frauen einen Fluchtweg zu verschaffen. Ihr Opfer ist also sehr wohl von großer Geste und Wirkung, da sie ihren Körper auch mit aufgibt; zudem wird auch das bestehende System in Frage gestellt und zumindest teilweise verändert - ausgehebelt. Dazu gehört halt auch, dass Guginos Charakter stärker wird.

Es ist natürlich einfach, den Film auch so zu lesen wie du es tust, aber ich denke auch, dass er teilweise so gelesen wurde wie du ihn liest hat auch dazu beigetragen, dass er eben ein bißchen sein vergessener Film geworden ist, zu Unrecht.

Aber ganz ehrlich, der Film ist es mir jetzt nicht wert noch weiter zu verteidigen, dafür sind diese abstrus ausufernden Actionsetpieces einfach zu monoton, nervtötend und so bombastisch (im negativen Sinne) und auch wie immer bei Snyder derart ästhetisierned gestaltet, dass jegliche tatsächliche Message untergehen kann - q.e.d. wink

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
17.01.2021 23:30 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.916 | Reviews: 35 | Hüte: 167

"Was macht das in Deinen Augen jetzt aus mir?"

Jemanden der Glück hatte, dass er den Film trotz aller Schwächen zugänglich fand? ;)

Danke fürs Lesen und den Hut.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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Asgrimm86 : : Moviejones-Fan
17.01.2021 21:41 Uhr
0
Dabei seit: 23.03.16 | Posts: 287 | Reviews: 1 | Hüte: 20

Ich kenne weder die Vorlage noch den Extended/Ultimate Cut... aber Watchmen schaue ich mindestens jährlich seitdem er im Kino gewesen ist.

Ich mag sowohl Erzählstruktur, Soundtrack und die Visualität des Films. Auch die Story spricht mich an, wirft Fragen auf und beschäftigt mich nach dem Schauen immer wieder.

Was macht das in Deinen Augen jetzt aus mir?

Nichtsdestotrotz hab ich Deine Kritik gerne gelesen. Und dafür eine schützende Kopfbedeckung.

Irre explodieren nicht, wenn das Sonnenlicht sie trifft, ganz egal, wie irre sie sind!

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
17.01.2021 17:38 Uhr | Editiert am 17.01.2021 - 17:40 Uhr
1
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.916 | Reviews: 35 | Hüte: 167

TiiN:

"Bei Watchmen gab es jedoch kein Verwirrungsgefühl sondern mir gefiel der Verlauf.
Wie Zuschauer den Film im Kino wahrnehmen ist aber sicher kein Indiz für einen Kassenflopp. Problem hier war, ähnlich wie schon Dune, dass es thematisch etwas ist, was die breite Masse nicht wirklich interessiert bzw. hervorlockt."

Warum reiten hier eigentlich alle so darauf rum, dass sie den Film auch so verstanden haben ;) Wenn ja, dann schön und gut, aber er ist trotzdem für eine Adaption mit zu viel Kram überladen, der die Handlung nicht voran bringt, und nicht gut erzählt.

Und in den beiden anderen Sätzen steckt ja auch schon die Antwort, wenn man das ganze als Film adaptieren will, und es soll fließen und nicht so wirken, als würde man nur Seiten umblättern, dann muss man halt Struktur/Szenen ändern. Ein guter Film würde auch gute Mundpropaganda bedeuten, aber die Meinung sowohl der Kritiker als auch der Fans war ja eher gespalten...

EDIT:

Wie luhp92 und TiiN würde ich das Ding mit den personalisierten Kritiken unterstützen ;)

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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TiiN : : Pirat
17.01.2021 16:57 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 6.405 | Reviews: 134 | Hüte: 378

Watchmen: 8-9 von 10
Batman v Superman: 8 von 10
300: 8 von 10
Man of Steel: 6 von 10

Den Rest habe ich noch nicht gesehen.

@MB80
Sollte man einmal in den zweifelhaften Genuss gekommen sein, David Lynchs „Dune“ gesehen zu haben, ohne das Buch zu kennen, wird die Verwirrung verstehen, die bestimmt viele hatten. Ein Grund, warum der Film an den Kassen floppte.

Ich hatte den "Genuss" Dune ohne Buchwissen gesehen zu haben und hatte genau die von dir angesprochene Verwirrung.
Bei Watchmen gab es jedoch kein Verwirrungsgefühl sondern mir gefiel der Verlauf.
Wie Zuschauer den Film im Kino wahrnehmen ist aber sicher kein Indiz für einen Kassenflopp. Problem hier war, ähnlich wie schon Dune, dass es thematisch etwas ist, was die breite Masse nicht wirklich interessiert bzw. hervorlockt.

Auch wenn ich deine Meinung nicht teile, freut es mich trotzdem, dass du hier so eine gute Diskussion losgetreten hast.

@luhp92
Mein Wunsch oder Vorschlag wäre ja, dass die MJ-Redakteure auch mal Einzelkritiken schreiben würden, dann hätte man im Forum noch eine größere Varianz. Oft ist es ja der Fall, dass die Redakteure unterschiedliche Ansichten haben und dann eine Kompromiss-Gesamtkritik geschrieben wird.

Was würde ich mir ebenfalls wünschen, hatte ich irgendwann auch mal vorgeschlagen.
Die Kritiken wirken ab und zu fadenlos. Es würde schon reichen die unterschiedlichen Bewertungen in einem Kritikertext unterzubringen. Dann braucht man keine 2-4 Kritiken tippen.

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Silencio : : Moviejones-Fan
17.01.2021 15:39 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.872 | Reviews: 48 | Hüte: 202

Moby:

"Eben diese Analyse halte ich für zu kurz gegriffen, denn seine Frauen sind eben doch diejenigen, die sich selbst retten oder sich selbst helfen, sich zu befreien. Sei es die Königin in 300, sei es eben die Lobotomie, wo ganz klar ersichtlich wird, dass es nie darum ging, dass sie sichbefreit, sondern die Freundin befreit werden muss. Hier geht es auch um Sühne für die Schuld, die sie ganz am Anfang auf sich geladen hat."

Die Sühne kommt aber zum Einen erst nach zwei Stunden Eye Candy, die eben nicht so Empowering ist, wie Snyder sich das vorstellt. Das ist doch nur ein Feigenblatt, das davon ablenken soll, dass er dem Zuschauer genau das geliefert hat, was er vordergründig "kritisiert". Mit der Argumentationslinie müsstest du auch "300" verteidigen, weil die Spartaner ja "nur" die Demokratie verteidigen - aber so offensichtlich wie der Faschismus da aus jedem Bild tropft, würde das auch niemand ernsthaft machen.

Zum Anderen steht das auch im extremen Kontrast zu dem, was Snyder seinen männlichen Figuren für Heldentode verschafft. Während da dauernd die Jesuspose ausgepackt wird (Leonidas kriegt sie zB ja auch spendiert) und die Jungs immer in einer blaze of glory draufgehen, gibt es bei "Sucker Punch" ein böser Blick, das war es. Bestehende Systeme werden da nicht angegriffen. Das ist vor allem (mir zumindest) unangenehm, weil die Lobotomie als Vergewaltigungsmetapher gelesen werden muss und die Aussage damit halt nicht unbedingt auf das beste Frauenbild hinweist...

"Und gerade weil es eben nicht so offensichtlich ist, wie er die Frauen stärkt, sondern es auf den ersten Blick immer nach Testosteron aussieht, bleibe ich natürlich bei meiner Aussage."

Naja, wenn es dauerhaft im Hintergrund passiert, könnte man auch davon ausgehen, es handelt sich eher um ein Nebenprodukt. Sonst fehlen den Filmen ja emanzipatorische oder progressive Elemente.

"Hinzu kommt, dass er ja sowohl mit Riefenstahl als auch Rand zwei weibliche "Helden" hat wink"

Ungefähr so progressiv wie der Ausruf: "More women war criminals" :p.

"Und zwar genau deshalb, weil er nicht versucht hat, das alles in zwei Stunden zu pressen und dann daran zu scheitern wie es all die Regisseure, die dann doch abgesprungen sind, vor ihm getan haben

Hm. Was heißt denn scheitern? Es gibt ja durchaus Regisseure, die gesagt haben, der Comic sei unverfilmbar (Gilliam, glaube ich...), gerade weil ihm dann die Essenz entzogen würde. Denn wenn ich "Watchmen" in ein anderes Medium übertrage, geht ihm ja die ganze selbstreferentielle Ebene verloren, die bei Snyder auch durch nichts ersetzt wird: Moore und Gibbons haben einen (Superhelden-)Comic über (Superhelden-)Comics gemacht, Snyder hat einen Superheldenfilm gedreht. Über den Superhelden im Film wird nichts gesagt, was nicht über reinste Superheldenplatitüden hinausgeht: Snyder ist auch gescheitert.

Tatsächlich denke ich auch, dass eine "richtige" Verfilmung den Comic eben NICHT sklavisch abfilmen dürfte, sondern radikale Veränderungen vornehmen müsste, um damit halt ein filmisches Äquivalent zu schaffen.

"Dass der Film eben nicht nur zu einer Randerscheinung geworden ist wie beispielsweise ein Dick Tracy, Rocketeer, der Ralph Bakshi Herr der Ringe, Ghost in the Shell usw., das rechne ich ihm außerordentlich hoch an

Die haben aber auch (fast) alle nicht den (pop-)kulturellen Stellenwert, den der Comic hat UND Fankultur hat sich in den letzten zwanzig Jahren auch noch extrem gewandelt. Halte ich für schwer vergleichbar.

"Nur noch am Rande: Es ist ja seit Jahren die Rede davon, dass ein Akira Film gedreht werden soll, da bin ich auch mal gespannt, was sie daraus machen werden"

Als erklärter Waititi-Fan bin ich recht froh, dass der das Projekt verlassen hat: hätte weder mich noch die "Akira"-Fans zufriedengestellt. Den wird aber mEn ein ähnliches Schicksal wie GitS ereifern.

Duck:

"ist Lois Lane (wohl auch der Vorlage geschultert) doch das Musterbeispiele für die "Frau in Not"

Jein. Da lassen sich Ausnahmen und Rückausnahmen für finden, generell ist Lois aber schon alleine in der Lage, aus gefährlichen Situationen herauszukommen. War ja immerhin schon vor Superman Investigativjournalistin. ;)

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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Duck-Anch-Amun : : Moviejones-Fan
16.01.2021 12:01 Uhr
0
Dabei seit: 15.04.13 | Posts: 9.197 | Reviews: 37 | Hüte: 557

Großartige und spannende Diskussion, könnte für mich noch ewig so weitergehen^^

@MobyDick
Eben diese Analyse halte ich für zu kurz gegriffen, denn seine Frauen sind eben doch diejenigen, die sich selbst retten oder sich selbst helfen, sich zu befreien.
Nur kurz, da du an anderer Stelle ja z.B. Batman v Superman gelobt hast. Genau in diesem Film (und MoS) klappt die "starke" Frau als Rolle dann aber überhaupt nicht. Davon abgesehen, dass ich die Chemie zwischen Cavill und Adams immer noch nicht passend finde, ist Lois Lane (wohl auch der Vorlage geschultert) doch das Musterbeispiele für die "Frau in Not". Gerade in BvS rennt sie von einer Falle in die Nächste und muss immer wieder gerettet werden. Da hilft es auch nix, dass Snyder ihr noch einen Detektiv-Arc andichtet.

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MobyDick : : Moviejones-Fan
15.01.2021 12:15 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.123 | Reviews: 146 | Hüte: 471

Silencio

Keine "Watchmen"-Diskussion ohne mich. :p

Natürlich .. dann wollen wir mal :-)

Ne, das ist dann ein bisschen zu kurz gegriffen: Snyder gibt seinen Frauen immer so ein bisschen den Anstrich, als seien sie stark, letztendlich sind sie es aber nicht: "Sucker Punch" endet mit einer Lobotomie, der eine ganz doil "befreiende" Geste vorausgeht. Frauen bleiben in Snyders Filmen eigentlich immer in den unterdrückenden Systemen gefangen, emanzipieren dürfen sie sich nicht, "Agency" bleibt ihnen verwehrt. Da sind seine Männer schon aus einem anderen Holz geschnitzt.

Eben diese Analyse halte ich für zu kurz gegriffen, denn seine Frauen sind eben doch diejenigen, die sich selbst retten oder sich selbst helfen, sich zu befreien. Sei es die Königin in 300, sei es eben die Lobotomie, wo ganz klar ersichtlich wird, dass es nie darum ging, dass sie sichbefreit, sondern die Freundin befreit werden muss. Hier geht es auch um Sühne für die Schuld, die sie ganz am Anfang auf sich geladen hat. Das system ist Machismo und die Frauen müssen irgendwie sich damit arrangieren und sich ihre Wege finden, da raus zu kommen. Eine Carla Cugino ist da immer diejenige, die als Negativbeispiel herhalten muss, (und würde es sich nur um ihre Person handeln, müsste ich dir auch recht geben), sei es in Watchmen oder in Sucker Punch, aber nur damit die Hauptprotagonistin ihren Weg findet.

Und gerade weil es eben nicht so offensichtlich ist, wie er die Frauen stärkt, sondern es auf den ersten Blick immer nach Testosteron aussieht, bleibe ich natürlich bei meiner Aussage.

Hinzu kommt, dass er ja sowohl mit Riefenstahl als auch Rand zwei weibliche "Helden" hat wink

Beim Rest stimme ich dir natürlich zu, auch was die Ausrichtung der beiden Werke angeht, das war im Eifer des Gefechts mit dem Endgegner lediglich eine Simplifizierung des Ganzen gewesen.

Letztlich kann ich nur sagen, dass ich den Film trotz all eurer Kritikpunkte, die ich ja auch tw teile, nur halt gnädiger mit dem Großen Ganzen bin, sehr mag, und ihn gerade in seiner Entstehungszeit eben doch für ein großes Werk halte. Und zwar genau deshalb, weil er nicht versucht hat, das alles in zwei Stunden zu pressen und dann daran zu scheitern wie es all die Regisseure, die dann doch abgesprungen sind, vor ihm getan haben. Dass der Film eben nicht nur zu einer Randerscheinung geworden ist wie beispielsweise ein Dick Tracy, Rocketeer, der Ralph Bakshi Herr der Ringe, Ghost in the Shell usw., das rechne ich ihm außerordentlich hoch an. Und da ich ja weiss,was die Grundaussgae des Comics ist, und ich auch trotz der ganzen Manierismen von Snyder auch weiss, was mir gesagt werden soll, und dass ich das alles irgendwie noch im Film sehe, ich kann den Film nicht schlecht bewerten.

Nur noch am Rande: Es ist ja seit Jahren die Rede davon, dass ein Akira Film gedreht werden soll, da bin ich auch mal gespannt, was sie daraus machen werden

Dünyayi Kurtaran Adam
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MB80 : : Cheddar Goblin
15.01.2021 09:04 Uhr | Editiert am 15.01.2021 - 09:06 Uhr
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EDIT: Finde es schön, dass in dem Streifen noch so eine tiefgreifende Diskussion drin steckt! Danke an alle Beitragenden smile

Silencio:

"Absolut richtig, eine schlechte Adaption kann ein guter Film sein, eine gute Adaption wiederum ein schlechter Film. Das Problem ist, dass "Watchmen" weder als das eine, noch als das andere funktioniert. "

Wäre meine Kritik auf RottenTomatoes, wären das die beiden Sätze zu mir in der Kritiker Leiste ;) Dann müsste ich die Sätze eben noch einbauen, aber ich denke, dass genau das meine Aussage ist, kommt in Kritik und der Diskussion hier raus.

"Ozy ist ja auch kein Kommunist, er ist ja nicht mal ein Liberaler, er ist der Übermensch im Nietzscheanischen Sinne:..."

Das er Kommie ist wollte ich auch nicht andeuten, im Gegenteil. Aber genau damit eignet er sich ja als Identifikationsfigur für einen Ayn Rand Fanboy, was erklärt, warum der so erhaben (Errrr.) gespielt wird. Wieder: Vorsicht Küchenphilosophie.

"Beim Eisenberg-Club bin ich aber absolut dabei."

Dann weißt du ja auch, wen ich da zitiert habe ... ;)

Ja, inzwischen mag ich Eisenberg sehr, auch wenn sich mir leichzeitig die Fussnägel hochrollen.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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Silencio : : Moviejones-Fan
14.01.2021 23:20 Uhr
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Keine "Watchmen"-Diskussion ohne mich. :p

Moby:

" Ich persönlich finde ihn ja einen der ehrlichsten männlichen Frauenstärker im machismogetränkten Kino, da er immer starke Frauenfiguren einbindet und da nicht mal gross aufhebens drum macht. Sein Sucker Punch (erneut der deutlich längere DC) ist da ein Paradebeispiel für ein subversives Stinkefingerzeigen in Richtung Gorehounds die knapp bekleidete Bikinitussies in Action sehen wollen. "

Ne, das ist dann ein bisschen zu kurz gegriffen: Snyder gibt seinen Frauen immer so ein bisschen den Anstrich, als seien sie stark, letztendlich sind sie es aber nicht: "Sucker Punch" endet mit einer Lobotomie, der eine ganz doil "befreiende" Geste vorausgeht. Frauen bleiben in Snyders Filmen eigentlich immer in den unterdrückenden Systemen gefangen, emanzipieren dürfen sie sich nicht, "Agency" bleibt ihnen verwehrt. Da sind seine Männer schon aus einem anderen Holz geschnitzt.

"Aber ich schweife ab. ich denke schon, dass er irgendwie versteht, worum es (auch) in Watchmen geht, aber sein ungeheurer fanboy, der das so drastisch und cool wie möglich auf Leinwand bannen möchte, zwingt ihn regelrecht dazu, eher rechts als links zu landen."

Würde der Fanboy in ihm ihn nicht zwingen, die Vorlage auch "aussagegerecht" zu verfilmen? ;)

"Die beiden Paradewerke desselben Jahrganges, welches den US-amerikanischen Superheldencomic vermeintlich erwachsen gemacht haben, sind nunmal Millers dark Knight Returns (rechts) und Watchmen (links), beides auf ihre eigene Art Dekonstruktions und Neuordnung, beides extrem einflussreich und beides auf eine gewisse Art und Weise ähnlich, insofern, dass die Helden zu Antihelden werden und eigentlichbemitleidenswerte Kreaturen sind. Nur dass es bei Miller deutlich cooler wirkt, dadurch dass er der geborene Hard Boiled Fan ist, der dem gebrochenen Helden noch einen richtigen (rechten) Kompass mitgibt. Als Comic-Fanboy kann man da schonmal was verwechseln und beides gleichsetzen. Wo ich mir ziemlich sicher bin, dass das in der Comic-Szene gang und gäbe ist. Und Snyder scheint tatsächlich auch im rechten Lager zu sein. Was ja an und für sich nicht unbedingt ganz schlecht sein muss, wenn man trotzdem auf die anderen Aspekte der Vorlage achtet."

Auch da muss ich widersprechen: Millers Batman startet allenfalls als Faschist, seine Läuterung geht mit der Ablehnung seiner früheren Methoden einher. Nicht umsonst muss ihm Ollie Queen, DCs Kommie, erst ins Gewissen reden, bevor er am Ende gewinnen kann. Dass der Bösewicht der Geschichte Ronald Reagan, mittlerweile nur noch der zweit-faschistischste Präsident der USA, ist, spricht dann auch noch mal für sich. Millers Batman ist in TDKR eher (rechts-)libertär. Über den Post-9/11 Miller breiten wir mal das Cape des Schweigens...

Dass Snyder auch TDKR verfehlt hat (auch dann, wenn man mir politisch nicht zustimmen mag), beweist BvS zur Genüge...

" Es ist also so, dass ein Film für sich genommen funktionieren muss und nicht etwa sklavisch sich a die Vorlage halten muss oder sonstwas."

Absolut richtig, eine schlechte Adaption kann ein guter Film sein, eine gute Adaption wiederum ein schlechter Film. Das Problem ist, dass "Watchmen" weder als das eine, noch als das andere funktioniert. Inhalt und Form widersprechen sich auf extreme Weise, so dass eine bestenfalls wirre Aussage rauskommt ("Heldenfiguren sind psychologisch am Ende - ABER GEWALT IST HART GEIL!"), so dass er als Film nicht guten Gewissens als gelungen bezeichnet werden kann und die inhaltlichen Abweichungen vom Comic machen ihn zu einer schlechten Adaption. Mal abgesehen davon fehlt ihm durch die Übertragung in ein anderes Medium auch die Ebene, auf der der Comic sich und seine Gattung reflektiert. Moores und Gibbons "Watchmen" ist ein (Superhelden-)Comic über (Superhelden-)Comics, Snyders Film ist ein Superheldenfilm, von mir aus auch ein moralisch ambivalenter.

"Hier dreht sich snyder wirklich im Kreis, einerseits dreht er SEIN watchmen, andererseits will er der Vorlage gerecht werden. Möglicherweise ist ihm der grauenvolle Inhalt wichtiger und dessen Einbindung als der historische Parralelwelt Subkontext?"

Absolute Zustimmung, der "Black Freighter" gehört (so) nicht in den Film. Da fehlt einfach die selbstreferentielle Ebene, die ihn im Comic nötig gemacht hat. Eine sinnvolle Einbindung hätte sich die Frage gestellt, was für ein Filmgenre die Vorherrschaft der Superheldenfilme ersetzt hätte. Das wäre VIELLEICHT der Piratenfilm gewesen (die "Karibik"-Filme fallen ja ungefähr mit den ersten Superheldenfilmen der aktuellen Welle zusammen), da hätte Snyder aber eben einen FILMISCHEN Bezug herstellen müssen.

"Zumindest ist der Directors Cut deutlich näher (auch inhaltlich subkontextuell gesehen) an den Aussagen der Vorlage."

Ne, da liegen die inhaltlichen Widersprüche nur marginal weiter auseinander. :p

MB80:

Ich meine, er ist ein Genie, er ist skrupellos, erfolgreich und setzt sich über andere hinweg, führt damit die Welt natürlich zum besseren, aber er zahlt den Hinterbliebenen seiner Opfer bestimmt kein Schmerzensgeld aus irgendeinem Fond (wie es ein dreckiger Kommunist machen würde). ;)"

Ozy ist ja auch kein Kommunist, er ist ja nicht mal ein Liberaler, er ist der Übermensch im Nietzscheanischen Sinne: radikale Selbstverwirklichung, körperlich und geistig auf einer Ebene über dem Menschen, von jedweder weltlichen Moral befreit, leitet er (vermeintlich? thats up to you) ein neues Zeitalter ein. Er ist ja auch (neben den offensichtlichen Parallelen zu Bruce Wayne) an Superman angelehnt, hat er doch eine Festung am Nordpol und stellt sich als "faster than a speeding bullet" heraus.

Snyder-Gesamtwertung:

"Dawn of the Dead": 5/10, macht nichts extrem falsch, macht auch ncihts besonders gut. Ist ganz flott inszeniert, aber halt auch nicht besonders helle, die faschistische Grundtendenz ist dem Streifen schon zu entnehmen, gerade wegen seinem (gelungenen, muss ich zugeben...) Vorspann.

"300": 6 - 7/10. Als Schlachtengemälde ganz brauchbar, mit den Jungs, ein paar Bieren und ordentlich Babyöl ein ganz unterhaltsamer Abend.

"Watchmen" 4/10. Sieht ganz nett aus, kann aber sonst nicht viel. Jackie Earl Haley gibt eine gute Performance ab (oder seine Reibeisenstimme blendet mich...)

"Man of Steel" 5/10. Wenn der Cavill Superman irgendwann mal spielen darf, macht er die Sache bestimmt ganz gut. Strukturell verkorkster Film, der zu sehr versucht, die Erzählweise von "Batman Begins" nachzuahmen, ohne dessen Fluss wirklich zu verstehen (trotz gleichem Autor...). Mal abgesehen davon ist Superman (auch Snyders) eben kein von Traumata angetriebener Typ, bei dem die Rückblendensache Sinn ergibt...

"Batman v Superman: Dawn of JustizzZzzzzz" 3/10. Wirrer Film auf allen Ebenen, selbst der gepriesene UC holt da nicht mehr viel raus, da haben die Szenen halt nur "richtige" Anfänge und Enden.

Beim Eisenberg-Club bin ich aber absolut dabei. Wenn das Snyderverse widererwartend doch weitergehen sollte, dann bitte den und Ewan MacGregors Black Mask (in meinem Herzen hat er BoP überlebt) als die Grundpfeiler der Legion of Doom.

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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