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Alien - Covenant

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My beautiful bestiary

Alien - Covenant Kritik

Alien - Covenant Kritik
15 Kommentare - 28.12.2018 von MB80
In dieser Userkritik verrät euch MB80, wie gut "Alien - Covenant" ist.
Alien - Covenant

Bewertung: 4 / 5

Alien: Covenant ist ein seltsames Biest, ähnlich wie die Organismen, um den er sich dreht, schwer zu greifen und amorph. Ein Hybrid aus hochfliegenden Science Fiction Ideen und B-Movie Horrorelementen, grandios in Szene gesetzt und in beiden Gebieten sehr selbstbewusst. Nichts davon ist besonders originell, aber um einmal ein Review eines aktuellen Metal Albums zu zitieren: Remarkably, the reinvention slays.“

Trailer zu Alien - Covenant

Der Film eröffnet mit einem kleinen Prolog, der noch vor dem Vorgängerfilm Prometheus spielt. Nach einer Minimalreferenz zu 2001 - A Space Odyssey wird das thematische Dach des Filmes in einem Dialog zwischen dem Androiden David (Michael Fassbender) und seinem Schöpfer Peter Weyland etabliert. In seinem sowohl sterilen als auch prunkvollen Büro erläutert Weyland seine Intentionen, David für das Verfolgen seiner Visionen zu benutzen, doch der Android erkennt sofort das Problem in diesem von Menschen als natürlich empfundenen Machtverhältnis, beginnt seine Überlegenheit zu fassen, und fordert Weyland heraus. Dieser schnappt ein, versucht das für ihn normale Machtgefüge wieder her zu stellen, und der Film schneidet zum Kolonieschiff „Covenant“, auf dem Weg den Planeten Origae-6 zu besiedeln. Im einführenden ersten Akt wird die Crew des Kolonieschiffes vorgestellt, vor allem die Hauptcharaktere Daniels (Katherine Waterston), durch ein Unglück unfreiwillig vertretende Kommandantin, Oram (Billy Crudup), durch das gleiche Unglück unfreiwillig Kommandant - und nicht besonders komfortabel in seiner neuen Rolle - und Walter, ein ebenfalls von Fassbender gespielter Androide, der die Mission unterstützt.
Nachdem besagtes Unglück die Moral der Truppe zerstört hat, weckt eine Alien Referenz, ich meine natürlich ein abgefangener, fragmentierter Funkspruch, das Interesse der Crew, die sich nach kurzer Abwägung entschließt, einen Blick auf den Ursprung des Signal, einen bewohnbaren Planeten, zu werfen.

Ridley Scott hatte definitiv Ambitionen mit Alien: Covenant, also vermutlich sollte ich über Themen des Filmes sprechen. Hauptthema ist, wie bei Prometheus, das Verfolgen großer Ambitionen durch die Menschheit, ewiges Leben, Leben erschaffen, oder die Kolonisierung des Weltalls. Weyland startet diese Thematik in der ersten Szene, Oram setzt sie fort. Oram erscheint anfangs wie ein schwach ausgearbeiteter Charakter, aber ich habe ihn eher als Symbol für die Fehlerhaftigkeit menschlicher Ambitionen identifiziert. Er ist klar als religiös dargestellt, sodass er seine Ziele mit einer gewissen Selbstverständlichkeit und Unantastbarkeit verfolgen darf. Zudem ist er von Selbstzweifeln zerfressen, aber durchaus gewillt, eine Machtposition, die ihm wohlgemerkt durch Zufall in den Schoß fällt, einfach zu nutzen. Er unterschätzt und legt völlig falsches Vertrauen in die Kreation der Menschheit, die er selbstverständlich als unterlegen ansieht, was zu seinem Untergang führt. Dass Oram zu Davids Opfer wird, der den Erschaffungsprozess fröhlich umdreht, ist vom Drehbuch völlig bewusst gewählt (was außerdem zu meiner lieblings-„großartigen-albernen-bedeutungsvollen-schlechten“ Szene im Film führt).

Die Diskussion am Ende des ersten Aktes zwischen Daniels und Oram dient in diesem Rahmen als Thesen-Aufstellung des Filmes. Er ist außerdem eine Art Spiegelung desselben Punktes aus Alien, in dem die simple Antwort „wir müssen da jetzt hin“ war. Daniels konfrontiert Orams ambitionierte, aber fatale Einschätzung mit ihrem vorsichtigen „wir sollten das lieber nicht riskieren“. Das ist natürlich eine Referenz auf die ältesten Science Fiction Themen seit Mary Shelleys „Frankenstein“, den der Film später auch zitiert. Und diese These wird am Ende eher boshaft beantwortet, indem die eigenen Ambitionen der Crew, und die ihrer Vordenker (Weyland), ihren Untergang besiegeln. Auch die kritische Daniels ist nicht vor diesem Makel sicher, wird ihr doch ihr zu starkes Vertrauen in die domestizierte Version von David zum Verhängnis. Ebenso findet sich die in den Alien Filmen regelmäßig mehr oder weniger subtil auftretende Thematik von sexuellem Missbrauch auch hier wieder, sowohl in dem Schicksal von Dr. Shaw als auch in einer Szene zwischen David und Daniels, in der ebenfalls angedeutet wird, dass David sich seiner Überlegenheit und seinem Verhältnis zu den Menschen gar nicht so sicher ist.

Zu den stärksten Szenen des Filmes gehören außerdem die Dialoge zwischen David und Walter im bewusst etwas loseren zweiten Akt. Die mögliche Überlegenheit künstlicher Intelligenz und ihr Verhältnis zu ihren Schöpfern werden elaboriert, am Schluss erklärt David seine Überlegenheit und offenbart sein Ziel. Walter fordert ihn heraus, indem er seine Fehlbarkeit, die der durchaus irrationale David gerne übersieht, aufdeckt. Intelligenterweise gibt der Film zu seinen Themen selten klare Antworten, sondern lässt den Zuschauer mit den möglichen Interpretationen allein, was wiederholtes Ansehen umso interessanter macht. Wie Roger Ebert in seiner Kritik zu Prometheus sagte: „Ridley Scotts "Prometheus" is a magnificent science-fiction film, all the more intriguing because it raises questions […] and doesnt have the answers. Its in the classic tradition of golden age sci-fi […]”.

Da der Name jetzt ein paarmal fiel, kurze Exkursion zu David. Einer der stärksten Punkte des Filmes ist sein voll realisierter Antagonist, der mehr als nur eine Herausforderung für die vermeintlichen Helden ist. David hat zentralen Anteil daran, warum der Film funktioniert: Er hat eine eigene Philosophie und Motivation, er ist aktiv und zentral für die Handlung, er ist stark genug um gewinnen zu können, und ist gewissermaßen der Star des Films. In dem Duell David gegen Walter liegt ein existenzieller Schrecken, der das Schicksal der Protagonisten fast nebensächlich werden lässt.
David wird zur zentralen Bedrohung des Filmes, und einige haben es dem Film übel genommen, dass die namengebenden Aliens als sein Werkzeug geschaffen werden. Ich sehe das als weniger problematisch, da man David einfach zutraut, diese Wesen zu erschaffen, sodass der Versuch der Menschen, Gott zu spielen, grausam auf sie zurückgeworfen wird (Shelleys „Frankenstein“ hatte übrigens den Untertitel „Der moderne Prometheus“). Zum anderen vergeht sich der Film auch nicht tiefer in dümmlichen „Mediclorianer“ Erklärungsversuchen, sodass ein Teil des Ursprungs weiterhin mysteriös bleibt.

Wie Ignatiy Vishnevetsky in seiner intelligenten Kritik bemerkte, ist Alien: Covenant wie eine Gothic Version der Reihe, mit vielen schwerwiegenden, finsteren Kameraeinstellungen und Tributen an den britischen Hammer Horror. An diesem Punkt ist der Xenomorph so etwas wie eine Popkultur Ikone, sodass hier wenig Überraschendes zu erwarten ist, aber der Film wartet mit (un)angenehm blutrünstigen Szenen, abstoßenden Hybriden und einem aggressiveren Alien auf, untermalt von einem hervorragenden Sounddesign, so dass auch Veteranen ein angenehmes Gruseln verspüren werden. Davids Labor und die Totenstadt sind fantastisch in Szene gesetzt, und wie in seiner ersten Inkarnation Alien, der hier reichlich referenziert wird, profitiert der Film zumindest in zweiten Akt davon, dass man die Gefahr nicht direkt greifen kann. Auf der anderen Seite zelebriert der Film ungeniert seine B-Movie Wurzeln, was in einer sexualisierten „Tod in der Dusche“ Szene klargemacht wird.

Drehbuchtechnisch ist der Film wie angesprochen thematisch angenehm dicht, was man wahrscheinlich vor allem der Zusammenarbeit mit John Logan (Skyfall) und Michael Green (Logan, Blade Runner 2049) zu verdanken hat. Auch die generelle Struktur ist völlig intakt, allerdings macht der Film im zweiten Akt die interessant-seltsame Entscheidung, die Entwicklung seine Protagonistin quasi einzufrieren, und sich voll auf die Dualität David/Walter und die Entwicklung des Antagonisten zu konzentrieren. Das ist natürlich ein Bruch mit der Struktur der Klassiker Alien und Aliens, oder mit genereller Filmstruktur, aber es ist ein durchdachter. Scott war bewusst, dass ein weiterer Film mit starker Protagonisten und Viechern im Lüftungsschacht nicht funktionieren würde, und verschob den Fokus. Leider leiden auch die restlichen Crewmitglieder unter dieser Entscheidung, viele von diesen sind eher schwach charakterisiert. Der Versuch, den Einschlag der ersten Tode dadurch effektiver zu machen, dass die Crew alle miteinander verheiratete Paare sind, ist gut gemeint, aber nicht so effektiv wie erhofft. Glücklicherweise haben die Alien Filme eine Tradition von guten Schauspielern, und auch bei Covenant schmeißen sich diese in den Ring, um diese Drehbuchschwäche zu kompensieren. Fassbender kann natürlich keiner das Wasser reichen, der mit seiner Walter/David Interpretation aber auch schwer fassbar ist. Abschließend würde ich zu der Struktur noch sagen, dass sich der zweite Akt teilweise etwas hektisch und wackelig anfühlt, und ein wenig den roten Faden gegen seine philosophischen Elemente eintauscht. So geht die Crew zum Beispiel nie wirklich aktiv Davids Geschichte auf den Grund , was allerdings wieder zu der Thematik führt, dass die Menschen die eigene Kreation als unterlegen ansehen.
Ebenfalls in dieses Gebiet fallen die manchmal etwas gestelzten Dialoge. Wenn Oram etwa nach dem offensichtlichen Verrat von David aufwacht, passt es zwar thematisch, dass er diesen fragt, woran er glaubt… Es ist halt keine sehr glaubwürdige Zeile.
Zum dritten Akt würde ich mich eher kurz fassen: Es gibt einen Twist, ein Finale, dass sowohl als Referenz als auch thematisch passt (die über Bord gehenden Terraforming-Traktoren deuten schon das Scheitern der Mission an), einen weiteren Twist, und die vollkommene Realisierung des Antagonisten, durch Wagner musikalisch schlüssig unterlegt (siehe erste Szene).

Also zusammenfassend: Alien: Covenant ist ein ambitionierter, thematisch dichter Science Fiction Horror Film, reich gespickt mit Referenzen und visuellen Anspielungen, einem großartigen Antagonisten und wunderbarer Fotographie (wir reden hier immer noch von R. Scott), die mit sattem Sound- und Musikdesign untermalt sind. Der Film enthält außerdem einige extrem gut dirigierte Szenen, wie die Einleitungssequenz, den ersten Angriff im Grasland, die Konfrontationen von David und Walter, inklusive ihrem finalen Duell, den Rückblick zur Zerstörung der Stadt der „Engineers“ sowie die Flucht vom Planeten . Das Drehbuch ist dabei sowohl die größter Stärke des Filmes (Thematik, Antagonist) als auch der Schwachpunkt (Charaktere, Struktur der Mitte), wobei die Vor- die Nachteile hier überwiegen.

Alien: Covenant ist ein deutlich negativerer Film als Prometheus, der noch einen gewissen Weltraumabenteuer-Vibe hatte. Und auch sein bitterböses Ende hat einen gewissen Alleinstellungswert. Mündete 2001 - A Space Odyssey noch in einer extravaganten, impressionistischen Geburt einer neuen Rasse, so scheint Covenants Botschaft deutlich simpler und finsterer: Es gibt dunkle, unbekannte Orte, im Geist und im All, die man lieber nicht besuchen sollte, auch wenn sie verlockend aussehen.

Alien - Covenant Bewertung
Bewertung des Films
810
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15 Kommentare
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Silencio : : Moviejones-Fan
05.01.2019 10:49 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.289 | Reviews: 45 | Hüte: 116

"Ghosts of Mars" ist auch der offensichtlichste "Well, actually it´s a Western"-Film vom Carpenter, so komplett mit Eisenbahn im Mittelpunkt der Handlung und den Geistern als Rache der Indianern an den Kolonialisten. Das lässt einen den quatschigeren Teil des Films leichter schlucken, wenn man mit Carpenter ein paar Sensibilitäten teilt. Dadurch wird der nicht gut, aber er bleibt zumindest irgendwie interessant. Und der hat Buckethead auf dem Soundtrack, das ist nicht zu verachten!

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
05.01.2019 08:20 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 528 | Reviews: 14 | Hüte: 39

ZZSnake:

“Gut ist der nicht, aber immer noch auf ne bescheuerte Weise verdammt unterhaltsam.“

Du ich habe den zu lange nicht gesehen, aber ich erinnere mich noch dass der ein ziemliches „Camp-Fest“ war... Aaaaaaaaaber, wie du sagst, er war nicht langweilig. Ich war gut unterhalten, oft durch unfreiwillige Lacher, aber ich würde ihn irgendeinem generischen Blockbuster vorziehen.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
04.01.2019 22:59 Uhr | Editiert am 04.01.2019 - 23:01 Uhr
0
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 7.677 | Reviews: 146 | Hüte: 397

Es ist tatsächlich immer nur Ghosts of Mars der gerne mal einn drüberkriegt. Dabei ist der im Grunde nur ne Russellfreie Variante eines Escape from Mars mit ein paar übernatürlichen Elementen in den Mix gestreut. Gut ist der nicht, aber immer noch auf ne bescheuerte Weise verdammt unterhaltsam.

Allerdings war ja bereits Escape from LA abseits der paar schwarzhumorigen Hollywood-Kritik-Elementen mehr ne Persiflage auf Escape from NY als ne ernsthafte Fortsetzung.

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
04.01.2019 22:52 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 528 | Reviews: 14 | Hüte: 39

Silencio:

“Fehlerhaftigkeit kann man aber cleverer darstellen. ;)“

Hey now... pass auf, ich sammle gleich ein paar Hüte ab wink

Zu Lovecraft, ja teilweise war er relativ präzise, aber halt nur relativ. Seine Ideen waren ja so grotesk dass es auch bei guter Beschreibung viel beim Leser blieb, sich das zu gestalten. Und zu dem literarischen, dass würde ich etwa so beschreiben wie du. Mir fällt da auch als erstes diese lange Rückblende aus „Mountains of madness“ ein, die ja die gesamte Historie beleuchtet. Für das Medium Film ein kompletter Alptraum, müsste man komplett umgestalten... Und ja, viele seiner Bücher geben einem das Gefühl, dass sich der Hauptcharakter in einem kalten dunklen Zimmer verschanzt und mit letzter Kraft nochmal etwas unaussprechliches schreibt, sowas ist natürlich auch schwer umzusetzen.

Zur Persönlichkeit von Lovecraft weiß ich übrigens quasi nix, das fiel mir nur grade ein als ich ein bissl über Designs sinniert habe. Wenn er wirklich prüde war, wäre das ein kurzes „Speeddating“ geworden tongue-out

„Ich höre hier nichts schlechtes über Ice Cube als pseudo-Snake Plissken!“

Ehrlich gesagt ist mir jetzt erst wieder eingefallen dass der auch dabei war... Aber ja, er machte kein gutes Bild, und der Film suckte big time laughing

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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Silencio : : Moviejones-Fan
04.01.2019 19:45 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.289 | Reviews: 45 | Hüte: 116

MB80:

Fehlerhaftigkeit kann man aber cleverer darstellen. ;)

Ja und nein, manchmal überlässt er seinen Horror der Fantasie des Leser, manchmal auch nicht. Gerade "Die Berge des Wahnsinns" nimmt sich viel Zeit, um die Shoggothen zu beschreiben, wir kriegen ein relativ genaues Bild von denen. Das meinte ich zwar damit auch (weil die Unbegreiflichkeit bzw. Unfassbarkeit des Schreckens ein wichtiger Teil ist), aber nicht nur. Mir fällt es gerade schwer das zu erklären, deswegen probiere ich das einfach mal von der Seite: Lovecraft war ja selbst passionierter Leser, der zB im Rahmen seiner genealogischen (Hobby-)Arbeit viel in dicken, alten Büchern gewälzt hat. Seine oftmals akademischen Protagonisten arbeiten genauso - das funktioniert, wenn wir selber lesen, wie sie lesen, das ist aber schrecklich uninteressant anzuschauen. Oder nimm den "Schatten über Innsmouth", der eine ewig lange Rückblende einbauen muss, die der Protagonist dann auch noch von einem Trunkenbold erzählt kriegt. Das liest sich spannend, weil wir eh schon (auf andere Art als beim Film) Fantasiearbeit leisten müssen, wäre aber filmisch absolut langweilig. Gerade dieses Teilhaben an verbotenem Wissen ist aber, was das ausmacht.

"Ich denke übrigens Giger und Lovecraft hätten sich gut verstanden..."

Ich weiß nicht, der Giger war so offen und bewusst sexuell, das hätte den ziemlich prüden Lovecraft das wahrscheinlich abgeschreckt. Er muss sich wohl, soweit ich das weiß, der sexuellen Dimension seiner schleimigen Tentakelwesen gar nicht so bewusst gewesen sein, wenn man da der landläufigen Einschätzung glauben darf. laughing

"Hast du mal „Ghosts of Mars“ gesehen? Den fand ich grenzwertig lächerlich."

Ich höre hier nichts schlechtes über Ice Cube als pseudo-Snake Plissken! :p

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
04.01.2019 17:52 Uhr | Editiert am 04.01.2019 - 18:11 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 528 | Reviews: 14 | Hüte: 39

He, bitte seriöse Filmdiskussionen hier Ladies... ;) Aber wenn einer „World of Warships“ ab und an zockt, können wir mal ne Runde drehen.

Silencio:

“Der ist ja blöder als Feldweg, wenn der Film es braucht.“

Nee nee nee... Er ist ja eigentlich gut charakterisiert, daraus entspringt ja sein Verhalten, daraus die Thematik/Symbolik. Aber klar kann man dann wieder sagen, warum jemand mit den kleinsten Tendenzen zur Instabilität stellvertretender Kommandant wird, aber naja, Menschen sind halt fehlerhaft. David würde mir zustimmen glaube ich laughing #Thema

Lovecraft... das Ding an ihm ist ja, dass er seine Kreaturen etc. nie konkret beschrieben hat, und sich aus der eigenen Fantasie der Horror zusammen gesetzt hat. Ich denke das meinst du mit Inherent Literarisch, u.a. wahrscheinlich. Und deshalb halte ich direkte Verfilmungen für sehr sehr schwierig.

Ich denke übrigens Giger und Lovecraft hätten sich gut verstanden...

Du magst also Carpenter und Bill Murray? Hmm... hatte sowas schon vermutet. So ganz leise tongue-out

Edit:

ZZSnake:

“Ich tu mich ja auch schwer damit, irgendwas von dem so richtig nicht zu mögen. “

Hast du mal „Ghosts of Mars“ gesehen? Den fand ich grenzwertig lächerlich.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
03.01.2019 22:40 Uhr
0
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 7.677 | Reviews: 146 | Hüte: 397

@ Silencio:

Schwer ist relativ - Man muss halt lernen wie der Hase läuft und sich den Bossen und anderen Gegnern anpassen können. Ich glaub im Januarsale des PS-Store ist die Game of the Year für 20€ oder so drin. Wenn man in dieser Welt eintaucht fesselt das schon enorm. Generell aber auch Dark Souls 1-3. Ist letztlich alles eine Frage des "darauf einlassen können". Mich motiviert es immer enorm Mechaniken zu lernen etc., mag aber manche Leute abschrecken.

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Silencio : : Moviejones-Fan
03.01.2019 22:35 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.289 | Reviews: 45 | Hüte: 116

ZSSnake:

Ich hab da schon von gehört und da ich seit kurzem sind PS4 hier stehen hab, werde ich da auch in nicht allzu ferner Zukunft reinschnuppern- sofern mich der Schwierigkeitsgrad als casualster casual gamer nicht abschreckt... laughing

MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
03.01.2019 22:23 Uhr
0
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 7.677 | Reviews: 146 | Hüte: 397

@ Silencio:

"ich bin Carpenter-Fan, merkt man das?"

Ich tu mich ja auch schwer damit, irgendwas von dem so richtig nicht zu mögen. Lovecraft gelesen hab ich nicht, aber von den Motiven die ich da so mitbekommen habe, scheint Bloodborne ne teilweise sehr gute Adaption zu sein. Ist aber halt n Game und kein Film.

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
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Silencio : : Moviejones-Fan
03.01.2019 22:19 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.289 | Reviews: 45 | Hüte: 116

MB80:

Was im Bezug auf Walther ja funktionieren mag (Ich hab das ehrlich gesagt nicht mehr genug im Kopf), aber im Bezug zum Captain bspw. nicht mehr. Der ist ja blöder als Feldweg, wenn der Film es braucht.

Gibt es, das ganze ist eher eine freie Adaption, die mehr in Richtung Fantasy/Action/Horror-Hybrid geht. Was der sich dabei gedacht hat, außer eben „das ist cool!“, kann ich dir beim besten Willen nicht mehr sagen. Fans hätte das nicht froh gemacht und es hätte wahrscheinlich die Schwächen von Blockbuster-GdT gehabt.

Lovecraft-Verfilmungen sind immer so ein Ding, ich denke, dass seine Geschichten inhärent literarisch sind, man sie kaum adaptieren kann, ohne sie arg zu verändern und damit eben zu verlieren, was sie ausmacht. Die besten lovecraftschen Filme sind mMn eben die, die sich ein paar Themen entleihen, ohne eine Geschichte zu verfilmen. „In The Mouth of Madness“, „Fürsten der Dunkelheit“, „Das Ding aus einer anderen Welt“ (ich bin Carpenter-Fan, merkt man das? :p) und eben „Alien“ würde ich besser nennen, als alles, was sich an Lovecraft direkt versucht hat.

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
03.01.2019 22:07 Uhr
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Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 528 | Reviews: 14 | Hüte: 39

Silencio:

Hmm, ja die Frage ist halt wie brutal die Charaktere vom normalen Weg abweichen, und ich denke, mit Ausnahme des genannten Dialogs, nicht zu stark. Wenn Walter z.B. darin versagt, bei seiner Aufklärungsmission die Ungereimtheiten zusammenzuzählen, das ist ja gleichzeitig dadurch erklärt und spielt auch in das Thema, dass er im Grunde eine beschnittene minderwertige Kopie von David ist, in den eigenen Gedanken eingeschränkt. Das funktioniert „in my Book“ eigentlich sehr gut.

Wo es sehr gut klappt ist bei Oram, aber warum ich den für einen geheimen Hauptcharakter halte habe ich ja geschrieben.

Zu Del Toro, gibt es da tatsächlich ein geleaktes Script? Denn ich habe es durch reinen Zufall quasi parallel zum Erscheinen von „Prometheus“ gelesen und war natürlich fröhlich überrascht. Eine direkte Verfilmung halte ich für quasi unmöglich..

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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Silencio : : Moviejones-Fan
03.01.2019 00:11 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.289 | Reviews: 45 | Hüte: 116

MB80:

"Das hört sich ja nach einem charmantem „schön geschrieben, aber falsch...“ an "

Hätte ich das ausdrücken wollen, hätte ich das so geschrieben. ;)

"Und da finde ich es eigentlich angenehmer wenn sich Scott auf unsere Intelligenz verlässt statt die Charaktere immer sagen zu lassen, was sie gerade tun. "

Das erwartet ja keiner. Bei "Covenant" wie bei "Prometheus" krümmt der Streifen aber zu oft, wie sich die Charaktere glaubhaft verhalten würden (was das berühmte "die sind dumm" eigentlich meint), um da etwas thematisch hinzubiegen. Normalerweise würden die Charaktere die Themen auf eine Weise ausdrücken, die sich organisch aus ihrer Zeichnung ergibt und die sie eben nicht "bricht". Gerade der von dir herangezogene Dialog ist doch genau das, was du meinst: der Charakter spricht gegen jede Vernunft die Themen des Films an. zumindest verstehe ich das gerade so.

"Ist natürlich alles falsch, der ist eigentlich eine Interpretation von „Mountains of Madness“ von Lovecraft. Del Toro ist immer noch stinkig glaube ich..."

Und wenn man Del Toros "At the Mountains of Madness"-Script kennt, ist man ganz froh über "Prometheus"... :p

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
02.01.2019 22:52 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 528 | Reviews: 14 | Hüte: 39

ZZSnake:

Merci ;)

Ja ich habe ihn inzwischen auch drei mal intus und ab dem zweiten Mal immer mehr auf die Themen geschielt. Und da der Film ziemlich viel Shit von der „Nitpicker“ Fraktion bekommt wollte ich mich mal etwas intensiver damit auseinander setzen. Hat mir zum Glück Spaß gemacht, derzeit ist der Film mein drittliebster unter den Alien Filmen, und ich denke er ist deutlich interessanter als viele Leute die ihn sehr schnell abgeschrieben haben.

Silencio:

Das hört sich ja nach einem charmantem „schön geschrieben, aber falsch...“ an wink

Zum Drehbuch gebe ich dir bedingt recht, habe ich ja zu geschrieben, aber ich würde nicht so weit gehen es als „scheitern“ zu bezeichnen. Der erste und letzte Akt sind sehr solide, der zweite mäandert etwas herum... Und auch wenn das Drehbuch nicht aus den oft sinnbildlich angesprochenen Zahnrädern besteht, es hat auch keine fatalen Löcher. Einiges ist merkwürdig (David geht nach der Geburt des Aliens erst einmal in Ruhe Flöte spielen), aber nichts davon wäre ohne eine Zeile Mono/Dialog nicht im Kontext. Und da finde ich es eigentlich angenehmer wenn sich Scott auf unsere Intelligenz verlässt statt die Charaktere immer sagen zu lassen, was sie gerade tun. Und dass David ab und an sehr irrational sein kann, hilft dabei solche „Schwächen“ in Ordnung gehen zu lassen.

Zum Thema Gothic, da hat „Covenant“ schon die Nase vorne, gerade die Darstellung der Totenstadt und Davids Quartiere sind sehr morbide und beängstigend, aber irgendwie auch wunderschön. Absolutes Alleinstellungsmerkmal ist es nicht, würdest du mir aber unter Folter abringen.

“Planet der Vampire“ steht auch noch auf meiner Liste, ich weiß das Scott damals bei „Prometheus“ schon vorgeworfen wurde, er hätte sich gar nicht an einem Prequel zu „Alien“ versucht sondern an einem Remake von PdV.

Ist natürlich alles falsch, der ist eigentlich eine Interpretation von „Mountains of Madness“ von Lovecraft. Del Toro ist immer noch stinkig glaube ich...

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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Silencio : : Moviejones-Fan
02.01.2019 11:31 Uhr
1
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.289 | Reviews: 45 | Hüte: 116

Also, im Grunde ist das eine schöne Kritik, aber:

"Ebenfalls in dieses Gebiet fallen die manchmal etwas gestelzten Dialoge."

Ich bezieh mich aber eigentlich mehr auf den nachfolgenden Spoiler: Der ist nämlcih so ein Mikrokosmos, warum das ganze einfach nicht besonders gut ist. Denn es mag zwar sein, dass der Film thematisch einiges zu bieten hat (wobei ich selbst da noch sagen müsste, dass er mehr Ambitionen als richtige Inhalte hat, aber sei es drum...), aber dafür muss er an jeder Ecke seine eigene interne Logik opfern. Die Themen fließen, bis auf ein paar Einsprengsel wie David und Walther mit ihrer Flöte, nie aus der Handlung, sondern die Handlung wird den Themen immer wieder untergeordnet, ob es gerade Sinn ergibt oder nicht, das interessiert niemanden. Und genau das ist, was das Drehbuch trotz netter Zutaten scheitern lässt.

"Wie Ignatiy Vishnevetsky in seiner intelligenten Kritik bemerkte, ist Alien: Covenant wie eine Gothic Version der Reihe, mit vielen schwerwiegenden, finsteren Kameraeinstellungen und Tributen an den britischen Hammer Horror."

Uffza: "Alien" und "Alien³" sind schon die Gothic-Versionen der Reihe, da ist kein Alleinstellungsmerkmal für "Covenant". Gerade im Bezug auf Mario Bavas "Planet der Vampire" musste Scott sich mehr als einmal anhören, er hätte sich da ausgiebig bedient. ;)

MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
02.01.2019 09:53 Uhr
1
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 7.677 | Reviews: 146 | Hüte: 397

Sehr interessant geschriebener Hybrid aus Kritik und Analyse wink

Ich stimme bei der Interpretation, soweit ich selbst darüber nachgedacht habe, zu. Alle anderen Punkte sind schlüssig erklärt und für mich absout nachvollziehbar. Ich hab den Film soweit ich mich erinnere 2 oder 3 Mal im Kino gesehen und war ebenfals sehr angetan, auch wenn meine Kritik nach dem Kinobesuch sich nicht so in Interpretationen erging, hab ich ebenfalls sehr hoch gewertet.

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
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